Cis mit *

Wir wollen den feministischen Diskurs beleben und unterschiedliche Ansätze zur Diskussion stellen. Deshalb erscheinen bei uns regelmäßig Gastbeiträge, die nicht zwangsläufig die Haltung der oder aller Störenfriedas wiedergeben, aber wichtige Impulse für die feministische Debatte geben können.

Von Elisabeth-Elstop

Vorbemerkung: Es geht hier nicht um * für diverse Personen, also nicht um * für intergeschlechtliche. In deren Selbstbezeichnungen möchte ich mich in voller Solidarität nicht einmischen.

Es geht um das *, wenn es Frauen, die weder intergeschlechtlich sind, noch sich als irgendetwas anderes sehen als Frauen, aufgezwungen wird. Es geht um das „Cis“, das uns aufgezwungen wird.

Mit „Frauen“ sind in diesem Text die Menschen gemeint, die nicht zu den „Penisgeborenen“ gehören. Der Begriff „Penisgeborene“ ist nicht gerade poetisch, aber diejenigen, die für meinesgleichen „Uterusmensch“ oder „Endosexuelle“ oder „Menstruierende“ für angemessen halten, wenn der Begriff „Cisfrau“ dann doch ein paar häufig gegebene körperliche Merkmale oder Aktivitäten nicht abdeckt, haben sicher Verständnis dafür. Dieser Text bezieht sich auf Frauen und, falls gewünscht, auf diejenigen intergeschlechtlichen Menschen, die ihr Leben von Anfang oder von sehr früher Jugend an als Frau gelebt haben und die sich von „Frau“ nicht wegdistanzieren wollen. Penisgeborene, also solche mit Penis oder Penishintergrund, sind mit diesem Begriff in diesem Text nicht gemeint. Vielleicht verstehen Einige, die jetzt noch davon abgestoßen sind, nach der Lektüre des Textes, warum nicht.

Frau* oder Cisfrau oder die Farce, sich doch Pronomen einfach auszusuchen, haben als Begriffe bzw. Praktiken vier Bedeutungen, die sich aus dem Ansatz hinter ihnen ergeben. Das * soll u.a. auf „Konzeptionierungen“ oder Selbstbezeichnungen hinweisen. Doch es geht um mehr.

Dass aus dem Körper eines Menschen, auch aus dem geschlechtlich bestimmten Körper, nicht auf Fähigkeiten oder Eigenschaften geschlossen werden kann, ist Grundverständnis im Feminismus.

Das * oder das „Cis“ drücken aus, dass sich die einzelne Frau zwar (noch) als „Frau“ bezeichnen darf, aber nur unter der Bedingung, dass es eben mehrere „Konzeptionen“ davon gibt, nur unter der Maßgabe, dass sie sich selber nicht in diesem Begriff als Norm sieht. Denn Gott und Kaiser samt Vaterland bewahret, dass diese Wesen – Frauen! – sich irgendwo als Norm setzen.

Mit * oder als „Cisfrau“ (oder den „selbst ausgesuchten“ Pronomen) bleiben mir nur diese Möglichkeiten:

  • Ich erkenne an, dass ich nicht das Recht auf Normsetzung habe, nenne mich wie gefordert und akzeptiere damit meine eigene Unterdrückung. Das ist unattraktiv.
  • Ich erkenne an, dass ich in dieser Gesellschaft als Frau erkannt werde, weil ich den gesellschaftlichen Klischees oder Erwartungen zu „Frau“ entspreche. Der Körper der Frau darf ja als Referenzpunkt nicht genannt werden, also bleiben Klischees samt sozialer Rolle, wenn ich das * oder das „cis“ akzeptiere, identifiziere ich mich mit diesen gesellschaftlichen Klischees und dieser Rolle. Das ist eine Definition, die aus jedem Akt geschlechtsspezifischer Gewalt oder Diskriminierung ein (Cis-) Privileg macht.
  • Demgegenüber wird gesagt, dass ich individuell den Begriff „Frau“ für mich ja definieren kann, wie ich will, dass ich mich ja so nennen kann, wenn, wann und wie ich will, und alle anderen auch – um den Preis der Bedeutungslosigkeit der Lautfolge <frau>. Darauf lässt sich keine politische Bewegung gründen.
  • Die vierte Möglichkeit, die mir vor allem mit dem * bleibt, ist die Distanzierung nach dem Motto, dass Manche mich für eine „Frau“ halten mögen, ich mich aber anders empfinde – ein Akt der Entsolidarisierung und Klischeezuweisung an andere.
    Auch darauf lässt sich keine Bewegung gründen.

Im besten Fall landen wir damit, was unsere Rechte als Menschen angeht, im allgemein humanitären Bereich, und dass das für Frauenrechte nicht ausreicht, hat sich die letzten 7000–10000 Jahre und auch die letzten 7–10 immer wieder gezeigt.

Im schlimmsten und im wahrscheinlicheren Fall landen wir da, wo wir die letzten 7000–10000 Jahre immer wieder hindelegiert wurden: Im sprachlosen Bereich.

Auch darauf lässt sich keine politische Bewegung gründen.

Deswegen, und da capo, da capo, da capo crescendo –

zur Wiederholung folgende Feststellungen zu unserer Gesellschaft:

Radikaler Feminismus geht davon aus,

… dass die Benachteiligung und die Unterdrückung von Frauen eine gesellschaftliche Entscheidung nach Blick auf unseren Körper ist, eine Rollenzuweisung und eine Positionsanweisung in einer hierarchischen Gesellschaft und nicht eine Folge unserer Selbstzuschreibung, und dass wir davon auch nicht durch Abschaffen der Analysekriterien und einem Verschieben von Begriffen wegkommen.

… dass die Sozialisation von Frauen, die bis in konkrete Körpererfahrungen reicht, eine andere ist als die Sozialisation anderer Personen und dass daher die ohne Penis geborenen nach wie vor das Recht auf eigene Räume haben müssen – und auf eigene Definitionen in politisch tragfähigen Begriffen, die mehr zum Ausdruck bringen als allgemein humanitäre Anliegen und etwas anderes als die Akzeptanz unserer Unterdrückung.

… dass unsere pausenlose Sozialisation als mütterliche, verständnisvolle, nährende und bescheidene Personen, als nützliche Idiotinnen, die sich um alles kümmern, außer sich selber, unserer Befreiung im Weg steht und wir daher eigene Räume nach wie vor brauchen, Räume ohne die Profitierenden der jetzigen Ordnung, deren Privilegierung in der Akzeptanz sämtlicher Forderungen uns gegenüber dokumentiert ist, unabhängig von anderen Problemen oder Diskriminierungen, denen sie ausgesetzt sind. 

… dass wir anderen keine eigenen Räume streitig machen und keine individuelle Selbstbezeichnung, aber auf unseren Räumen und Begriffen bestehen. Das bedeutet auch einen Begriff „Frau“, der nicht jede Person einschließt, die das fordert.

Die Alternative zu diesen Forderungen können wir in der Entwicklung des LFT – des Lesbenfrühlingstreffens – ablesen. Es ist die gleiche Entwicklung, die JEDER Frauenraum und jede Fraueninitiative genommen hat, die sich geöffnet hat.

Am Anfang waren nur einzelne Männer da, bei Lesben einzelne Trans, die zunächst noch vorsichtig und solidarisch waren. Einige blieben und bleiben es auch. Gleichzeitig bedeutete sowohl die Sozialisation vieler dieser Männer und Transfrauen als auch die der Frauen eine Marginalisierung, ein Zurückdrängen, ein Verschieben der Frauenthemen und entsprechender Anliegen, ein ewiges Platzmachen, ein braves Zuhören durch die Frauen.

Im nächsten Schritt waren diese Männer und sind jetzt die Transfrauen erheblich prominenter vertreten – in den Vorständen, den entscheidenden Gremien, in der Vertretung nach außen, bei Entscheidungen nach innen – sie sind nicht nur informell maßgeblich, sondern bereits formell angekommen und dominieren jetzt die gesamte Struktur des Raumes oder der Gruppe.

Im letzten Schritt ist aus einer feministischen Initiative oder einem Frauenraum mit frauenpolitischen Schwerpunkten einfach eine weitere allgemeine Initiative geworden. Sei es bei den Gewerkschaften, sei in den Parteien und sei es bei Queer. Das Mittel dazu war immer der Verlass auf unsere Sozialisation und das Einschwören auf „gemeinsame“ Ziele, die Behauptung, dass wir „gemeinsam“ doch viel stärker sind.

Trans* sind durch Übernahme und Kolonisierung des Feminismus tatsächlich stärker. Ohne Feministinnen wären sie eine winzige Splittergruppe.  Bei Konservativen, Reaktionären und Rechten hat der jetzige, aggressive Transaktivismus nichts zu holen, da diesen Leuten der Blick auf die Zusammenhänge fehlt um zu verstehen, wie sehr ihre Anliegen durch diesen Aktivismus eigentlich bedient werden. Also sichern sich Trans die Linke und die Grünen und Antifa-Gruppen. Feministinnen haben bei den Linken nur oberflächliche Freunde, mehr als Zugang zu Abtreibungen und folgenlose Ablehnung allzu offener Gewalt ist selten drin. Der Gedanke, dass es den lauten Frauen endlich an den Kragen geht, jetzt, wo es bei Gleichstellungen nicht mehr „nur“ um Frauen geht, lässt die linke Blogosphäre richtiggehend schnurren, jauchzen und frohlocken.   

Was passiert, wenn Frauen weiterhin einen Fokus auf Frauenthemen und Solidarität einfordern, konnten wir bei Michfest sehen, wir können es bei den Dykemarches sehen – eine gerne akzeptierte, weit unterstützte oder, falls die Taktiken zu sehr auffallen, geflissentlich übersehene Kampagne der Verleumdungen und der Gewalt beseitigen diese Veranstaltungen oder entstellen sie bis zur Unkenntlichkeit. Hierzulande dient der schnelle aalglatt hingeworfene Satz der „gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ als Einschüchterungstaktik. Die wirkt, auch wenn es absurd ist, wenn Bedenken zu eigenen Räumen und Sprache damit bedacht werden und noch absurder, wenn ausgerechnet denen, die sich für links halten, nicht anderes einfällt als „Feminazi“ ….

Was hier leider auch im Feminismus verwechselt wird, ist solidarisches Handeln mit Selbstaufgabe, Solidarität mit Zulassen von Übernahme bzw. Kolonisierung. Sich mit Trans* gegen die AfD zu stellen, geht auch ohne Aufgabe unserer Räume und Sprache. 

Dass unsere Solidarität immer nur eine Einbahnstraße ist, können Frauen immer dann beobachten, wenn wir nicht sehr dezidierte und laute Forderungen stellen, wenn wir nicht damit drohen, unsere Solidarität und Unterstützung von einer Berücksichtigung auch unserer Belange abhängig zu machen. Wenn wir unsere Forderungen nicht aufgeben, führt das hin- und wieder zu ermutigenden Ansätzen, Erlebnissen – die Entwicklungen, wenn wir das nicht tun, haben wir immer wieder und wieder gesehen.

13 Kommentare

  1. Felicitas Vogt-Herr

    Ein toller, scharfsinnige Text, der mir aus dem Herzen spricht! Er bewirkt ein erleichterndes Seufzen: ja, es darf endlich mal nur um mich als Frau gehen! Das ist der Grund, warum wir immer wieder auf den Leim gehen: das schlechte Gewissen, sich wichtig zu nehmen! Danke.

  2. Eveline Ratzel

    Bitte schickt diesen Artikel an die Redakteurinnen von “anschläge” in Österreich, sie diskutieren gerade, wie sie mir mitgeteilt haben, über die Sternchenfrage.
    Der Artikel trifft ins Schwarze, chapeau!, und ich frage mich, ob ich lachen oder weinen soll, wenn ich sowas wie “Feminazi” lese.
    So weit muss es allerdings gar nicht kommen. Seit etlichen Jahren mühen sich gewisse Feministinnen wie z.B. eine Soziologieprofessorin in Berlin, damit ab, ihre heillose Verlorenheit anbetrachts weltweiter feministischer Kämpfe gegen Männergewalt hinter schwer verständlichen und hässlich klingenden Wortungetümen samt Zeichensetzung zu verbergen. Schamvoll haben wir das menstruieren verborgen und die lesbische Sexualität. Diese Zeiten sind (weitgehend) vorbei, weil viele Frauen dafür gesorgt haben. Dass uns jetzt die Schamesröte aufsteigen soll, wenn wir nur Frauen sind und z.B. keinen Migrationshintergrund oder was auch immer vorweisen können, also uns schämen sollen oder Selbstkritik üben sollen wegen unserer Privilegien…Wir haben die “Kanalratten” überlebt, die Frauenbewegungen werden kopfschüttelnd die unästhetischen Sequenzlerinnen mitsamt ihrem Sternchen hinter sich lassen. sie haben keine Zeit für sowas, sie haben viel zu sagen und viel zu tun.

  3. Michaela F

    Nein, Sie liegst falch.

    So wie es mal homosexuell und normal gab, und somit das Andere das Abnorme hergeben musste, gibt es auch trans* und inter* und normal, wobei auch wieder das andere das Abnorme hergibt.

    Ich kenne auch härtere Wörter als abnorm, nicht nur abstrakt, sondern auch erlebt. nur mal am rande bemerkt

    Das erste Begriffspaar ließ sich durch homosexuell und heterosexuell auflösen, ein kleiner Kunstgriff, ein kleines Wort das auch sehr angefeindet wurde, damals, und schon waren ca. 5% der Menschheit nicht mehr abnorm. Was diese sher zu denken wussten, dann es war Teil einer Antwicklung das uns – bis auf in ca. 70 weniger entwickelten Rechtsgebilden – nicht mehr in Gefängnisse, Todeszellen oder psychiatrische kliniken bringt.

    Und somit ist cis jetzt der Versuch, das Wortpaar transsexuell und normal aufzulösen, ein Kunstgriff der Teil einer Entwicklung ist, die irgendwann auch ausserhalb Westeuropas 0,5% der menschen aus Gefängnissen, Todeszellen und psychiatrischen Kliniken heraushalten wird. Und vielleicht selbst in Westeuropa eine Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt, auf dem Wohnungsmarkt, oder bei der medizinischen Versorgung herstellen wird. Und wobei cis alle Menschen meint, die mit der genitalistischen Zuweisung ihres Geschlechts bei der Geburt einverstanden sind. Nicht nur Frauen.

    Wobei psychiatrische Kliniken in diesem Kontext schon das meint was es ist, wo Homosexualität oder Transsexualität geheilt werden soll: Elektroschocks, Umerziehung, Waterboarding, medikamentöse Ruhigstellung, Zwangsernährung…

    p.s. Was mich persönlich irritiert ist, dass o,5% der Menschen eine 100mal größere Gruppe marginalisieren soll. Das muss mir mal jemand erklären.

  4. Käsestulle

    ” wobei cis alle Menschen meint, die mit der genitalistischen Zuweisung ihres Geschlechts bei der Geburt einverstanden sind”

    Genitalien und Geschlecht werden nicht zugewiesen. Man kann mit seinem Geschlecht ebenso wenig “einverstanden” sein wie mit seiner Blutgruppe.

    Und ja, “cis” ist “ein kleiner Kunstgriff”, der das Normale, das keiner Erklärung bedürfende, mit einer solchen versehen und im Zuge dessen “Frau” und alle dazugehörigen Begriffe sinnentleeren und aneignen will.

  5. Es geht im Artikel um Machtverhältnisse, die sich nicht ändern, nur weil Sprache verändert wird, und die außerdem nicht zugunsten von Frauen gestaltet sind. Es geht um die uralte Politik und Herrschaftstechnik im Patriarchat, der Gruppe mit einem bestimmten Körper keine eigene Repräsentanz zu gestatten. Diese Politik wird fortgeführt, und das gilt auch in den Fällen, in denen sie anderen gegenüber, z.B. Intergeschlechtlichen, ebenfalls an den Tag gelegt wird. Das Auflösen des Begriffs Frau macht die nicht sichtbarer, im Gegenteil.
    Andere Vegleiche passen deswegen ohnehin nicht so gut, aber trotzdem: Die Anerkennung von homosexuell als normal wurde nicht durch die Auflösung des Begriffs heterosexuell erreicht, gerade weil Homosexuellen Differenz wichtig war und ist, der Begriff wurde als _anderer_ Begriff neben heterosexuell gestellt. Und auch wenn es im Quipsterbereich Versuche seitens Einiger aus der dominierenden Gruppe (der heterosexuellen) gibt, in die wegen der noch vorhandenen Ausgrenzung als spannend wahrgenommene “Subkultur” auszugreifen und sich da rein zu setzen, bekamen bei Homosexuellen/Heterosexuellen weder die einen noch die anderen ein * verpasst oder ein “cis” oder mussten ihre Selbstbezeichnungen für die jeweils andere Gruppe oder bisexuelle Leute “öffnen”. Es blieb beim Begriff homosexuell, nicht heteresoxexuell* oder homosexuell*. Ein Begriff von homosexuell als homosexuell*, der genau das nicht meint, der die Eigenständigkeit des Begriffs auflöst und dafür sorgt, dass er keine klare (und auch abgrenzende) Bedeutung hat, ist ein Rückschritt, die Gleichwertigkeit einer sich von anderen Sexualitäten, anderem Begehren eben unterscheidenden Sexualität wird damit aufgehoben.Der Überbegriff ist Sexualität.
    Genauso mit Trans und Inter: Der Überbegriff ist nicht “Frau”, sondern “Mensch”. Das wird nicht streitig gemacht. Intergeschlechtlichkeit ist im Artikel angesprochen, viele daraus kämpfen ja gerade um Eigenständigkeit, gleichwertige Anerkennung als etwas Anderes, um das Recht auf Herauslösung z.B. aus dem Begriff Frau. Sie wollen den Begriff Frau nicht auflösen, die wollen da raus.
    “Es gibt Trans*”…. Ja, sicher, und Feministinnen sind nicht nicht damit beschäftigt, ihnen den Begriff Trans* oder Trans zu nehmen oder da etwas umzudefinieren. Wie Intergeschlechtliche, wie Non-binäre können sie sich als Menschen definieren, wie sie wollen und sich auch Transfrau, Transfrau* oder Trans*frau nennen. Als Daseinsform. Neben oder zusätzlich zu anderen. Die sich dafür nicht umbenennen müssen. Die genauso stehen bleben können, wie Homosexuelle und Heterosexuelle.
    Das Auflösen von Frauenräumen und die Verweigerung von Selbstdefinition für Frauen, die Verweigerung des Rechts auf penisfreie Räume macht keine Trans* in egal welcher Definition sicherer, im Gegenteil. Es führt die Politik der ca 50% gegen Frauen fort, es ermutigt nur die, die Frauen immer schon so gehasst haben, dass sie sie möglichst nicht wahrnehmen wollen, jedenfalls nicht als eigenständige Wesen. Das marginalisiert. Dem nochmal eins draufzusetzen bringt nur sehr kurzfristig ein paar Triumpfe. Es ist auch keine Strategie gegen eine patriarchal dominierte Psychiatrie, die Frauen sowieso für krank hält und diejenigen Frauen, die es wagen, sich abzugrenzen und zu anderen Nein zu sagen, erst recht. Dafür zu sorgen, dass unsere Bezeichnungen keine Bedeutungen haben, macht es unmöglich, z.B. gegen eine solche Psychiatrie vorzugehen und sie zu entlarven.

  6. Der Begriff “Cisfrau” wird jetzt schon von Manchen aus dem Transaktivismus heraus abgelehnt, weil der Begriff der “Cisfrau” zwar Verzicht auf Normsetzung und Gehorsam impliziert, aber trotzdem natürlich zur Abgrenzung oder zur Unterscheidung zum Begriff Transfrau dient. Die jetzigen Vetreterinnen des Begriffs werden sich wundern, wie schnell ihnen dieser Begriff gestrichen wird, sobald sie ihn so verwenden. Denn es geht nur darum: Selbstbezeichnungen zu verhindern. Einerseits wird “Frau” ausgegrenzt (jeweils konservative Variante durch die Jahrhunderte), wobei Männer bestimmen, worin die Differenz liegt, oder zur Vervollständigung von Männer, denen die ausgegrenzten Eigenschaften jetzt fehlen, wieder vereinnahmt (jeweils progressive Variante). Die Frauen, also diejenigen, an denen das exerziert wird, haben nicht mitzureden.
    Als Gender Studies noch nicht reaktionär waren, wurden genau solche Dynamiken und Herrschaftsmethoden darin untersucht. Bitte merkt es jetzt, nicht in fünf Jahren!

  7. Ich kann mich Micheala nur anschließen. Zu Recht kritisierst du die Rollenzuweisungen, welche häufig in der Gesellschaft gemacht werden. Wenn jetzt also Penisgeborene in die Gruppe stoßen, dann sind sie vermutlich mit diesem Thema sensibilisert. Wie ist es möglich, dass Menschen mit Penishintergrund die Veranstaltung übernehmen? Diese Menschen geben doch vor gemeinsame Ziele zu verfolgen. Was ist jetzt daran schlecht? Auch sie wollen sich doch anscheiend kümmern. Du schreibst doch selbst: “Dass aus dem Körper eines Menschen, auch aus dem geschlechtlich bestimmten Körper, nicht auf Fähigkeiten oder Eigenschaften geschlossen werden kann, ist Grundverständnis im Feminismus.”

  8. Käsestulle

    “Was ist jetzt daran schlecht?”

    Die feministische Analyse besagt, Geschlecht ist Biologie. Alles darüber hinaus ist Gender, sprich: ein Machtmittel, das überwunden werden muss, weil es Frauen auf Grund ihrer Biologie diskriminiert.

    Transaktivismus analysiert nicht, sondern banalisiert. Er leugnet die Biologie, forciert das Unterdrückungsinstrument Gender und behauptet, die gesellschaftliche Rolle “Frau” wäre die angeborene Persönlichkeit. Frauen wären demnach aus biologischen / neurologischen Gründen die unterdrückte Geschlechtsklasse, ihre körperlichen und gesellschaftlichen Erfahrungen gegenstandslos.

    Zwischen “Körper haben kein Geschlecht” und “Körper sind Geschlecht” kann es keinen Kompromiss geben.

  9. Käsestulle

    Kurz:
    Zwischen “Geschlecht ist angeboren – Gender ist veränderbar” und “Gender ist angeboren – Geschlecht ist veränderbar” kann es keinen Kompromiss geben.

  10. Nur mal als Gedanke. Ich möchte keinesfalls irgendein Mortalapostel sein oder jemand, der sich über andere hinweg setzt. In sehr vielen Kommentaren auf facebook, instagram o.a. begegnen mir in der letzten zeit immer wieder Menschen, die davon sprechen, dass sie sich selbst wieder neu begegnen, erfahren, erleben. soll heißen, jeder von uns hat eine eigene, ganz individuelle, spezifische Persönlichkeit. Und die meisten Fragen, Probleme und Unstimmigkeiten haben viele von uns daher, dass sie mit sich selbst oder ein Teil davon in irgend einer Weise nicht zufrieden sind. Oder sehe ich das falsch? Das heißt für mich, erkenne dich selbst, erfahre, was im einzelnen in dir steckt, welche Fähigkeiten, Fertigkeiten, Träume, Visionen, Talente, aber auch welche Unsicherheiten, Dinge, die ich nicht so gut kann wie andere, sogenannte Schwächen, Dinge, die ich lieber andere tun lassen sollte. Und zu meiner ureigensten Persönlichkeit gehört auch das Geschlecht und alle Merkmale, die damit zu tun haben. Kann es sein, dass viele Menschen, die mit ihrem eigenen Geschlecht hadern, meisten irgendwelche tiefsitzenden Probleme oder Herausforderungen haben? sei es mit sich selbst, wahrscheinlich oftmals mit dem Umgang mit anderen Menschen, z.B. erwachsenen Verwandten? Ich meine, wo ich her komme und wie ich da aufgewachsen bin kann ich z.b. auch nicht beeinflussen oder ändern. Wenn ich in diesem Land geboren wurde, hat das natürlich einige sache, die mir vielleicht nicht gefallen, aber es hat auch entscheidende Vorteile… Und wenn jemand z.b. eine musikalische Begabung hat, kann er die nutzen oder einfach sagen, nein, das möchte ich dennoch nicht in meinem Leben ausleben. Und so ist es natürlich auch jedermanns Recht, so zu leben, wie er will, auch wenn er dann geschlechts-unspezifisch oder so aussieht. Jeder ist so wie er ist, in Ordnung, und am besten ist jeder, der mit sich zufrieden ist, der mit sich im Reinen ist. Also ich finde, wenn jemand z.b. mit seinem eigenen Geschlecht eher im Kampf ist, weil er das nicht anerkennt, ist das problematischer, als wenn er lernt, was er an sich liebt und wo in ihm vielleicht Traumatas oder tiefgreifende Probleme stecken, die eben bewirken, dass er nicht mit sich zufrieden ist.

  11. Katharina

    Danke für den Text! Das muss viel mehr verbreitet werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.