Das „F*ck you!“ der taz an Frauen

Mittelfinger

Crosspost Abolition 2014

Anlass: Berichterstattung und Kommentar in der taz zur Trennung von Terre des Femmes Deutschland und Terre des Femmes Schweiz (1).

Bei Themen wie Flüchtlingen, vielen sozialen Themen und der AfD ist die taz gut und eine notwendige Stimme in der Presselandschaft.

Bei Frauen allerdings nicht.

Zu Feminismus und besonders bei kontroversen Themen wie Prostitution oder Verschleierung sehen wir fast ausschließlich eine einseitige, uninformierte und diffamierende Berichterstattung, auch wenn es ein paar Ausnahmen gibt.

Es geht hier nicht um andere Meinungen und noch nicht einmal nur darum, wie diese Meinungen vertreten werden, und zwar in einer Art und Weise, in der ich das auch auf unserer, der abolitionistischen Seite nicht sehen möchte und bei der wir versuchen, einzugreifen. Diese grottenschlechte Art der Berichterstattung gibt es auch da, wo ich zufällig inhaltlich zustimme. Es kann nicht sein, dass sich im Bereich der Gender Studies, in den Kommunikationswissenschaften oder im Journalismus nur Frauen bewegen, die nach dem zu Urteilen, was sie uns zeigen, so wenig wissen und so wenig zu irgendeiner inhaltlichen Auseinandersetzung bereit sind, wie wir das seit Jahren bei der taz sehen, Redaktionswechsel unbeschadet: Ohne Differenzierung, ohne Recherchewillen oder vielleicht -fähigkeit, mit nichts als vorgefertigten Sprüchen und im Zweifelsfall der Nazikarte. Derart oberflächlich arbeitende Journalistinnen auszusuchen ist auch ein Kommentar dazu, wie unwichtig einer Zeitung diese Themen sind, und zeigt, dass es der taz absolut genügt, wenn regelmäßig ein paar rein assoziative Satzreihen zur Bedienung des Status Quo erscheinen. Wenn es mal einen einigermaßen guten Artikel gibt, ist er häufig genug von einem Mann.

Die taz erinnert darin an die Regierungen Kohls (Kabinett V) und Merkels mit Familienministerinnen wie Claudia Nolte oder Kristina Schröder, als Merkel die Stimmung im Land und den Antifeminismus einer bestimmten Gruppe eher jüngerer Frauen falsch interpretiert hatte, weil sie nicht bemerkt hatte, dass Antifeminismus heute anders läuft …. Frauen ohne Erfahrung und ohne wirkliches Interesse am Thema, denen gleich mal mehr als die Hälfte des Etats weggekürzt werden konnte und die nicht einen wesentlichen oder neuen Beitrag zum Thema brachten.

Besser und klarer konnte das “F… you” an Frauen nicht ausgedrückt werden. Und bei der taz sehe ich es inzwischen genau so – als “F…. you” an Frauen, die keine wirkliche Auseinandersetzung und keine Recherche zu ihren Themen wert sind.

Im Moment geht es um die Trennung von Terre des Femmes Deutschland und Terre des Femmes Schweiz. Bereits letztes Jahr tat sich die taz dadurch hevor, dass sie sich an einer diffamierenden Aktion seitens einiger Frauen beteiligte, die es nicht verkraftet hatten, dass sie die Abstimmungen auf der Mitfrauenversammlung verloren hatten und dass kein Verein verpflichtet ist, Mitglieder aufzunehmen, die ganz klar zentrale Anliegen und die Leitlinien des Vereins nicht unterstützen. (2) Zur „Kopftuchdebatte“, in Wirklichkeit eine sehr komplexe Debatte erstens um die Bewertung von Verschleierung, Zwang, Freiwilligkeit, Botschaften, Selbstbestimmung, Ausgrenzung und zweitens eine Debatte zu sinnvollen Entscheidungen bezüglich der Fälle, in denen Zwang vorliegt, werden ein paar Phrasen zur Freiwilligkeit hingesetzt, die eigentlich schon zur Textbausteinsammlung auf den Geräten der Journalistinnen gehören könnten, prêt-à-babler, one-size-fits-all, KB23 eingeben und das Programm spuckt die Phrase hin …. die tatsächliche Position anderer wird gar nicht gelesen, statt dessen wird die Nazikarte gezogen. Die wirkt ja immer. Bei Terre des Femmes sind eine Reihe von Frauen aus den betroffenen Communities, die sich Sorgen um den Backlash, um Missionierungen und um neuen Druck in ihren Communities hier und in ihren Herkunftsländern machen, und die zu Recht fordern, dass dies auch im deutschen Feminismus ein zentrales Thema wird und nicht nur Randthema eines Randthemas bleibt. Ja – Terre des Femmes muss einer Ausfransung nach rechts aktiv entgegentreten. Ja – auch die Gruppe der Frauen in Terre des Femmes kann nicht für alle Frauen in Deutschland sprechen, wie auch. Ja – das Thema Verbote muss sehr genau angeschaut werden. Aber es wäre wirklich wichtig, ihnen zuzuhören, anstatt ihre Anliegen und auch ihr Wissen zu den Communities und den Dynamiken darin mit ein paar billigen Sätzen wegzuwischen. Und dann eine eigene Entscheidung treffen und vertreten. Ohne Nazikarte. Wirklich – ist sogar möglich! Wenn es um Männer geht, z.B. schwule Männer, dann gelingt es in der taz sogar, zu diffizileren Themen wie Schwulen aus und in muslimischen Familien und Communities einen reflektierten und umsichtigen Text hinzuzulegen. Bei Frauen nicht.

In ihrem Artikel und dann dem Kommentar zu Terre des Femmes Deutschland und Terre des Femmes Schweiz geht die taz wenig überraschend in dieser Diffamierungstaktik noch einen Schritt weiter. Aus dem platten Nazivorwurf oder mindestens dem Vorwurf der AfD-Nähe wegen der Haltung seitens TDF zur Burka heraus werden einfach noch alle Prostitutionskritikerinnen und Vertreterinnen des schwedischen Ansatzes (die übrigens zum Thema Kopftuch oder Verschleierung durchaus unterschiedliche Meinungen vertreten bzw. unterschiedliche Aspekte daran zentriert wahrnehmen) ebenfalls in die Nähe der AfD gerückt. Aus den Wahlbefragungen vor der letzten Bundestagswahl wissen wir, dass die AfD einen Regulierungsansatz vertritt – Triebabfuhr für Männer und so. Und die Abolitionistinnen, mit denen wir zusammenarbeiten, sind garantiert demokratisch und mehrheitlich links von der Mitte. Aber die Nazikarte zieht halt immer – einmal Nazi gesagt und das reicht. Achja – und Hitler war auch Vegetarier. Das ist das Niveau, das für Frauen reichen muss.

Im Netz begegnet uns das öfters, aber dort gibt es ja auch keine Qualitätsstandards, so wie sie von einer Zeitung, die nicht mit der BILD verwechselt werden will, eigentlich zu erwarten wären. Wir sehen, dass die Befürworterinnen des Sexgewerbes und der „Sexarbeit“ voneinander abschreiben und immer wieder die gleichen Beleidigungen vom Stapel lassen. Es ist trotzdem heftig, wenn uns in der taz Texte begegnen, die auf einer Stufe mit undurchdachten Trollkommentaren stehen, platt übernommen aus Gruppen oder Blasen im Netz, bubbles, auch „echo chambers“ genannt, in denen sich die Beteiligten immer wieder die gleiche Meinung zurückspiegeln, sich dabei hochschaukeln, voneinander abschreiben und mangels Außensicht nicht bemerken, wie weit sie sich von einem gesellschaftlichen Konsens bereits entfernt haben.

Es ist eine Sache, ob versucht wird, uns mit Unsinn zu „Männerhasserin“ oder auch „konservativ“, „religiös“, „frigide“, „sexfeindlich“, „underfucked“ oder meinetwegen auch „haarig“ zu provozieren, als seien alle Prostitutionsgegnerinnen konservative katholische oder sonstwie christliche Frauen und als seien diese alle gleich. Solche Versuche stoßen ja auch in pseudo-feminstischen Zusammenhängen schnell an ihre Grenzen. Und ich stelle unseren Gegnerinnen nicht jeden männlichen Idioten in Rechnung, der uns da auch begegnet.

Nazi- oder AfD-Vergleiche, offenbar eine gängige Währung in diesen Blasen, sind eine andere Sache. Dummes Zeug zur privaten Lebensgestaltung von Abolitionistinnen kann leicht ignoriert werden. Diese Vergleiche sind jedoch nicht hinnehmbar diffamierend. Die Nazikarte macht eine Auseinandersetzung, macht Debatten und Diskussionen unmöglich.

Und daher ist unsere Frage an die taz, ob sie das wirklich für sinnvollen Journalismus und wirklich für einen Beitrag zum Feminismus, oder meinetwegen auch nur zu Genderfragen und sozialen Bewegungen hält. Und ob sie diesen Stil und diese Oberflächlichkeit wirklich für einen Beitrag zu egal welcher Debatte hält.

Links:
(1)

(2)
Zur Aktion in der TAZ letztes Jahr mit Verlinkung zur TAZ diesen Artikeln:

4 Kommentare

  1. Ausgezeichnet! Die taz ein jahrzehntelanges Ärgernis, die Alt-68er-Herren-Haltung, die Prostituation und Porno für Befreiuung halten, sich das nicht nehmen lassen und das mit Freude von ihren redaktionellen Nachfolgern übernommen wird, die willfährigen prekären Dämchen an der Seite.
    Bei diesem Zusammenhang würde ich gern das Wort “fuck” & Co. erwähnen. Ich benutze es nicht, es ist männlich und was einst den Liebesakt bezeichnete wird heute als extremste Abwertung benutzt, im Sinne von “fertig machen”. Wir als Feministinnen/Frauen sollten es meiden.
    Danke für obigen Artikel! Bea.

  2. Ich habe nie verstanden, warum Alle glauben, dass Links oder links der Mitte automatisch pro-Frau oder pro Feminismus sein soll. Schlimme Frauenfeinde kann man/frau auch bei den Genossen und Genossinnen verorten. Das Anliegen der Menschenrecht für Frauen liegt eindeutig über dem üblichen Links-/Rechts-Schema. Es ist auch nicht vergleichbar mit andern Diskriminierungen (Poc, Trans, Gay) wie immer wieder versucht wird. Es werden nämlich immer noch mehr Frauen getötet, weil sie Frauen sind; und das auch in sog. Friedenszeiten. Ausserdem stellen Frauen die Hälfte der Menschheit, weshalb sie eben nicht unter den “Minderheitenschutz” fallen. Ihr Recht auf menschenwürdiges unversehrtes Leben ist jedoch immer noch nicht gewährleistet. Nirgendwo.

  3. Maria Schmidt

    Danke! In diesem Sinne habe ich mich auch schon mehrmals bei der TAZ beschwert; wird als Kommentar einer Leserin manchmal abgedruckt, insgesamt aber ignoriert.
    Bitte auch – z.B. als verkürzten Leserinnenbrief – an die TAZ schicken!

  4. Die TAZ kann mit einer solchen Haltung leider nicht wirklich überraschen, da dort traditionell nur pseudo-feministisches Gedankengut a la Libertinage vertreten ist. Jeder halbwegs gebildete Mensch weiß, wie viele Frauen zum Tragen von Verschleierungen diverser Art gezwungen werden (Iran, Saudi Arabien, Afghanistan etc.). Dies ist keine kulturelle Gegebenheit wie es der Kulturrelativismus der Vorgenannten Pseudo-Feministinnen gerne darstellt, nein, es ist pures Patriarchat, so misogyn er nur sein kann. Kritik hieran mit der Nazi bzw. Rassismus-Karte totzuschlagen ist ebenso misogyn und zeugt somit auch von bodenloser Dummheit. Aber haben wir was anderes aus dieser Ecke erwartet? Nein.

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