Der Kampf gegen Prostitution: Kein Rollback, sondern Fortschritt

Hamburg St. Pauli Reeperbahn

By Moros (Own work) [GFDL or CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

In der Diskussion um Prostitution wird den GegnerInnen der Prostituton regelmäßig vorgeworfen, ihre Position sei ein “moralischer Rollback” in “konservative Werte”. Kurz gesagt: Wer Prostitution bekämpft, will anderen ihre sexuellen Freiheiten und ihren Spaß nehmen und ist ein Spießer. Prostitution als Fortschritt, als Inbegriff einer freien Gesellschaft ohne Gewalt und Ausbeutung? Wer sich anschaut, wie Prostitution organisiert ist, und von wem Gewalt, Diskriminierung und Rassismus ausgehen, der erkennt bald: Prostitution ist die Sklaverei der Gegenwart. Wer sie verteidigt, hält an Gewalt- und Ausbeutungsverhältnissen der Vergangenheit fest. Fortschritt kann es nur mit Abschaffung der Prostitution geben.

Die Entstehung der Prostitution ist eng verbunden mit der Sklaverei. Wer also hier den Begriff der “Freiheit” einbringt, dem sei ein Geschichtsbuch in die Hand gedrückt. Während wir uns aber zumindest in den sogenannten westlichen Ländern explizit von der Sklaverei verabschiedet haben – ihre Bekämpfer nannten sich übrigens auch Abolitionisten – erfährt die Prostitution in Deutschland seit dem Gesetz von 2002 eine ungekannte Renaissance. Prostitution war auch vor 2002 nicht verboten – sie galt aber als “sittenwidrig”. Diese Sittenwidrigkeit hatte ihren Ursprung tatsächlich in moralischen Ansichten, moralischen Ansichten einer patriarchalen Gesellschaft, die doch die Institution der Prostitution überhaupt erst notwendig macht. Prostitution entsteht immer da, wo Männer besonders viel Macht haben und die Gesellschaft nach ihren Interessen gestalten. Diese Interessen sind die Kontrolle der weiblichen Sexualität (die ihnen seit jeher riesige Angst einjagt) und die Kontrolle über die reproduktiven Fähigkeiten der Frauen. Dieses Interesse an den Gebärmüttern der Frauen ist ebenfalls ein Relikt aus grauer Vorzeit: In patriarchalen Gesellschaften nehmen Kinder die Namen ihrer Väter an und Familienzugehörigkeit und Erbschaft wird ebenfalls danach ausgerichtet. Daher finden wir in patriarchalen Gesellschaften einen regelrechten Fetisch um die “Blutlinie” und die Abstammung. Da es Vaterschaftstests noch nicht besonders lange gibt, galt lange der Grundsatz “Pater semper incertus est” – der Vater ist immer ungewiss. Die leibliche Mutterschaft ist unverkennbar – doch die Vaterschaft? Im Zweifelsfalle bleibt sie immer ein Geheimnis der Frau – und damit steigt die Gefahr, dass eventuell ein Kuckuckskind aufgezogen werden könnte. Das einzige Mittel, um das zu verhindern, ist Frauen wegzusperren, sprachlich und institutionell zu unterdrücken und ihre Sexualität zu verteufeln. Damit stehen Männer aber vor einem neuen Problem: Sie selbst wollen ihre eigene Sexualität natürlich nicht unterdrücken, sondern sie, entsprechend ihrer Machtposition am liebsten maximal ausleben. Das können sie nur, wenn es neben ihren Ehefrauen und Müttern, die rein reproduktive Aufgaben übernehmen, auch Frauen gibt, die für alle sexuell verfügbar sind – oder zumindest als das gelten. Denn wer eine “Hure” ist, das bestimmen nicht die Frauen selbst, sondern die Männer. Zu den “Huren” gehören nicht nur die, die wirklich von der Prostitution leben – sondern auch Frauen, die zu viele sexuelle Partner haben oder sich sonstwie abweichend verhalten. Das erfüllt gleich mehrere Zwecke: Da die “Huren” – und zwar sowohl die echten Prostituierten als auch alle anderen Frauen jenseits von Ehe und Mutterschaft, so sehr mit gesellschaftlicher Geringschätzung bedacht werden, fürchten sich alle Frauen davor, mit ihnen in einen Topf geworfen zu werden – und verhalten sich so, wie es das Patriarchat von ihnen erwartet – zurückhaltend, fürsorglich und so weiter. Um sich selbst vor der Abwertung zu schützen, übernehmen sie die Zweiteilung in “Hure” und “Heilige” gleich selbst – und beschimpfen andere Frauen als “Schlampen” oder “Flittchen”. Jede von uns hat Beschimpfungen dieser Art schon einmal gehört, auf dem Schulhof, in der Bahn oder sonstwo. Eine Frau als “Hure” zu beschimpfen, ist eine wirkungsvolle Art und Weise, sie zu isolieren und zum Schweigen zu bringen.

Wo Patriarchat und Kapitalismus zusammenspielen, da wird eben auch Ausbeutung anders organisiert – in Deutschland hat man nämlich festgestellt, wie viel Geld sich mit Prostitution verdienen lässt, und da wollte der Staat natürlich mitverdienen. An der Lage der Frauen hat sich wenig geändert – das räumen die VerteidigerInnen sogar selbst ein – und fordern, eine weitere Liberalisierung. Das Prostitutionsgesetz von 2002 hat zu Großbordellen, Flatrate-Sex und Gang-Bang-Parties, zu offenem Frauenhass in Freierforen und einem Anstieg von Gewalt gegen Prostituerte geführt, ebenso wie dem Dunkelfeld des Menschenhandels. Eine erneute Liberalisierung, also die Abschaffung der wenigen Beschränkungen, die es noch gibt, wie dem Zuhälter- und dem Menschenhandelsparagrafen, wie es die VerteidigerInnen fordern, würde der ungehinderten Ausbeutung jeden Riegel nehmen. Wo das hinführt, das zeigt ein Blick zurück in den Kapitalismus am Anfang des 18. Jahrhunderts. Der Kapitalismus schützt die, an deren Arbeitskraft er sich bereichert, nicht, vor allem, wenn es es jederzeit verfügbaren Nachschub gibt, es liegt in seinem Wesen, die Ausbeutung zu maximieren, weil das maximalen Profit bedeutet. Die Abschaffung der Sklaverei wurde gegen die Interessen des Kapitalismus durchgesetzt. Wo dem Kapitalismus patriarchale Institutionen im Weg stehen, werden sie abgeschafft – deshalb dürfen Frauen arbeiten. Wenn es dann wieder zu wenig Arbeit gibt, wird schnell wieder die Ansicht gepusht, Frauen gehörten hinter den Herd. So arbeiten Kapitalismus und Patriarchat seit Jahrhunderten perfekt zusammen. Auch die Institution der Prostitution wurde vom Kapitalismus offenbar als nützlich erkannt – und daher legalisiert und nach neoliberalen Gesetzmäßigkeiten durchstrukturiert: Kaum Schutz und Rechte für die Prostituierten, dafür maximale Gewinnmöglichkeiten für die Ausbeuter. Freiheit und Selbstbestimmung der Prostituierten kommen darin gar nicht vor – es geht ja gerade darum, sie einer der hinterhältigsten Formen von Gewalt auszuliefern: Existenzieller Angst und Armut. Das sind die Waffen, mit denen Menschen im Kapitalismus gefügig gemacht werden.

Die gesellschaftliche Abwertung von “Huren” wird zu Recht als Stigma bezeichnet. Das ist auch der Grund, warum sich ab den 70er Jahren Linke und Feministinnen mit Prostituierten solidarisierten – um sie in die Mitte der Gesellschaft zu holen und das Stigma zu beenden. Doch diese Versuche sind ohne Erfolg geblieben. Auch wenn Prostitution heute ein legaler Job mit Steuererklärung und so weiter ist – Prostituierte werden nach wie vor abgewertet und die Beschimpfung “Hure” ist geblieben. Bleibt die Frage: Wer stigmatisiert Prostituierte denn? Die VerteidigerInnen der Prostitution behaupten, das seien die Feministinnen und die Konservativen. Wer sich aber umschaut in Deutschland und all die Äußerungen zu Prostitution aus lauter verschiedenen Ecken betrachtet, der wird bald feststellen, dass nur eine einzige Gruppe diese Frauen öffentlich beschimpft und erniedrigt: Freier, also genau jene Männer, die es als eine sexuelle Freiheit verstehen, Prostituierte besuchen zu können. Weder die CDU/CSU (als Inbegriff des Konservativen) noch die Radikalfeministinnen (die per se eine fortschrittliche Gesellschaft anstreben) bezeichnen diese Frauen öffentlich als “Nutten”, als “Junkiehuren” und so weiter. Es sind die Männer, die Freier, die das tun. Akif Pirincci hat der ehemaligen Prostituierten Tanja Rahm eine entsprechende Hassorgie entgegengeschleudert, als sie sich wagte, mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen, begleitet von einer ganzen Truppe von Antifeministen und Frauenhassern, die ihren Dreck gegen Tanja und andere Frauen ungehindert ins Web stellen konnten und dafür viel Beifall von – welche Überraschung – anderen Männern bekamen. Es sind die Freierforen, in denen der Frauenhass ungehindert ausgelebt wird – Prostituierte sind für diese Männer keine Menschen, sondern Objekte, die sie sich für 20 Euro kaufen und nach Herzenslust benutzen können. Hier findet, trotz über zwölf Jahren legaler Prostitution, kein Handel auf Augenhöhe statt, in dem sich die beiden Handelspartner gegenseitig mit Respekt betrachten. Oder hat einer von uns schon einmal eine Ebay-Bewertung geschrieben, in der nur die Käuferseite die Verkäufer beschimpft? So jemand würde in allen anderen Bereichen von eben jenem Handel ausgeschlossen werden – nicht aber in der Prostitution. Denn eigentlich wissen auch alle, dass das, was die Männer wirklich anmacht, eben jene nur in der Prostitution erlaubte Erniedrigung von Frauen in jeder Hinsicht ist. Für 20 Euro kaufen sie keinen Sex – sie kaufen das Recht, sich wie Schweine benehmen zu können (ohne jenen klugen und liebenswerten Tieren zu nahe treten zu wollen), sie kaufen das Recht, all das mit Frauen machen zu können, was ihnen dieser nervige Feminismus und die Gleichberechtigung genommen hat. Viele von ihnen äußern sich auch in anderen Zusammenhängen explizit frauenfeindlich. Feministinnen sind ihre beliebten Hassobjekte. Nun sollen also gerade Feministinnen, die sich mit diesen Männern schon seit Jahrzehnten, seit Jahrhunderten herumschlagen, und im Kampf gegen das Patriarchat gerade eine Schlappe nach der anderen hinnehmen müssen, gerade dieser Freiersprache bemächtigen, um andere Frauen, nämlich jene in der Prostitution zu diskriminieren? Da liegt offensichtlich ein Fehler vor. Niemand, von Alice Schwarzer bis zu linken Abolitionistinnen, diskriminiert diese Frauen – ihnen gilt die Solidarität, denn sie sind ein Teil der patriarchalen Ausbeutung, unter der wir alle leiden. Keine der ProstitutionsgegnerInnen tituliert die Frauen in den oben aufgezählten Beschimpfungen – das machen einzig die Männer, die diese Frauen ausnutzen.

Es gab eine Liberalisierung der Prostitution. Das Stigma ist geblieben, es hat sich sogar noch verschärft, weil sich rassistische Tendenzen verstärkt haben – die “Romahuren”, die “Türkennutten” und die “Thaimuschis”. Das ist kein Wunder, denn weil Deutschland sich so erfolgreich im wirtschaftlichen Wettbewerb gegen seine europäischen “Partner” durchgesetzt hat, gibt es in anderen Ländern keine Jobs, was wiederum den Rassismus gegen Menschen aus diesen Ländern verschärft hat, weil diese natürlich im reichen Deutschland auf Jobsuche gehen. Rassismus und Sexismus sind entscheidende Kräfte des Kapitalismus, um Solidarität zwischen denen, die unter ihm leiden zu verhindern – in der Prostitution arbeiten sie auf verheerende Weise zusammen. Die Diskriminierung der Roma hat sich durch die Krise europaweit verschärft – ihnen wird wegen diesem Rassismus der Zugang zum regulären Arbeitsmarkt verwehrt. Sie sind von Armut, Ausgrenzung und Pogromen betroffen – dann ist es doch (Zynismus an) geradezu ein Ausdruck an Menschenfreundlichkeit, dass wir ihnen in Deutschland zumindest die legale Prostitution anbieten können, in der sie sich von uns ausbeuten lassen können – von uns und unserem Staat, der an den Steuern mitverdient (Zynismus aus). Auch die osteuropäischen Länder haben vom Glanz des neuen Europas nur wenig mitbekommen, dafür sind sie ein Nachschubreservoir an billigen Körpern geworden, die hier in den Bordellen verramscht werden können – wenn sie dann nicht mehr brauchbar sind und kaputt an Seele und Körper, werden sie in eben jene Länder zurückgeschickt. Dass die Freier die Frauen mit rassistischen Äußerungen bedenken, liegt daran, dass viele von ihnen, ja die meisten, totale Spießbürger sind. Sie regen sich dann in den Foren darüber auf, dass es auf den Rotlichtmeilen zu viele Ausländer gibt – an der sexuellen Ausbeutung der Frauen aus dem gleichen Ausland beteiligen sie sich jedoch rege. Aus diesem Grund fordern Abolitionistinnen, dass den Menschen, die hierher kommen und in der Prostitution landen, eine Lebensgrundlage und eine Perspektive geboten werden muss. Der Armutsdruck dieser Menschen führt dazu, dass Freier zu Dumpingpreisen alles Mögliche fordern können, während die Bordell- und Hotelbesitzer fleißig mitverdienen. Das bedeutet, dass mit der Prostitution sehr oft noch nicht einmal das eigene existenzielle Überleben gesichert werden kann. Wie diese Form der Ausbeutung funktioniert, kann man sehr deutlich an den bulgarischen und rumänischen männlichen Prostituierten sehen – die in den allermeisten Fällen heterosexuell sind. Die Ausübung ihrer “Strichertätigkeit” kann ihnen also keine Freude machen, sondern bedeutet ein permanentes Entfremden vom eigenen Körper. Sie alle geben an, dass sie sich Hoffnungen auf einen Job im Baugewerbe oder in der Gastronomie gemacht haben – doch dauerhaft landen sie in der Prostitution. An Zynismus nicht zu überbieten ist die Argumentation, dass sie mit den Überweisungen in ihre Heimatländer “Entwicklungshilfe” leisten – was von Prostitutionsverteidigerinnen ganz offen erklärt wird. Der existenzielle Zwang, dem diese Menschen ausgesetzt sind, der sie dazu bringt, ihre Körper unter den oben beschriebenen Bedingungen zu verkaufen, wird so zu einer Freiheit erklärt, von der alle profitieren. Dass er die Leben dieser Menschen zerstört, darüber möchte niemand sprechen. Wenn es aber keine legale Prostitution mehr gibt, dann ist auch diese Art der Ausbeutung dieser Menschen nicht mehr legal – der Sexkauf ist verboten. Das muss selbstverständlich begleitet werden von entsprechenden Maßnahmen, die Alternativen bereithalten. Rassismus und Ausbeutung aufgrund von Herkunft sind ein Rückfall in ganz finstere Zeiten – und beides wird in der Prostitution unablässig praktiziert.

Wenn man also die negativen Begleiterscheinungen der Prostitution betrachtet, die Stigmatisierung, die rassistisch konnotierte Ausbeutung, die sexuelle Gewalt, die Menschen in der Prostitution erleben, dann wird klar, dass das alles von den Freiern ausgeht bzw. von den Menschen, die Prostitution organisieren – die wiederum, oh Wunder, meistens Männer sind. Das Ausmaß der Gewalt in der Prostitution ist erschreckend: Zwischen 40 und 80 Prozent der Frauen werden im Jahr bis zu zehnmal von Zuhältern und Freiern vergewaltigt. Bei einer Befragung erklärten 88 Prozent der Frauen außerdem, von verbalem Missbrauch wie Beschimpfungen durch Freier betroffen zu sein. Das erklärt das hohe Maß an psychischen Erkrankungen bei Menschen in der Prostitution: Untersuchungen in Deutschland zeigen 65 % mit erhöhten Dissoziationswerten (Dissoziation ist die Abspaltung von Psyche und Körper, um Unangenehmes nicht mehr wahrnehmen zu müssen, eine wie oben beschrieben, Grundvoraussetzung, um Prostitution überhaupt ausüben zu können), 59 % Posttraumatische Belastungsstörung, 50 % Symptome der Depression, 33 % Angstanfälle / Panikattacken, 25 % Selbstmordgedanken, 15 % Selbstverletzungsabsichten. Weiter finden sich sehr häufig Waschzwang (was am Ekel vor den Freiern liegt, mit dem der eigene Körper geteilt werden muss) und zwei Drittel der Frauen beschreiben sexuelle Dysfunktion und die Unfähigkeit zu intimen Beziehungen (Körper wie auf Arbeit). Diese Zahlen belegen: Die sexuelle Freiheit der Freier wird auf Kosten der Gesundheit der sich prostituierenden Menschen ausgelebt – das sexuelle Empfinden, die Gesundheit der Menschen, die sie in der Prostitution bedienen, wird dadurch zerstört. Wer aber übt diese Gewalt gegen die Frauen aus? Freier, Zuhälter und Menschenhändler, also all jene, die davon profitieren, dass Prostitution legal ist. Es sind die Freier, die ständig nach Verkehr ohne Kondom fragen – 45 % der Frauen berichten, dass Freier beim Bestehen auf Kondomgebrauch gewalttätig wurden.

Gewalt, Rassismus, Diskriminierung von und gegen Prostituierte wird von Männern ausgeübt. Wie in einem schlechten Krimi müssen wir uns nur fragen: Qui bono? Wer profitiert von der Prostitution? Nicht die Menschen in der Prostitution, sondern einzig die Freier, die Zuhälter und die Bordellbesitzer. Wer ihnen das Handwerk legen will, muss sie kriminalisieren, für ihr menschenverachtendes Geschäft, für ihr Freizeitvergnügen. Wenn wir als Gesellschaft zusammenleben wollen – und zwar friedlich zusammenleben wollen, dann muss jeder von uns von seinen eigenen Interessen zugunsten der Allgemeinheit Abstand nehmen. Ansonsten ist ein Zusammenleben nicht möglich. Solange es ein Armutsgefälle gibt, solange es zu wenig Arbeitsplätze und Existenznot gibt, wird es Menschen geben, die in der Prostitution eine Lösung sehen. Es ist an der Allgemeinheit, ihnen, ebenso wie Drogenschmuggel verboten ist, zu zeigen, dass dies keine legale Alternative ist und jenen, die diese Entscheidung ausnutzen wollen, ein deutliches Signal zu geben, dass dies nicht erlaubt ist.

Prostitution ist ein Relikt aus der Vergangenheit. Ihre Existenz ist ein Ausdruck dessen, dass es uns bis heute nicht gelungen ist, die sexuelle Ausbeutung der Frauen, den Rassismus in unserer Mitte zu beenden, dass wir bereit sind, sexuelle Gewalt zu akzeptieren. Fortschritt kann nur in einer Abschaffung dieser Verhältnisse bestehen. Schweden und Norwegen, in denen es das Sexkaufverbot bereits gibt, sind in vielerlei Aspekten fortschrittlich. Deutsche Arbeitnehmer würden sich umschauen, wenn sie wüssten, wie groß die soziale Absicherung in diesen Ländern ist. Das soziale Netz ist sehr viel enger – das ist auch der Grund, warum es dort schon vor der Einführung des Sexkaufverbots nur wenige Prostituierte gab. Wo es wenig Armut gibt, gibt es kaum Gründe, sich zu prostituieren. Dieser Zusammenhang zeigt, dass die Freiheit, die sexuelle Selbstbestimmung, die von ProstitutionsverteidigerInnen immer angeführt wird, einzig die Freiheit der Männer ist, ihre Sexualität rücksichtslos auf Kosten anderer auszuleben. Die Armut der Menschen in der Prostitution ist das Mittel, um sie zum Sex mit den Freiern zu zwingen – so wie unsere Abhängigkeit von Lohnarbeit das Mittel ist, um uns zum Arbeiten zu zwingen. Wir allerdings müssen uns dabei nicht in Körperöffnungen penetrieren und der permanenten Gefahr von sexueller Gewalt aussetzen. Es gibt einen Zusammenhang zwischen legaler Prostitution und Vergewaltigungen – was nicht weiter verwundert – wer Menschen mit Geld zum Sex zwingt, wendet eben auch Gewalt an, wenn es nicht anders geht. Die Abschaffung der Prostitution bedeutet, Männern zu zeigen, dass Frauen nicht allzeit verfügbare Sexobjekte für ihre Missbrauchfantasien sind. Dass wir es ablehnen, Hure oder Heilige zu sein, Mütter oder Nutten. Dass es Sex nur mit unserer expliziten Zustimmung und Beteiligung unserer eigenen Lust gibt. Prostitution ist nicht fortschrittlich. Sie hat nichts mit einer sexuell befreiten Gesellschaft zu tun, nichts mit dem Kampf um sexuelle Freiheiten. Die sexuelle Freiheit, um die es hier geht, ist die Freiheit von Männern, Frauen benutzen zu können. Wer sich damit gemein macht, ist ein Frauenfeind, jemand, der die jahrhundertelange Unterdrückung der Frauen aufrecht erhalten möchte und nach kapitalistischen Gesetzen auch noch Profit daraus schlagen will. Prostitution ist die Sklaverei der Gegenwart. Machen wir einen Schritt in die Zukunft und schaffen wir sie ab.

 

2 Kommentare

  1. Interessant ist, dass in den 1970er Jahren den Feministinnen, die gegen die Sexwelle, Pornografisierung und Prostitution protestiert haben, die gleichen Vorwürfe gemacht wurden: Sie seien rückschrittlich und verklemmt.

    Der Text zeigt zudem sehr gut die Verlogenheit und die Doppelmoral der ach so fortschrittlichen Feministinnen, die gerne etwas von Antikapitalismus und Intersektionalität labern.

  2. Das schöne an der Prostitution ist, dass nicht nur die menschliche Arbeitskraft zu Ware wird, sondern die Frau selber ist die Ware. Der Kapitalist (=Zuhälter) braucht also noch nicht einmal mehr Maschinen bereitstellen, denn das Arbeitswerkzeug liegt zwischen den Beinen der Arbeiterin. Man muss nur aufpassen, dass das Arbeitswerkzeug der Frau wund wird und deren Seele daran zerbricht. Ohne Skrupel und Moral wird dann das menschliches Elend in Osteuropa ausgenutzt. Der grausamste Kapitalist wird gewinnen. Es ist schwer verständlich, warum ausgerechnet die linken Männer so sehr auf Prostitution stehen (da ist der Verstand wohl in die Hose gerutscht).

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