Der Traum von Freiheit: “10 unbekümmerte Anarchistinnen”

Es geht ihnen nicht schlecht, den 10 Frauen aus dem Schweizer Jura. Die Uhrenindustrie boomt, der Schnee ist weiß und Milch gibt es eigentlich immer. Doch als 1872 der Anarchistenkongress in ihrer Heimatstadt Saint-Imier tagt und sie Bakunins Reden lauschen, regt sich in den Frauen im Alter zwischen 10 und 31 ein Freiheitsdrang, der nicht mehr zu zähmen ist. Hinaus in die Welt möchten sie frei sein, ohne Herrschaft und fassen einen mutigen Plan: Sie wandern nach Patagonien aus. Ihre einzige Versicherung sind die Uhrenzwiebeln, die sie mitnehmen. Zwei von ihnen reisen voraus, wollen ihre Liebe zueinander frei lieben und finden einen gewaltsamen Tod.

Die übrigen acht lassen sich nicht beirren und folgen ihrem  Traum, auch wenn eine weitere auf der rauen Überfahrt stirbt. Sie nehmen es pragmatisch:

Du hättest es verdient, Patagonien zu sehen. In Gedanken nehmen wir dich mit.

Mitten in der Wildnis Patagoniens errichten sie Holzhäuser und eröffnen eine Uhrmacherwerkstatt und eine Bäckerei. Sie lieben, arbeiten, streiten und lassen sich in ihrem Traum von Freiheit nicht beirren.

Da wir nicht an das Ende der Welt gekommen waren, um Gemüse zu putzen oder Dienstmädchen zu spielen und nur die Hälfte zu verdienen, waren wir bereit, wie Männer zu arbeiten, vorausgesetzt, es brachte uns genauso viel ein.

Nach 10 Jahren verlassen sie Chile, beteiligen sich kurz an einem anarchistischen Experiment, aber als dort nur noch über die richtige Ideologie gestritten wird, ziehen sie weiter, gründen in Bueno Aires eine Frauenzeitschrift und überqueren den Rio de la Plata.

Daniel de Roulet zeichnet in “10 unbekümmerte Anarchistinnen”, erschienen im Limmat Verlag, die wahre Geschichte der mutigen Schweizer Frauen anhand originaler Dokumente nach und verpackt sie in eine Art humorigen Reisebericht, der sich kurzweilig liest. Beim Lesen stellte ich mir vor, welche Wucht die Abenteuer der 10 Frauen erst in einem Roman entfalten würden. Daniel de Roulets Buch ist ein mit viel Liebe zu seinen Protagonistinnen geschaffenes Zeugnis von der unbändigen Freiheitsliebe 10 Frauen, denen ihre eigene Zeit nur wenig zu bieten hatte.

 

3 Kommentare

  1. Ich werde das Buch bestellen. Der Artikel tönt mitmachen und gleichzeitig traurig. Wohin Frau auch geht, das Patriarchat war schon vorher da und hat die “Regeln” festgelegt. Links- oder Rechts, hier- oder da, Schweiz oder Uruguay, das Patriarchat ist schon da. Erinnert mich an das Buch “Die Heimatlosigkeit der Frau” von Christa Mulack. Anderseits, …. was gibt es anderes als zu suchen und weiterzumachen. In der Tat, Abenteuerlust und Freiheit sind hohe Güter.

  2. “mitmachen”? Falsche Korrektur! Mut machend, sollte es eigentlich heissen, ……, sorry, ist die automatische Korrektur eigentlich “männlich”?

  3. Yvonne,machst Du oft genug Sicherheits-Updates? Habe festgestellt,wenn ich das regelmäßig mache,dreh ich der verrückt machenden Autokorrektur (Männer!) den Saft ab. Ich glaube,sie lässt sich auch ganz abstellen,das hab ich noch nicht rausgekriegt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.