Der Zuhälterstaat und die Sexindustrie – Kat Banyard: Pimp State

Buchcover "Pimp State" von Kate Banyard

Die Zahlen zur Sexindustrie sind erschreckend: 50 Prozent der Frauen landen bereits vor ihrem 18. Geburtstag in der Prostitution, über 50 Prozent werden von Freiern vergewaltigt und fast alle haben Missbrachserfahrungen und/oder sind drogenabhängig. Pornos werden immer gewalttätiger und extremer. Prostitution ist sexuelle Gewalt, Porno ist – und der Anteil steigt – zu großen Teilen gefilmte sexuelle Gewalt. Trotzdem wächst die Sexindustrie in jedem Jahr, verschleißt rücksichtslos tausende von jungen Frauen weltweit und erfreut sich einer zunehmenden “Akzeptanz” in der Mitte der Gesellschaft. Wie ist das möglich? Genau dieser Frage geht die britische Feministin und Wissenschaftlerin Kat Banyard in ihrem Buch “Pimp State: Sex, Money and the Future of Equality” nach, das bereits im Juni 2016 bei Faber & Faber erschien und leider bislang noch nicht in deutscher Übersetzung vorliegt. Trotzdem gilt es bereits jetzt als Status Quo Grundlagenwerk für alle, die sich mit den Zusammenhängen der Sexindustrie beschäftigen.

Kat Banyard beschäftigt sich mit 6 gesellschaftlichen Mythen, die sich hartnäckig in den Köpfen der Gesellschaft halten und das Wachstum der Sexindustrie erst ermöglichen: Der angeblich unauslöschliche Bedarf an Porno und Prostitution, die Behauptung, Prostitution sei “ganz normale Arbeit”, Porno nur Fantasie, wer der Sexindustrie widerspricht, ist prüde, nur Dekriminalisierung macht die Sexindustrie für die Frauen sicherer und dass Widerstand gegen die Sexindustrie zwecklos sei. Umfassend und fundiert recherchiert setzt sie Zahlen, Untersuchungen und persönliche Beobachtungen, wie etwa bei Sabine Constabel und dem La Strada in Stuttgart in Verbindung und zeigt so schonungslos die hässliche Wahrheit hinter der angeblich so befreiten und selbstbestimmten Welt der Prostitution und des Pornos. Sprachlich brilliant und immer punktgenau weist sie auf die Misstände und Dynamiken hin, die den Motor der Sexindustrie weltweit am laufen halten, von den Konsumenten über die Organisatoren bis zu den ausgebeuteten Frauen und den Gesetzen, die diese Industrie ermöglichen, einschließlich der globalen PR-Kampagnen. Ihre Untersuchungen zeigt, dass eine Welt, in der Sexkauf normal ist, keine geschlechtlicher Gleichberechtigung sein kann:

“The global sex trade is built on the assertation that it is irrelevant whether the desire to have sex is utual, as long as he pays, and she feels sufficiently compelled to take the money. The money isn’t coincidense; it’s coercion. How we respond to the core message of the sex trade speaks volumes about the how seriously societ takes violence against all women.” (Kate Banyard: Pimp State, 9)

Ein Must-Read für alle, die sich schon länger mit der Sexindustrie beschäftigen,, aber auch für alle, die zum ersten Mal mehr über die HIntergründe erfahren möchten. Es ist zu hoffen, dass das Buch auch bald in deutscher Übersetzung erhältlich ist.

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