Die berühmten Frauen der französischen Revolution

Buchcover: Die berühmten Frauen der französischen Revolution

Emma Adler: Die berühmten Frauen der französischen Revolution, Mandelbaum Verlag, 2014

Der Mandelbaum-Verlag hat es sich zur Aufgabe gemacht, feministische Klassiker und Literatur von Frauen mit Schwerpunkt Europa neu aufzulegen. Emma Adler schrieb ihr Buch “Die berühmten Frauen der französischen Revolution” bereits 1906, es wurde nur ein einziges Mal aufgelegt. Nun hat es der Mandelbaum-Verlag in seiner Reihe kritik&utopie neu aufgelegt, versehen mit einem fantastischen Vorwort von Eva Gerber.

Dies Buch gilt all den Frauen der großen französischen Revolution. Nicht jenen allein, die den einzelnen Abschnitten des Buches ihren Namen geben; sondern all denen, die der große Augenblick, die gesteigerte Spannkraft allen Lebens zu Heldinnen machte, deren Taten unbeachtet blieben, weil sie für selbstverständlich galten.

schrieb Emma Adler 1906.

Es ist ein Buch über mutige Frauen, Frauen, die mutig an der Seite ihrer Männer für die Revolution kämpften, die sich wie Rose Bouillion, heimlich eine Uniform besorgten, um an der Seite ihres Mannes in den Krieg zu ziehen, Frauen, die an die Revolution glaubten und ganz selbstverständlich für sie kämpften. Doch es sollte nicht zu ihrem Vorteil sein: Die Französische Revolution war eine Revolution von Männern für Männer – die Taten der Frauen gerieten alsbald in Vergessenheit, nicht wenige von ihnen landeten im Gefängnis und verloren ihren Kopf. Ihre Geschichten verschwanden im Dunkel der Geschichte, weil die Männer, die diese Geschichte schrieben, sie nicht für erwähnenswert hielten.

Da ist Théroigne de Méricourt, die allen Sitzungen der Nationalversammlung beiwohnte, und den “Klub der Menschenrechte” gründete. Sie verfasste Petitionen und hielt Ansprachen und wurde bald berühmt im revolutionären Paris. Doch ihre Berühmtheit wurde ihr zum Verhängnis. 1792 verbündete sie sich mit den Jakobinern, 1793 wurde sie auf offener Straße überfallen und misshandelt, so dass sie kurz darauf den Verstand verlor und in der Folge die letzten 25 Jahre ihres Lebens in einer geschlossenen Anstalt verbringen musste. Das Buch beschreibt auch die Geschichte von Charlotte Corday, die den verhassten Minister Jean-Paul Marat ermordetete und dafür selbst den Tod durch das Revolutionstribunal fand. Madame Roland, die 1794, ihr Todesurteil erwartend, im Gefängnis ihre Memoiren aufschrieb und Lucille Desmoulins, die sich vom revolutionären Eifer ihres jungen Mannes inspirieren ließ, eines Studienkollegen Robespierres, der sich vehement gegen das Morden im Namen der Revolution un das Wüten des Revolutionstribunals wehrte und dafür hingerichtet wurde und natürlich die unvergleichliche Olympe de Gouges, die im 1793 durch Robespierres Hass den Tod durch die Guillotine fand, weil sie sich mit zu großer Leidenschaft für die Rechte der Frauen einsetzte, ja sogar eine neue Form der Erklärung der Menschenrechte verlangte, die die Frauen explizit miteinschloss. Für sie stand fest, dass es nur dann Freiheit und Menschenrechte geben konnte, wenn sie für alle galten – insbesondere die Frauen. Sie war eine Vorreiterin der Frauenbewegung, die noch rund fünfzig Jahre brauchen würde, um an Fahrt aufzunehmen, sie gründete politische Frauenvereine und hielt flammende Reden.

Die Frau ist frei geboren und von Rechts wegen dem Manne gleich. Das Ziel jeder gesetzgebenden Gemeinschaft  ist der Schutz der natürlichen und unwandelbaren Rechte beider Geschlechter.

schrieb sie in ihrer Broschüre “Die Rechte der Frau” und nahm damit die Forderungen der Frauenbewegung vorweg.  Sie war eine Visionärin, die in der Revolution die Möglichkeit sah, mit allem Elend ein Ende zu machen, sogar mit dem zum Tode verurteilten König Louis XVI empfand sie noch Mitleid, sie empörte sich über das machtgierige Toben der Revolution und forderte in ihren Schmähschriften ihre Gegner sogar zu Duellen auf.

Rose Lacombe findet ihren Platz in diesem Buch, die mit erhobenem Säbel und roter Mütze zum Symbol der Frauen der französischen Revolution wurde, und viele andere.
Emma Adlers Buch ist, trotz seiner zum Teil antiquierten Sprache, ein historisches Lesevergnügen, das ein anderes Licht auf die Französische Revolution wirft und den Frauen, die an ihr mitwirkten, ein Denkmal setzt.

Das Buch ist erhältlich bei Fembooks.

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