Die dunkle Seite meiner Sexualität – BDSM und ich: Geschichte einer Aussteigerin

Der erste Mann, der in mich eindrang, war mein Vergewaltiger. Es war in einem heißen Sommer irgendwann in den 90ern, und er wollte nicht nur Sex mit mir, er wollte mich zerstören. Als ich begriff, was er, der ältere Bruder eines Mitschülers, in den ich heimlich verliebt war, im Begriff war, mir anzutun, zog ich mich in einen Bereich tief in meinem Inneren zurück, der sicher vor ihm war. Ich war nicht sein erstes Opfer. Er kannte die Überlebensstrategien. Er fand Wege, zu diesem Ort vorzudringen und seine Spuren auf meiner Seele zu hinterlassen. Seither lebe ich mit ihnen, den Spuren, den sichtbaren und den unsichtbaren.

Auf eine Zeit der völligen, inneren Erstarrung folgte eine der Selbstzerstörung. Drogen, Selbstverletzung und Hunger. Ein Mittel meiner Selbstbestrafung war Sex. Ich hasste Sex. Ich hasste Männer. Was ich wollte, war nicht Befriedigung, es war das Gefühl, Kontrolle zu haben. Nichts, was ein Mann mir jemals antun konnte, sollte mich je wieder überraschen können. Ich wollte vorbereitet sein. Jemand wie ich, eine 17jährige mit frischen Schnitten auf den Unterarmen, trägt eine Art Leuchtreklame über ihrem Kopf. Unzählige Male wurde versucht, mir erneut Gewalt anzutun. Mein Lehrer, mein Chef, Fremde, Freunde, Väter von Freundinnen. Ich war Freiwild, als Opfer markiert und zu nichts anderem gut. Ich verachtete die Männer und hatte trotzdem Sex mit ihnen. Ich fand, wenn sie mit mir schliefen, sei das ein Ausdruck dessen, wie verachtenswert sie waren. Mein Selbstwertgefühl war irgendwo bei Null. Dieser Sex war nie liebevoll und oft gewalttätig. Immer wieder holte mich meine Vergewaltigung ein, nirgendwo war ich vor den Erinnerungen sicher.

Mit 19 kam ich in eine Therapie. Man verpasste mir den Stempel Borderline – und ich traf andere Borderline Frauen. Sie erzählten mir von den Missbrauchsbeziehungen, in denen sie steckten, sie erzählten mir aber auch, dass BDSM ein Weg für sie war, ihren Drang zur Selbstverletzung auszuleben. “Wenn er mir weh tut, muss ich es nicht tun. Außerdem fühlt es sich so an, als hätte ich jetzt wenigstens die Kontrolle darüber, wer mir weh tut.” Ich erkannte, dass ich das Gleiche tat – ohne zu wissen, was BDSM war.

Meine Vergewaltigung war mein Makel. Ich war beschädigt. Als ich meinem ersten Freund davon erzählte, bekam er einen Ständer. Mein nächster Freund erregte sich daran, Sex mit mir zu haben, nachdem ich mich geritzt hatte. Das frische Blut faszinierte ihn. Und trotzdem überlebte ich, überlebte ein Teil meiner Sexualität. Als ich meinen ersten Orgasmus mit einem Mann hatte, war ich schon über 20. Es war mitten in einer sehr gewaltvollen Szene. Wir hatten uns gestritten und als ich die Wohnung verlassen wollte, hielt er mir eine Waffe an den Kopf und vergewaltigte mich. Was zählt das schon bei einer, die so kaputt war wie ich? Doch mein Körper war wegen des Streits und meiner Angst so voll mit Adrenalin, dass der Sex wie ein Rausch war. Ich hasste und verabscheute ihn so sehr für das, was er mir antat und trotzdem bestätigte er ja nur, was ich von mir selbst dachte. Ohne es zu wollen, erregte mich das – bis zu einem bis dato nicht erlebten Orgasmus. Etwas in mir spürte, dass in der Sexualität vielleicht ein Weg zu meiner Heilung liegen konnte, wenn ich sie endlich von all der Scham und dem Schmerz befreien konnte, der sie seit meiner Vergewaltigung begleitete.

Unser Gehirn ist ein seltsamer Ort. All die Jahre der Selbstverletzung und des gewalttätigen Sex hatten mich verändert. Ich empfinde keinen Schmerz wie ihn andere Menschen empfinden. Schmerz entspannt mich. Schmerz erregt mich. Selbst wenn der Schmerz nicht durch eine andere Person, sondern zum Beispiel durch einen Wespenstich ausgelöst wird. Mein Gehirn, meine Sexualität, meine Persönlichkeit sind korrumpiert. Das kann man nicht wegtherapieren, nicht wegheilen. Ich beschloss, die Kontrolle zu übernehmen. Ich meldete mich in Foren an und ging auf SM Parties. Ich traf Doms. Einige von ihnen waren traurige Gestalten Marke Büroangestellter. Andere waren Männer, die nichts anderes kannten als Hardcore Pornos und sie nachspielten.  Wieder andere waren echte Sadisten. Letztere lernte ich sehr schnell zu erkennen – und zu meiden. Ihnen geht es nicht um Lust. Ihnen geht es um Hass. Die Bürangestellten langweilten mich in ihrer Traurigkeit, also hielt ich mich an die Pornofreaks. Ich las. Ich lernte. Ich beobachtete. Einige von meinen Partnern hatten viel Erfahrung. In ihrer Dominanz mir gegenüber lag für mich eine unglaubliche Freiheit. Ich brauchte ihre Körper, die Schmerzen, die sie mir zufügten, um meine eigene Sexualität zu erreichen, um Befriedigung zu bekommen. Sie waren keine schlechten Männer, keine Vergewaltiger. Ihre Sexualität war ebenfalls korrumpiert, wenn auch anders als meine eigene. Pornos hatten dafür gesorgt, dass sie echter Zärtlichkeit nichts abgewinnen konnten, sie brauchten das Gefühl, einen anderen zu dominieren und zu verletzen, jahrelanger Pornokonsum hatte sie dazu gemacht. Wir waren perfekt füreinander. Ich, die Überlebende sexueller Gewalt, sie, die Pornomänner.

Mein Verhalten wurde immer extremer. Ich nahm an Tunnelsessions teil. Ich hielt Dinge aus, die rückblickend nicht nur dumm, sondern auch lebensgefährlich waren. Aber ich genoss sie. In den Sessions hatte ich die Kontrolle. Ich bestimmte, wie weit wir gingen. Ich lenkte, ich inszenierte. Nie zuvor in meinem Leben habe ich mich so stark und machtvoll gefühlt wie zu jener Zeit. Ich verstand etwas über Männer, dass ich eigentlich schon seit meiner Vergewaltigung wusste. Was ich damals nicht verstand, war, dass das nichts mit der männlichen Natur zu tun hat, dafür aber mit dem Patriarchat.

Ich traf die Männer online. Ich traf keine Sicherheitsmaßnahmen – was hätten sie schon tun können, das ich nicht ohnehin schon erlebt oder sogar herbeigeführt hatte? Das war ein gefährliches Spiel – doch ich fühlte mich so unfassbar lebendig dabei. Ich traf spannende Menschen, kluge Menschen, Menschen, die aus der bürgerlichen Normalität ausbrechen wollten, die Freiheit suchten, so wie ich. Nicht alle, die lieber den Sub-Part, den unterwürfigen Teil, einnehmen wollten, waren Opfer sexueller Gewalt. Doch sehr viele waren es. Andere hatten häusliche oder emotionale Gewalt erlebt. Ich sprach mit ihnen. Ich war neugierig. Ich wollte es verstehen. Aus ganz vielen Geschichten sprach eine große Verlorenheit. Ich hatte das Gefühl, dass mich etwas mit ihnen verband, dass ich hier nicht länger Opfer, sondern Teil einer Szene war, einer Szene mit geheimen Codes, die bei anderen Menschen Faszination und Schrecken auslöste. Ich fühlte mich gut. Ich fühlte mich sogar sicher.

Bis zu jener einen Nacht, die mich beinahe mein Leben gekostet hätte. Ich unterschätzte den Mann, auf den ich mich einließ, ich hielt ihn für jung und naiv, doch er war das Gegenteil. Einem Zufall ist es zu verdanken, dass ich aus dieser Situation zwar mit Blessuren, aber immerhin lebendig herauskam. Auf BDSM Portalen tummeln sich eben nicht nur Liebhaber “extremer” Sexualität, sondern auch Täter. Warum, leuchtet ein. Nirgendwo finden sie leichter Opfer, nirgendwo ist die Dichte an Frauen, die wie ich, an sexuelle Gewalt gewöhnt sind und sie bereitwillig reinszenieren, größer.

Keine BDSM-Kontakte mehr zu haben, war wie ein Entzug, der bis heute andauert. Ich bin noch immer nicht in der Lage, normale Sexualität zu haben. Zärtlichkeit macht mich wütend, verstört mich. Ich empfinde sie als verlogen. Sie befriedigt mich nicht. Aber BDSM ist keine Therapie. Es ist ausgelebter Selbsthass.

Seit 50 Shades of Grey ist es schwer in Mode, ein bisschen BDSM zu spielen. Dass diese Bücher und auch die Filme mit BDSM eigentlich wenig zu tun haben, wird immer wieder wiederholt. Ich habe sowohl die Bücher gelesen als auch den letzten Film gesehen und ich fand beides lächerlich. Mit dem, was wirklich in den Clubs und Dungeons abgeht, hat das sehr wenig zu tun.

Trotzdem stehen beide Phänomene für das geiche Prinzip. Jede dritte Frau hat sexuelle Gewalt erlebt, meistens im Teenager Alter. So gut wie jeder Mann schaut Pornos, darunter vor allem gewaltvolle Hardcore Pornos. Da ist unglaublich praktisch. So werden auf der einen Seite serienweise Opfer produziert, die, ähnlich wie ich, Sexualität nur noch auf die “antrainierte” Weise, nnlich über Gewalt und Dominanz ausleben können, und auf der anderen Seite lauter “Täter”, denen Mitgefühl und Zärtlichkeit in hunderten Stunden visuellen “Trainings” abtrainiert wurden. Was lange fehlte, war eine Ideologie, die das legitimierte und alle Täter, sowohl die echten, als auch die inszenierten, von ihrer Schuld freisprach.

Dank 50 Shades of Grey haben wir sie endich bekommen. Es ist gar nicht wichtig, was in diesen Büchern steht. Wichtig ist nur die Message. Sie sagt uns, Gewalt ist erotisch. Zärtlichkeit ist was für Leute von vorgestern. Wenn du dich auf diese Art von Sex einlässt, gehst du einen Weg der Befreiung, vor allem als Opfer sexueller Gewalt. Das ist nicht einmal gelogen. Wer sich darauf einlässst, wird vermutlich Sex in einer ganz neuen Dimension erleben. Kein Orgasmus ist so intensiv wie ein erzwungener. Aber lasst euch nicht täuschen. BDSM ist für Opfer sexueller Gewalt, ja, für alle Opfer des Patriarchats wie Heroin. Es heilt euch nicht. Es macht euch kaputt. Es legitimiert die Gewalt, die Männer seit Jahrtausenden Frauen antun. Indem wir es freiwillig machen, bekommen wir zwar Kontrolle, aber keine Freiheit.

Ich werde echte sexuelle Freiheit nicht mehr finden. Ich werde bleiben, was ich bin. Mit einer verdunkelten, korrumpierten Sexualität, verkrüppelt durch patriarchale Gewalt. Mir wird es nie an Partnern mangeln, die meine Bereitschaft, mich zu unterwerfen und Schmerz auszuhalten, begrüßen werden. Was mich davon abhält, ist die Erkenntnis, dass ich mich zur Mittäterin mache. Indem ich mit diesen Männern schlafe, ihre Pornobilder, ihre BDSM Fantasien bestätige, mache ich mich mitschuldig an der Vergewaltigungskultur, denn ich bestätige das uralte patriarchale Narrativ, dass Frauen es genießen, vergewaltigt zu werden. Ich bin keine Täterin mehr. Auch nicht an mir selbst. Und darin liegt die einzige Freiheit, die meine Biografie, die es tausendfach in allen patriarchalen Gesellschaften gibt, mir lässt.

Ein Gastbeitrag von Diana Remmos

16 Kommentare

  1. Der Artikel ist überhaupt nicht in Ordnung. Von mir aus mag die Autorin BDSM als Ventil für ihre Probleme benutzt haben, aber so zu tun als wäre es ein krankhaftes Verhalten ist wirklich respektlos – und falsch: http://www.spektrum.de/news/bdsm-wie-sadomaso-fans-ticken/1437565
    In dem Artikel geht es um eine Studie, die die BDSM Neigung mit sensation seeking verbindet und übrigens auch erklärt wieso die Neigung früher zur Krankheit erklärt wurde.
    Die Autorin hat keine Ahnung von BDSM, wo sowas wie Einverständnis vorausgesetzt wird, sie hat sich misshandeln lassen und war nicht in der Lage sich zu schützen – nicht gut, aber ihr Problem, und ganz sicher kein BDSM.

  2. Danke, Diana für deine Geschichte! Ich wünsche dir noch viel Mut und Heilung im Leben. Ich selbst kenne BDSM und habe damals sowohl submissiv als auch dominant agiert. Zum Glück geriet ich nie in die Szene, aber die Pornografie und die Ideologie, welche diese propagiert ist höchst gefährlich und hat auch meine Sexualität verzerrt. Es ist schwer, sich an gesunde, gleichberechtigte Sexualität zu gewöhnen bzw diese überhaupt zu lernen. Aber ich glaube, dass Schritte in die richtige Richtung immer möglich sind.

    Liebe Grüße aus Norddeutschland.

  3. Matriarchat

    Danke für diesen Artikel. Auch ich sehe es so, dass BDSM sowohl von Opfern wie von Tätern sexueller Gewalt gelebt wird. Im ersten Moment – lustvoll, gewinnbringend, für sich selbst als Mehrwert erfahren. Nur – auf seelischer Ebene eine verheerende Situation. Diese Neigung resultiert aus emotionalen Verletzungen. Und bewusst und freiwillig sich erneut die Seele verletzen zu lassen, ist nichts anderes als ständig den Finger auf die Wunde zu drücken. Mit dem Ergebnis, dass die Hornhaut immer dicker wird. Und dadurch die Praktiken immer exsessiver werden müssen, um noch einen Kick zu erhalten. Nur am Ende siegt immer die Seele. Und wenn diese es nicht mehr aushält, gehen die meisten Praktizierenden in den Selbstmord oder vegetieren mit Psychopharmaka bis zum Ende. Auf einer anderen Ebene ist es ein verzweifelter Versuch der dunklen Seite, das Lichtvolle und ganz speziell das Weibliche am Aufstieg zu hindern. Dass gerade jetzt durch die Filme wie 50 Shades of Grey sich BDSM als gesellschaftsfähig, legal und hip zu etablieren bemüht ist, zeigt, welche Intention hinter diesen Filmen steht.

  4. Guter Artikel, der einen anderen Blickwinkel auf das Thema wirft – abseits der in BDSM-Kreisen üblichen “Das hat mit nichts zu tun, was in der Außenwelt passiert”-Überzeugungen. Es mag ja Leute geben, die “von Natur aus” auf BDSM stehen, auf das Spiel von Kontrolle und Überwältigung. Es gibt aber auch nicht wenige, die traumatische Erfahrungen reinszenieren. Ich gehörte dazu. Vergewaltigt als Studentin (nicht der erste Übergriff), suchte ich fortan Schmerz und Bestrafung im Sex. Genau das, was dieser Mann mir angetan hat. Jahre später machte ich eine Psychotherapie. Je mehr ich lernte, mich zu lieben, desto schwächer wurde die Neigung zu BDSM. Jetzt, 12 Jahre später, sind die Fantasien immer noch da – aber ich lebe sie nicht mehr aus. Ich kann eine andere Sexualität genießen. Ohne Schmerz, ohne Zwang. Und das ist wahnsinnig befreiend.

  5. Mich würde interessieren, wie da so die vorherrschende Meinung zu ist: BDSM Neigungen nur auf Grund von sexuellen/traumatischen Erfahrungen oder auch als normale sexuelle Neigung möglich, die ohne Probleme ausgelebt werden kann?

  6. Schneiderin

    Danke für dieses so berührenden Beitrag!
    Jetzt wird mir klar, warum ich die ganze BDSM Szene und vor allem die DOMS so gruselig finde. Ich habe einige DOMs kennengelernt und unsympatischere Männer kann ich mir nicht vorstellen.

  7. Sicher gibt es Menschen, die durch Neugier und die Suche nach dem nächsten “Kick” zu BDSM finden. Spätestens wenn sie es dann aber ausleben ist für mich etwas nicht in Ordnung. Das Inszenieren von strikten Hierachien ist für mich als Feministin problematisch. Das Verletzen von Menschen, die man vorgibt zu lieben, kann ich menschlich nicht aushalten. Spätestens wenn ein Mensch sagt, er braucht Schmerzen um Lust zu empfinden, müssen doch bei jedem halbwegs empathischen Menschen alle Alarmglocken losgehen. Ich habe auch mal gedacht, “Aftercare” und die “Macht” des submissiven Parts wären Ausdruck von besonderer Fürsorge und Gleichberechtigung. Das ist nicht so. Fürsorge braucht keine vorangehende Gewalt und die Verantwortung auf den Verletzten abzuwälzen ist eine besonders perfide Form von victim blaming. Letztendlich ist wohl immer von einem verdeckten Trauma oder einer extremen Anpassung ans Patriarchat auszugehen. Ein Beispiel: Eine Freundin wurde als Kind von einem Familienmitglied missbraucht. Als Erwachsene ist sie in einer SM-Beziehung mit einem Vorgesetzten, der so weit geht sie nackt an einer Leine durch einen Park zu führen. Die Beziehung endet, weil sie es seiner Meinung nach nicht ernst meint. In allen weiteren Beziehungen ist sie untreu und unglücklich, weil sie gleichberechtigte Sexualität nicht erträgt, sie verachtet die Männer als “schwach”. Sie erzählt offen, zu offen , von ihren Erlebnissen und wundert sich, warum sie beruflich nicht ernst genommen wird und besteht darauf, dass sie “natürlich” submissiv sei. Ich sehe nichts an diesem Verhalten als “normal”. BDSM ist der Versuch, Missbrauchsbeziehungen als akzeptabel zu verkaufen, und Teil der Rape-Kultur.

  8. @Schneiderin: Klär mich doch mal bitte auf. Was sind DOMS?

  9. Danke für deinen berührenden Beitrag. Ich habe mich in vielem wiedergefunden. Kannst du mir sagen, wo ich Hilfe finde, in Form von Selbsthilfegruppen z.B.? Es gibt viele Gruppen, Beratungsstellen und Websites für Gewalt gegen Frauen, aber ich komme mir da falsch vor. Ich schäme mich, weil ich selbst verantwortlich bin. Wo finde ich Hilfe?

  10. Anonymous

    Ich finde den Beitrag sehr berührend und ja ich weiß dass manche submissiven Borderliner sind. Oder das einige BDSM als Ventil benutzen. Das ist nicht gut und ich finde das bedenklich und fragwürdig doch ändern lässt sich das leider nicht. Was sich sucht findet sich. Ja ich bin aktiv lebende Sub. Ich lebe mit meinem Mann und Herrn in einer BDSM Beziehung. Ich bin der Meinung das man Emitional und psychisch gefestugt sein muss. Ich bewege mich in der BDSM Szene. Doch ich erlebe nur Respekt und Achtung voreinander.
    Es kommt eben immer darauf an, in welche Clubs ich mich begebe.
    Es gibt schwarze Schaafe, das lässt sich nicht schönreden, deshalb ist Vorsicht geboten.
    Die dominanten Herren in meinem Umfeld, sind richtige Männer, die wissen was sie wollen. Es sind die rücksichtsvollsten, höflichsten Männer die ich kenne.
    Doch seit Shades of Grey meint jeder Macho er ist ein Dom und hat die Philosophie nicht verstanden.
    Nein ich bin nicht psychisch kaputt. Ich stehe als selbständige Geschäftsfrau mit beiden Beinen voll im Leben und trotzdem genieße ich die Führung meines Herrn.
    Ich bin emanzipiert und wie. Was heißt Emanzipation? Das die Frau entscheiden kann wie sie sein will. Nicht dass sie sein muss wie ein Mann. Deswegen habe ich entschieden zu leben wie ich es tue. Wer uns erlebt wird es nicht bemerken. Zumindest nicht auf den ersten Blick.
    Solche Geschichten sind schlimm ja doch sie geschehen noch viel mehr in “ganz normalen” Beziehungen. Wo die Frau geschlagen und misshandelt wird.
    Eine BDSM Beziehung basiert nunmal nicht nur auf Schmerz. Es gibt soviel mehr und nein die Meisten sind nicht krank, sondern ganz normale Menschen.

  11. Ich habe erst vor ein paar Tagen festgestellt, dass meine BDSM Phase Selbstverletzung war. So wie du bin ich zu fremden Männern nach Hause gegangen, über Tinder. Wenn es gut war, musste ich wärenddessen weinen. Dann habe ich mich richtig gefühlt.
    Ich konnte mich auf einen Partner einlassen, der mir Liebe und Zärtlichkeit gibt. Er schaut keine Pornos und ist in einem emanzipierten Umfeld aufgewachsen.
    Leider gab es unzählige Männer, die mich gerne missbraucht hätten.
    Und selbst bei WIkipedia fehlt unter selbstverletzung die sexuelle Unterwerfung. Denn nichts anderes ist es auch.

  12. Ich bin überzeugt, dass alle Menschen die BDSM ausleben krank sind.
    Ich war es auch und hätte es mir nicht eingestanden.

  13. Ich finde den Artikel sehr berührend und auch sehr stark. Ich wünsche Ihr nur alles gute.
    Teilweise erkenne ich mich wieder und ich finde es traurig aber verständlich wenn einige Menschen die Strukturen des Patriarchats und deren Auswirkungen nicht sehen und verstehen wollen . Wie sehr wir alle beeinflusst sind und unsere Mitmenschen ebenso das Pornos leider viel zu intensiv unsere Gesellschaft beeinflussen. Und das Liebe, Mitgefühl, Zuneigung, Achtung und Zärtlichkeit leider nicht die Motive sind die uns prägen. Sex wird als Liebe verkauft Macht als Fürsorge und Gewalt als Spaß. Leiden heißt leben sich spüren …

  14. Ich finde den Artikel sehr berührend und auch sehr taff es ist sehr schwer seine eigene Verletzung als Problem zu sehen, erkenne mich auch in vielem wieder und finde es krass wie schon erwähnt wurde das sexuelle unterwerfung immer noch nicht als Borderline registriert ist. Ich kenne viele die sich auf diese Art selbst verletzt haben. Und ich finde es traurig aber auch verständlich wenn einige Menschen nicht wahr haben wollen das das gesamt konstrukt von BDSM nur ein Teil und auch ein Mittel des Patriarchats ist. Wenn Sex Liebe ist, Macht zu Fürsorge wird und Gewalt zu Spaß sollte eigentlich jedem klar sein das da was nicht stimmt. Ach wie sehr würde ich mir wünschen in einer Gesellschaft zu leben die sich durch Liebe, Mitgefühl, Achtung, Zärtlichkeit und Respekt unter anderem auszeichnet.

  15. Sehr bedrückende Geschichte. Ich hoffe du findest zu dir und kannst dein erlebtes verarbeiten.
    Ich kenne mich mit bdsm gar nicht aus, Aber ich frage mich, wie die Argumentation, dass bdsm an sich so stark ans Patriarchat geknüpft ist sich ändert, wenn es um dominas geht, Also Frauen die dominierende sind.
    Ausserdem gibts bdsm doch auch nicht nur unter heteros, was bedeutet dann Dominanz im Bezug auf das Patriarchat, wenn es ein lesbisches oder schwules paar (sind es immer Paare? ) praktiziert?

  16. BlackGoddess

    @ Mia:
    Ob sich da schon jemand wissenschaftlich mit auseinader gesetzt hat, weiß ich nicht. Das müsste man wohl mal recherchieren, oder Lydia Beneke fragen.

    Aus meiner eigenen, dominanten Perspektive heraus kann ich nur sagen, dass submissive Männer meist aus einem Elternhaus kommen, wo mindestens ein Elternteil selber sehr dominant war. Oder sie haben als Kinder/Jugendliche Erfahrungen mit dominanten Frauen gemacht. Egal, ob das nun eine Nachbarin war, die eigene Mutter, eine Tante oder Lehrerin. Dabei haben sie oft eine sexuelle Erregung erlebt (die jungen Männer). Als Erwachsene suchen sie nun ähnliche bis gleiche Erfahrungen bei Frauen.

    Ein weiterer Grund für Männer sich einer dominanten Frau hinzugenben ist, dass diese Männer oft sehr verantwortungsvolle Jobs und Positionen haben, in denen sie viel und schnell Entscheidungen treffen müssen, oft über sehr viel Geld. Unter diesem Dauerdruck kann Mann schnell kaputt gehen. Wenn diese Männer dann zu Dominas gehen, könne sie “loslassen”, die Verantwortung in die Hände der Frau geben, müssen, dürfen gar nicht selbst entscheiden, was sie wann tun sollen.

    Eine andere Hypthese meinerseits ist, dass submissive Männer unterbewusst sich selbst für ihre eigene “männliche” Kollektivschuld am historischen “Muttermord” bei der Entstehung des Patriarchats bestrafen wollen. Wer kann das besser als eine Frau?

    Dies ist nur ein kurzer Abriss, um dir deine Fragen vorläufig zu beantworten. Es geht natürlich alles noch sehr viel tiefer.

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