Die Freiheit meiner Tochter oder: Religion hat an Schulen nichts verloren!

Meine Tochter hat lange Haare. Sie weigert sich, sie zu kämmen und meistens sehen sie aus wie eine Mischung aus Vogelnest und Dreadlocks, auch die vielen süßen, bunten Spangen, die ich ihr immer in das Haar stecken möchte, lehnt sie ab, genauso wie geflochtene Zöpfe. Sie will ihr Haar lang und wild.
»Wenn ich mich drehe, fliegen meine Haare im Kreis«, sagt sie und dreht sich, bis mir schwindelig wird. Ich erinnere mich daran, dass ich das als Kind auch getan habe und lasse sie. Ab und zu schneide ich ihr Kaugummi oder anderes Zeug aus den Haaren und überrede sie, sie mit gutem Shampoo zu waschen. Es sind ihre Haare, es ist ihr Kopf.
Seit ein paar Tagen diskutiert Deutschland ein Kopftuchverbot an Schulen und Kindergärten. In Österreich ist ein entsprechendes Gesetz geplant. Viele Argumente werden ausgetauscht. Die Gegner sagen, das Verbot würde einseitig Musliminnen diskriminieren, es sei populistisch und ausländerfeindlich. Rassistisch. Andere argumentieren mit Freiheit und Frauenrechten und dem Schutz der Kinder. Ein paar besonders Schlaue verweisen auf die Frühsexualisierung junger Mädchen und Kinder in unserer Kultur. Terre des Femmes fordert das Kopftuchverbot an Schulen schon lange.

Freiheit von religiöser Symbolik muss für alle gelten

In einem säkularen Land hat Religion an der Schule nichts verloren. Die Realität sieht anders aus. Religionsunterricht kann zwar durch Ethik ersetzt werden, faktisch fehlt es aber an Grundschulen an Ethiklehrern und deshalb haben die Kinder dann oft beaufsichtigte Bewegung. Religion aber wiederum darf nur von Fachlehrern unterrichtet werden und deshalb hat beispielsweise meine Tochter gerade mal wieder ihre Klassenlehrerin um einige Schulstunden weniger, weil die nämlich in anderen Klassen Religion unterrichten muss. Religion ist überall. Als meine große Tochter nicht mit zum Einschulungsgottesdienst ging, musste sie ihrer Klassenlehrerin (auch Religionslehrerin) komische Fragen beantworten. Ich selbst habe mich ab der dritten Klasse geweigert, in Religionsunterricht zu gehen und musste deshalb samt meiner Mutter zum Schulrektor. Unsere Schulen sind also kein religionsfreier Raum. Wenn wir das Kopftuchverbot fordern, dann nur, wenn wir die Schulen wirklich und konsequent von jeder religiösen Symbolik und Indoktrinierung befreien und Religion endlich wirklich zur Privatsache machen. Genau danach sieht es aber aktuell nicht aus – wir diskutieren über das Kopftuchverbot, nicht aber über eine echte Abschaffung von Religion an Schulen. Das macht die Debatte heuchlerisch und auch ziemlich verlogen. Also alles lassen, wie es ist? Auch weil es schwer vorstellbar ist, dass der deutsche Staat jüdischen Kindern etwa das Tragen der Kippa verbietet?

Das Kopftuch ist mehr als ein religiöses Symbol

Das Kopftuch ist ein sehr sichtbareres, religiöses Symbol. Das könnte man neutral so behaupten, in der Tat aber ist es weit mehr. Es ist auch ein Symbol geschlechtlicher Unterdrückung. Genau das macht den Umgang damit so schwierig. Es wird nur von Frauen getragen, und nirgendwo steht, dass sich bereits Kinder verschleiern sollten. Dass aber immer mehr Mädchen – es gibt dazu keine Zahlen, aber das lässt sich da, wo ich lebe, durchaus beobachten – es tragen, muss eine Ursache haben. Eine davon kann die kulturelle Selbstbehauptung von Menschen anderer Kulturen sein. Sie möchten nach außen hin erkennbar die Zugehörigkeit zu ihrer Kultur demonstrieren, gerade weil sie in einem anderen Land leben. Eine freie und offene Gesellschaft muss das aushalten können. Das klingt so einfach, dreht sich aber im Kreis. Denn nochmal: Nur die Mädchen tragen es, und sie tragen es nicht, weil es eben die traditionelle Kleidung ihres Herkunftslandes ist, sondern weil die Haare von Mädchen und Frauen als aufreizend definiert werden. Ob wir Haare haben oder nicht, entscheiden wir aber nicht wie die Kleidung, die wir anlegen, unsere Haare sind ein Teil von uns und diese unter geschlechtlichen Vorzeichen zu stigmatisieren, sendet das Signal an Mädchen, dass etwas an ihnen und ihrem Körper schlecht und verhüllungswürdig ist.

Diskriminierung von Frauen ist kein Alleinstellungsmerkmal des Islams

Diese Kritik wäre viel einfacher, wenn unsere eigene Kultur frei wäre von religiös motiviertem Mädchen- und Frauenhass – allerdings kommt dieser anders daher, subtiler und so tief in unserer Wahrnehmung von »Normalität« verwurzelt, dass wir ihn oft gar nicht greifen können.
Das Christentum mit seinem offenen Frauenhass und seiner internalisierten Misogynie, die sich aktuell mal wieder in den unglaublichen Äußerungen vieler CDU Politiker zum Werbungsverbot für Abtreibungen äußert – Annegret Kramp-Karrenbauer und Marcus Weinberg sind nur zwei davon – ist frauenfeindlich und zeigt, dass wir es nach wie vor mit einem konservativ-patriarchalen Bollwerk zu tun haben, das die Sache mit der Freiheit der Frauen als bestenfalls nachrangig betrachtet. Abtreibungsgegner sind sehr häufig christliche Fundamentalisten, die durch ihre Anzeigen und den Druck auf die Politik erreichen, dass es in einigen Bereichen Deutschlands für Frauen bereits schwierig ist, einen Arzt für ihre Abtreibung zu finden. In kirchlichen Krankenhäusern wird Frauen die Pille danach verwehrt. Wer sich also über religiös motivierte Unterdrückung von Frauen und Mädchen erregen möchte, findet im Einfluss der christlichen Kirchen genug Zündstoff.
Warum also jetzt die Forderung nach einem Kopftuchverbot an Schulen? Zu einem Zeitpunkt, als ohnehin über die Grenzen von Integration diskutiert wird? Geht es hier um antimuslimische Hetze?
Religionsfreiheit ist ein hohes Gut, Selbstbestimmung auch. Die Freiheit, auf dem Kopf und am Körper tragen zu dürfen, was man will, aus Gründen, die niemanden etwas angehen, ebenfalls. Was Frauen wie und wann tragen, ist ihre Sache und wenn wir daran rütteln, dann schenken wir alten Wein in neuen Schläuchen aus.
Bei Mädchen unter 14 greift das Argument der Selbstbestimmung aber nicht. Das erkennen wir in vielen anderen Bereichen an, nur beim Kopftuch gilt das auf einmal nicht. Es heißt auch, dass das gar kein dringliches Problem sei. Das stimmt in vielen Orten Deutschlands vermutlich auch. Ich aber lebe in der Nähe von Offenbach, der Stadt mit dem höchsten Migrantenanteil überhaupt in Deutschland und hier ist es ein Problem.
An der Schule meiner jüngsten Tochter gibt es eine Familie, deren Mädchen allesamt Kopftuch tragen. Als ein Vater sie jüngst darauf ansprach, empörte sich ein anderer, das sei rassistisch. Wer von beiden hat Recht? Nun kann man sagen – für die Mädchen gilt, was für meine Tochter gilt: Ihre Köpfe gehören ihnen. Wenn morgen jemand käme und mir sagte, ich solle doch meiner Tochter mal die Haare anständig kämmen, würde ich ihm den Vogel zeigen. Was meine Tochter wie mit ihrem Kopf macht, geht ihn gar nichts an und es geht ihn auch nichts an, welche Werte ich meiner Tochter vermittle, zum Beispiel, dass es nicht wichtig ist, gut auszusehen, sondern sich wohlzufühlen. Aber ist das wirklich das Gleiche, wie ein Kopftuch zu tragen? Entscheiden sich diese Mädchen im Grundschul- und Kindergartenalter wirklich freiwillig dazu, wie es junge oder erwachsene Frauen tun? Oder werden sie dazu gezwungen? Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Es wird ihnen vorgelebt und von ihnen erwartet und die Macht, die Erwartungen auf uns und vor allem unsere Kinder ausüben, ist riesig.

Es geht um mehr als das Kopftuch

In dieser Debatte geht es nicht nur um das Kopftuch, es geht auch um die Teilnahme an Klassenfahrten und den Schwimmunterricht. Es geht darum, dass Mädchen noch vor der Pubertät beigebracht wird, etwas an ihnen sei so falsch, dass es verhüllt werden muss. Dass sie lernen, dass Jungen alle Freiheiten haben, sie viel weniger. Dass die anderen Mädchen ihre Haare offen tragen, auf Klassenfahrt fahren, am Schwimmunterricht teilnehmen und Pyjama-Partys besuchen, während ihnen all das verwehrt bleibt. Es zu tragen, separiert die Mädchen von den anderen, weithin erkennbar. Die Toleranz gegenüber dem Kopftuch verwandelt sich in das Gegenteil ihrer Absicht: Statt Vielfalt zu akzeptieren und Integration zu schaffen, werden so die Mädchen voneinander getrennt und zu glauben, dass das nur die Mädchen der anderen betrifft, ist ein Trugschluss. An meiner Schule gab es mehr Kinder mit Migrationsanteil als ohne. Mädchen wurden für alles Mögliche ständig als »Huren« oder »Schlampen« bezeichnet – und zwar vor allem von Mitschülern mit muslimischem Hintergrund. Du trägst ein Kleid in der Schule – du bist eine Schlampe. Du knutschst mit deinem ersten Freund – du bist eine Hure. Vielleicht ist das an anderen Schulen und an anderen Orten anders – in meiner Schule war es die Hölle. Wer als Schlampe stigmatisiert war, war zum Abschuss freigegeben und wurde oft nicht nur mit Gewalt bedroht, sondern auch verprügelt. Die Mädchen trugen die in ihren Elternhäusern erfahrene, gewaltvolle Unterdrückung ihrer Sexualität in die Schulen und zu den anderen Mädchen. Aus ihrer Freiheit ein Kopftuch zu tragen, wurde die Unfreiheit der nichtmuslimischen Mädchen, die sich nicht mehr trauten, Röcke oder bauchfreie Tops zu tragen oder mit Jungs zu flirten.
Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Jüngst weinte meine große Tochter bitter, weil eine ihrer besten Freundinnen – Muslimin – ihr erklärte, sie sei »eine Schlampe« und sie könne mit ihr nicht mehr befreundet sein. Anlass dafür: Meine Tochter hatte ein Profilbild mit ihrem Freund. Mädchen – auch meiner Tochter wird so beigebracht, dass sie unfrei sind. Dass sie nicht als Persönlichkeiten mit freiem Willen betrachtet werden, sondern als schützenswertes Gut aufgrund einer patriarchal konstruierten Ehre. Schule ist eine Zwangsveranstaltung, die wenigsten von uns haben Geld, unsere Kinder auf Privatschulen zu geben -und ich möchte das auch gar nicht. Ich möchte aber, dass meine Töchter in dieser Zwangsveranstaltung weder religiös indoktriniert noch in ihrer Selbstbestimmung verletzt werden. Den Religionsunterricht kann sie abwählen, die Ansichten ihrer muslimischen Mitschülerinnen nicht. Ich kann sie nur stark genug machen, sich davon nicht beeindrucken zu lassen.

Das Kopftuchverbot greift nicht weit genug

Ich finde richtig viel an unserer Gesellschaft zum Kotzen. Frauenrechte sind hier viel zu oft ein Feigenblatt und sind an unzähligen Stellen bedroht: Häusliche Gewalt, Morde an Frauen und Partnerinnen, die dann »Familiendrama« heißen, fehlender Zugang zu Abtreibungen, Diskriminierung, Verharmlosung und Tolerierung sexueller Gewalt, schlechte Bezahlung. Der Berg ist riesig, uns Feministinnen wird die Arbeit nie ausgehen. Die Pornokultur, die unsere Kinder beeinflusst, ist dabei ein riesiger Faktor. Aktuell wird dieses Video hier auf den Schulhöfen gehypt. Darin singt Katja Krasavice davon, wie sie mit ihren dicken Lippen Männern einen bläst.

Die Botschaft an unsere Töchter ist fatal: Ihnen wird suggeriert, dass es ein Riesenspaß ist, zur Befriedigung von Männern herzuhalten und dass es gut ist, das sogar aktiv zu suchen. Ich fand zwar empörte Kommentare auf Facebook, Gesetze dagegen wird es nicht geben. Stattdessen wird überall und ständig wiederholt, das mit der überall verfügbaren Pornokultur (jeder 13jährige in Deutschland hat mindestens einen Porno gesehen) aber heruntergespielt. Von Körpernormen und anderem Mist will ich gar nicht erst anfangen. Es ist wichtig, laut dagegen zu protestieren.

Jede Form von geschlechtlicher Unterdrückung an Schulen muss kritisiert und bekämpft werden

Aber nur, weil es das eine gibt, ist das andere nicht richtig. Mädchen haben ein Recht darauf, selbst zu wählen, was sie mit ihrem Kopf machen und bis sie das können, ist es unsere Pflicht, ihre Freiheit zu beschützen. Es ist unsere Aufgabe, sie vor sexueller Ausbeutung, vor Unterdrückung und auch vor Diskriminierung zu bewahren. Damit sie wählen können, müssen sie die Alternativen kennen. Eine Schule frei von Religion, religiösen Symbolen und religiösen Zwängen würde Mädchen den Zugang zu dieser Alternative bieten und die Trennung zwischen den Mädchen unterschiedlicher Kulturen verringern. Religion und religiöse Ansichten müssen Privatsache werden – nur dann kann es echte Freiheit für alle geben. Verbannt die Religion aus den Schulen, aus den Universitäten, aus den Krankenhäusern, aus dem Steuerrecht. Dann brauchen wir auch keine Scheindebatten über vermeintlichen Rassismus führen, sondern haben eine echte Gleichbehandlung. Vielleicht ist die Debatte um das Kopftuchverbot an Schulen die Chance, darüber zu diskutieren. Sie pauschal als rassistisch abzutun, verkennt, dass es für viele Mädchen eben keine Wahlfreiheit gibt, dass der Druck, der sie zum Tragen des Kopftuchs bringt, viel zu hoch ist und zumindest in der Schule ein Gegengewicht braucht und dass wir, wenn wir Integration wollen, diese auch aktiv schaffen müssen, und zwar nicht nur mit Akzeptanz, sondern eben auch mit Kritik und einer ehrlichen Debatte. Ein Kopftuchverbot macht deutlich, dass zumindest in der Schule alle Mädchen gleich sind und Freiheit nicht verhandelbar oder abstufbar ist, je nach kultureller Herkunft und dass an Mädchenhaaren nichts, aber auch gar nichts schlecht oder verhüllungspflichtig ist.

13 Kommentare

  1. Birgit Jürgens

    Ein toller differenzierter Beitrag, auf den Punkt gebracht 👍🏾

  2. “Ein Kopftuchverbot macht deutlich, dass zumindest in der Schule alle Mädchen gleich sind und Freiheit nicht verhandelbar oder abstufbar ist, je nach kultureller Herkunft und dass an Mädchenhaaren nichts, aber auch gar nichts schlecht oder verhüllungspflichtig ist.”

    Dem stimme ich zu, zumal ein Kopftuch immer auch ein politisches Symbol ist, zumindest solange, bis es nirgendwo auf der Welt mehr einen Zwang dazu gibt wie u.a. im Iran. Eine der Ursachen, warum zunehmend immer mehr Kinder dazu gedrängt werden, einen Hijab etc. zu tragen, ist sicherlich der, das frau sich schon früh daran gewöhnt, auch an die typische Rollenverteilung, die hiermit verbunden ist, so dass es später erst gar nicht mehr in Frage gestellt wird. Allein schon um diese frühkindliche Sozialisation zu verhindern, macht ein Verbot sinnvoll.

    Generell gilt auch hier, das Frauenrechte Menschenrechte sind, die nicht über einen Kulturrelativismus dereguliert werden dürfen.

  3. Ich habe keine Ahnung, wie dieser Frauen – und Mädchen feindliche rollback, der von muslimischen Macho-Idioten kräftig angeheizt wird, aufzuhalten, resp. rückgängig zu nahen ist. Ausgerechnet die “Ewig-beleidigten” erlauben sich bei Frauen und Mädchen gröbste Menschenrechtsverletzungen und Beleidigungen. Eigentlich sollte man die ständig mit massenhaft Klagen beim europäischen Gerichtshof eindecken können. Leider steht auch der auf der Männer,-sprich Täterseite, da ja auch in unserer Kultur Beleidigungen und Diskriminierung von Frauen und Mädchen weder verboten noch ein Delikt ist. Niemand spricht von femophob; im Gegensatz zu Isamophob. Ich beobachte das schon seit Längerem mit zunehmendem Befremden. Dass sich nur Wenige dagegen wehren sagt viel über die subtile Misogynie unserer eigenen Kultur und Religion aus, wo Frauen und Mädchen und ihre Anliegen auch nicht ernst genommen werden. Das weltweite Patriarchat lässt grüssen.

  4. Liselotte

    Wenn alle Beiträge zu dieser Debatte so analytisch sauber und differenziert wären, wie dieser Text, wäre diese Gesellschaft schon einen großen Schritt weiter 😉

  5. Gabypsilon

    “Femophob”. Dieser Begriff hält Einzug in mein Vokabular. Regelmäßig und von vielen angewandt, hält er vielleicht Einzug in unseren Wortschatz.

  6. Gynophob ist glaub’ ich noch besser. Oder eben Beides!

  7. Yvonne: Nee,“femophob“ ist genial! Das verstehen auch mehr („Feminismus“). Warum bin nicht ich auf so was gekommen…? (Grins.) – Auch ich finde Deine Kommentare immer ganz vortrefflich und freue mich schon immer darauf.

  8. Jürgen Huber

    Störenfriedas braucht die Welt…..
    Toleranznaivität macht eine Gesellschaft schwach und kreiert Opfer jeden Geschlechts.
    Der noch junge leidenschaftlich erstrittene Wertekanon von Frau und Mann , braucht Unterstützung
    durch bewusste Friedschelme die sich im Grundsatz mit Störenfriedas einig sind…was da seit geraumer Zeit kulturell hereinbricht hat Konsequenzen ,die wir so nicht zu tolerieren bereit sind….
    Bei dieser Betrachtung schliesse ich den eigenen Kulturraum ,mit seinen schamlosen Verwerfungen dem femininen gegenüber, ausdrücklich mit ein. Den Rollback auf zu rollen bringt uns vielleicht dahin,
    den Wertekanon nicht als Selbstläufer zu verstehen.Er will weiterentwickelt und verteidigt werden.
    Ich wünsche mir das aus Opportunisten,Profiteuren und Geschichtsopfern vertrauenswürdige Gefährten und Verbündete erstrebenswerter Werte werden , die eine Gesellschaft voran bringen.Das ist das Gegenteil von Paralellgesellschaft auf die hier niemand gewartet hat.Die Bildung von gemeinsamen Werten will durch Gesetzt sein um Geisteshaltungen zu fördern die Gemeinsamkeiten ermöglichen.Ich bin eher optimistisch ..in diesem Kontext noch nicht wirklich zuversichtlich.

    Danke für deinen Beitrag.

  9. Danke Jürgen Huber! Solche Männer braucht das Land; und die Frauen erst!

  10. rieseerla

    Ich bin gläubig – katholisch – und bin in einem katholischen Mädchenpensionat, Klosterschule, zur Schule gegangen. Ich habe es sehr genossen, es war die beste Schule die ich in meinem Leben genossen habe. Dazu gehörte auch die Religion, die in alle übrigen Schulfächer hineinspielte. Wir ALLE haben uns dort sehr gut aufgehoben und wohlgefühlt. Niemand hat uns gezwungen sonntags in die Kirche zu gehen, alles geschah freiwillig. Man brachte uns – schon in der Volksschule – Kunst und Kultur bei. Davon zehre ich noch heute. Eine wundervolle Schulzeit bis zur Matura – ohne Zwang, ohne Angst. Freilich hatten wir diese Themata, die heute aktuell sind, noch nicht. Dafür gab es zahlreiche andere.

  11. Ich stimme dem Artikel weitgehend zu, allerdings sehe ich es nicht so, dass das zur Zeit geforderte Kopftuchverbot gänzlich als heuchlerisch anzusehen ist. Ich verstehe, inwiefern es von konservativ bis rechts instrumentalisiert wird, halte es aber grundsätzlich für völlig richtig.
    Ich bin ebenso gegen Religion und stimme der generellen Analyse des Artikels, wie in Deutschland mithilfe christlicher Religion das Patriachat weiter am Leben gehalten wird, völlig zu. Dennoch finde ich das Kopftuch bzw. den konservativen Islam noch eine Spur krasser und von der Intensität seiner Bedeutung nicht mit dem momentanen Status des Christentums (oder Judentums) gleichzusetzen. Das Christentum ist ätzend und gehört auch meiner Meinung nach vollständig ins Private. Nicht in die Legislative und nicht an die Schule außer als historische Episode. Keine Frage, es ist eine zutiefst unterdrückende Ideologie, die immer noch unsere Gesellschaft in ihrer Hand hat, z.T. zu meinem Entsetzen sogar wieder erstarkt.
    Gleichzeitig erkenne ich aber auch, dass ich es noch etwas leichter habe als Frauen in konservativen(! ich rede hier nicht von liberalen Muslimen/innen) muslimischen Communities. Schon alleine, dass es keine so weitreichenden Druck zur praktizierten Verhüllung* gibt, eröffnet mir in Relation zu vielen Frauen aus muslimischen Kulturkreisen mehr Freiheiten, selbst wenn diese sich “freiwillig” entschieden haben (Stichwort internalisierte Misogynie).

    Das hier geteilte Video ist absolut widerwertig. Die dort dargestellte Dimension des absoluten Sexobjekts macht mich regelrecht krank. Pornographiekultur ist in meinen Augen nicht weniger abartig als Religion, nur in die entgegengesetzte Richtung.
    Es ist zum Verrücktwerden.

    *Ich bin mir bewusst, dass es auch zum Teil Verhüllungspraxen in strengchristlichen Gemeinden gibt, welche ich strikt ablehne und verurteile. Aber selbst hier gibt es kein gängiges Pendant zum Kopftuch und dem Verhüllenden Mantel, den viele kopftuchtragende Muslimas tragen. Das frauenfeindliche Keuschheitsbild ist aber natürlich dasselbe.

  12. @Koga:
    Pornographiekultur und fundamentalistische Religion sind keine Gegensätze, sondern zwei Seiten der gleichen Münze. Frauen werden im Patriarchat als Objekte funktionalisiert, die für die totale Bedürfnisbefriedigung von Männern existieren. Das kann als Hure (=Sexobjekt, Schmuckstück, Kleiderständer, etc.) oder als Madonna (Gebärmaschine, Bruthenne, Putzfrau, etc.) sein, oder als beides je nach der Laune des Mannes. Wenn du Sex willst bist du eine Drecksnutte, und wenn du keinen willst bist du eine hysterische Zicke.

  13. @ Koga:

    Das Tragen von Kopftüchern ist auch im orthodoxen Judentum, einer großen Strömung im Judentum, absolut üblich. Reise mal nach Israel, und ich kann dir garantieren, dass du sehr viele jüdische Frauen sehen wirst, die mit Kopftuch (und langem Rock) herumlaufen.

    https://en.wikipedia.org/wiki/Tichel

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