Die Göttliche Ordnung – DER feministische Film dieses Sommers

Es ist der Anfang der wilden 70er, Hippiebewegung und Frauenbefreiung erschüttern weltweit die Grundfesten der Gesellschaftsordnung, nur in der Schweiz steht die Zeit still. Seit Jahrzehnten kämpfen Feministinnen für das Frauenstimmrecht, nun, am 07. Februar 1971, sollen die Männer darüber abstimmen.
„Die Göttliche Ordnung“ ist ein Film von der Schweizerin Petra Biondina Volpe, der mit starken Darstellerinnen, gelungenen Dialogen und wunderbaren Bild- und Tonkompositionen von der ersten Minute an mitreißt. Seit März lief er in der Deutschschweiz und kommt am 3. August auch zu uns in die Kinos.

Hauptfigur Nora lebt mit Mann und Söhnen in einem kleinen schweizerischen Dorf. Sie fühle sich nicht unfrei, erklärt sie den Feministinnen, die ihr Prospekte für das Frauenstimmrecht zustecken, doch das ändert sich bald, denn idyllisch ist das Leben in dem kleinen Dorf nur auf den ersten Blick. Da ist der herrische Schwiegervater, der sich bedienen lässt und die Sexhefte unter dem Kopfkissen versteckt, da ist die Nicht Hanna, die doch nur freisein möchte und dafür erst im Erziehungsheim und dann im Gefängnis landet, da sind all die Frauen, die nur arbeiten und dienen und doch nichts am eigenen Leben mitzubestimmen haben. Als Nora wieder arbeiten gehen möchte, erklärt ihr ihr Mann, dass sie das nicht gegen seinen Willen dürfe. Da setzt bei Nora ein Prozess ein, den der Film mit seiner ganzen Wucht so wunderbar umsetzt, dass man sofort Lust auf ein paar feministische Demos, Sit-Ins oder Streiks bekommt. Sie schneidet sich die Haare, trägt fortan Jeans und verbündet sich mit den anderen Frauen – mit den alten Frauen, die am Ende nichts mehr haben, weil „Geld Männersache ist“, mit den jungen Frauen, die lieber frei als unterdrückt sein wollen. Nora entdeckt, dass sie „einen Tiger“ zwischen ihren Beinen hat und sie widerspricht, wird angefeindet und hält den Anfeindungen stand. Die Frauen begehren auf, gegen die „Göttlliche Ordnung“. Das ganze Dorf gerät in Aufruhr, die Frauen streiken, die Männer werden gewalttätig, doch am Ende kommt das Frauenstimmrecht, wenn auch nicht in jedem Kanton (der letzte beschloss es erst 1990).

Petra Biondina Volpe ist ein ungewöhnlicher Film gelungen, der zwischen vermeintlichen Klischees wie Vaginaschauen und Frauenstreik nie den liebevollen und tiefsinnigen Blick auf seine Figuren verliert, der in kleinen Gesten und Bildern wirkt und deshalb umso überzeugender ist. Das Schweizerdeutsch ist nur auf den ersten Blick irritierend, gibt es doch deutsche Untertitel und verleiht es doch dem Film große Authentizität. Die Filmemacherin zeigt: Frauenbewegung, der Kampf um Gleichberechtigung, ist immer beides: ernsthafter Kampf und wildes Frauenbündnis, Feminismus, das ist Party und Revolte zugleich. Ein wunderbarer Film, der bei aller Ernsthaftigkeit mit einer großen Portion Humor daher kommt; Humor, der sich daraus speist, dass Dinge, die wir auch heute noch allzu gut kennen, auf den Punkt gebracht werden, denn so lange ist all das noch gar nicht her. Vielleicht ist es diese Aussage, die dem Film so viel Kraft verleiht. So ist der Film beides, eine Erinnerung an ein vergangenes Jahrzehnt, aber auch eine Mahnung, den Kampf für Emanzipation nicht leichtfertig als gewonnen zu betrachten. Vor allem aber ist er ein großartiges, feministisches Filmvergnügen.

2 Kommentare

  1. Leider ist die Schweiz noch nicht viel weiter; zumindest auf dem Land stimmt diese „Göttliche Ordnung“ immer noch. Im Zweifel gegen die Frau……….

  2. Danke für den Filmtipp! Mir hat der Film ausgeprochen gut gefallen, auch wenn es mit der Erkämpfung des Wahlrechts noch nicht getan ist. Motiviert und mit viel Energie verlässt Frau den Kinosaal – weil ein Funke überspringt.

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