Die hässliche Welt der Väterrechtler

Wir Störenfriedas sind Hassmails und Beschimpfungen, Unterlassungsklagen und anderen Blödsinn durch Freier, Zuhälter, Transaktivisten und andere Frauenhasser gewohnt. Was uns aber in den letzten Wochen wirklich verwundert hat, dass die Gruppe mit dem nachhaltendsten Frauenhass die der Väterrechtler ist, die uns auf allen Kanälen regelrecht nachstellt und selbst vor massiven Beschimpfungen und Bedrohungen nicht zurückschreckt. Für uns war das Grund genug, sich einmal anzuschauen, wer diese Väter eigentlich sind und woher sie den Anspruch nehmen, anderen ihren Hass und ihr verqueres Weltbild überzustülpen.

Väterrechtler organisieren sich in Facebookgruppen und Vereinen und sind oft parallel in Parteien und anderen Verbänden aktiv. 2006 wurde geschätzt, dass rund 8000 Männer (und Frauen) in diesen Zusammenhängen aktiv sind, die Zahl kann sich bis heute gut verdoppelt haben. Es gibt viele Überschneidungen mit der Männerrechtsbewegung und den Maskulisten. Zu den großen Vereinen gehört der Väterrechtsaufbruch für Kinder, dem nach eigenen Angaben rund 3000 Mitglieder angehören, die öffentliche Facebookgruppe „Väter ohne Rechte“ zählt mehr als 7000 Mitglieder und entstand aus dem österreichischen Verein gleichen Namens. Der Verein hat laut eigenen Angaben ebenfalls rund 3000 Mitglieder.

Wer sich in den offenen Gruppen der Väterrechtler umblickt, entdeckt eine skurrile bis gefährliche Mischung aus verletztem Stolz, Narzissmus, Verschwörungstheorien, Frauenhass und rechtem Gedankengut. Die Kinder werden auffallend oft als „mein Fleisch und Blut“ bezeichnet, es geht gegen Flüchtlinge und vor allem gegen Frauen. Diese sind „Huren und Gebärmaschinen“. Wir dokumentieren hier unter anderem eine Auswahl anonymisierter Kommentare.

Trotz der eher geringen Mitgliederzahl (allein in Deutschland leben rund 1,6 Millionen Alleinerziehende, 90 Prozent sind Frauen) sind das Presseecho und der politische Einfluss, den die Väterrechtler haben, enorm. Erst vor wenigen Tagen fand ein Treffen der neuen Familienministerin Katarina Barley mit zahlreichen Vertretern der Väterrechtler statt, von dem Mütterinitiativen trotz mehrfacher Anfragen ausgeschlossen wurden. Barley nutzte die Gelegenheit, um die vorläufigen Ergebnisse einer aktuellen Allensbach-Umfrage vorzustellen, nach der sich 51 % der getrennten Eltern das Wechselmodell wünschen. Ihr Ziel sei es, die Rechte von Vätern zu stärken. Über die Mütter und die Sorgen von Alleinerziehenden verlor sie kein Wort.

Uns fiel bereits vor einigen Wochen auf, dass die Väterrechtler, häufig mit dem Wunsch, keinen oder weniger Unterhalt zahlen zu müssen, viele der großen Parteien regelrecht kapern, um das Thema „Wechselmodell“ auf die politische Agenda zu setzen. Die FDP ist dafür, es bei Trennungen per Zwang zum Regelfall zu machen, dabei läuft eine großangelegte Studie zu dem Thema, wie und ob das Wechselmodell unter deutschen Rahmenbedingungen umzusetzen ist, noch und es liegen noch keine Ergebnisse vor, wohl aber haben einige der Experten bereits Bedenken angemeldet. 

Wer einmal miterleben möchte, wie so eine Zusammenarbeit zwischen Politik und Väterrechtlern aussieht,  dem sei dieses Video an das Herz gelegt:

Auszug: „Wenn die Mutter den Vater nicht angeben möchte, dann ist das eine Meldung an das Jugendamt wert.“ – das bedeutet, wenn eine Mutter den Vater wegen Gewalterfahrungen oder zum Schutz ihrer Kinder nicht angibt, dann soll die Schule sie beim Jugendamt denunzieren und die damit ohnehin schon vorhandene soziale Diskriminerung Alleinerziehender verstärken. Gleichzeitig kommt die Frage auf: Sollen Mütter auch all die Väter angeben, die sich für ihre Kinder nicht interessieren? Aus welchem Grund? Wie sollen solche Regelungen den Kindern nützen oder für eine positive Kommunikation stehen? Geht es nicht viel mehr um den Zugriff des Vaters auf das Kind – an der Sorgerechtsregelung vorbei? Die FDP reagiert auf diese Äußerung übrigens mit einer Einladung in den Landtag in NRW.

Alle Väterrechtsgruppen und Vereine fordern das Wechselmodell per Zwang und – Tatsache – ein Widerspruchsrecht des Vaters gegen das Sorgerecht der Mutter. Den Unterhalt wollen sie ganz abschaffen, die Rechte der alleinerziehenden Mütter systematisch beschneiden bzw. aufheben, wie ein Blick in die Programme der Vereine und Gruppen zeigt. Dabei ist es wichtig zu wissen: Lange Zeit waren Kinder bei einer ohnehin fast unmöglichen Trennung immer der Besitz des Mannes (man erinnere sich an die Geschichte von Effi Briest). Dies wurde erst in den vergangenen 70 Jahren nach und nach abgeschafft, und zwar nicht durch eine feministische Revolution, sondern aus rein praktischen Gründen: Der Staat erkannte, dass es da draußen viel zu viele Väter (häufig verheiratet) gibt, die sich um ihre Kinder nicht oder unzureichend kümmern, also wurden die Entscheidungsbefugnisse auf die alleinerziehende Mutter übertragen – denn immerhin trägt sie auch alle Verantwortung. Bis in die 1980er Jahre hinein war es noch üblich, dass Kinder alleinerziehender Mütter einen Vormund durch das Jugendamt bekamen, erst sehr spät wurde das als Diskriminierung erkannt und abgeschafft. Ein Vater kann jederzeit aus einer Schwangerschaft oder aus der Elternschaft aussteigen – für eine Frau ist das unmöglich. Das mag den Väterrechtlern nicht in den Kopf gehen, aber hier geht es nicht um Privilegien, sondern darum, den Alltag zu organisieren. Über das Wechselmodell per Zwang sollen diese winzigen Freiheiten, diese kleinen Schritte hin zur Selbstbestimmung alleinerziehender Mütter durch die Hintertür wieder abgeschafft werden. Immer wieder wird dann von Seiten der Väterrechtler vom „Kindeswohl“ geredet – dabei sind dessen positiven Auswirkungen für die Kinder hochumstritten.

Darüber hinaus erklären Experten bereits seit Jahren, dass das Wechselmodell und der über allem stehende Anspruch des Vaters auf sein Kind zu einer nachteiligen Situation für die Opfer häuslicher Gewalt führt, die ihren Tätern oft mehrfach in der Woche in ungeschützten Situationen wieder begegnen, die dann im schlimmsten Falle eskalieren. 36 Prozent aller Angriffe erfolgen NACH der Trennung – vorrangig in den Übergabesituationen. Den deutschen Gerichten und dem Gesetzgeber gelingt es nicht, die Interessen der Väter und den Schutz der Mütter und Kinder miteinander in Einklang zu bringen und entscheidet selbst nach anhaltendenen Gewalterfahrungen, die die Kinder mitansehen mussten, für das gemeinsame Sorgerecht. Obwohl PAS – das angebliche Eltern-Entfremdungs-Syndrom – weder international als Diagnose anerkannt noch deutschem Recht entspricht, findet es sich in vielen Urteilen der Familiengerichten durch die Hintertür, dabei wurde es schon lange von Kinderpsychologen als Erfindung entlarvt, ganz gleich wie viele Konferenzen und Publikationen die Väterrechtler auch veranstalten und veröffentlichen. In den USA hat man sich die im besten Falle irritierende Gemengenlage der Väterrechtler angeschaut und dabei zahlreiche Verbindungen in konservative, frauenfeindliche und rechte Milieus gefunden sowie Strukturen, die auch in Sekten anzufinden sind (Dogmatismus, charismatische Anführer, etc.). Erschreckend ist, dass dort auch Familienrichter Beziehungen zu diesen Gruppen unterhalten.

Ein großer Teil der Postings in den Väterrechts-Gruppen auf Facebook dreht sich dementsprechend auch um Beschimpfungen der ehemaligen Partnerinnen, deren Namen auch gerne mal mit Adresse und Foto veröffentlicht werden:

(Gesicht durch uns unkenntlich gemacht)

Auch vor eindeutigen Aufrufen zur Gewalt wird nicht zurückgeschreckt:

Bei der Verhöhnung von Gewaltopfern wird man dann auch gern mal kreativ:

Das Recht des Vaters wird über alles gestellt, deshalb werden auch die Adoptionsrechte homosexueller Pärchen abgelehnt:

Diese zutiefst biologistische Argumentation blendet soziale Realitäten und die Rechte und Gefühle anderer einfach aus. Erwartbar, dass Mann dann von den körperlichen Selbstbestimmungsrechten der Frauen auch wenig hält:

Der Anspruch des Mannes auf den Körper der Frau und das Verständnis des Kindes als „sein Besitz“, sein „Fleisch und Blut“, ist die dem Patriarchat zu Grunde liegende Narration, die die Unterdrückung der Frau als Gebärende begründet und legitimiert. Es wundert nicht, dass Väterrechtler deshalb gegen das Recht auf Abtreibung demonstrieren und auch ansonsten der Meinung sind, Männer hätten bei Abtreibungen dringend etwas mitzureden. Darüber könnte man aufgrund der Absurdität lächeln, doch Arkansas hat genau das gerade zum Gesetz gemacht: Frauen müssen, selbst wenn das Kind durch eine Vergewaltigung entstand, die Einverständniserklärung des Mannes vor einer Abtreibung einholen.

Eine gerichtliche Entscheidung zum Wechselmodell per Zwang wird bejubelt:

… und über Möglichkeiten der „politischen Einflussnahme“ nachgedacht:

Die Nähe zu rechtem Gedankengut ist in vielen Postings erkennbar:

(Kommentar zum Attentäter in Herne)

Alle Screenshots stammen aus der öffentlichen Facebookgruppe „Väter ohne Rechte“,  bzw. von den öffentlichen Profilen ihrer aktiven Mitglieder, deren Beiträge man sehen kann, ohne Mitglied zu sein. Sowohl Sven Gründel von Väter ohne Rechte als auch Markus Witt vom Bundesvorstand des Väteraufbruchs sind in der Gruppe sehr aktiv, Sven Gründel war sogar bis zum 1. Juni dort Admin, also aktiv daran beteiligt, diese Postings stehen zu lassen. Offen zur Gewalt aufrufende und zutiefst frauenverachtende Kommentare und Beiträge finden sich dort beinahe täglich. Mit ihren Aktionen (Kleben von Aufklebern, Protestaktionen vor Gerichten), ecken die Väterrechtler regelmäßig an, jüngst gab es eine Anzeige gegen den Vorstand von Väter ohne Rechte wegen der Beleidigung von Richtern. Dabei können Väterrechtler auch anders – die Aktion „Blauer Weihnachtsmann“ verteilt seit Jahren scheinbar harmlos Geschenke an Kinder, um auf den Opferstatus der armen Väter aufmerksam zu machen und administrieren eine ganze Reihe von Facebookseiten, die mal harmlos, mal sehr aggressiv („Schwesig muss weg“) daher kommen, immer aber an das Vorgehen der Rechtspopulisten erinnern.

Angesichts dieses Wissens ist es umso unglaublicher, dass die SPD-Familienministerin ausgerechnet den Vertretern solcher Gruppen, die sich von solchen Äußerungen nicht klar distanzieren, Tür und Tor öffnet und mit ihnen das Bild der Familie von morgen diskutiert. Hier werden zwei Dinge miteinander verwechselt: Dass Väter weg vom Patrirachen zum sorgenden Elternteil werden, ist in vielen Fällen eine moderne und begrüßenswerte Entwicklung, allerdings bleibt es doch häufig bei öffentlichkeitswirksamen Lippenbekenntnissen. Ein Blick auf die Statistiken der Elternzeit, auf die Verteilung der Teilzeit und der Sorgearbeit zeigt: Kindererziehung wird nach wie vor hauptsächlich von Frauen geleistet. Wenn also Väter erst NACH der Trennung auf einmal ihre Liebe zu den Kindern entdecken, dann stecken dahinter oft andere Interessen: Der Wunsch, weiter Kontrolle über das Leben der Ex zu haben, weniger Unterhalt zu zahlen oder schlicht das verletzte Ego wieder aufzupolieren. Wie kann es sein, dass die Politik diesem patriarchalen Narzissmus noch ein Forum bietet?

Autor und alleinerziehender Vater Jochen König kritisiert die Vaterrechtsbewegung ebenfalls:

Ich finde es schon fast lustig, wie diese ganzen Väter den wirtschaftlichen Zwängen so ausgeliefert sind. Und innerhalb der Partnerschaft machtlos gegenüber der Frau, die unbedingt beim Kind bleiben möchte. Das ist jedoch kein Problem. Väter fügen sich bereitwillig in ihr Schicksal. Sie verdienen gut, müssen sich keinen Sorgen um die eigene Rente machen und fühlen sich wohl in der Nebenrolle aus Perspektive des Kindes. Von Kampf um gleichberechtigte Aufteilung der Sorgearbeit bzw. gleiche Zeit mit Kind keine Spur.

Und dann ganz kommt die Trennung und es geht plötzlich nicht mehr um wirtschaftliche Zwänge, sondern vorgeblich nur noch ums Kind. Entscheidungen, die Väter jahrelang mitgetragen haben, haben von einem Tag auf den anderen keinen Wert mehr. Ein Kind braucht – natürlich erst nach der Trennung – Mutter UND Vater. Wie absurd, dass Väter gerade in Zeiten einer Trennung, wenn jede Kommunikation sowieso schon schwierig ist, plötzlich die Zeit mit Kind völlig neu aushandeln möchten. Wenn es wirklich um den Kontakt zum Kind gehen würde, könnte ein Väter an jedem einzelnen Tag vor der Trennung sagen, dass er lieber weniger arbeiten und sich dafür auf Kosten des Familieneinkommens mehr um die Kinder kümmern möchte.

Ich würde mich sogar zu der These hinreißen lassen, dass ein Vater, der schon vor der Trennung eigenständig einen wirklich relevanten Anteil an Aufgaben in Bezug auf die Kinder wahrgenommen hat, gar nicht so einfach aus dem Leben der Kinder wegzudenken ist. (zitiert nach joechenkoenig.net)

Eine Studie der Heinrich-Böll-Stiftung hat bereits vor Jahren die intensiven Verbindungen der Männerrechtsbewegung zum Rechtspopulismus umfassend untersucht. Auf eine eingehende Untersuchung der Väterrechtsbewegung wurde aus Zeit- und Ressourcenmangel verzichtet, allerdings erklärt der Autor in der Einleitung, dass die Väterrechtler den größten Unterstrang der Männerechtsbewegung ausmachen. Diese zeichnet sich aus durch:

Die Antifeministen unterscheiden sich in Ideologie und Wortwahl durchaus. Eine ihrer Strömungen vertritt eine Mischung von (Rechts-)Populismus, aus Nationalismus und Frauenfeindlichkeit, mit homophoben und rassistischen Einstellungen versetzt. Es gibt Berührungspunkte zum Rechtsextremismus. Propagiert wird ein Kreuzzug und ein Aufstand gegen den Feminismus, und
damit wird an eine kriegerische Männlichkeit appelliert. Auch vom norwegischen Massenmörder Anders Behring Breivik distanziert sich diese Gruppe kaum. (1)

und weiter:

Antifeminismus in Form von Hasspropaganda («hate speech») dient als
gemeinsame Klammer. Ohne nähere Kenntnis von Feminismus sprechen Antifeminist/innen stereotyp von Männerhass, Frauenherrschaft und vom Niedergang des Volkes. Den Kampfbegriff «Lila Pudel» setzen sie gegen Männer ein, die an Gleichheit und feministischen Perspektiven interessiert sind. Die Hasspropaganda zielt auf Einzelpersonen, deren Entwürdigung und deren Erniedrigung ab. Sie werden beleidigt, an einen virtuellen Pranger gestellt, gegenüber ihren Arbeitgeber/innen diffamiert, und ihnen wird des Öfteren sogar mit Vergewaltigung oder Mord gedroht. (2)

und die Politik aufgefordert:

Die staatliche Politik hat den Verfassungsauftrag, die Gleichberechtigung zu
verwirklichen. Aus den ausführlich angeführten Gründen bilden die antifeministischen Männerrechtler/innen trotz ihrer Gleichheits- und Benachteiligungsrhetorik dabei keine Bündnispartner, sondern sie stellen sich teils aggressiv gegen staatliche Gleichstellungspolitik und ihre Maßnahmen. Bei der Debatte um die staatliche Rahmengebung für das Internet sind sowohl die Meinungsfreiheit wie die Einhaltung der Grundrechte zu beachten. Das Internet darf nicht zum rechtsfreien Raum werden, in dem die Menschenwürde missachtet wird oder Mord- oder Vergewaltigungsdrohungen ausgesprochen werden. (3)

 

Auch der bekannte Autor und Forscher Andreas Kemper, der die rechte Bewegung so gut kennt, wie kein anderer, weist seit Jahren auf die Zusammenhänge zwischen rechter Männlichkeit, Antifeminismus und dem Festhalten an autoritären Familienstrukturen hin.

Prominente Vertreter der Väterrechtsbewegung in Österreich sind bereits mehrfach wegen Körperverletzung vorbestraft – keine Seltenheit unter Väterrechtlern, und ihre Expartnerinnen mussten Frauenhäuser aufsuchen. Auch die Verbindungen nach rechts sind hinreichend bekannt.

Das Auftreten der Väterrechtler ist kein Symptom einer sich wandelnden Geschlechterordnung, in der Väter mehr betreuen und Frauen mehr Autonomie erhalten, im Gegenteil: Es ist der verzweifelte Versuch, eine überkommene Ordnung der Abhängigkeit der Mutter und Ehefrau vom Ehemann zu erhalten, notfalls mit Gewalt, ganz klar aber mit den zu verurteilenden Mitteln des Hate Speechs. Hier geht es um das Recht des Mannes am Kind, nicht um dessen Wohl, und das entspricht dem, was das Patriarchat seit tausenden von Jahren zementiert. Das zu unterstützen, bedeutet, jede Art von Fortschritt, von Befreiung, von Veränderung, im Keim zu ersticken, mit dramatischen Folgen für die Betroffenen. Die Ausmaße dieser Entwicklung sind Nichtbetroffenen überhaupt nicht klar. Im Namen des Vaters werden sogar Grundrechte ausgehebelt. Im Grundgesetz heißt es:

Grundgesetz Artikel 11 (1) Alle Deutschen genießen Freizügigkeit im ganzen Bundesgebiet.

Grundgesetz Artikel 12 (1) Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen.

Hat eine Frau aber ein Kind mit einem Mann, so darf sie weder mit dem Kind, selbst wenn sie das alleinige Sorgerecht hat, den Wohnort wechseln noch eine weiter entfernte Arbeitsstelle annehmen, um das Umgangsrecht des Vaters nicht zu gefährden. Sie hat keinen Anspruch auf Schutz vor dem gewalttätigen Expartner und muss sich dessen Psychoterror, häufig unterstützt durch Umstandspfleger, Verfahrensbeistände und voreingenommene Jugendamtsmitarbeiter und Richter, hilflos ausliefern, begleitet von der Angst, ihr Kind ganz zu verlieren. Hier entsteht eine ganze Generation traumatisierter Mütter, die mit dem ohnmächtigen Gefühl der Hilflosigkeit allein gelassen werden – zusätzlich zu der massiven finanziellen Benachteiligung, Mehrfachbelastung und sozialen Diskriminierung, der sie als Alleinerziehende ausgesetzt sind. Setzt man das in das Verhältnis zu der überwältigenden Masse abwesender und unterhaltssäumiger Väter, dann wird erkennbar, dass sich zwischen den lauten Jubelrufen über die neuen Väter, dem Geifern der Väterrechtsbewegung und der Realität große Differenzen ergeben.

Der Anspruch der Väter auf die Kinder, den Frauenkörper und die Mutter ist von einem starken Gewaltanspruch geprägt, in dem sich das Echo vergangenen Frauenhasses widerhallt. Die Frau wird zum „Gefäß“ für seine Gene, zum Gegenstand, der sich seinem Willen unterzuordnen hat, auch, wenn gar keine Ehe besteht oder je bestanden hat. Unterstützt wird dieser Gewaltanspruch durch die fehlgeleiteten Entscheidungen von Familiengerichten, die der Meinung sind, im Dienste einer modernen Familienpolitk zu stehen, dabei erfüllen sie nur uralte patriarchale Ansprüche.

Immer häufiger wird als Ergebnis der Vaterrechtspropaganda das gemeinsame Sorgerecht gegen den Willen der Mutter bestimmt, die Hinweise auf eine gestörte Kommunikation bleiben ungehört. Das ist eine dramatische Entwicklung, die nur stattfinden kann, weil die meisten Nichtbetroffenen davon ausgehen, dass sie damit nie zu tun haben. Das böse Erwachen kommt dann nach der Trennung. Tragisch daran ist auch, dass das sicher berechtigte Anliegen einiger Väter, mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen oder diese auch nach der Trennung sehen zu wollen, in dem populistischen Treiben der Väterrechtler untergeht und sich die Fronten völlig verhärten. Betroffene Mütter haben immer mehr das Gefühl, mit dem Rücken an der Wand zu stehen.

Die Politik mag vielleicht dem Irrtum aufsitzen, dass die Rechte von Müttern nicht entscheidend für den Wahlkampf sind. Tatsächlich höre ich aber von immer mehr Frauen, dass sie entweder ganz auf Kinder verzichten oder aber den Vater aus Angst vor späteren Konflikten und entsprechender Benachteiligung vor dem Familiengericht gar nicht mehr angeben – und das ist ganz sicher nicht im Sinne einer modernen Familienpolitik.

Es ist ein Trugschluss, zu glauben, Väterrechtler seien das Problem der Mütter. Ihre Vernetzungen reichen weit bis in die großen Parteien, wie eine kurze Google-Suche von Mitgliedern der Väter ohne Rechte Gruppe auf Facebook zeigt. So sitzt deren Mitglieder für die Sachsen CDU in Beiräten oder werden von Ortsverbänden auf SPD Parteitage geschickt. Viele Mitglieder vertreten Ansichten, die nicht nur frauenfeindlich sind; sie sind auch hasserfüllt und ihr Hass richtet sich nicht nur gegen Mütter, sondern auch Flüchtlinge, Immigranten, Homosexuelle und Feministinnen. Die gemäßigteren Vertreter versäumen es, sich von diesen Aussagen zu distanzieren und ihrem Anliegen damit eine legitime Basis zu verleihen. Militante Väterrechtler sind ein gesamtgesellschaftliches Problem, das es für eine freie und gleichberechtigte Gesellschaft zu überwinden gilt. Alles andere ist nicht nur Verrat an den Frauen und Müttern, sondern auch an den Kindern, die zu Verhandlungsmasse im Überlebenskampf der patriarchalen Vaterrechte werden.

Literatur zum Weiterlesen:

https://www.netzwerk-muetterinitiativen.com
Heiliger, Anita (2008): Vater um jeden Preis? Zur Kritik am Sorge- und Umgansrecht. Frauenoffensive
Mama zwischen Sorge und Recht

Notes:

(1) https://www.gwi-boell.de/sites/default/files/antifeministische_maennerrechtsbewegung.pdf Seite 7
(2) ebda.
(3) https://www.gwi-boell.de/sites/default/files/antifeministische_maennerrechtsbewegung.pdf Seite 158

 

12 Kommentare

  1. Transaktivisten? Was gibt es für Probleme mit Transaktivisten?

  2. Käsestulle

    Es ist nicht Zeit für Väterrechte, sonder für Väter_PFLICHTEN.
    Die meisten würden sich nämlich umgucken, wenn sie sich 24/7 um Kinder kümmern müssten.

    Von daher – wenn möglich – einfach das Kind mal dort lassen. Er bringt es eh in Kürze zurück.

  3. Gabypsilon

    Donnerwetter, sind einige dieser Männer wohl auch in Freierforen unterwegs und manche hatten Gruppentreffen in Erfurt?
    Das, was ich über Frau Katarina Barley lesen muss, erinnert mich an die Hohepriesterinnen der Männerherrschaft, die daran beteiligt waren, dem Prostitutionsgesetz auf die Beine zu helfen.

  4. Frau Holle

    Sehr gute Zusammenfassung der Lage.

    Ich hoffe, dass auch Politikerinnen dies lesen werden und zwar solche, die nicht Handlanger dieser augeblasenen Faschisten sind, sondern Frauen die wissen wie man sich durchsetzt gegen diese Heinis und die was zu sagen haben.

  5. Das ist alles so widerlich. Und trotzdem frage ich mich halt doch, weshalb diese Frauen/Mütter mit solchen Männern Kinder hatten. Der hat sich doch nicht von einem Tag zum andern in ein solches Monster verwandelt. Oder doch?
    Also mir zeigt es nur, dass Frauen bei der Wahl ihrer Partner noch viel viel vorsichtiger sein müssen. Und Kinder erst dann, wenn aus der Verliebtheit auch Liebe gewachsen ist. Ach ja, das naive Vertrauen der Frauen.

  6. der Artikel bringt es perfekt auf den Punkt. Die Täuschung wird entlarvt. Belege für die Argmentationen gibt es zu genügend! Jetzt bleibt zu hoffen, dass progressiste PolitikerInnen diese Zeilen aufmerksam lesen und ihnen ein Licht aufgeht bevor Frauen und Kinder durch ein paar neue pro Väterrechtler-Gesetze mehr ins Mittelalter zurückkatapultiert werden…

  7. Es ist alles richtig, was in diesem Artikel steht. Aber es ist leider nur ein Problemkreis. Narzisstisch kranke Väter gab es schon immer und wird es immer geben. Der andere Problemkreis sind die massiven strukturellen Missstände im Familienrechtssystem – also FamGericht und angeschlossenem Helfersystem. Diese Missstände und dieses pervertierte Verständnis von „Gleichberechtigung“ führen dazu, dass Frauen derzeit in Deutschen Familiengerichten täglich menschliche Tragödien erfahren. In der Regel trifft es das sog. Bildungsbürgertum, noch nicht einmal die sozialen Randschichten, auch wenn man das von der Sprache her denken würde. Viele Frauen berichten mir (und ich habe es selbst erlebet), dass sie die familiengerichtlichen Verfahren wie einen Hexenprozess erleben haben: Sie wurden überhaupt nicht gehört; sie konnten sagen, was sie wollten. Alles wurde verdreht und zugunsten des Vaters ausgelegt. Egal mit welcher Hintergrundsituation: Am Ende waren sie schuld! Das Kind wird zur Sache. Und das Schlimmste was Frauen erleben ist die Tatsache, ihre eigenen Kinder nicht schützen zu können. Artikel 6 Abstz 4 unseres Grundgesetzes muss endlich auch im Familienrecht Einzug finden! Mütter müssen gestärkt und geschützt werden – und nicht die vermeintlichen Väterrechte. http://www.muetterlobby.de

  8. Ich finde es nicht in Ordnung, solche Dreckskommentare (von den militanten Typen) abzudrucken. Ich hab sie zwar nicht gelesen, weil ich mir so ein hasstriefendes Geseiere nicht antun will; aber ich finde das ist eine Zumutung für die Leserinnen. Was soll das? Entsprechende Links hätten es auch getan – wenn es denn überhaupt sein muß – als daß ihr euch und die Leserinnen dieser Online-Zeitung mit Hasstiraden vergiftet. Einfach nur unappetitlich.

    @Yvonne: Frauen haben oft keine SELBSTLIEBE im Leib. Darum gibt es so viele Griffe ins Klo bei der Partnerwahl. Wenn frau nur den Hauch von Menschenkenntnis hat, merkt sie doch bei der ersten Begegnung, daß solche Typen Machtgeilheit und Gewaltbereitschaft aus jeder einzelnen Pore ausdünsten. Ich finde, das riecht frau 10 Meilen gegen den Wind.

  9. Ja, Barbara Thieme hat Recht. Ich erlebe Alle Ämter, Behörden und auch die Justiz als extrem Frauen- und Mütterfeindlich. Das nicht Zuhören können oder wollen zeugt von der grassierenden Arroganz, welche immer mit Ignoranz einhergeht.

  10. Mein Gott, die armen Väter! Fragt sich nur warum sie keine Kondome verwenden wenn sie nicht durch Vaterschaft von monströsen Horrorweibern abhängig werden wollen. Wem die Kindesmutter auf die Nerven geht der soll halt kein Kind machen. 40% der deutschsprachigen Männer wollen eh keine Kinder, die meisten davon sind nur zu egoistisch und zu blöd zum Verhüten. Soviel zu den Vätern.

    Was die Mütter betrifft: Frauen sind leider auch beteiligt an der Misäre, und zwar indem sie auf Machos stehen, mit Arschlöchern Sex haben und Kinder von ihnen austragen. Da braucht es noch eine Menge Selbstreflexion.

  11. M.E. kann ein Mann durchaus ein guter und einfühlsamer Partner sein, aber
    da er keine Verantwortung tagen kann, wird/wäre er ein lausiger Vater.
    Muss VORHER abgecheckt werden. Und ja, viele Frauen drängen sofort auf Heirat und Kinder ohne den Mann überhaupt erst kennengelernt zu haben. Verliebtheit ist der schlechteste Moment für Heirat und/oder Schwangerschaft. Erst wenn die Verliebtheit durch Bindung und Liebe ergänzt wird, sollte eine Heirat und/oder Schwangerschaft erfolgen. Und ja,
    manche Männer zeigen ihr wahres Gesicht erst nach Heirat und/oder Kindern. Schwierig, aber machbar. Auch sollte die Schwiegermutter angeschaut werden und den Umgang des künftigen Partners mit ihr und anderen Frauen. In der heutigen Zeit ist es ohnehin für beide schwierig geworden, Beruf, Haushalt und Kinder unter einen Hut zu bringen.
    Frauen, passt einfach auf. Im Zweifelsfalle hilft Euch nämlich NIEMAND.
    Evt. geht dann auch noch Eure Freundin den EX trösten. Alles schon gesehen. AUFPASSEN!!!!

  12. Wenn ich mir vorstelle, dass ich unter Zwang bei meinem „Vater“ im Wechselmodell hätte leben müssen. In einer 1-Raum-Wohnung eines Alkoholikers, der sich vor der Trennung auch schon einen Dreck für uns interessiert hat und nachher extra aufgehört hat zu arbeiten, damit er keinen Unterhalt zahlen muss. Damit ist er sehr leicht durchgekommen, wie sie fast alle damit sehr leicht durchkommen. Der Mutter einer Freundin drohte der Erzeuger sogar mit Mord an ihr und der Freundin (als Baby).
    Ich bin heilfroh über unsere heimliche Flucht und seine Trägheit. Mir wurden viele Steine in den Weg gelegt, denn viele Sachen mussten von beiden Eltern unterschrieben/genehmigt werden, wir haben uns irgendwie durchgemogelt.
    Meiner Meinung nach hat der „Vater“ keine Rechte am Kind, ob er in die Eizelle oder gegen die Wand ge*** hat, macht für ihn eigentlich keinen Unterschied. Ist nur wieder eine Machtdemonstration, um Frauen zu quälen. Frauen sollten sich niemals auf einen Mann verlassen. Am besten per anonymer Spende ein Kind bekommen, wenn es denn sein muss.

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