Die Heimkehr der Göttin – die Heldenreise aus weiblicher Sicht

Wer sich mit Storytelling oder mit C.G. Jung beschäftigt, der kommt an der Heldenreise nicht vorbei. Von der Odyssee über das Gilgamesch Epos und Star Wars bis Harry Potter bildet sie das Grundmuster aller großen Erzählungen der Menschheit, so heißt es. Joseph Campbell gilt als der Entdecker dieser mythischen Erzählstruktur, die zu Disneys Erfolgsgeheimnis wurde. In 12 Schritten reist der Held in die Untewelt und kehrt mit einem Elixier in die Oberwelt zurück, deren Herrscher er wird. Im Wort »Herrscher« liegt schon der erste Hinweis, womit wir es hier zu tun haben – mit männlichem Größenwahn. Die Unterwelt, die eigene Psyche, als Ort der Machtaneignung des Männlichen.
Seither fasziniert die Heldenreise Geschichtenerzähler ebenso wie Suchende und Psychonauten. Sie gilt als der Schlüssel zu unserer Seele und zu unserer Selbstheilung.

Allein, für Frauen funktioniert sie nicht. Ganz gleich, wie oft ich die Heldenreise in meinen Erzählungen anwandte, sie taugte einfach nicht für weibliche Protagonistinnen. Es gab zwar Versuche, sie sozusagen »weiblich« zu übersetzen, doch sie alle blieben dem patriarchalen Diskurs verhaftet. C. G. Jung selbst war der Meinung, dass das Innenleben von Frauen und ihre Bewusstseinsentwicklung nicht so spannend sein könnten wie das von Männern.

Einen Verweis auf das, was mich an der Heldenreise störte, fand ich bei Mary Daly, ein einziger Satz, in dem sie von einem Gespräch mit Joseph Campbell berichtete, der sagte, die Frauen brauchten die Heldenreise nicht, sei seien längst dort. Ein bemerkenswerter Satz, dem kaum jemand Beachtung schenkte, weil Mary Dalys Analyse selbst als ein Mysterium gilt, schon aufgrund ihrer Sprache. Was Joseph Campbell meinte, ist, dass Frauen die Trennung vom Selbst, vom Unbewussten und der Welt an sich, nicht überwinden müssen, weil sie mit ihr auf andere Weise verbunden sind. Das trifft auf den Urzustand des Weiblichen wohl zu und wird auf vielfältige Weise von der Forschung unterstützt, ob es nun den Ausstoß von DMT an Tag 40 der Schwangerschaft geht oder die Nutzung der rechte Hirnhälfte bis zum Ende der Fruchtbarkeit bis hin zum Großmutter-Paradox geht, doch knapp 5.000 Jahre Patriarchat haben in uns Frauen das hinterlassen, was man ein kollektives, transgeneratives Trauma nennen kann. Wir, das sind die Überlebenden. Die Widerständigen sind tot. Wir müssen mit dem zurechtkommen, was wir aus der Asche und den Spuren lesen können, und was unsere eigene, innere Wahrheit uns sagt, was die Göttin uns zuflüstert, wenn man so will.

Tatsächlich gibt es sehr wohl so etwas wie eine weibliche Heldenreise, in der Erzählung von Inanna und auch in der Persephone Erzählung finden wir Elemente dessen, was wohl einst die ursprüngliche Reise in das Innere gewesen sein muss, bevor das Patriarchat es an sich riss und kompromittierte.

Wenig verwunderlich hat die weibliche Heldenreise nicht 12, sondern 13 Stationen, jene angebliche Unglückszahl, die in Wahrheit magische Wandlungskraft hat.

1. Die Welt der Väter

In Campbells Heldenreise ist dies »die normale Welt«. Wir Frauen werden geboren in einer Welt, die von Männern definiert wird und die uns Frauen unseren Platz zuweist. Wir erleben Widersprüche, etwa, dass Jungen von Anfang an mehr Freiräume erhalten als wir, doch noch fehlt uns das Bewusstsein, diese Widersprüche zu dekonstruieren. Wir wollen geliebt werden, von unseren Vätern und wir schauen all die romantischen (Disney)filme, in denen uns beigebracht wird, dass es das Wichtigste im Leben einer Frau ist, den richtigen Mann zu finden und von ihm geliebt zu werden. Darin, so heißt es, liegt das höchste Glück im Leben einer Frau. Dann erst kann sie wahrhaft glücklich, wahrhaft Frau sein.

2. Der Ruf der Sehnsucht

Was in Campbells Heldenreise »der Ruf des Abenteuers« ist, ist für Frauen der Ruf der Sehnsucht. Irgendwann ist er da, der Eine, auf den wir so lange gewartet haben. Zumindest sind wir uns dessen sicher. Da kommt ein Mann, für den wir alles über den Haufen werfen, Studium, Job, Freiheit, um mit ihm die langersehnte Zweisamkeit zu leben. Wir reisen, wir heiraten, alles scheint perfekt. Ja, es scheint. Denn lange währt dieses Glück nicht. Die Kleinfamilie aus Vater, Mutter und Kind ist ein patriarchales Konstrukt. In Wirklichkeit lebte die Menschheit über Jahrtausende hinweg in matrifokalen Kleingruppen mit den Müttern im Zentrum. Frauen waren die verbindenden Elemente der Gemeinschaft, Hierarchien, Macht, Krieg waren unbekannt.

3. Der Verrat/der Verlust

Es kommt, wie es kommen musst. Die romantische Illusion bekommt Risse. Der Traummann betrügt uns, schlägt uns, verlässt uns oder entpuppt sich einfach nur als Langweiler. Vielleicht ist er auch ein Narzisst oder einfach nicht der, für den wir ihn hielten. Wir bekommen das Gefühl, betrogen worden zu sein, nicht nur von ihm, sondern von der ganzen Welt. Dieses Gefühl kennen Frauen gut. Worauf es jetzt ankommt, ist, wie sie damit umgehen.

4. Das Labyrinth der Seele

Die Illusion der Einheit der Paarbeziehung wurde zerstört. Das Gefühl des Getrenntseins ist stark und so irrt die Frau nun durch ein Labyrinth. Wer bin ich eigentlich? Und was ist das für eine Welt, in der ich da lebe? Eine Welt, die mir sagt, ich könnte sein, wer ich will, und mich doch immer wieder in Rollenmuster zwängt, die meine Freiheit beschneiden, ja, die mir sogar Gewalt antun? Von Porno bis Prostitution, von Alltagssexismus bis häuslicher Gewalt und Femizid die Welt ist voll von dem, was das Patriarchat Frauen antut, während es uns erzählt, wir seien frei. Auch emotionale Gewalt, psychischer Missbrauch oder schlicht Vernachlässigung sind Teil dieser Täuschung.
Jetzt kann die Frau nicht mehr wegsehen. Sie irrt umher und sucht verzweifelt einen Ausweg, um die Ordnung in ihrer Welt wieder herzustellen. Fatalerweise gibt es dafür verschiedene Möglichkeiten. Sie kann sich einfach wieder in die nächste Paarbeziehung stürzen. Sie kann trinken, Drogen nehmen, sich betäuben, sich mit Arbeit ablenken. Sie kann vor der Wahrheit davonlaufen. Oder sie trifft die Entscheidung, das Labyrinth verlassen zu wollen.

5. Die Begegnung mit dem Wächter

Mit dieser Entscheidung allein ist es nicht getan. Plötzlich steht die Frau vor jemand, der sie auf die Probe stellt. Er sagt ihr: »Du kommst hier nicht vorbei.« Ein unangenehmes Gefühl! Sie muss alles ablegen, was sie über sich zu wissen glaubt. Von hier aus geht es nur nackt weiter, schutzlos. All ihre Waffen, all ihre angehäuften Gewissheiten, sie muss sie abstreifen. Alle »Wahrheiten« der Oberwelt gelten hier nicht mehr. Ist sie bereit, sie loszulassen? Übertritt sie diese Schwelle, ist nichts mehr, wie es war, es gibt kein Zurück mehr. Deshalb prüft der Wächter sie. Meistens ist es jemand, den wir nicht besonders gut leiden können, eine unangenehme Begegnung, jemand, der uns durch und durch durchschaut und all unsere Ablenkungs- und Selbsttäuschungsmanöver durchschaut. »Ich bin ein Opfer« oder »immer gerate ich an die falschen Männer«, sind solche Selbsttäuschungen.

Vielen Frauen gelingt das nicht. Sie schrecken zurück, behalten ihre Rüstungen lieber an, bleiben im Schmerz, irren weiter durch das Labyrinth.

6. Das Abstreifen der alten Haut

Doch wenn der Schmerz groß genug ist, dann ist die Frau bereit, das zu tun, was der Wächter verlangt. Sie streift alles ab, was sie ausmacht, brennt ihre alte Haut, ihr altes Sein nieder, rasiert sich den Schädel kahl, bis sie nackt dasteht. Alles, was sie einst in der Oberwelt ausmachte, ist vergangen. Sie ist nicht mehr »schön« im Sinne von »sexy«. Sie ist nicht mehr »reich«, nicht mehr »berühmt«, nicht mehr »begehrenswert«. Sie ist nicht mehr »die Frau von dem und dem« oder die »Mutter von dem und dem«. Dieses Brennen, dieses Abstreifen der alten Haut ist ein unendlich schmerzhafter Prozess. In unserem Leben ist das der Moment, in dem alles auf den Kopf gestellt wird. Wir verlieren Menschen, die auf einmal nicht mehr unsere Freunde sein wollen, weil sie mit diesem »Brennen« nicht zurechtkommen. »Ich verstehe dich nicht mehr« oder »ich weiß gar nicht mehr, wer du bist«, sagen sie. »Ich glaube, du hast dich verloren.« Stimmt! Das ist der Moment, an dem die Magie beginnt!

7. Der Urgrund der Knochenmutter

Wer das Brennen übersteht, der gelangt zum Urgrund der Knochenmutter. Hier steht die Zeit still, hier ist der Nullpunkt. Dort sitzt sie, die alte Weise, die alles kennt und alles gesehen hat. Sie kennt all jene, die dir vorausgegangen sind, kennt jedes Leben, jedes Leid, das je beweint wurde, jeden Verlust, jeden Schmerz.
Die Frau kommt nackt dorthin, mit geschorenem Haar. Ein großes Weinen ist dort, bei der Knochenmutter, das ganze Weinen der Welt, um all das Leid, das Männer in die Welt getragen haben und das Frauen erduldet haben, doch hier ist auch der Anfang für alles neue, wahre Leben.
Eine Weile darf die Frau dort sitzen, darf bei der alten Knochenmutter einen Blick hinter den Spiegel werfen, sehen, wie das Netz des Lebens alles zusammenhält, wie ihre DNA mit der ihrer Vorfahrinnen verwoben ist und wie ihre Töchter ihr Erbe tragen. Erschreckend und schön ist es, was sie dort erfährt. Sie weiß nicht mehr, wer sie ist. Ist sie verrückt? Oder tot?
»Was soll ich jetzt tun?«, fragt sie die Knochenmutter.
»Etwas von dir muss hierbleiben«, sagt die Knochenmutter.
»Aber ich habe doch schon so viel verloren«, sagt die Frau.
»Und dennoch«, sagt die Knochenmutter.

8. Das Opfer

Wer aus der Reise in die Unterwelt etwas mitnehmen möchte, der muss einen Teil von sich da lassen. Die Frau hat nichts mehr, keine Kleider, keinen Schmuck, nicht einmal mehr Haare. Also muss sie etwas von sich heraustrennen und übergeben. Es kann ein Stück ihrer Seele sein oder ihres Körpers. Vielleicht ist es ihre Fruchtbarkeit. Vielleicht der Kinderwunsch. Vielleicht der Glaube an ihre Unverletzbarkeit, die Beziehung an ihre Mutter oder der Glaube an eine funktionierende Partnerschaft mit einem Mann. Es ist etwas Unwiederbringliches, etwas, das sie nie wieder erhält und das ihr Leben für immer verändert. Sie wird zögern. Sie wird hadern. Doch sie ist schon so weit gekommen. Sie wird das Opfer bringen.

9. Der Blick in Inannas Spiegel

Wer ein Opfer bringt, der wird belohnt. In diesem Fall kann sich die Frau nun so sehen, wie sie wirklich ist. Sie darf einen Blick in den magischen Spiegel der Wahrheit werfen. Sie sieht sich als die göttliche Inkarnation, die sie immer war, bevor die Glaubenssätze des Patriarchats sie unterdrückten und sie von ihrer Anbindung an die Große Mutter trennten. Sie sieht ihre Schönheit, sie sieht, dass sie unbesiegbar ist, weil sie bis zu dieser tiefsten Höhle vorgedrungen ist, weil sie keine Angst vor der Wahrheit hatte. Sie erkennt, in welcher Lüge sie all die Zeit in der Oberwelt gelebt hat und sie erkennt den gewaltigen Verlust, den das Patriarchat den Frauen aufgebürdet hat, über so viele Generationen hinweg. Sie erkennt, dass sie Teil einer jahrtausendealten Schwesternschaft ist. Sie erkennt ihr eigenes, unsterbliches, unverletzliches ich, stark, weiblich, unzerstörbar, mit unendlicher Schöpferkraft, jenes ich, das die Männer so sehr fürchten und von dem sie sie mit aller Macht zu entfremden versuchten.

10. Die Heimkehr in den Schoß der Göttin

In all dieser Erkenntnis weint und trauert die Frau, sie trauert um all das, was verloren ist und das, was sie gefunden hat und sie wird zugleich durchströmt von unendlichem Glück, denn endlich, endlich ist sie angebunden. Da ist sie die Liebe, die Mutterliebe, die Liebe, nach der sie so lange gesucht hat. Sie kehrt heim in den Schoß der Großen Göttin, die immer da war und immer da sein wird, jene, von der wir alle kommen und zu der wir alle zurückkehren. Sie erfährt die Liebe, nach der sie sich immer gesehnt hat, vollkommene Einheit. Sie ist eine Tochter der Göttin, in all ihren Aspekten, die Jungfrau, die Mutter, die alte Weise, die Knochenmutter. Sie ist eins mit der Welt und dem Universum. Alle Wunden der Frau, alle Traumata, sie heilen, verschwinden. Aller Schmerz endet.

11. Die Wiedergeburt

Aus dem Schoß der Göttin, aus dem Quell allen Lebens, wird die Frau wieder geboren. Sie erhebt sich, setzt sich neu zusammen, ein neues, ganzes, heiles ich, unberührt, unverletzt von all den Anfeindungen des Patriarchats, strahlend schön, wird geboren. Sie ist geheilt. Sie ist ganz. Sie ist heilig, heil geworden im Raum der Göttin. Durch sie und mit ihr hat sie sich und ihre Vorfahren, ihre ganze Ahnenlinie geheilt und Segen über ihre Töchter gebracht, die sie vom patriarchalen Fluche befreit hat. Sie muss sie nicht korrumpieren, damit sie in der patriarchalen Welt funktionieren.

12. Die Herstellung der ursprünglichen Ordnung

Die Frau kehrt zurück in die obere Welt. Dort hat man sich schon Sorgen gemacht. »Was mit der wohl nicht stimmt?« Jetzt stimmt gar nichts mehr. Wie eine Furie fegt sie durch ihr Leben und macht Ordnung. Sie schmeißt alles raus und um, was nicht mehr stimmt, Männer, Job, Freundinnen. Nichts, was nach patriarchalen Regeln wirkt, darf noch in ihrem Leben sein. Es ficht sie nicht mehr an, was jemand über ihren Körper, über ihre Handlungen sagt. Sie ist frei und trägt das Feuer der Göttin in sich. Sie ist geschützt und gehalten in einem unsichtbaren Raum für all jene, die nie im Schoß der Göttin waren. Das Feuer brennt in ihr, doch es verbrennt sie nicht. Sie ist eine Frau der alten Ordnung, jene Ordnung, die war, bevor die Männer sie usurpierten und die Welt in Chaos und Leid stürzten.

13. Die neue, alte Welt der weiblichen Ganzheit

Jetzt lebt die Frau ihre Wahrheit, die aus ihrer Mitte heraus spricht. Sie kann sich einen Gefährten suchen oder es lassen, doch sie weiß, dass ihr Glück nicht in der Paarbeziehung liegt, sondern in sich selbst. Männer reagieren auf ihre geheilte Weiblichkeit mit Faszination, manchmal auch mit Aggression, doch sie hat keine Angst mehr. Sie hat das Spiel durchschaut. Ungeheilte Weiblichkeit jüngerer Frauen reagiert auf sie mit Manipulationsversuchen, mit der unbewussten Sehnsucht nach der starken, heilen Mutter, die es doch im Patriarchat nirgendwo gibt, alle möglichen Sehnsüchte und Vorwürfe werden an sie adressiert. Es wird versucht, sie in alle möglichen Dramen hineinzuziehen, damit sie wieder hineinpasst, in diese Welt aus Chaos und umgestürzter Ordnung, doch sie lässt sich nicht aus ihrer Mitte bringen. Sie ist sich selbst genug. Sie lebt ihre Wahrheit, ohne zu missionieren. Die Göttin spricht aus ihr und durch sie. Sie ist angebunden an etwas, das so viel größer und älter ist, als alles, was jetzt in dieser Welt ist. Sie kann kämpfen, wenn sie das möchte, doch sie wählt ihre Schlachten weise. Meist beschränkt sie sich auf die stille Bewunderung der Welt, der Schöpfung der Großen Mutter – ihrer Mutter! Was sie ist, war immer da und wird immer sein.

5 Kommentare

  1. Wunderbarer Beitrag. Frauen mussten sich nie aufspalten und die Welt “untertan” machen oder den Drachen besiegen. Nein. Ihre Heldenreise führt jedoch aus dem Patriarchat heraus zu ihren Ursprüngen. Und dies ist genau so schmerzhaft, traumatisch und oft sehr einsam, wie die Heldenreise eines Mannes. Nur anders. Sie muss “nur” ihren unversehrten Kern und ihre wahre Weiblichkeit wieder finden und den “männlichen Blick” samt männlicher Beurteilung hinter sich lassen. Einfach ist das nicht. Denn über Millenia wurde ihr Wissen gestohlen und verdreht und sie selbst in falsche Schablonen gepresst, unterdrückt, ausgebeutet und “zerstückelt”. Auch wurde stets darauf geachtet, dass ja keine wahre Solidarität unter den Frauen entstehen konnte, denn dies allein, hätte dem Patriarchat die Grundfesten entzogen. So ist auch heute die “Heldinnenreise” der Frau eine eher einsame Sache. Leider.

  2. irgendeine Userin

    Mein Kommentar in vier Kapiteln. 🙂

    1.
    Während des Lesens fragte ich mich, wie würde eine Sandkastenlesbe reisen? Ähnliche Wege (auch Lesben leben im Patriarchat und sind mit dessen Werten aufgewachsen), aber weniger Umwege (Männer)?

    2.
    Der im Text verwendete Begriff Labyrinth verwirrt mich.
    Irrgarten vs. Labyrinth.
    Ich habe mal gelernt, dass das Labyrinth im Ursprung weiblich sei: der Weg führt eindeutig nach innen und dann wieder nach außen. Im Labyrinth kann sich nicht verlaufen werden.
    Ein Irrgarten ist eher etwas Männliches. Für den Minotaurus wurde ein Irrgarten gebaut. Im Irrgarten soll sich verlaufen werden.

    3.
    Auch spricht der Text ein Gefühl in mir an, die verlorene Spiritualität der Frauen finden und wieder ins Leben integrieren zu wollen. Da passt es, dass ich am Wochenende von alten Frauen hörte, sie seien “dianic”. Hier gibt es ein bisschen Infos darüber https://www.guardiansofthegrove.org/what-is-dianic-tradition.
    Was wäre denn weibliche Spiritualität? Oder andere Fragestellung, welche Spiritualität hat die einzelne Frau?

    4.
    Schöner Text. Vielen Dank für das schöne Gefühl, das mir die Lektüre gab.

  3. Christiane

    Einfach nur Wow!
    Ich bin tief bewegt von dieser weiblichen Heldenreise. So stimmig, klar und ehrlich und voller Mitgefühl auf den Punkt gebracht. Ich fühle mich zutiefst gesehen in all diesen schmerzhaften Facetten. Und letztlich bleibt die Zuversicht, das alles einen Sinn hat auf dem Weg zu mir selbst und zur weisen Göttin.
    Danke!!

  4. Ingrid Mueller

    Vielen lieben Dank für diesen Text hier. Ich erkenne mich selbst in vielen Passagen wieder. Ich bin in eine Männerdominaten Familie geboren, habe 5 Brüder, keine Schwester.

    Meine Mutter war religiös so geprägt das Jungen viel wertvoller und wichtiger sind als Mädchen. Sie hat mich bereits als Kleinkind abgehnt. Ich bin gedemütigt, missbraucht und verachtet worden. Als 8 jährige habe ich mir einmal gewünscht mir solle etwas so schlimmes geschehen, damit ich sehe ob meine Mutter wenigsten ein einziges Mal um ihre einzige Tochter weine und ich erkennen kann, dass sie mich doch ein wenig liebt. Jetzt kommt die self – fulfilling prophecy. Mit 15 Jahren hatte ich mit meiner 1. grossen Liebe ( er war gerade 18 und hatte den Führerschein) einen sehr schweren Autounfall. Bei diesem Autounfall hatte ich ein Nah-Tod-Erlebnis, ich war im Licht und habe meinen völlig zerstörten Körper unten liegen sehen. Ich habe mich voll bewußt entschieden in meinen zerstörten Körper zurück zu kehren weil ich hier verdammt noch mal eine Aufgabe habe. Meine Mutter hat nicht um mich geweint. Sie hat mich in dem Jahr im KH drei mal besucht. Mein Vater hat um mich geweint und er sagte mir damal: “Ingrid, du darfst nicht sterben, du bist ein einziges Töchterlein”. Und dann bin ich nicht gestorben, das könne ich Papa, der mich so oft während meiner Kindertage geschützt hatte vor Mutter, vor den Brüdern, der mir immer sagte: “Lass dir nicht von den Brüdern die Butter vom Brot nehmen” nicht an tuen.
    Er und Astrid Lindgren mit ihrer Pipi Langstrumpf haben mir das Leben gerettet, zumindest in den Kindertage. Heute brauche mein Leben nicht mehr retten, den ich bin getragen von guten Seelen und Energien.

    Im nächsten Schritt habe ich begonnen jedes einzelne Körperteil, jede einzelne Körperzelle an mir zu lieben und mich voller Liebe vollkommen selbst an zu nehmen. Die Ärzte haben mir in dem Jahr im Krankenhaus oft gesagt was für körperliche Konsequenzen meine schweren Verletzungen wie z.B mein Blasenriss, Beckenbruch, Oberschenkelhalsbruch haben werden und ich hätte ein Leben lang damit zu kämpfen

    Ich habe ihnen kein einziges Wort geglaubt.

    Ich erfreue mich bester Gesundheit und finde mich schöner, mit jedem Jahr was auf mein Lebenskonto drauf kommt. Kein Mensch schätzt mein wahres Alter von fast 60 Jahren.

    In meinem 30 Lebensjahr habe ich meiner Mutter ihre Lieblosigkeit und Hartherzigkrit verzeihen können. Sie selbst würde als Tochter abgelehnt. Von diesem Tag an habe ich mich entschieden nie wieder Hass, Neid oder Eifersucht in mir zu tragen, denn diese Energien verändern und vergiften unseren Körper, unseren Geist und schaden unserer Seele.

    Indem ich meiner Mutter vergeben habe, habe ich sie und mich selbst und die gesamte weibliche Ahnen Reihe in meiner Linie geheilt.

    Von meinen Männern bin ich geschlagen und betrogen worden. Ich habe ihnen vergeben. Ich mache mein Glück nicht mehr von einem Mann abhängig. Mir geht es gut so wie es ist. Sollte noch einmal einer kommen, der mir gefällt, dann greife ich vielleicht noch mal zu.

    Mein Mantra für dieses Leben:

    Mit meinen freudigen, offen Herz und mit meinem Diener, dem Verstand möchte ich jeden einzelnen Tag etwas mehr Heilung in die Welt bringe.

    Dies tue ich durch ein freundliches Lächeln, und einen werdtschätzenden und respektvollen Umgang zu meinen Mitmenschen.
    Auch, indem ich den Frauen z. B meinen Kolleginnen, Freundinnen sage, wie wunderschön sie sind, vielleicht glauben sie es irgendwann einmal selbst. Indem ich die Kinder dieser Welt bewundere, mit ihnen spiele.

    Bis zu meinem letzten Atemzug werde ich meinen eigen Werten treu bleibe.

    Meine wunderbare Tochter bekommt im September ihren zweiten Sohn. Ich freue mich.

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