Die Heuchelei der Sexismus-Kritik

Fight Sexism Graffiti

by Metro Centric via Flickr, [CC BY 2.0]

Der Streaming-Anbieter Netflix startet in Deutschland und setzt sich gleich mal mit einem Tweet in die Nesseln: Auf einem inzwischen gelöschten Bild ist ein Ausschnitt der Serie Archer zu sehen, auf der ein Mann von sieben Frauen umringt ist und dazu der Spruch “Für jeden Geschmack etwas dabei”. Die Netzgemeinde ist in Aufruhr, erboste Tweets ereilten Netflix, auch die Mädchenmannschaft schrieb gleich was dazu. Immerhin sind wir hier im Land von #Aufschrei und da müsse man vorsichtiger mit solchen Themen umgehen. Netflix löschte den Tweet und entschuldigte sich – doch die Aufregung auf Twitter und Co. hält an. Frau wundert sich. Deutschland, das Land von #Aufschrei? Frauen, die als Waren, als Auswahl benutzt werden? Wir laden alle diejenigen, die sich gegen Netflix erbost haben, ein, sich doch mal auf den Seiten eines normalen Bordells umzusehen, oder noch besser: In den Freierforen. Dort finden sich die Zeilen “Für jeden Geschmack etwas dabei” häufig – und Frauen können nach Haarfarbe, Alter und sogar Rasse ausgewählt werden. Gleiches gilt für Pornos – und die haben anders als Netflix nicht nur 6.500 Follower auf Twitter, sondern Millionen tägliche Nutzer in Deutschland. Die Kritik an sexistischer Werbung geht davon aus, dass die Bilder, mit denen wir in Werbung und TV konfrontiert werden, die Normen bezüglich Geschlechter setzen. Aufschrei also für Netflix, wenn es jedoch um Pornos und Prostitution geht, ist die gleiche Netzgemeinde schnell dabei, von “Freiheit” und “Freiwilligkeit” zu sprechen – dabei handelt es sich bei diesen Frauen nicht um Comicfiguren, sondern echte Frauen, die man wirklich kaufen und anschließend penetrieren kann. Die Heuchelei der Sexismus-Kritiker beißt sich in den eigenen Schwanz. Wenn wir sexistische Frauenbilder kritisieren, fangen wir doch da an, wo wir genau sehen können, wie sie reale Frauen betreffen, in der Prostitution und im Pornobusiness. Ich kann die Empörung über solche “Ausrutscher” wie von Netflix nicht mehr ernst nehmen, wenn die gleichen Leute von Prostitution als “Arbeit” sprechen und die Bewerbung dieser Arbeit in all ihren nicht nur sexistischen, sondern zutiefst degradierenden Aussagen bereitwillig akzeptiert.

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