Die sich wandelnde Göttin II: Hekate, Demeter, Kore-Persephone

Enthroned goddesses, Demeter

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Das griechische Pantheon kannte viele weibliche Göttinnen. Es zeigt sich aber, das im Vergleich zu den vorantiken Göttinnen, die griechischen Göttinen nicht mehr unabhängig und aus sich selbst heraus existieren. Der oberste Gott ist der lüsterne Zeus, der auch über die Geschicke der Göttinnen verfügt. Die einzige Ausnahme ist Hekate, die Göttin des Spuks und der Hexerei, die wie Zeus die Tochter von Titanen ist, und sich seiner Herrschaft nicht unterwirft. Das macht sie zugleich zu einer Außenseiterin unter den griechischen Göttinnen. Eine der wichtigsten und langlebigsten war Demeter.  Sie war die griechische Göttin der Fruchtbarkeit, sie vollzog die “heilige Hochzeit” mit einem Sterblichen, um so die Felder jedes Jahr wieder fruchtbar zu machen. Etymologisch geht ihr Name auf “Gemeter” – die Erdmutter gä= griechisch für Erde – zurück, also Gemeter anstatt Demeter. Sie war die Schwester von Zeus, ihre Eltern selbst waren Titanen.  Mit Zeus zeugt sie ihre Tochter Kore-Persephone, die von Hades in die Unterwelt entführt wird. Kore bedeutet im Griechischen schlicht “Mädchen”.

Raub der Persephone

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Aus Trauer verbietet Demeter den Pflanzen zu wachsen, bis Hades Persephone freilässt. Von nun an darf sie je ein halbes Jahr mit ihrer Mutter unter der Sonne verbringen und muss für ein halbes Jahr in die Unterwelt zurückkehren, woraus sich der Wechsel zwischen Sommer und Winter ergibt. Im Winter ist Persephone bei Hades und Demeter trauert um sie. Persephone wird ebenfalls als Göttin der Unterwelt und der Fruchtbarkeit verehrt. Gemeinsam stehen die beiden Göttinen für den ewigen Kreislauf des Lebens und seine Wandlungen. Mit ihrem eigenen Vater Zeus, der zugleich auch ihr Onkel ist, zeugt Persephone ein Kind, weil Zeus sich in eine Schlange verwandelt, um ihr unerkannt beizuwohnen.


Der Kult der Demeter stammt aus dem vorderasiatischen Raum und jeder konnte an ihm teilhaben, sogar Sklaven. In Eleusis, wo der Eingang zur Unterwelt vermutet wurde, befand sich die wichtigste Kultstätte der Demeter, wo jährlich die eleusinischen Mysterien stattfanden, laut Aristoteles bereits seit 1500 v. Chr.  Politisch gehörte Eleusis zu Athen – das mit dem Demeter-Kult seine Macht ausbaute. Ab 420 v. Chr. mussten alle griechischen Städte einen Teil der ersten Getreideernte nach Eleusis schicken. Der Tempel wurde 396 n. Chr., mehr als 70 Jahre nach der Konstantinischen Wende und dem Bekenntnis des römischen Reiches zum Christentum, von Alararich und den Westgoten zerstört und später an der Stelle eine Marienkapelle errichtet. Überall in Griechenland wurde einmal im Jahr im Herbst ein dreitägiges Fest zu Ehren der Demeter gefeiert, die sogenannten Thesmophorien. Homer nennt diese Feiern “orgia”, was so viel wie “heiliges Tun” bedeutet – erst die Christen machten daraus die abwertende “Orgie”.  Obwohl das Christentum den Demeter-Kult verbot, wurde die Mysterien noch bis in das 5. Jahrhundert weitergefeiert. Das Haar der Göttin hat die goldenen Farbe reifen Getreides. Sie wird häufig mit Getreideähren dargestellt, weshalb sie bei Homer auch “Demeter-Schönhaar” heißt, bei den Griechen wurde sie zu “Ceres” für Getreide. Sie ist außerdem die Mutter des Plutos, dessen Vater der Sterbliche Jasion ist, der wiederum später von Zeus aus Eifersucht getötet wird.

Hekate Steinfigur

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Auch Ovid erzählt im 1. Jahrhundert nach Chr. vom “Ceres-Mythos”.

Der Glaube an die Göttin Hekate stammt ursprünglich aus dem kleinasiatischen Raum. Sie ist die Göttin der Hexerei, der Magie, der Nekromantie und der Wegkreuzungen, generell der Übergänge im Leben: Geburt und Tod. Sie hilft Demeter bei ihrer Suche nach Persephone. Sie wurde als eine Göttin der Frauen betrachtet und zum Beispiel bei der Geburtshilfe angerufen – doch sie stand zugleich auch in einem Konflikt mit der genuin griechischen Göttin Artemis, mit der sie sich viele Eigenschaften teilt. Aus diesem Grund gab es in Griechenland auch, ganz anders als bei Demeter, keinen öffentlichen Kult für sie, sondern sie wurde nur im Privaten verehrt. Aufgrund ihrer Unabhänigkeit von Zeus und ihrer starken Ausrichtung auf Frauen wird sie bis heute als “vorpatriachale” Göttin betrachtet, die matriachalen Ursprungs ist. Sie gilt als Göttin der Weisheit – und wird allgemein als freundlich beschrieben – aber sie kann auch zerstörerisch und rachsüchtig sein. Sie wird heute auch von vielen “Neuheiden” verehrt.

Tipp zum Weiterlesen:
Vera Zingsem: Göttinnen großer Kulturen. 2008 im Anaconda Verlag

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