Die Störenfrieda der Woche: Helene Stöcker

Helene Stöcker wurde am 13. November 1869 in Elberfeld geboren. Sie setzte sich zunächst für das Frauenstudium ein – denn Frauen durften zwar Gasthörerinnen sein, sofern die Professoren dies erlaubten, aber keinen Abschluss machen. Sie promovierte schließlich in der sehr viel liberaleren Schweiz, in der das Frauenstudium schon seit längerer Zeit erlaubt war, und eines ihrer wichtigsten Anliegen war ihr die sexuelle Befreiung der Frau und die Gleichberechtigung von Homosexuellen, die von vielen immer noch als krank und abartig betrachtet wurde. Über diese selbst in der Frauenbewegung als radikal angesehenen Ansichten zerstritt sie sich mit vielen anderen Frauen.
Helene Stöcker forderte die straffreie Abtreibung und gründete den Bund für Mutterschutz und Sexualreform. Dabei ging es ihr auch um Sexualaufklärung, sie wollte nicht länger hinnehmen, dass Mädchen und junge Frauen vollkommen unwissend in die Ehe gingen und keinerlei Ahnung über die Vorgänge in den eigenen Körpern hatten, nur weil es die bigotte Moral der Gesellschaft um die Jahrhundertwende nicht zuließ, während Männern alle Freiheiten gewährt wurden. Ein wichtiger Aspekt war für sie dabei auch der Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten und die Schwangerschaftsverhütung, was ihr nicht nur den Zorn der Kirche zutrug. Vielen anderen Frauenrechtlerinnen gingen ihre Ansichten zu weit. Sie musste sich mehrfach gegenüber Vorwürfen zur Wehr setzen, sie würde die Moral und Sittlichkeit der Mädchen in Gefahr bringen. Tatsächlich war es ihr Bund für Mutterschutz, der sich für die sogenannten „gefallenen“ Mädchen, also jene, die ungewollt und vor allem unehelich schwanger wurden, einsetzten.

Als der erste Weltkrieg ausbrach, gehörte sie zu den wenigen Frauenrechtlerinnen, die vehement für den Frieden eintraten und nicht in das nationalistische Geheul vom deutschen Sieg einstimmten. Sie floh schließlich vor den Nazis, wo sie 1943 vergessen und vollkommen mittellos verstarb.