Die unsichtbaren Frauen – Prostitution tötet!

Hamburg St. Pauli Eros-Center

By Huhu Uet (Own work) [GFDL or CC BY 3.0], via Wikimedia Commons

Immer wieder wird von den VerteidigerInnen der legalen Prostitution behauptet, Prostitution habe eine Art kanalisierende Funktion für die Gesellschaft – all die angeblich unbeherrschbaren Triebkräfte der Männer könnten hier ausgelebt werden, und so Frauen vor Vergewaltigungen beschützt werden. Mal davon abgesehen, dass diese Einstellung aus den Männern triebgesteuerte Idioten macht, die unter dem gern erfundenen “Triebstau” dann Verbrechen begehen – wer will wirklich mit solchen Männern zusammenleben? – entwürdigt dieses Argument Prostituierte zutiefst, sie werden zu “Mülleimern” für das, was Männer eben daheim nicht ausleben können, weil, wir wissen ja, in den Augen der ProstitutionsbefürworterInnen sind alle Ehefrauen per se prüde und frigide und treiben ihre Männer geradezu in die Arme der Prostitution. Wie aber schützen sich Prostituierte vor dieser “Triebauslebung” der Männer, die schon immer mit einer potenziellen Gewaltandrohung daher kommt? Die Sexarbeiter-Lobby gibt vor, es gehöre zur Professionalität von Prostituierten, gefährliche Freier zu erkennen und sie von der Gewalttat abzubringen. Gelingt dies nicht, hat die Prostituierte eben unprofessionell gearbeitet – den Mann, in all seinem “Triebstau” trifft natürlich keine Schuld.

Seit 1988 hat es in Deutschland 51 Morde und Mordversuche an Prostituierten gegeben. Das sind nur die Fälle, die von Abolitionistinnen bisher recherchiert werden konnten. Die Liste ist noch lange nicht vollständig und wird fortlaufend ergänzt. 1988 beging ein Hautarzt aus Frankfurt einen Mord und drei Mordversuche an Prostituierten. Er konnte verurteilt werden. 1993 wird die 16jährige Mandy in Hamburg brutal ermordet – ihr Täter wird erst Jahre später gefasst. Die Zeitungen schreiben von einem “Mord im Milieu” anstelle vom Mord an einer Minderjährigen. 1999 wird die erst 20jährige Sandy in Chemnitz wegen Schulden von sieben Männern schwer misshandelt und getötet.Die Reihe lässt sich beliebig fortsetzen und zeigt, dass keine Art von Prostitution sicher ist – weder die auf der Straße, noch im Lovemobil, noch in der Terminwohnung oder dem Bordell. Absoluten Schutz vor gewalttätigen Freiern kann es nicht geben.

Das Wiki “Sexindustry Kills” trägt alle Fälle zu Morden, Mordversuchen und Verbrechen an Prostituierten zusammen. Es ist eine Galerie des Schreckens. Mord und Vergewaltigung gehören zu den “Berufsrisiken” der Prostitution.

Seit 2002 ist Prostitution in Deutschland legal. Immer wieder wird argumentiert, nur legale Prostitution mache sie für die, die sie ausüben, sicherer. Es zeigt sich, dass die Zahl der Übergriffe auf Prostituierte sogar noch zugenommen hat – was kein Wunder ist, denn auch die Zahl der sich prostiuierten Personen ist angestiegen. Die “Ware Frau” – seit 2002 ist sie überall verfügbar, überall sichtbar. Wer Männern “Triebstau” unterstellt, muss nun auch davon ausgehen, dass sie bei diesem “Angebot” gar nicht widerstehen können und auch zu Gewalt greifen. Der Zynismus des Arguments “Triebstau” und “Kanalisierung” ist zutiefst menschenverachtend – und stammt zudem aus dem 19. Jahrhundert. Mit “Freiheit” und “Selbstbestimmung” hat er nichts zu tun, er macht aus der Prostituierten ein benutzbares Gefäß, aus dem Mann einen Idioten. Der jüngste Mordversuch an einer Prostiuierten in Köln liegt erst wenige Wochen zurück.

Seit Herbst vergangenen Jahres sind im übrigen vor allem diejenigen an Gewalttaten an Prostituierten schuld, die gegen Prostitution kämpfen – weil sie auf die Risiken der Prostitution hinweisen, kommen manche auf “Ideen”, heißt es in einem entsprechenden Forum. Auch hier wieder: Keine Verantwortung an die Täter, die die Tat begehen, lieber wird die Schuld bei allen anderen gesucht. Es ist im Interesse all jener, die Prostitution verteidigen, Freier zu freundlichen Kunden zu erklären. Die Wirklichkeit zeigt: Viele von ihnen sind potenzielle Gewalttäter.

Wie sehr Gewalt und Prostitution miteinander verknüpft sind, zeigt auch die Berichterstattung über Verbrechen an Prostituierten. Die Medienberichte darüber lehren das Fürchten – so schrieb die Stuttgarter Merkur Zeitung über den Mord an der 31jährigen Alina Gruso 2009:

Das Motiv liegt völlig im Dunkeln. Steckt womöglich eine Beziehungstat dahinter? Denn der Mord weicht vom üblichen Schema ab, bei dem Prostituierte zu Opfern werden: Kein Streit über nicht erbrachte Sex-Leistungen, nicht über den Lohn. Auch ein Raub ist ausgeschlossen. Und: Alina hatte keine Feinde. Was trieb dann den Mörder?

Raubmord ist also eine gemeinhin akzeptierte Form von Gewalt an Prostituierten, ebenso wie Vergewaltigungen an Prostituierten, die viele noch nicht einmal als Verbrechen betrachten.

Unzählige weitere Verbrechen wurden im gleichen Zeitraum an Prostituierten in der ganzen Bundesrepublik verübt – Vergewaltigungen, Brandanschläge, bewaffnete Raubüberfälle. Diese Verbrechen sind den Medien meistens noch nicht einmal die Namen der Opfer wert – es heißt nur “eine Prostituierte”, während der ganze Fokus auf dem Täter liegt. Diese sind fast ausschließlich Freier. Dabei ist ihr Motiv nicht nur sexuelle Gewalt, sondern vor allem Erpressung und Raub. Im Januar 2008 überfielen drei Männer eine Frau in Wiesbaden, vergewaltigten sie zu dritt, raubten sie aus und drohten ihr, wieder zu kommen. Als die Frau, die in einer Terminwohnung arbeitete, zur Polizei ging, erntete sie von ihren Kolleginnen Kritik – sie habe “eine zu große Sache daraus gemacht.”  Frauen, die als Prostituierte arbeiten, sind für diese Freier nicht mehr als Objekte, die sie nach Belieben misshandeln und ausrauben können – bis zu sadistischer Folter. In Fürth traktierte 2008 ein Mann eine Prostituierte mit Elektroschocks, schlug sie mit Kabeln, stach auf sie ein und trennte ihr schließlich ein Fingerglied ab. Der Mann konnte unbehelligt fliehen, wurde aber kurz darauf verhaftet, weil es eine Sicherheitskamera in dem Bordell gab. 2010 vergewaltigte ein Freier in Mainz-Marienborn eine Prostituierte viermal und nahm die Tat auf Video auf – er wollte einen erfolgreichen Home-Porno drehen und dazu brauchte er die “echte Panik” in den Augen seines Opfers.

Immer werden Freier den Frauen gegenüber gewalttätig, weil sie mit der “Leistung” für ihr bezahltes Geld nicht zufrieden sind. Unglaublich ist der Fall eines 51jährigen Stuttgarters, der eine Prostituierte eine Nacht lang in seiner Wohnung gefangen hielt und misshandelte, weil er mit der erbrachten Leistung nicht zufrieden war. Er befahl seiner Mutter, die Polizei zu rufen, weil er sich im Recht fühlte. 2012 vergewaltigte ein Rettungssanitäter und Familienvater aus eine Prostituierte stundenlang, bis sie das Bewusstsein verlor und drohte ihr mit “echten Problemen”, sollte sie zur Polizei gehen.

Wie gefährlich Prostitution ist, das wissen auch jene, die sie verteidigen. Ihre “Sicherheitstipps” sprechen Bände über das, was Prostitution für die, die sie ausüben, bedeutet:

– Frauen sollen keine langen Ohrringe tragen, diese könnten ihnen ausgerissen werden, und auch keine Schals oder Halsketten- denn diese könnten verwendet werden, um sie zu würgen
– keine enganliegenden Kleider oder Röcke tragen, damit sie besser fliehen können
– sie sollen eine Pfeife bei sich tragen, um Hilfe zu holen
– Gegenstände in Greifnähe aufbewahren, mit denen sie sich verteidigen können
– auch konkrete Tipps finden sich: Wenn eine Frau am Nacken festgehalten wird, soll sie sich lieber mit einem Tritt in die Eier wehren, als zu versuchen, seine Hände abzuschütteln

Diese und weitere Tipps lassen sich hier nachlesen.

Prostitution tötet, das zeigt sich deutlich. Die oben dargestellten Gewalttaten sind keine “Zufälle”, keine “Ausnahmen”, sie sind die Konsequenz eines Denkens und Handelns, dass aus Frauen Waren macht, die gekauft und benutzt werden können, Prostitution entmenschlicht und die Entmenschlichung ist der erste Schritt zu Grausamkeit und Gewalt. Die Männer, die Prostituierte angreifen, verstehen sich als Kunden, die ein “Recht” auf diesen fremden Körper und ihre Verfügung über ihn haben, die sie im Zweifelsfalle auch mit Gewalt einfordern. Eine Prostituierte ist ein beliebtes Opfer für alle, die ein paar Euro erbeuten wollen – denn wer glaubt schon einer Prostituierten? Um die Sache rund zu machen für die Täter vergewaltigen sie die Frau dabei – nehmen sich “kostenlos”, was sonst kostet.  Andere benutzen Prostituerte für ihre perversen Spielchen, drehen die so beliebten Gewaltpornos mit “echter Panik in den Augen nach” oder misshandeln sie sadistisch. Prostitution kanalisiert keine Triebe, sie schützt niemanden vor Vergewaltigungen, sie tötet und eröffnet den Tätern die Möglichkeit, ihre Abartigkeiten, ihren Frauenhass und ihre Gewaltphantasien dort auszuleben, wo sie am wenigsten zu befürchten haben. Eine weitere Legalisierung der Prostitution würde nur dazu führen, dass weiter die Frauen und ihre fehlenden “Professionalisierungsstrategien” für die an ihnen verübte Gewalt verantwortlich gemacht werden – denn wenn Prostitution ein “Job wie jeder andere” sein soll, dann darf nicht eingestanden werden, in welche Gefahren sie sich begeben und vor allem darf der Fokus nicht auf die Freier gelenkt werden, die ja legale Kunden bleiben sollen und keine potenziellen Verbrecher. Prostitution ohne Gewalt gibt es nicht. Ohne die Degradierung von Frauen zu Objekten ist Sexkauf nicht möglich, diese Degradierung beinhaltet aber eine Entmenschlichung und von da zur Gewalt, aus Geldgier oder aus “Triebstau” ist es nur ein kleiner Schritt. Die Antwort lautet: Sexkaufverbot. Am besten vorgestern.

(Weitere Gewalttaten werden im Wiki auch in der Rubrik “Die alltägliche Gewalt” gesammelt)

5 Kommentare

  1. Die ganze Doppelmoral und das Wegschauen in der Prostitution ist einfach nur widerlich und unserer Zeit nichtwürdig. Die überall akzeptierte Prostitution bereitet das Klima für Vergewaltigung und Mord erst vor, und nicht umgekehrt. Denn: Was man legal kaufen kann, kann mann ja auch stehlen und dann kaputtmachen. Am Liebsten alles kaputt machen. Natur, Tiere, Länder, Kinder, Frauen, ja, am Liebsten das ganze Leben an sich!

    und natürlich sind alle Opfer selber schuld. Es genügt, aber wirklich!

    Ich habe keine Lust mehr auch nur 1 Minute über dieses unmenschliche Männer-Recht nachzudenken, da mir sonst übel wird.

  2. Leider ist der verlinkte Artikel im Wiki “alltägliche Gewalt” gelöscht worden 🙁

  3. Anna Hoheide

    @Rosalie

    Die Quelle ist noch verfügbar, nur unter einer anderen Domain. Wir haben den Link korrigiert.

  4. Es ist nicht nur ein Männer Recht sondern auch ein Frauen Recht. Ich arbeite seit fünf Jahren als Prostituierte und bin damit ziemlich glücklich. Ich empfinde es nicht als eine entmenschlichung meinerseits, sondern als ein gut bezahlten Job der Risiken birgt. Ein Verbot bringt meiner Meinung nach mehr Nachteile alsVorteile. Schon jetzt mit der neuen Gestetzeslage, welche uns Prostitutierten es erschwert Immobilien für unsere Tätigkeit zu mieten. Ermöglicht dies eine Grauzone, welche uns zwingt überteuerte Räume zu mieten. Prostitution wird es immer geben, ob legal oder nicht. Leider bringt genau Illegalität den Frauen mehr Schwierigkeiten. Darüber, dass es vielen Frauen wie mir sehr gefällt, sollte man sich auch Gedanken machen. Ich empfinde mich auch als Femministin. Ich denke jeder sollte die Wahlfreiheit haben seinen Beruf selbst auszusuchen. Auch in der Erotik gibt es diverse Möglichkeiten sein Geld zu verdienen. Habe schon Erfahrungen in etlichen FKK, Terminwohnung, er. Massagestudio. Leider lese ich in deinem Blog nur eine einseitige Berichterstattung, welche uns Prostituierte, als schwache Opfer darstellt. Meine Kolleginnen und ich sind ziemlich stolz auf uns. Unserer Meinung nach, kann nicht jede unsere Arbeit tun. Dafür benötigt man geistige Stärke, Feingefühl und eine ausgeprägte Intuition. Heute habe ich sieben Männer glücklich gemacht und kann mir nicht vorstellen, dass irgendeiner von Ihnen mich demütigen wollte. Ich mache auch Dreier mit Pärchen, im Schnitt einmal die Woche. Dabei können meine Gäste/Freier/Freierinnen ihre Lust und ihre Fantasien mit mir teilen. Meine Stammgäste wie ich sie gerne nenne, sind einfach froh, dass ich lieb zu ihnen bin, diskret, authentisch, den ich mach nicht alles mit, dass wird von vielen Männern sehr geschätzt. Die meisten Männer wünschen eine starke, gefühlvolle Prostituierte die Ihre Grenzen hat. Das gibt Ihnen gleichzeitig ein sicheres Gefühl. Ich habe als dreifache Mutter und Ehefrau mehr Zeit und Geld als andere. Ich bin stolz darauf!!!

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