Diskriminierung Alleinerziehender durch Erzieher und Lehrer – leider keine Ausnahme #singlenotless

Zu unserem Gastbeitrag der vergangenen Woche erreichten uns viele Kommentare und Zuschriften, die zeigten: Das Problem ist kein singuläres. Die Diskriminierung Alleinerziehender durch Kindergärten und Schulen ist ein noch immer aktuelles Problem, wie die vielen Kommentare der Mütter (und Väter!) zeigten. Es wäre interessant zu wissen, ob es einen Unterschied macht, wo die Familien leben, also ob es in Großstädten liberaler zugeht als auf dem Land. Leider fehlt es an belastbaren aktuellen Studien zur sozialen Diskriminierung Alleinerziehender – dabei wäre diese dringend notwendig.

Um auf das Problem aufmerksam zu machen, veröffentlichen wir hier – anonymisiert – einige der Kommentare auf unserem Blog, auf unserer Facebookseite und auf denen der tapferen Alleinerziehendenvorkämpferinnen Mama arbeitet, Phoenix-Frauen und Stark und alleinerziehend. Obwohl alle Kommentare öffentlich sind, haben wir Namen und Orte unkenntlich gemacht und hier auch nur eine Auswahl aus allen Kommentaren aufgenommen, sie alle abzubilden, wäre aufgrund der schieren Anzahl schwer geworden. Zunächst gab es eine große Flut an Kommentaren, die die Erfahrungen im Artikel erst einmal nur bestätigten:

 

Die Hilflosigkeit und die Wut der Mütter über die Diskriminierung, die direkt und unmittelbar ihre Kinder betrifft und deren Lebensweg im schlimmsten Falle nachteilig beeinflusst, wurde in allen Kommentaren spürbar.

Viele Mütter berichteten sehr konkret von der Diskriminierung, die sie erfuhren. Die Diskriminierung findet den Kommentaren nach in verschiedenen, aber wieder erkennbaren Mustern statt.

So werden die Kinder Alleinerziehender regelmäßig für schlechtere qualifizierende Schulformen einsortiert:

Kinder von Alleinerziehenden gelten vielen Lehrern als “schwierig” – und sie spüren, dass sie anders behandelt werden:

Auch die Behauptung von Verhaltensstörungen oder gar Krankheiten wie ADHS und ähnlichem werden in Verbindung mit dem Wissen um den Einelternstatus geäußert:

Der Kinderarzt Michael Hauch machte schon vor drei Jahren mit seinem Buch auf die sich seit der Jahrtausendwende verdoppelten Zahlen angeblicher Sprach- und Entwicklungsstörungen bei Kindern aufmerksam, an der zahlreiche Berufszweige verdienen und Klassenlehrern zusätzliche Unterstützung durch Inklusionslehrer einbringen, das Leben gesunder Kinder im schlimmsten Fall aber dauerhaft überschatten.

Alleinerziehenden wird es, obwohl das ihr gutes Recht ist, verwehrt, Begleitpersonen zur Unterstützung in schwierige Gespräche mitzunehmen, auch das ein wiederkehrendes Muster:

Viele schrieben auch, dass das Klima davon abhänge, ob es eine Schule mit vielen Alleinerziehenden ist:

Überraschenderweise schrieben uns auch viele Väter, dass sie ähnliches erlebten:

Auch andere Eltern, insbesondere Mütter, beteiligen sich an der sozialen Diskriminierung Alleinerziehender:

Andere bestätigten, dass das System Schule für Diskriminierung anfällig sei:

Es gab auch Kommentare, die das Gegenteil beschrieben – nämlich, dass sie viel Unterstützung und Verständnis erfuhren.

 

Auch hier wäre der geografische Aspekt sehr interessant. Was sind die Rahmenbedingungen dafür, dass Alleinerziehende und ihre Kinder das System Schule diskriminierungsfrei erleben? Dass es möglich ist, zeigen ja die Kommentare, die von positiven Erfahrungen berichten, auch wenn diese im Verhältnis sehr viel weniger sind.

Diese Sammlung aus Kommentaren kann nur die Spitze des Eisbergs zeigen und ist nicht repräsentativ, doch es wird mehr als deutlich, dass es hier ein riesiges, bisher kaum beachtetes Problem mit weitreichenden Folgen gibt und Forschung mit belastbaren Zahlen dringend notwendig ist. Wenn Kinder Alleinerziehender nur aufgrund ihrer Herkunft im Schulsystem systematisch benachteiligt werden, dann ist das angesichts von 1,6 Millionen Einkindfamilien ein Skandal, der gegen das Grundgesetz und die Menschenrechte verstößt. Lehrer und oft auch Erzieher stehen im Staatsdienst und tragen eine Verantwortung. Hier muss geschult und sensibilisiert werden.

Es ist auch fühlbar, dass sich viele Frauen schämen für das, was sie erleben. Ein Vorwurf des Scheiterns hängt in der Luft, der Unvollkommenheit und auch die Angst, sich zu wehren, weil es für die Kinder dann nur noch schlimmer wird. Es ist so wichtig, dass Mütter diese Angst und Scham überwinden, sich zusammenschließen und laut werden, so laut wie andere diskriminierte Gruppen, denen es durch langen, zähen Kampf gelungen ist, ein öffentliches Bewusstsein für ihre Diskriminierung zu schaffen. Davon sind Alleinerziehende weit entfernt – auch, weil die Politik daran kein Interesse  zu haben scheint, dabei ist doch abzusehen, dass es in Zukunft immer mehr Alleinerziehende geben wird und damit auch Kinder aus Einelternfamilien.

Wir fordern mit Nachdruck, dass sich daran etwas ändert, denn diese Art der Diskriminierung, gerade von Verantwortlichen und Betreuungs- und Erziehungspersonen, entwickelt eine enorme, gesamtgesellschaftliche Zerstörungskraft. Leider hört man im aktuellen Wahlkampf nur sehr wenig darüber, wie Alleinerziehende und vor allem Mütter unterstützt werden können. Die soziale Diskriminierung Alleinerziehender ist überhaupt kein Thema. Die einzige Partei, die laut für Alleinerziehende und Mütter eintritt, ist übrigens die feministische Partei DIE FRAUEN.

Wir brauchen Hashtags, Konferenzen, wir brauchen lauten, nachdrücklichen Protest und Öffentlichkeit. Nur dann wird sich etwas ändern und Kinder können, so wie es die Kinderrechte vorsehen, auf faire und diskriminierungsfreie Behandlung im System Schule setzen.

2 Kommentare

  1. Natürlich ist die Diskriminierung von Alleinerziehenden, vorwiegend Müttern vorhanden. Bei jeder Auseinandersetzung, Fehler oder sonstigem “Hafenschiss” heisst es: Kein Wunder,…. da fehlt halt der Vater (oder die Mutter). Es ist einfach nur traurig, wie borniert und einbetoniert diese Vorurteile sind. Einfach ekelhaft. Da ich auch ohne Vater aufgewachsen bin, da mein Vater früh gestorben ist, weiss ich von was ich spreche. Da wurde mir ständig unterstellt, meinen Vater (den ich ja gar nicht kannte) zu vermissen…… Meiner Mutter wurde nicht geholfen, sondern sie wurde ausgegrenzt und diskriminiert. Das war vor bald 60 Jahren. Heute ist es IMMER noch nicht besser. Was ist eigentlich mit der Gesellschaft los?

  2. Bin selbst Lehrerin und Alleinerziehende gewesen und stelle rückblickend fest,dass man im Bereich Schule alle Einstellungen finden kann ,von gelassener Freizügigkeit bis hin zur “gutbürgerlichen Spießbürgerlichkeit”, aber um der Wahrheit die Ehre zu geben,lässt sich nicht verleugnen,dass die (Spieß-) Bürgerlichkeit überwiegt. – Mir fällt gerade der angeblich so hohe Prozentsatz der deutschen Bevölkerung ein,der die “Ehe für alle” befürworte wie uns zumindest die Medien glauben machen wollen. Ich kann diese Zahlen nicht so recht glauben. Stelle mir vor,was das erst für ein Theater gibt,wenn lesbische oder schwule Paare Kinder einschulen…

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