Diskriminierung von Roma und Sinti in Deutschland

Wir wollen den feministischen Diskurs beleben und unterschiedliche Ansätze zur Diskussion stellen. Deshalb erscheinen bei uns regelmäßig Gastbeiträge, die nicht zwangsläufig die Haltung der oder aller Störenfriedas wiedergeben, aber wichtige Impulse für die feministische Debatte geben können.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat eine Studie dazu gemacht und am 3. September vorgestellt. Die Tagesschau berichtete. Die Ergebnisse sind deprimierend, aber nicht überraschend.

Aus der Einleitung:

Im Vergleich zu anderen Minderheiten wird Sinti und Roma die mit Abstand geringste Sympathie entgegengebracht, wie die Studie ergab. Jede/r zweite Befragte denkt, dass Sinti und Roma durch ihr Verhalten Feindseligkeit in der Bevölkerung hervorrufen.

“Gleichgültigkeit, Unwissenheit und Ablehnung bilden zusammen eine fatale Mischung, die Diskriminierungen gegenüber Sinti und Roma den Boden bereiten”, warnte ADS-Leiterin Christine Lüders bei der Vorstellung der Studie. Sinti und Roma würden von einem beträchtlichen Teil der deutschen Bevölkerung nicht als gleichberechtigte Mitbürgerinnen und Mitbürger wahrgenommen. Die Befunde seien dramatisch und der Handlungsbedarf von Politik und Gesellschaft erheblich.

Fazit 1: Die Diskriminierung findet nicht nur in Osteuropa statt.

Fazit 2: Wir lassen ein Beispiel sprechen. Vergleiche dazu auch die Zuschreibung von Berufen unten.

Vielleicht fühlt es sich aus der Perspektive einer Romafrau, die im Elend lebt und rassistisch verfolgt wird tatsächlich selbstbestimmt an, in Deutschland als Sexarbeiterin zu arbeiten? (Stefanie Lohaus in FAZ Blog vom 15.11.2013, 07:55 Uhr. Das schwedische Modell wird dort übrigens falsch dargestellt. die Romafrau – oder jede andere Frau – wird dadurch nicht illegal.)

So geht das. Menschen ausgrenzen oder ihre Ausgrenzung hinnehmen, ihnen keine Chancen geben, und die Entscheidungen, die sie dann treffen (müssen) als Beweis für Freiheit und Autonomie verkaufen. Und denjenigen, die es wagen, die Freiheit solcher Entscheidungen zu bezweifeln, vorwerfen, sie würden die Entscheidungen anderer Menschen nicht respektieren.
Die einzig hier wirksame Freiheit ist die Freiheit einiger sehr privilegierter Menschen, nachzudenken. Und es wäre so schön, wenn sie es endlich täten. Denn eigentlich ist in manchen Situationen Nachdenken nicht Freiheit, sondern Pflicht. Es zu lassen geht auf Kosten anderer Menschen.

Das schwedische (oder nordische) Modell bettet das Thema Prostitution in den Gesamtzusammenhang von Gleichstellung, Gleichberechtigung und Beendigung der Gewalt gegen Frauen ein. Es umfasst:

      • Sinnvolle und nachhaltige Unterstützung derer, die aus der Prostitution auszusteigen wünschen.
      • Gesundheitsversorgung und andere Unterstützung (Schuldenberatung, Therapie, Kinderbetreuung, Ausbildungsmöglichkeiten, Begleitung bei Behördengängen, Vorbereitung auf gerichtliche u.a. Termine…) unabhängig vom Ausstiegswunsch. Die Unterstützung muss niedrigschwellig und umfassend und auf die individuellen Bedürfnisse zugeschneidert sein.
      • Ein vollständiges Verschwinden jeglicher Sanktionen, die auf den „Verkaufenden“, den prostituierten Personen lasten, unabhängig vom Geschlecht – in Deutschland ist dies im Gegensatz zu den Anpreisungen des ProstG von 2002 nicht gegeben, siehe Sperrgebiete. Wir legen nahe, das „Schwedische Modell“ in diesen umzusetzen, wenn man schon auf Gesamtebene nicht dazu bereit ist.
      • Schulung von Polizei und Sozialdiensten zur Umsetzung des Gesetzes; enge Zusammenarbeit zwischen Sozialdiensten und Polizei.
      • Aufklärung und Kampagnen in der Gesamtgesellschaft und an Schulen zu gleichberechtigtem Zusammenleben und gleichberechtigten Umgang mit Sexualität.
      • Verbot von Bordellbetrieb und Zuhälterei.
      • Strafbarkeit des Kaufs des sexuellen Zugangs zum Körper anderer.

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