Dörte, wir müssen reden: mehr Männer, mehr Probleme

Kopie Zeitungsartikel Sächsische Zeitung

Donnerstag, den 7. Juli morgens, blieb mir beim Frühstück fast das Brötchen im Halse stecken. Grund dafür war dieser Artikel in der Sächsischen Zeitung:
Mir ist vor Schreck gleich gar nicht klar, wo ich anfangen soll. Hinzu kommt das Problem der Sprach-, oder besser: Wortlosigkeit. Dieses Phänomen, das weiß ich aus Gesprächen mit Freundinnen und weiblichen Bekannten, betrifft nicht nur mich. Die Frage lautet: Wie formuliere ich, dass es ein mehr oder weniger neues Phänomen gibt, welches mir Angst macht, ohne dass ich rassistisches Vokabular gebrauche?

Ich beschreibe zunächst mal, was mir im letzten halben Jahr so passiert ist und was ich gesehen habe, draußen auf der Straße.

Da gab es:

  • Einen Mann der mir von der Haltestelle nach Hause folgte, nachdem ich in seine Richtung geschaut hatte
  • Männer, an denen ich nicht vorbeigehen konnte, ohne dass sie mich ansprachen („Hallo“, „schöne Frau“, Kussgeräusche).
  • Männer denen ich nicht ins Gesicht schauen kann, mit denen ich Blickkontakt vermeiden muss, weil sie sich sonst ermuntert fühlen auf mich zuzukommen und mich zu bedrängen.
  • Männer, die den ganzen Tag auf unserer größten Einkaufsmeile, der Prager Straße, rumhängen und fast alle Frauen anmachen, die an ihnen vorbeilaufen.
  • Männer, die ebendort in Gruppen minderjährige Mädchen umringen, sie ansprechen, anfassen.
  • Männer, die sich mir in den Weg stellten und mich sehr aggressiv fragten, ob ich „ficken“ will, und die mich daran hinderten, ihnen auszuweichen und an ihnen vorbeizulaufen.
  • Männer, die mich im Vorbeigehen als „Fotze“ oder „Schlampe“ bezeichneten, oder die hinter meinem Rücken ausspuckten.
  • Männer, die mich fragten ob ich ficken will, und die mich als „Rassistin“ und „schwul“ bezeichnen und mir Schläge anboten, als ich ablehnte.

All das waren nicht nur Aktionen einzelner Männer, diese Männer standen oft in Gruppen zusammen. Ich habe nicht gezählt, wie oft das vorkam, es ist jedenfalls inzwischen soweit, dass meine Hand automatisch zum Pfefferspray geht, wenn ich an solchen Gruppen vorbei muss, und nein, das sind keine Vorurteile, das sind Erfahrungswerte – leider. Und ich werde aus solchen Gruppen heraus jedes Mal angesprochen. JEDES. VERDAMMTE. MAL. Und ich kann froh sein, wenn es dabei bleibt. Und für diejenigen LeserInnen unter uns, die immer noch auf Vergewaltigungsmythen stehen: Nein, ich bin nicht Miss Universum. Nein, ich trage nicht täglich einen Minirock. Nein, ich sehe das nicht als Kompliment und nein, ich will das nicht!

Und jetzt die Frage: Wie soll ich diese Männer – denn natürlich sind es Männer, das Merkwürdige ist, dass sich alle darum kloppen, wer jetzt schlimmer ist, Migranten oder Deutsche, aber daran, dass es Männer sind, stört sich selten jemand – bezeichnen, ohne rassistisch zu sein? Es sind bestimmt nicht alle Flüchtlinge. Es sind bestimmt nicht alle Asylbewerber. Soll ich sagen: „es sind Männer mit Migrationshintergrund“? Soll ich sagen: „es sind Männer mit dunkler Haut“? Wie soll ich sie nennen? „Die da“?

Und da fängt die Sprachlosigkeit an. Sie beginnt dabei, dass ich nicht benennen kann, welche Gruppe hier für diese stark veränderte Atmosphäre auf der Straße sorgt. Das Problem verläuft sich dort weiter im Sand, wo der „nicht alle“-Konflikt hinzukommt. Jede Frau, die Gewalt durch Männer problematisiert, hört ihn dauernd: den Einwand „aber nicht alle Männer sind so!“. Dieser Spruch ist aus mehreren Gründen problematisch.

Übertragen auf das Problem auf das ich hier hinweise kommt jetzt natürlich: „aber nicht alle männlichen Migranten sind so!“. Natürlich sind sie das nicht. Der Syrer, der hier im Friseurgeschäft gegenüber neu angefangen hat, hat mich noch nie dumm angemacht. Was er privat und hinter geschlossenen Türen so treibt, weiß ich nicht, aber da lege ich für keinen Mann die Hand ins Feuer.

Ich bin die Letzte, die meint, deutsche Männer seien keine sexistischen Arschlöcher. Ich kenne aus meiner persönlichen Erfahrung Vergewaltigung, Nötigung, Missbrauch, Misshandlung, Stalking. Von der Abwertung („Fotze“, „das ist Frauenlogik“), Diskriminierung am Arbeitsplatz und an der Uni, von der pornographisierten Männerwelt fange ich gar nicht erst an, das würde ein eigener Artikel werden. Und nein, auf der Straße rumzulatschen, war als Frau noch nie schön und nein, ich bin noch nie gerne an Männergruppen vorbeigegangen, und wir alle wissen, wieso. Und kein deutscher Mann braucht sich hier überlegen fühlen und mit dem Finger auf Männer zeigen, die nicht hier geboren sind, solange alle eineinhalb Tage eine Ehefrau/Lebensgefährtin von ihrem Göttergatten ermordet wird. Hier. In Deutschland.

Und doch: irgendetwas ist anders geworden. Wir müssen es benennen. Wie?

Reicht es, wenn ich für diesen Artikel diese Gruppe als „Männergruppe, die Frauen belästigt“ bezeichne?

Zurück zum Artikel. Es ist also nicht nur so, dass ich jetzt auch zum Joggen mein Pfefferspray mitnehme, dass ich nur noch mit dem Rad durch die Stadt fahre, weil ich nicht mehr an Haltestellen stehen mag und dass ich bestimmte Straßen, Orte, Plätze meide, was meinen persönlichen Radius stark einschränkt. Nein, es ist auch so, dass ich nicht mehr schwimmen gehe, und das kam so:

Ein halbes Jahr lang bin ich wöchentlich ein Mal schwimmen gegangen, und zwar immer donnerstags ab so halb oder 8 Uhr abends bis halb oder um 10 abends, also immer so zwei Stunden. Und wie formuliere ich das jetzt, ohne den Menschen unter uns, die hier montags in Dresden „spazieren gehen“ und gegen Frauen, Homosexuelle und rassifizierte Personen hetzen, in die Hände zu spielen?  Muss ich vorher sagen, dass ich Schwimmbäder nie für Orte gehalten habe an denen Übergriffe schwerer zu vollziehen sind als anderswo? Dass es mir nie angenehm war, wie Männer sich da benehmen (Glotzen, Pfeifen, Ansprechen, Opis, die im Freibad hinter Büschen wichsen, junge erwachsene Männer, die in Horden saufend und grölend Raum für sich beanspruchen usw. usf.)? Jedenfalls ist eine neue Kategorie belästigender Personen hinzugekommen: die „Gruppe von Männern, die Frauen belästigen“.

Die Atmosphäre im Schwimmbad war nicht mehr schön.

Das ging vom Eintreten in den Hallenbereich mit sofortiger Ansprache („Hallo“, „schöne Frau“ etc.) über Glotzen bis hin zum „sehr nah an mich Herankommen“ und bedrohlichen Situationen wie der, abends um 10 Uhr aus einem Schwimmbad zu kommen, vor dem eine dieser Gruppen steht, und an ihr vorbeizumüssen, während die Mitglieder der Gruppe, die eine vorher in der Halle mehrfach angesprochen etc. haben, sich eine Körperhaltung zulegen, die man als „bedrohlich“ interpretieren kann, und einem schweigend hinterher schauen.

Das Schwimmbad, das ich beschreibe, ist ein sog. „Spaßbad“ mit Außenbereich, in den man schwimmend gelangen kann. Sobald ich den Außenbereich angeschwommen habe (der nicht so gut beguckt werden kann vom Schwimmhallenpersonal), sind mir mehrere dieser Männer schwimmend gefolgt. Jedes verdammte Mal. Und nicht nur mir, jedes Mal wenn Frauen unter 70 das taten. Ich hab’s trotzdem getan, weil ich mich nicht einschränken lassen wollte von meinen Befürchtungen. Bis es dann im März passiert ist: Einer dieser Männer schwamm neben mir, tauchte ab und griff mir zwischen die Beine. Sein Pech war, dass ich gute Reflexe mein Eigen nenne und ihn mit der Hand an seinem Kopf sofort noch ein bisschen länger habe tauchen lassen, als er eigentlich geplant hatte. Als er prustend und japsend wieder auftauchte, schwamm ich weg. Ungefähr eine Viertelstunde habe ich gebraucht, mich zu sammeln. Dann beschloss ich, zum Bademeister zu gehen, auch wenn ich genau weiß, was passiert, wenn frau sowas meldet: nichts. Ich seppel da also hin und sage, dass mir einer zwischen die Beine gegriffen hat. Zeige auf ihn. Reaktion: „Das müssen Sie sofort melden.“ – „Wie jetzt, sofort?“ – „Na direkt danach.“ – „Viertelstunde ist doch direkt danach?!“ – „Nein. Aber danke, dass Sie das gemeldet haben.“ Was passierte dann? Richtig, NICHTS. Er hat es nicht aufgeschrieben, er hat den Täter nicht mal rausgefischt (haha) und ihn verwarnt, nichts! Und der Typ fühlte sich so sicher, dass ihm nichts passiert, dass er mir sogar noch eine Weile hinterher schwamm, bis ich dann das Bad verlassen habe.

Wer jetzt denkt, ich bausche hier einen Einzelfall auf, der irrt. Ich habe jedes Mal, JEDES MAL gesehen, wie Mädchen und Frauen angesprochen wurde, wie man ihnen hinterher lief, wie sie aus dem Whirlpool, in dem 5 oder 6 solcher Männer saßen, sofort wieder ausstiegen (warum wohl?) und wie sie angefasst wurden. Manchmal gingen sie danach zum Bademeister, manchmal nicht. Einmal stand ich bei einer solchen Meldung direkt daneben: zwei Mädchen, deutlich aufgebracht, formulierten gegenüber einem anderen Bademeister, sie seien begrabscht worden. Antwort: „Ihr müsst das sofort melden, sofort!“ (da frage ich mich, wieso eigentlich? Sind wir nach einer Viertelstunde weniger glaubwürdig als vorher? Welche Frau rennt sofort nach einem Übergriff zu Bademeister/Security/Polizei? Kenne ich keine. Alle haben erst einmal Selbstzweifel, müssen den Schock verdauen, nachdenken, ‘runterkommen, Mut fassen.) Die Mädels: „Ja und jetzt?“, der Bademeister: „Na nichts und jetzt, kann ich nichts machen!“, die Mädels: „Kommt das hier öfter vor?“, der Bademeister, sichtlich frustriert und deutlich ironisch: „Natürlich NICHT! – Aber das dürfen wir ja nicht sagen.“

Traurig, oder?

Es ist also kein Einzelfall. Ich hab mich dann, aus Frust über diese Männergruppen und auch über den Umgang mit dem, was sie da tun, dazu entschieden, nicht mehr schwimmen zu gehen. So richtig eingesehen, warum ich vollen Eintritt zahle, wenn ich Whirlpool und Außenbereich nicht mehr nutzen kann, ohne dass mir Männer folgen und ich mich der unschönen Wiederholung einer nicht gewollten Berührung meines Intimbereichs ausgesetzt sehe, habe ich eh nicht mehr.

Also kein Schwimmen mehr für mich. Und nicht nur für mich: eine Bekannte von mir geht auch nicht mehr an ihren Lieblingssee, weil sie die Atmosphäre dort nicht mehr erträgt (Ansprechen, beim Umziehen zuschauen, Hinterherlaufen, Umzingeln, Bedrängen, Anfassen). An der Ostsee wurden an einem FKK-Bereich, der neben einer Asylunterkunft liegt, neulich Schilder aufgestellt, die einen durchgestrichenen Fotoapparat zeigen. Deutlich gesagt, warum die da jetzt stehen hat niemand so richtig, alles Wischiwaschi. Aber wer hat denn hier was – oder wen – fotografiert? (Und nein, ich denke nicht, dass FKK-Strände vorher ein Hort aller united safe spaces dieser Welt waren!) Und warum wird nicht gesagt, welches Verhalten hier das Problem ist? Es wird höchstens angedeutet.

Und da kommt wieder diese Sprachlosigkeit ins Spiel. Wie dieses neue Phänomen benennen? Wie die Männer benennen, die beteiligt sind, ohne den „Volksgenossen“, die Frauen genauso hassen, wie jene Männergruppe um die es hier geht, in die Hände zu spielen?
Hilflosigkeit, Sprachlosigkeit, alles okay. Was mich aber wirklich richtig sauer macht, das sind dreiste Lügen. Und die stehen in diesem SZ-Artikel. Das fängt damit an, dass ich es für unfassbar halte, dass der Dresdner Bäderbetrieb den Vorschlag der Polizeigewerkschaft ablehnt, Wachschutz zu etablieren. Hallo, Bädergemeinschaft?! Die Polizei hat bestimmt Gründe für diesen Vorschlag, oder? „Von einer Zunahme sexueller Belästigung könne nicht die Rede sein“, heißt es seitens des Bäderbetriebs. Die Sprecherin des Bäderbetriebs: „in unseren Bädern gibt es keine Probleme in diese Richtung.“ Da muss ich leider sagen, ich hab da Anderes gesehen und erlebt. Aber wenn ihr die Meldungen so erschwert und sie nicht dokumentiert, steht natürlich auch nichts irgendwo, und wenn da nix steht, ist auch nichts passiert, gell? Und zu den nur „3 Vorfällen“, zu denen es Anfang diesen Jahres gekommen ist: in jenem Bad, in dem auch ich schwimmen war, kann ich nur sagen: Es ist eine Schande, dass nur die Fälle gezählt werden (und auch davon ganz sicher nicht alle!), in denen minderjährige Mädchen belästigt worden sind. Wollt ihr etwa behaupten, es sei sonst nicht zu Belästigungen gekommen? Ernsthaft? Wer soll euch das denn glauben? Leute, die auch nur einmal eine halbe Stunde in diesem „Spaßbad“, das für Frauen schon lange nicht mehr nur Spaß bereithält, waren, ganz bestimmt nicht.

„So wird Besuchern seit April mit Comics erklärt, welche Regeln in Becken, unter Duschen und in Umkleiden gelten. „Belästigung ist eine Straftat“, steht unter einem Bild, auf dem ein Pograbscher zu sehen ist.“ Da muss ich leider sagen, dass sexuelle Belästigung außerhalb des Arbeitsplatzes eine Straftat ist, ist mir neu. Das gilt nämlich höchstens (!) als Beleidigung, wie ich erfahren durfte, als mir mal ein Mann (ein deutscher, übrigens) zwischen die Beine fasste und ich versuchte das anzuzeigen. Mehr dazu bei der FAZ und bei anwalt.de (und auch wenn der Bundestag am 7. Juli beschlossen hat, sexuelle Belästigung formal-juristisch zu verankern, glaube ich erst daran, wenn der Bundespräsident das entsprechende Gesetz unterschrieben hat und es die erste Rechtssprechung dazu gibt).

Wenn es den Straftatbestand der sexuellen Belästigung aber (noch) nicht gibt, könnt ihr die Meldungen über Übergriffe, die dazu zählen, auch nicht unter diesem Begriff subsummieren, und das bedeutet, tadaaaa, dass keine stattgefunden haben. Keine sexuellen Belästigungen in Dresdner Schwimmbädern!!! Wunderbar. Eine schöne Nachricht. Dazu passt auch gleich der nächste Satz:

„Strafrechtlich relevante Vorfälle aus der laufenden Freibadsaison seien aber auch ihr nicht bekannt.“ Natürlich nicht. Wer soll da auch wem gegenüber WAS anzeigen? Und wie, wenn schon der Bademeister einem die entmutigende Prozedur („Sofort melden, sonst bleibt’s ohne Konsequenzen“) entgegen schleudert? Wer ruft denn da die Polizei, die auch nicht sofort kommt, das auch nur als „Beleidigung“ einordnen kann, wenn überhaupt? Und dann steht Aussage gegen Aussage, vor allem bei Grabschereien unter Wasser gibt’s halt nicht so viele ZeugInnen, und ganz ehrlich, kann das nicht auch eine versehentliche Berührung gewesen sein, sind wir ein bisschen hysterisch oder vielleicht sogar Rassistinnen?

Und zum Abschluss ein besonderes Schmankerl: „“Mit unseren Comic-Regeln könnten wir auch gezielt auf Leute zugehen und ihnen notfalls ein Verbot aussprechen“, sagt Dörte Gregor. Bislang sei dies aber nicht nötig gewesen.“

  1. Ihr KÖNNTET auf die Leute zugehen und Verbote aussprechen. Ihr tut es aber nicht.
  2. Es sind nicht „die Leute“, es sind Männer.
  3. Dass es bislang nicht nötig gewesen sei ist eine dreiste Lüge. Das was ich selbst in den 2 Stunden pro Woche ein halbes Jahr lang da sehen durfte, habe ich ja wohl nicht halluziniert.

Und jetzt verrate ich euch mal was: Eure komischen „Comics“ könnt ihr euch an den Hut stecken. Zu glauben, diese Männergruppen seien zu dämlich, um von selbst draufzukommen, dass das, was sie da tun, falsch ist, ist rassistisch. Die sind nicht in ihrer Sozialisation zurückgeblieben, und der „weiße Mensch“ muss ihnen auch nicht mit Kinderbildchen so leicht verständlich wie möglich erklären, dass Frauengrabschen bösi bösi ist. Soll ich euch mal was sagen: das wissen die selber!

Die Zeiten in denen Europäer der restlichen Welt, und vor allem den „unzivilisierten Wilden“ Kultur beigebracht haben, sind zum Glück vorbei. (Wobei, naja, wenn ich eure „Comics“ so sehe: vielleicht ja doch nicht.)

Ich schließe damit, zu konstatieren: Es sind Männer hergekommen, die wie andere Männer auch sind: (potentielle) Täter. Mehr Männer heißt: mehr Probleme. Hier haben wir: ein neues Phänomen, ein neues Problem.

Und ich erwarte von den RepräsentantInnen dieser Stadt eine Antwort darauf, wie sie gedenken, mit diesem Problem umzugehen! Es kann nicht sein, dass das, was Frauen passiert, in schönster Manier geleugnet wird und verharmlost. (Und ja, nicht nur hier, natürlich. Häusliche Gewalt, Vergewaltigungen, Stalking, „Ehedramen“ mit Todesfolge zu Lasten der Gattinnen finden ja hier ebenso nicht statt, gell?)

Wie gedenkt der Bäderbetrieb mit diesem Problem umzugehen?

Wie gedenkt die Stadt, ihre Einwohnerinnen vor diesen Belästigungen und Übergriffen zu schützen?

Welche Maßnahmen werden ergriffen bzw. warum werden vorgeschlagene Maßnahmen der Polizeigewerkschaft abgelehnt?

Lieber Bäderbetrieb, wann gedenkst Du, Deine Hausaufgaben zu machen, statt Meldungen zu verunmöglichen, sie nicht aufzuschreiben, nicht weiterzuleiten?

Liebe Polizeigewerkschaft, darf ich erfahren, warum ihr diesen Vorschlag gebracht habt? Das würde mich echt mal interessieren. Scheinbar lebt ihr ja in einer anderen Realität als der Dresdner Bäderbetrieb.

Liebe Dresdner Gleichstellungsbeauftragte Dr. Alexandra-Kathrin Stanislaw-Kemenah, haben Sie das Problem auf dem Schirm?

Lieber Dresdner Sportbürgermeister Peter Lames, was sagen Sie denn so zu dem, was in den Schwimmbädern so abgeht? Finden Sie das okay, dass es die Frauen sind, die jetzt nicht mehr ins Schwimmbad gehen – statt der Täter, der nichtgemeldeten oder auch ohne Konsequenzen gemeldeten Täter?

Lieber Herr Oberbürgermeister Hilbert, was sagen Sie denn so dazu? Und darf man erfahren, wie Sie gedenken auch die Flüchtlingsfrauen vor den Übergriffen dieser Männer zu schützen? Wie geht es denen denn so? Gibt es in den Heimen und Unterkünften getrennte Duschen, getrennte Toiletten, einen Wachschutz, an den sie sich auch wirklich wenden können? Sind Sie für alle da – oder nicht? Wir hören doch immer, Dresden sei für alle da.
Auch für Frauen?

Wenn irgendeiner von Ihnen Zweifel an dem haben sollte, was ich hier geschildert habe, so lade ich Sie gerne zu einem, sagen wir, zweistündigen Besuch im Arnholdbad ein. Da können wir dann schön draußen auf der Wiese rumliegen und uns das Elend mal von Nahem anschauen. Das würde mich sehr freuen, denn meinen neuen Bikini habe ich diesen Sommer noch nicht tragen können: nach schwimmen gehen war mir schon, allerdings wollte ich dafür keine weiteren Übergriffe in Kauf nehmen. Dresdner Schwimmbäder sind nämlich anscheinend doch nicht für alle da.

© Anna AusdemMoor 2016

Twitter: https://twitter.com/AnnaAusDemMoor

E-Mail: Anna-AusdemMoor@web.de

21 Kommentare

  1. Liebe Anna,
    jetzt, nachdem Du alles so (furchtbar) anschaulich beschrieben hast, bitte bitte sende doch den angesprochenen Personen (Polizei, Schwimmbad, Bürgermeister) eine Kopie per Email oder Brief, sofern Du das nicht schon getan hast. Ich wäre sooooo gespannt auf die Reaktionen! Wenn Du sie direkt anschreibst, können sie das doch nicht einfach ignorieren (oder lebe ich gerade wieder im Wunderland)?
    Was aber noch viel wichtiger ist: ja, es ist es leider so und was tun wir dagegen? Es reicht doch langsam und wird sind doch so viele, nämlich 50% der Bevölkerung. Ich habe das Gefühl, viele Frauen leiden nur still vor sich hin oder sind still unzufrieden. Damit muss Schluss sein, wir müssen uns (mehr) Gehör verschaffen und füreinander einstehen!!!

  2. Liebe Sandra, hab ich selbstverständlich schon gemacht und gebe Bescheid, wenn was zurückkommt! 🙂 LG, Anna AusdemMoor

  3. Grüß dich, Anna!

    Du sprichst genau das Problem an, vor dem auch ich stehe: diese Wortlosigkeit gegenüber der aktuellen Situation. Von Schwimmbädern weiß ich (so wie ich es gerade lese: glücklichweise) nicht viel, da ich lange nicht mehr Schwimmen war. Doch auch ich bin diesen “Männergruppen, die Frauen belästigen” schon oft begegnet. Du hast recht – wie beschreibt man sie, ohne rassistisch zu werden? Sie alle hatten dunkle Haut, dunkles Haar, schienen aus dem Süden zu kommen. Sie alle sprachen kaum oder gar kein Deutsch. Seit einer gewissen Weile passiert es mir auffallend häufig, von dieser Gruppe Männern angesprochen zu werden. Da gab es schon einiges. Sich auf die Bank in meiner Nähe setzen und dort genauso lang wie ich sitzen bleiben, mich irgendwann ansprechen und fragen, ob ich was unternehmen will. Mit dem Fahrrad an mir vorbeifahren, ein Stück weiter anhalten und warten, bis ich ihn einhole, um mich dann anzusprechen – beziehungsweise mir hinterherzurennen, auch nachdem ich zum sechsten Mal “nein, ciao” sagte. Mich in der Bar zum Tanzen drängen, und obwohl er kaum Englisch und gar kein Deutsch konnte, die ganze Zeit mit mir reden zu wollen (das meiste bestand aus “you’re so beautiful”, oh danke, dass ich f*ckbar für dich bin). Ich bin in letzter Zeit deutlich vorsichtiger geworden, was die Gruppe von Männern angeht. Vor allem, weil das mit dem Fahrradfahrern schon mehr als einmal passiert ist – und ich beim nächsten dann schon inständig bete, dass er mich nicht anspricht – und zack spricht er mich an.

    Je weiter ich deinen Artikel las, desto mehr war mir zum Heulen zumute. Ich hoffe ganz inständig, dass da eine Reaktion seitens der angemailten Personen kommt. Logisch, dass es nur drei Vorfälle gab (siehe Zeitungsartikel) – die anderen wurden ja auch alle nicht notiert, “ist ja nicht sofort gemeldet worden”. Die haben ja gut reden! Die Tatsache, dass männliche Triebtäter nahezu alles tun können wie es ihnen beliebt, ist so unglaublich widerlich. Es könnte ja eine Frau auf die Idee kommen, einen Mann zu unrecht zu beschuldigen – denn das kommt ja fast jeden Tag vor, “so sind diese Zicken halt, wenn sie ihre Tage haben!” [/sarcasm]
    Du sprichst mir jedenfalls aus der Seele.
    Danke für den ausführlichen Bericht!

    Yune

  4. MutterCourage

    Ein Problem, haben wir hier überhaupt ein Problem. Aber nicht doch, selbst wenn die Taten andbar wären, würde bestimmt auch hier das berühmte schwarze Loch des Familienrechts zuschlagen, diesmal eben bei sexuellen Übergriffen. http://www.carola-fuchs.de/das-schwarze-loch/

  5. sonmädl

    Endlich traut sich mal jemand das öffentlich auszusprechen. Ein Schwimmbad würde ich freiwillig zwar nie betreten (und es macht mich wütend und verzweifelt, dass wir Frauen immer mehr aus unseren liebgewonnen Gewohnheiten zurückgedrängt werden), aber wenn es nicht unvermeidlich ist, verlasse ich das Haus nach Dämmerung nicht mehr und meide auch die Prager Straße. Ich hasse es so, in meiner Freiheit eingeschränkt zu sein, doch meine Sicherheit geht vor. Diese Männer sind so furchtbar, sie umringen einen grinsend in Gruppen, bleiben einem im Weg stehen und starren, laufen viel zu nah an einem vorbei – immer wieder. Ich habe einfach nur Angst, scheinbar spreche ich bei solchen Männern irgendetwas an, ich weiß auch nicht, warum die immer zu mir kommen.
    Und in der Öffentlichkeit wird alles totgeschwiegen bzw. niedergebrüllt. Nein, kein deutscher, russischer oder vietnamesischer Mann (bzw. eher Gruppe, die feigen Schweine bilden in der Stadt Vierer-, Fünferketten, mit denen sie die Frauen zum begrapschen”einfangen”) hat mich je durch die Stadt gehetzt, angegrapscht und verhöhnt.

  6. Käsestulle

    “Hinzu kommt das Problem der Sprach-, oder besser: Wortlosigkeit.”

    Wir können unsere Probleme nicht mehr benennen, ohne von Linken und 3. Welle/Queer-“Feministinnen” des Rassismus bezichtigt zu werden. Und Probleme, die man nicht besprechen kann, existieren auch nicht.
    Wir werden also warten müssen, bis der WHM und ebenso belästigt …

  7. Danke, dass dieses Problem endlich jemand anspricht. Ich selbst gerate immer in Gefahr als rassistin hingestellt zu werden. Leider war es vorhersehbar (für mich) dass sich gesellschaftlich was ändern wird, wenn Männer mit einem noch schlechteren Frauenbild nach Deutschland kommen. Ich hab das 2 Monate in der Türkei erlebt und 3 in Indien. Mir ist dieses Verhalten nicht neu. Dort ist es normal das alleinreisende Asiatinnen begrabscht werden und als Freiwild wahrgenommen werden. Diese eignen sich besonders gut als Opfer da sie immer lächeln und sich kein Stück wehren sonder immer ganz lieb und nett sind, selbst wenn sie wie scheiße behandelt werden.
    Ich lebte auch eine Zeitlang in Dresden und da passierte mir, dass sich ein Mann in der vollen Straßenbahn (Linie 11 vom Kongresszentrum bis zum Albertplatz) einen runterholte und mich dabei ansah. Die Leute die es vor mir bemerkten sahen nur betreten weg. Aufgrund dessen guckte ich in die Richtung des scheinbar zu vermeidenden… Erstens. Scheißegal ob der Schaffner sagt er kann nix machen. Oder ob das der Bademeister sagt. Frau sollte zur Polizei gehen und die Zeit investieren diesen Typen anzuzeigen! Ich habe das getan und wurde dafür von anderen Leuten ausgelacht. Dass ich wegen so ner Lapalie zur Polizei gehe. Aber, wenn ihr das nicht tut, wenn die Polizeit nicht überrannt wird von Frauen die wegen Belästigung Anzeige erstatten, dann fragt sich ob es jemals gehör findet. Aber das die Polizei solche Vorschläge macht, zeigt doch dass die Zahl der Anzeigen gestiegen sein muss… Und alle haben sie Angst wegen Rassismus an den Pranger gestellt zu werden.

    Liebe Frauen, eine Bitte an euch. Beendet euer Mäuschendasein. Wartet nicht darauf, dass von Oben jemand hilft. Das mit dem Tauchen war schon gut. Ich kenne das von mir selber, man ist zu perplex um in seinem reizvollen und nett/lieblichen Dasein laut loszubrüllen. Es ist unrecht was da passiert. Männer hassen “Furien”. Also schreit sie an. Dann ziehen sie von alleine Leine. Und legt euch eine Angriffshaltung zu, wenn ihr an solchen Gruppen vorbei geht. Schultern straffen und auf die Stirn schreiben “verpisst euch”. Naja, nicht wörtlich gemeint. Ich denke ihr wisst was ich meine. Ich selbst werde auch immer wieder belästigt. Ich weigere mich ein Pfefferspray bei mir zu tragen (eine Waffe kann einem immer abgenommen und gegen einen verwendet werden, hab einige Jahre Aikido gemacht, daher diese Einstellung) und setze da auf meine Reaktion. Klar verhindert das nicht unbedingt solche Vorfälle. Aber ich hab für mich gemerkt, dass ich mich weniger schmutzig und besudelt fühle, wenn ich mich laut und auch körperlich gewehrt habe. Mittlerweile bin ich da radikal. kommt mir einer zu nahe wird er weggestoßen und als Arschloch beschimpft. Laut. Scheiß drauf, dass sich alle umdrehen und einen begaffen. Das heißt aber nicht dass sich einer dazu bequemen würde zu Hilfe zu kommen. Auch wenn ich Männer sehe die sich in der Öffentlichkeit einen runterholen, dann quatsch ich die an und sag ihnen sie sollen das zu Hause machen. Vielleicht klingt das radikal und komisch. Aber ich hab die Schnauze schon lange voll. Und da ich auch keine Lust hab auf türkische oder indische Verhältnisse (Frau geht nur in Begleitung, besser männlicher, aus dem Haus) habe ich angefangen mich zu wehren.

    Liebe Yune,
    Solche Sätze solltest du beginnen positiv zu formulieren. Wenn du das nächste mal so nen Mann siehst und befürchtest er könnte dich ansprechen, dann denke dir “halt die Klappe” oder “lass mich gefälligst in Ruhe”. Vermeide das nein, es macht dich in deiner Ausstrahlung schwach und bewirkt gerade dass du angesprochen wirst. Weil man sich schon als Opfer fühlt, bevor was passiert ist, weil man leidend denkt “nicht schon wieder”. Die genannten “positiv” Sätze holen einen aus der Opferrolle heraus und machen einen stärker. Es funktioniert. Man muss nur so Geistesgegewärtig durch die Welt laufen, dass man blitzschnell reagieren kann. Wenn man so oft belästigt wird, hat man viele Übungsmöglichkeiten. Leider. Seit ich begonnen habe zu “üben” wurde es echt weniger. Meist reicht schon eine bestimmte Körperhaltung…

    Noch eine Geschichte von meinen Erlebnissen in der Türkei. Eine Japanerin und ich waren in einem Laden als der Verkäufer ein Foto mit ihr machen wollte. Er belästigte sie dabei. Sie wurde klein mit Hut und in mir brodelte es schon. Ich hab den Typen beschimpft und er ging weg! Die anderen Verkäufer hörten das auch. Alle sahen betreten weg und waren erschrocken. Solche Erfahrungen haben mir gezeigt, dass Frau NICHT stillhalten sollte oder gar abwarten sollte bis es vorbei ist. Frau kann sich alleine beschützen. Hört auf zu glauben, dass ihr das “schwache” Geschlecht seid.

  8. Liebe Frauen,

    leider muss ich sagen, dass das von Anna beschriebene Problem keineswegs neu ist. Zumindest nicht in den alten Bundesländern.
    Wie es in der DDR war, weiss ich nicht. “Das Terrorregime hinter dem Eisernen Vorhang” war für uns im Westen vor 1989 Terra incognita, wenn wir nicht gerade DKP Anhängerinnen waren.
    Ich bin 1952 geboren und lebe seitdem in Frankfurt am Main. In meiner Kindheit und Jugend war es für Frauen und Mädchen unmöglich ohne männliche Begleitung = Brüder, Onkel, Väter, Verlobte (maskulin) oder Ehemänner, in bestimmte Gegenden der Stadt, nach Einbruch der Dunkelheit auf die Strasse oder ins Schwimmbad und dort ins Wasser zu gehen, ohne auf die in Annas Artikel benannte Weisse belästigt zu werden. Deswegen ging “man” als Frau oder Mädchen nicht ohne männliche Begleitung ins Schwimmbad, in bestimmte Gegenden oder nach Einbruch der Dunkelheit auf die Strasse. Und vor allem nicht in den Wald oder in Grünanlagen. Das hätte bedeutet “es darauf anzulegen”.
    Die Belästiger von damals waren keine “Flüchtlinge” und hatten keine dunkle Haut. Es waren Gruppen von deutschen jungen Männern, genannt “Halbstarke” oder später auch “Rocker”.
    In den Selbsterfahrungsgruppen der Frauenbewegung ab Anfang der siebziger Jahre wurden wir dann Feministinnen und fingen an sexuelle Gewalt als gesellschaftliches Problem zu sehen, und sexuelle Belästigung als kollektive männliche Massnahme um Frauen aus dem öffentlichen Raum fernzuhalten.
    Wir organisierten über viele Jahre hinweg die sogenannten “Frauennachtdemos” in der Walpurgisnacht. Sie waren die “Mütter” der Slutwalks. Ihr Slogan war “Frauen erobern sich die Nacht zurück!” (Wir sind davon ausgegangen, dass, wenn wir Nachts unvergewaltigt unterwegs sein könnten, wir Tags und Überall auch unbelästigt unterwegs sein könnten.)
    Wir hatten Erfolg! Das Problem wurde wahrgenommen. Frauentage in Schwimmbädern und Saunen wurden eingerichtet. Wir fingen an Selbtverteidigungskurse für Frauen zu organisieren, die es bis heute gibt. Bis heute hat sich offenbar auch der von uns entwickelte Leitgedanke gehalten, das Frauen und ihre Kleidung nicht schuld sind an sexueller Belästigung.
    Das der Staat uns schützen könnte, auf die Idee sind wir nicht gekommen. Ich glaube, dass haben die DDR-Frauen in die Frauenbewegung eingebracht.
    Obgleich ich es heute richtig finde den Staat in die Pflicht zu nehmen, rate ich dennoch zu Demos und der Organisation von feministischen Selbstverteidigungskursen. Denn der Staat bewegt sich überhaupt nur, wenn wir uns selbst bewegen! Selbstorganisation ist der Schlüssel zur Macht. Und offenbar müssen die “neuen” Männer neu lernen, welche Macht Frauen entfalten können.

  9. Es fragt sich, ob man die Untätigkeit der Behörden und der Aufsichtspersonen, Justiz, Gerichten, Polizei etc. nicht endlich als das bezeichnen kann, was es ist. Mithilfe zur Gewalt und Tätlichkeit gegen Frauen.

    Also ständig nebst der Hauptanzeige gegen die Täter, noch Nebenanzeigen gegen die Nichtstuer einreichen, wegen systematischer unterlassener Hilfeleistung, Verdrehung der Tatsachen, und bei Gegenanklage, wegen Vorurteilen und Verleumdung.

  10. Der gesamte Artikel ist ein Dokument dafür, wie hilflos der antirassistische Feminismus der Belästigung von Frauen durch Migranten ausgeliefert ist. Begriffe wie Taharrush gamea, arabisch, Islam werden im antirassistischen, vorauseilendem Gehorsam konsequent vermieden. Man spürt in jedem Satz die Schere im Kopf der Autorin, die dadurch nicht mehr in der Lage ist, die Realität wahrheitsgemäß zu analysieren, da sie irgendwem nicht in die Hände spielen möchte. Die Barbarei der Anderen, die in islamischen Kulturen aufgewachsen sind, in denen die Frau als zweitrangig gilt, als solche zu benennen, gilt dem schuldgeplagten Europäer als rassistisch, chauvinistisch, eurozentrisch. Im Stich lässt man dadurch die Frauen, die von diesen Männern offensichtlich als westliche „Schlampen“ betrachtet und entsprechend behandelt werden. Doch das hat natürlich nichts mit nichts zu tun.

  11. Liebe Käsestulle,

    Du schreibst: “Wir können unsere Probleme nicht mehr benennen, ohne von Linken und 3. Welle/Queer-„Feministinnen“ des Rassismus bezichtigt zu werden. Und Probleme, die man nicht besprechen kann, existieren auch nicht.
    Wir werden also warten müssen, bis der WHM und ebenso belästigt …”
    OK, ich weiss nicht wer oder was der WHM ist. Aber wann immer wir lästige Probleme benennen werden wir von irgendwem wegen irgendwas bezichtigt. Das ist schon so, solange ich denken kann. Wenn wir also deswegen gewartet hätten, wären die die lästigen Probleme bis heute nie benannt worden. Deswegen mein Vorschlag: Nicht warten! Benenne die Problem so, wie Dir der Schnabel gewachsen ist. Und frage die, die Dich bezichtigen, wieso das, was Du sagst rassistisch ist und wie sie die Angelegenheit denn wahrheitsgemäss und zutreffend schildern würden.

  12. Käsestulle

    Hallo Margot,
    ein WHM ist ein white heterosexual man.
    Und glaub mir, ich habe sie gefragt. DAS ist in der queeren 3. Welle Blase bereits Rassismus.
    Es geht nicht darum, was ich benennen kann. Es geht mir darum, dass der 3. Welle “Feminismus” ein Klima erzeugt hat, indem Probleme nicht benannt werden können, ohne sich mit diversen Vorwürfen auseinandersetzen zu müssen.
    Da gibt es also einen “Feminismus”, der Frauen, die über Sexismus reden, mit dem Rassismusvorwurf zum Schweigen bringen will und sich damit zum Komplizen von frauenverachtendem Verhalten macht.

  13. Vielen Dank für die Aufklärung was ein WHM ist.
    Aha, von diesem “Feminismus” sprichst Du. Davon habe ich schon gehört. Da teile ich Deine Einschätzung völlig, dass dieser “Feminismus” “Frauen, die über Sexismus reden, mit dem Rassismusvorwurf zum Schweigen bringen will und sich damit zum Komplizen von frauenverachtendem Verhalten macht.” Ich finde sehr gut, dass Du das jetzt so konkret benennst. Denn ich denke, es gilt, dass genau so konkret unbedingt gegenüber denen zu äussern, die diesen Feminismus vertreten. Ich weiss, dass das schwierig ist, und vielleicht geht es nur mit einer Gruppe. Oder vielleicht hilft Dir schon ein Rhetorik- oder Wendokurs, damit Du es auch alleine kannst. Und natürlich hängt es immer auch von der “Tagesform” ab, die Du hast. Aber je schwieriger es ist, desto wichtiger ist es, dass wir uns nicht mundtot machen lassen!

  14. Käsestulle

    Margot, bitte betrachte das Thema nicht als eines meiner Person.
    Es geht nicht darum, dass “ich” einen Rhetorikkurs machen muss oder nicht allein sprechen kann.
    ICH habe weder Kommunikationsprobeme noch Schwierigkeiten mit meiner Tagsform.

    Das verbitte ich mir in jeder Form.
    Angekommen?
    Danke.

  15. Liebe Anna aus dem Moor,

    vielen Dank für deinen Beitrag. Wir haben dir eine Email geschrieben, da wir sehr daran interssiert sind uns über dieses Thema mit dir persönlich zu unterhalten. Leider haben wir bisher keine Reaktion von dir erhalten.

    Bitte setze dich doch mit uns in Verbindung.

    Vielen Dank.

  16. Anna Ausdem Moor

    @sonmädl – meld Dich doch mal bei mir! 🙂

    @Dresdner Bäderbetrieb: Antwortmail kommt morgen! 🙂

  17. Liebe Käsestulle,

    ich betrachte das Thema nicht als eines Deiner Person sondern von uns allen.
    Wenn Frauen nicht lesen und schreiben lernen oder keine Berufsausbildung erhalten, dann ist das kein persönliches sondern ein politisches Thema. Das gilt auch, wenn Frauen in der Öffentlichkeit nicht den Mund aufbekommen oder sich gegen Übergriffe nicht wehren könne.
    Offensichtlich gelingt es dem von Dir beschriebenen “Feminismus” ja Frauen, die über Sexismus reden wollen zum Schweigen zu bringen, die dann frustriert – oft vermeintlich frustriert über den Feminismus – nach Hause gehen. Auch das ist ein politisches Problem, kein persönliches.
    Es reicht nicht aus, darüber zu reden oder zu schreiben. Diese Situation erfordert politische Lösungen. Es erfordert, dass Frauen nicht nur in der digitalen Öffentlichkeit dagegen Stellung nehmen sondern, auch bei Veranstaltungen mit kritischen Redebeiträgen, eingreifen. Nach dem, was ich zu hören bekomme, geschieht das bisher kaum, da die Betroffenen sich von den massiven u. a. massiven physischen Drohungen der “Akteurinnen der Gegenseite” einschüchtern lassen.
    Wenn wir dagegen offensive Taktiken entwickeln wollen ist es sinnvoll, dies nicht alleine, sondern organisiert zu tun und auf die schon von der Frauenbewegung entwickelten Hilfsmittel, wie z. B Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungsskurse, zurück zu greifen. Es muss nicht jede Generation der Frauenbewegung das Rad neu erfinden.

  18. Liebe Anna!
    Danke für Deinen Beitrag, ich habe mein Erlebnis ebenfalls – bisher nur auf Facebook – öffentlich gemacht und würde gerne Deinen Beitrag überall veröffentlichen lassen, wo das möglich ist. Außerdem werde ich mir den Schuh anziehen – die Kommentare meiner Facebookfreunde waren bereits unübertrefflich bescheidwissend – und mit meinem Gesicht und meinem Namen darüber reden, was passiert. Wenn Du Dich bei mir per Mail melden möchtest, fände ich das großartig. Ich kenne vielleicht auch ein paar Frauen, die Du noch nicht kennst; ich bin arabische Feministin und habe deshalb als Verräterin dieses Problem schon eine Weile.

    Mit dankbaren Grüßen,

    Licentia

  19. Anna Ausdem Moor

    Hallo Licentia, ich kann Dir leider keine Mail schreiben, kenne ja Deine Adresse nicht. Meine steht oben. 🙂

  20. „Und alle haben sie Angst wegen Rassismus an den Pranger gestellt zu werden“.
    Bei jedem Satz schwingt der Gedanke mit: Was könnten andere von mir denken? Sie könnten meinen, ich sei Rassistin. Rassistin? Wenn ich mich gegen Übergriffe wehre??? Hä?
    Ich glaube, wenn Frauen es immer noch nicht gelernt haben, sich selber an erste Stelle zu setzen, können wir eh einpacken.
    Ich stimme auch Felix zu: „Man spürt in jedem Satz die Schere im Kopf der Autorin, die dadurch nicht mehr in der Lage ist, die Realität wahrheitsgemäß zu analysieren, da sie irgendwem nicht in die Hände spielen möchte.“

    Genau so ist es. Hinzu kommt noch das typisch weibliche Heischen nach Zustimmung. Das wird aber NICHT kommen. Macht euch also nicht davon abhängig. Die AUTORITÄT über sich selber und die Eigenmacht, dafür zu sorgen, daß das was eine nicht will auch tatsächlich nicht mit ihr gemacht wird, MUSS SICH JEDE SELBER ZUSPRECHEN!

    Es ist ein innerer Akt der SELBSTERMÄCHTIGUNG dafür zu sorgen (egal wie!), daß meine Grenzen respektiert werden. Solange diese erforderliche innere Entschlossenheit dadurch abgeschwächt wird, daß frau sich Gedanken darüber macht, wie andere das bewerten könnten, wird keine Selbstverteidigung der Welt Erfolg haben. Im Gegenteil, erfolgreiche Selbstverteidigung impliziert sogar, daß einem die Reaktionen der anderen, des Angreifers oder der Umstehenden, so was von schei**egal sind
    Ich weiß, wovon ich spreche, ich war schon in einer Kampfsituation auf Leben und Tod; daraus bin ich nur deswegen als Siegerin hervorgegangen, WEIL ich dabei ausschliesslich an mich gedacht habe. Was mit dem Angreifer geschieht, war mir völlig egal. Mir hat diese Erfahrung sehr viel Sicherheit gegeben – und das Gefühl, daß ich mich 100% ig auf mich selber verlassen kann.

    Selbstverteidigung bedeutet im Kern ja grad, daß ich mich FÜR MICH entscheide und GEGEN die anderen, daß ich mich AN ERSTE STELLE setze. Alles andere ist halbherzig und signalisiert dem Angreifer bloß Schwäche (im Ernstfall wird sie zurückweichen). Angreifer spüren das.

    Meine Frage daher: Was seid ihr euch selber wert? Braucht ihr dazu die Zustimmung der anderen? Lohnt es sich, dieses klein-machende Überbleibsel einer typisch weiblichen Sozialisation (was könnten andere von mir denken?) zum braven Mädchen zu überwinden und abzustreifen? JA, unbedingt! Allein deswegen gibt es mich z.B. noch.

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