Facebook und das D-Wort…

Wir wollen den feministischen Diskurs beleben und unterschiedliche Ansätze zur Diskussion stellen. Deshalb erscheinen bei uns regelmäßig Gastbeiträge, die nicht zwangsläufig die Haltung der oder aller Störenfriedas wiedergeben, aber wichtige Impulse für die feministische Debatte geben können.

… oder die Kompatibilität des Wortes “Dyke”. Ich habe es dann ausprobiert. Immerhin ist ja der Juni internationaler „Pride Month“, also ein Monat für Schwule und Lesben, die LGBTQ*+ Community, und da kann ja mal gratuliert werden.


Bild 1 „Stonewall“

Weniger als eine Minute, nachdem ich es gepostet hatte, meldete facebook mich ab und bei der Wiederanmeldung erschien dies:

Bild 2 – „removed“

Das Wort „Dyke“ (1) verstößt gegen Facebook-Community Standards? Seit wann? Und vor allem: In welchem Kontext? Mein Bild war auf „Freunde“ (Facebook nennt das so) gesetzt – eine größere Öffentlichkeit wurde also gar nicht tangiert.

Besonders (radikale) Feministinnen und Lesben aus englischsprachigen Ländern berichten seit Tagen über ähnliche Erfahrungen. Einträge mit dem Wort Dyke oder Links zu Artikeln, die dieses Wort im Titel führten, z.B. dem „Chicago Dyke* March“ werden gelöscht und in zahlreichen Fällen die Accounts der Frauen zwischen 24 Stunden und einer Woche gesperrt. Unter den Betroffenen waren vor allem Lesben und Frauen, die sich (eher) der radikalen Feministischen Szene zuordnen, allerdings auch z.B. Max Dashu, deren Seite Suppressed Histories Archivesüber 156 000 Likes hat und die nun wirklich nicht durch aggressives Verhalten auffällt. Andere Frauen sehen sich einer Art Kettensperrung ausgesetzt. Einer ihrer Beiträge wird von Facebook gelöscht, sie erhalten eine Sperre für eine Woche, gehen nach dieser Woche wieder auf Facebook und bekommen eine Minute später die nächste Sperrung wegen irgendeines Posts, der schon seit 14 Tagen auf dem Account steht – sprich, sie werden gesperrt, noch bevor sie irgendetwas neues schreiben konnten. Wenn die dahinterstehende Software die wiederholten Sperrungen als Indiz für besondere Hartnäckigkeit wertet, droht eine permanente Sperrung und ein Auflösen des gesamten Accounts.

Die betroffenen Frauen sehen darin einen gezielten Angriff und vermuten verdeckte Angriffe gerade im Rahmen der „TERF“-Debatten (2) und des Transaktivismus zusammen mit einer generellen Feministinnen- und Lesbenfeindlichkeit, und bevor ich darauf eingehe, dass dies nicht völlig aus der Luft gegriffen ist, ein paar allgemeine Bemerkungen zu diesen Löschungen und Sperrungen. Ausgerechnet im Pride Month, also dem Monat, in dem in vielen Ländern der Welt Veranstaltungen zum CSD, dem Christopher Street Day geplant werden, sich die L, die G, die LGBTQI* Gruppen organisieren und ihre Events besprechen, löscht eine riesige soziale Plattform Einträge mit einem der zentralen Begriffe dieser Communities, beziehungsweise legt die Kontexte fest, in denen der Begriff überhaupt verwendet werden darf oder schreibt die Begriffe vor, mit denen sich bestimmte Personen aus den Gruppen bezeichnen dürfen. Lesben sind dabei, sich zu organisieren – und es wird ihnen durch die sozialen Medien vorgeschrieben, wie sie sich dabei nennen dürfen. Dies geschieht in einem ohnehin schon aufgeladenen und schwierigen Klima wegen der Trans-Debatten, der lesbischen Sichtbarkeit, der Definitionsstreitigkeiten, in denen Begriffe wie „Gewalt“ und „bigott“ frei flottieren, sobald Lesben Ansprüche anmelden und in dem sie ohnehin um Sichtbarkeit kämpfen.

Gleichzeitig fällt auf, dass die Sperrungen der Frauen tatsächlich bestimmte Untergruppen von Lesben/Dykes/gay women betrifft, sprich diejenigen, die eher zu radikalen Gruppen gehören oder sich schon einmal mit manchen Vertreter*innen der Queergruppen angelegt haben, vor allem dann, wenn diese Vertreter*innen Texte wie „Support your sisters*, not your cisters“ oder „I punch TERFs“ (3) durchgehen lassen – nicht einmal letzteres verstößt gegen die Community Standards – oder es auch mal für bigott erklären, wenn eine Lesbe ihr romantisches und sexuelles Begehren auf andere Lesben richtet und mit Lesbe das meint, was in der Queer-Bewegung eben Cis-Frau (oder in der männlichen Sparte davon auch schon mal „Fisch“) heißt. Der Text „X hat sich nicht an die Facebook- Gemeinschaftsstandards gehalten“ klingt natürlich erheblich besser als der Text „Sie wurde gesperrt, weil sie Lesbe mit Bezug auf Körper definiert.“ Mit anderen Worten: Die jetzige Vorgehensweise kann wunderbar gezielte Angriffe auf einzelne Mitglieder einer politischen Community vertuschen, die dann im allgemeinen Trubel einfach verschwinden.

Ich möchte es so formulieren, dass alle, auch diejenigen, die jetzt denken, dass dies doch alles nicht stimmt, und die schon die Erklärungen bereithalten, es verstehen: Es handelt sich nicht nur um ein kleines Problem, ein „first world problem“ einer kleinen Gruppe oder ein paar Zufälle einer noch nicht optimierten Software.

Solche Methoden können absolut jede Community treffen, statt „Dyke“ kann jederzeit ein anderer Begriff eingesetzt werden und damit jeder politische Ansatz in konforme Richtungen gelenkt, ganz gelöscht oder in einen Rahmen gepresst werden, der nur noch bestimmte Standpunkte überhaupt zulässt und andere rein sprachlich und automatisiert unmöglich macht oder zumindest sehr erschwert. Auf diese Weise finden zwar noch Diskussionen statt, aber die Gleise, auf denen sie das tun, sind so vorgegeben, wie Norman Chomsky dies in „The Common Good“ beschreibt: „The smart way to keep people passive and obedient is to strictly limit the spectrum of acceptable opinion, but allow very lively debate within that spectrum….” (Die kluge Methode, Menschen passiv und gehorsam zu belassen, liegt darin, das Spektrum akzeptabler Meinungen strikt einzugrenzen, jedoch innerhalb dieses Spektrums sehr lebhafte Debatten zuzulassen.)

Angebotene Erklärungen der Sparte „Das bildest Du Dir ein“, „Das ist nicht so“ und „Es ist immer alles in Ordnung“ lauten: „Kann es nicht sein, dass Dyke ein Schimpfwort ist und Facebook es deswegen sperrt?“ und „Das ist eine Folge der Probleme mit Hassrede (hate speech) und den Interventionen der Bundesregierung, die die Zusammenarbeit z.B. von Islamisten oder Neonazis erschweren will.“ (? Und ausgerechnet da wird dann mit „dykes“ geübt?? Danke auch!)

Die ersten Beruhigungen funktionieren nicht, da dyke (so wie „gay“) im Gegensatz zu anderen Begriffen aus der Szene ja durchaus auch neutral oder positiv genutzt wird, eindeutige Schimpfwörter aus der Szene ohne positive Verwendung sind z.B. „fag“ oder „poof“, heute eher selten in Gebrauch, sie bedeuten in etwa „Schwuchtel“. Hier gibt es keine Löschwelle.

Das zweite Thema ist komplizierter, da es hier nicht nur um Begriffe geht, sondern um den Kontext, die Umgebung der Begriffe. Insofern ist „Dyke“ interessant, da dieses Wort sowohl positiv als auch beleidigend verwendet wird. Eine Software oder Personen, die auf den Begriff reagieren, müssten also den jeweiligen Kontext erkennen. Und offenbar tun sie das hier.

Interventionen bei Facebook laufen über die Möglichkeit, bestimmte Posts, Bilder, Seiten, Gruppen, Accounts oder Personen zu melden. Missbrauch davon kommt häufig vor, z.B. organisiertes Massenmelden seitens größerer gut vernetzter Gruppen, deren Mitglieder sich gegenseitig zur Meldung von Inhalten mobilisieren. In der Praxis funktioniert es so:

Bei Facebook (bei WhatsApp, bei Instagram, bei Twitter, bei Google, bei Yahoo, bei Skype, bei Snapchat …. ) läuft immer eine Software im Hintergrund, die berühmten „Algorithmen“ (argh, ich hätte damals doch besser aufpassen sollen, als die in der Schule dranwaren!), die Schlagwörter sammeln, immer genaueren Zugriff auf die von uns ins Netz gestellten und dort abgerufenen Informationen ermöglichen und darüber die uns gezeigte Werbung organisieren. Deswegen ist dieses riesige Netz samt seiner praktisch (oder scheinbar?) unendlichen Vernetzungsmöglichkeit ja auch umsonst. Die gleiche Art Software (und möglicherweise ist „Algorithmen“ nicht einmal der fachlich korrekte Begriff) reagiert auch bei Beschwerden und Meldungen bei Facebook. Werden Begriffe, eine Seite, ein Account oder eine Person sehr häufig innerhalb einer kurzen Zeit gemeldet, landen diese oben auf einer Liste, und desto eher schauen sich die Mitarbeitenden bei Facebook die Beschwerden an. Bisher – also bis Juni – gab es (nach meinem Kenntnisstand) keine automatischen Löschungen, sprich endgültige Entscheidungen trafen nicht Programme, sondern Menschen, die für so eine Entscheidung 8 Sekunden Zeit haben, aus aller Herren Länder stammen, daher unterschiedliche Kontexterfahrungen haben, und die oft mit unzureichender Ausbildung dasitzen.

Das Problem besonders der Kontexte aber auch der Inhalte von Posts zeigte sich schon einmal 2013 in einem feministischen Zusammenhang, als die Journalistin Soraya Chemaly zusammen mit dem Women’s Media Center und Everyday Sexism Facebook zu erhöhter Sensibilität gegenüber gewaltverherrlichenden und gewaltverharmlosenden Einträgen bringen wollten. Es ging um Darstellungen von Gewalt gegen Frauen, die trotz Meldungen bei Facebook und trotz der „Community Standards“ einfach stehen blieben, spätestens wenn der Poster das Wort „Witz“ daneben schrieb. Das Bild an sich ist bereits ein Problem, der Kontext („Witz“) verschlimmert es, und gleichzeitig braucht eine Intervention ein Bewusstsein des Kontexts: Ich habe es selber einmal geschafft, in praktisch einem Arbeitsgang ein Bild wegen seiner Frauenverachtung zu melden und das gleiche Bild zur Skandalisierung auf eine Seite zu stellen.

Jetzt taucht es also wieder auf – und der Zusammenhang kann ein allgemeines politisches Problem der Radikalisierung sehr gewaltbereiter Gruppen im Netz sein. Aber wieso wird ausgerechnet mit „Dykes“ geübt? TERF oder nicht, für Gewaltexzesse, Anschläge, Morde, Brandstiftung sind sie nun nicht bekannt.

Die Frage ist daher, warum ein Verweis auf diese Algorithmen, wenn sie auf das Wort Dyke in bestimmten Kontexten programmiert sind und dann zu Interventionen wie dem Löschen von Posts wie dem eingangs gezeigten führen, beruhigen soll. Sollte er nicht, im Gegenteil, er sollte bei allen die Sirenen schrillen lassen.

Die Frage ist auch, ob die betroffenen Frauen und Lesben sich das Problem wirklich nur einbilden, wenn sie von gezielten Angriffen sprechen. Die Diskussionen werden (noch) auf Facebook geführt, wurden aber auch auf Twitter verlagert. Dabei ist zu sehen, dass Posts wie diese hier gelöscht werden:

Bild 5 „I love dykes“ und Bild 6 „dyke band“:

Und dass es hin- und wieder auch Mitglieder der Trans-Community trifft:

Bild 7 Trans Dykes

(Die Bilder wurden hier anonymisiert; Quelle: Gay Star News (https://www.gaystarnews.com/article/facebook-banning-lesbians-using-word-dye/ )

Dieses Schmuckstück unserer Kulturen bleibt jedoch stehen, offenbar entsprechen sie den Gemeinschaftsstandards:

Bild 8 (Choking prostitutes)

Quelle: Facebook „Listening 2 Lesbians“

Mit anderen Worten – es geht absolut nicht darum, dass „dyke“ ein Schimpfwort zur Beleidigung von (bestimmten) Frauen ist. Facebook ist nicht dafür bekannt, damit ein Problem zu haben.

Und auch das Wort „Dyke“ kann durchaus akzeptiert werden. Hier eine Liste von Gruppen, die nicht gesperrt wurden:

Bild neu: Quelle: Facebook

Bestimmt reiner Zufall.

Eliminiert wurden hingegen öffentliche Gruppen wie „Centering Women“ oder Seiten wie „Critical Feminist“. Die Sperrungen einzelner Frauen lassen auch vermuten, dass die  Software programmiert ist, die „Freundeslisten“ der Frauen, ihre Gruppen, ihre Likes, einzuberechnen – ein weiterer Angriff auf die Möglichkeit, Netzwerke zu bilden.

Mit anderen Worten – die Zeiten werden sehr kalt für Lesben, „Dykes“ und diejenigen Feministinnen, die sich zu Frauen organisieren. Und gleichzeitig können wir uns darauf verlassen, dass der Rest der Gesellschaft damit kein Problem hat, weil nicht gesehen wird, dass hier nur etwas ausgetestet wird, das morgen oder übermorgen nicht mehr nur gegen eine Gruppe eingesetzt wird, bei der die allgemeine Solidarität eher gegen Null geht. Morgen, übermorgen wird „dyke“ vielleicht durch TTIP ersetzt – und dann? Viel Spaß, dann funktioniert sie nämlich, diese Software, perfektioniert als viele sich noch in Belehrung, Beruhigung und wenn wir Pech haben, Häme übten.

Im Moment können wir feststellen, dass Feministinnen doch widerständiger und wacher sind, als wohl erwartet. Dass im Moment noch auf andere Plattformen, z.B. Twitter, ausgewichen wird, die vielleicht einige Zeit lang aus Konkurrenzgründen zur Verfügung stehen. Aber insgesamt müssen sich alle Gesellschaften mit dem Thema Macht und soziale Netzwerke so auseinandersetzen, wie sie das mit dem Thema „demokratische Kontrolle der Regierenden“ oder von Regierungsbehörden tun. Eine rein privatwirtschaftliche Organisation bringt uns das, was wir ja schon haben – sogenannte Global Players oder bestimmte politische Gruppen mit eigenen letztlich auch wirtschaftlichen Interessen legen Geld hin oder üben Druck aus, und pling! Bestimmte Themen verschwinden. Wenn dazu gerechnet wird, dass z.B. WhatsApp und Instagram ja auch zu Facebook gehören und Facebook damit Zugriff auf praktisch alle Jugendlichen industrialisierter Länder oder von Schwellenländern hat, wird deutlich, dass sehr langfristigen und langanhaltenden Manipulationsmöglichkeiten nichts mehr entgegensteht.

2013 konnte Facebook noch relativ leicht zu (einigen, wenigen) Konzessionen oder wenigstens Zusicherungen davon gebracht werden. Userinnen machten Screenshots von besonders brutalen Bildern samt der Werbung daneben und schickten die an die entsprechenden Firmen. Nissan UK zog daraufhin vorübergehend die Anzeigen aus Facebook zurück.

Diesmal wird das nicht reichen. Und da die Netzwerke global agieren und ihre Mitarbeitenden jederzeit überall aussuchen können, müssen auch demokratische Reaktionen und Kontrollen global organisiert werden.

Sieht nach Arbeit aus.

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Anmerkungen:
(1) „Dyke“ – anderes Wort für „Lesbe“, meist eher etwas „männlicher“ oder sportlicher auftretende Frauen. Der Begriff hat mit anderen Begriffen längst Tradition: „Dykes on Bikes“ z.B. oder „Hike Dykes“. Wie „schwul“ (oder der Begriff „gay“ oder Lesbe) wird „Dyke“ oft als Schimpfwort gebraucht, gilt aber innerhalb der Szene auch als völlig neutral oder positiv.

(2) TERF = Trans Exclusionary Radical Feminist, Schimpfwort für radikale Feministinnen (Kurzfassung), inzwischen in den sozialen Netzwerken ausgedehnt auf so ziemlich jede Frau, die eine Meinung zum Thema Queer oder Trans hat, egal welche und die sich nicht an der Aggressivität gegen Feministinnen oder Lesben beteiligen will.

(3) Gemeint sind Bilder wie diese (stammen von Twitter), und eben Frauen, die solche Bilder nicht so cool finden. Dass die Diskussionen innerhalb der Queer-Community häufig deutlich, sagen wir „differenzierter“ ablaufen, stimmt. Gleichzeitig laufen diese Typ*innen (no, I did not misgender them) ziemlich ungestört rum, während besonders in Deutschland ein „gut, dass wir darüber geredet haben“ als Ansatz offenbar reicht.

Bild 3 und Bild 4 „I punch TERFs“

 

(Bei dem „mobility device“ handelte es sich laut Zeuginnen um einen Baseballschläger, der dann doch konfisziert wurde.)

Bild: 3: Mumsnet:
Bild 4: Reddit

Quellen und Literatur:

Facebook has a problem with Dykes (Listening 2 Lesbians) https://listening2lesbians.com/2017/06/24/facebook-has-a-problem-with-dykes/ (Zugriff, 2.7.2017, 23.52)

Facebook Hates Lesbians (Listening 2 Lesbians) https://listening2lesbians.com/2017/07/02/facebook-hates-lesbians/ (Zugriff, 2.7. 2017, 23.56)

Why is facebook banning lesbians using the word d*ke? (Gay Star News )  (https://www.gaystarnews.com/article/facebook-banning-lesbians-using-word-dye/)

A way to own your social media (New York Times) https://www.nytimes.com/2017/06/30/opinion/social-data-google-facebook-europe.html (2.7.2017, 23.59)

Mumsnet, Chat: https://www.mumsnet.com/Talk/womens_rights/2964877-Punching-Terfs (3.7.2017, 00.20)

25 Kommentare

  1. Beim Lesen erinnerte ich mich sofort an George Orwells Klassiker “1984”: Es werden zunächst einzelne Wörter aus dem Sprachgebrauch herausgelöst, gelöscht und verboten. Und da sie gelöscht wurden, können sie später auch nicht mehr GEDACHT werden. Danach weden neue Wörter und Begriffe als Ersatz-Füllwörter erfunden (NEUSPRECH), die die Leute artig zu lernen und in ihren Sprachgebrauch zu übernehmen haben.
    Ähnlich kommt mir das hier auch vor. Die Aggressivität, mit der diese Gehirnwäsche betrieben wird, veranschaulicht eins: WEIBLICHE IDENTITÄT IST DAS EIGENTLICHE ANGRIFFSZIEL.

    Lesben werden bei dieser Auflösung und Eliminierung von Frau-Sein als die schärfsten Gegnerinnen wahrgenommen, da sie sich hartnäckig weigern, dem Neusprech-Begrifflichkeits-Terror zu folgen und ihr Begehren weiterhin auf weibliche Körper richten statt wie vorgeschrieben auf Männer oder Frauen-Fakes.
    Ich persönlich verweigere auch konsequent diese ganzen Neusprech-Ungetüme wie Cis etc. Für mich wäre das wie einer Abrichtung, einer Dressur zu folgen, die mich zwingen will, täglich neue Blödsinns-Vokabeln zu erlernen und damit meine Festplatte im Kopf vollzumüllen; damit ich dann dort weniger Platz habe für das Wesentliche oder für eigene kreative Wortschöpfungen.

    Beunruhigend ist die Konsequenz, mit der das alles betrieben wird. Islamistische Verabredungen zu Terrorakten kann man angeblich nicht aufdecken, aber bei den Verabredungen von Lesben geht das ganz einfach.
    Wenn da soviel gegen Radikalfeministinnen aufgefahren wird, könnte frau sich auch sagen: Viel Feind, viel Ehr! Oder Frauen könnten ähnliche, aber unabhängige Plattformen wie Facebook, Whatsapp etc. einrichten. Also liebe Mädels, lernt schön fleißig in den MINT-Fächern, damit wir uns demnächst ungestört von männlicher oder Transgender-Kontrolle auf feministischen Plattformen vernetzen und austauschen können.

  2. Die Fee

    Ich hatte die letzten Jahre Freude empfunden dass das Wort Dyke wiederkommt- Dykemarch, lesbische Sichtbarkeit…….mit Selbstbewusstsein raus aus dem LSBTTIQ…..das “L” ein bisschen dicker machen…..
    Und jetzt gibt es Dyke* (ausgerechnet! ) nur noch mit *. Bald ist jeder*jede*jedes* inkludiert- nur Lesben und Dykes ohne * sind die Unpersonen der “Community”?

  3. Kita, toller Kommentar.
    Das ist alles so unfassbar und verstörend.

  4. Zum Glück bin ich schon seit Jahren nicht mehr bei Facebook, aber es ist immer wieder erstaunlich, was die sich dort alles einfallen lassen, um ihre User zu kontrollieren. Warum Dyke nun ausgerechnet zu Testzwecken verwendet wird, ist mir ein Rätsel. Woher ist eigentlich bekannt, dass es sich hierbei um einen Test handelt? Stehen auch andere Begriffe im Rahmen dieses Tests auf dem Index? Gibt es hier eine Liste von verbotenen Begriffen, die frau einsehen kann? Und gibt es hierfür Begründungen oder ist es reine Willkür?

    Wer trotzdem bei FB bleiben möchte, sollte die Plattform vielleicht zumindest eine Zeit lang boykottieren, vielleicht einen Monat, so wie es FB ja auch umgekehrt macht? Aber vermutlich gibt es nicht so viele Dykes, dass es FB ernsthaft interessieren könnte. Keine Ahnung, ich nutze seit einiger Zeit lieber Twitter, wenn ich mal Zeit dafür habe. Foren wie die EMMA oder dieses hier sind mir wichtiger.

  5. Silvio Reindl

    Ich mach mal die Probe und poste etwas dykefreundliches aug meinem Blog, mal sehen was passiert.

  6. Emma Peel

    Wäre es nicht möglich, das gleiche Spiel mit den “I Punch TERFs” und “Kill the TERFs” – Typen zu spielen?
    Man müßte massenweise diese “Trans” – Profile an Facebook melden.
    Wir sind technisch einfach zu schüchtern!

  7. Ich frage mich, wo irgendjemand fordert, das Begehren habe sich neuerdings auf Männer und Frauen zu richten? Irgendwie scheint es da ein eklatantes Missverstehen zu geben…?

    Begehren ist nicht willentlich zu richten, auch nicht auf Frauen, die seit der Geburt als solche wahrgenommen wurden. Selbst ein Fetisch, der qua Verständnis von Fetisch den Körper des begehrten Menschen zum Objekt erklärt, ist keine Willenserklärung, sondern eine offenbar notwendige, nicht frei wählbare, bestenfalls im Sinne erfüllender Sexualität irgendwann erkannte und sich erlaubte/ermöglichte Stimulanz.

    Lesbisch zu lieben heißt ja auch nicht: Alle Frauen lieben. Unser Begehren richtet sich im Lauf des Lebens auf einige Frauen oder bei manchen irgendwann auf eine einzige Frau. Die Lebensgeschichte und auch die Biografie, die sich im Körper manifestiert, ist ein elementarer Kern meines Gegenübers. (Meine auch für mich und meinen Körper oder besser: Mich in meinem Körper.)

    Sich in eine Frau mit einer Trans-Biografie zu verlieben kann schlicht und ergreifend einer lesbischen (und auch einer bi- oder heterosexuellen Frau) passieren, oder sie zu begehren. Begehren und Verlieben (was nicht immer zusammenfällt) ist uns wissenschaftlich arbeitender Menschheit westlicher Prägung, noch nicht wirklich erschlossen. Wir haben wenig Einflussmöglichkeit auf unsere Emotionswelt, die in hohem Maß körperlich-affektiv und in geringem Verstand/Vernunft-bezogen ist. (ist affektiv das passende Wort? Expertinnen in der Runde können gerne ergänzen oder verbessern.)

    Niemand kann von mir verlangen, mich eine x-beliebige Person zu verlieben oder sie zu begehren und erst recht nicht, sie in mein Leben oder Bett zu lassen. Oder wo ich sonst geneigt und bereit bin, meine(!) Sexualität und Intimität zu leben.

    Und natürlich kann ich Menschen mit bestimmten abstrakten Merkmalen (Hautfarbe, Herkunft, Geburtseintrag zum Geschlecht, Alter, Körpervolumen, Religion, Wohnort…) aus meinem persönlichen Umfeld möglichst fernhalten, wenn mir Menschen aus Posemuckel in einer generalisierten Art und Weise fremd bleiben sollen. Ich könnte es auch generalisierte Angst oder Abwehr nennen.

    Das ist dann aber *mein* Akt, meine generalisierte Ablehnung und nicht *dessen* Thema. Der Mensch aus Posemuckel hatte ja noch gar nichts mit mir zu tun, ergo gibt es nichts zwischen uns, auf das ich meine Ablehnung begründen könnte. Ich tue es aus mir heraus! Und dann passiert es mir garantiert nicht, mich in eine Person aus Posemuckel zu verlieben und/oder sie zu begehren.

    Dies ist natürlich semi-eloquent beschreibbar mit: “ich richte mein Begehren ausschließlich auf Menschen aus Buxtehude”. Dieser Satz erklärt halt noch nicht, was mein eigenes individuelles Zutun durch Abgrenzung und Ausschluss ist.

    Für den persönlichen Rahmen haben wir hierzulande ja völlige Gestaltungsfreiheit. Insofern: Buxtehude, Aloha.

    Gemeinschaftsräume zu bilden und in der Lage zu sein, zu reflektieren, wie verdammt vielfältig Buxtehudes Bevölkerung ist, wie wenige ich davon begehre, dass mir manche Buxtehudies gehörig aif den Geist gehen oder mich ständig auf die Palme bringen – oder zum Verstummen – ist eine Kunst. Nennt sich Ambiguitätstoleranz. Das Aushalten der Erkenntnis, dass es verschiedene Perspektiven gibt und sie womöglich aufgrund der unterschiedlichen Positionen von denen aus auf “die Sache” geschaut wird, jeweils gut und richtig sind, auch wenn sie nicht zusammenpassen. Es gibt dieses Comicbild mit zwei Menschen, die auf eine geschwungene Linie am Boden schauen: Die Person links sagt: “Das ist die Ziffer 6!” Und die rechts: “Es ist eine 9!”

    Gemeinschaftsräume, die Frauen aufgrund ihrer Biografien ausschließen (zB hatte noch keine Beziehung zu einer Frau, hat ein Kind mit einem Ex-Mann den sie mag und schätzt, ist im Genitalbereich operiert, wurde oft/lange für einen Jungen gehalten, stammt aus einer Kultur von der ich annehme, das sie Frauen unterdrückt, glaubt an einen strafenden Gott und die Sünde) sind von Frauen gestaltet, die ihre eigene generalisierte Ablehnung auch auf die anderen Anwesende generalisierend übertragen. So erlebe ich es jedenfalls: Als das Postulat “wir alle hier wollen das so”. Kann mensch so machen. Aber bitte nicht anderen die Gründe unterschieben für das eigene, menschliche, ambivalente, abwertende Verhalten.

    Wir treffen uns doch nicht in Frauen- oder Lesben-Zusammenhängen, weil sich alle Anwesenden still oder laut begehren. Konstituierend ist es lediglich, dass wir Frauen sind oder eben frauenliebende Frauen.

    Wer will mir dabei vorschreiben, wie die Frau die ich begehre beschaffen sein muss, damit ich noch staatlich anerkannte Lesbe bin? Sollte ich in 5 Jahren herausfinden, dass die Frau an meiner Seite vor 10 Jahren transitionierte, was wäre der angemessene Umgang damit?

    Außer sie in den Arm zu nehmen und für das Anvertrauen einer bislang für sie offenbar unaussprechlichen Lebenserfahrung dankbar zu sein?

    Dyke, Lesbe, Frau sind dadurch imho nicht der Beliebigkeit preisgegeben.

  8. Gunhild

    Friederike, was genau willst du mit deinem Kommentar und deiner Posemuckel-Buxtehude-Analogie eigentlich sagen? Für was oder wen steht in deinem Vergleich Posemuckel, und für was oder wen Buxtehude?

    Meinst du, Menschen – hier Frauen – die über ihr Begehren und potentiell in Frage kommende Liebesobjekte Klarheit haben, leiden unter “generalisierter Angst oder Abwehr”? Findest du nicht, dass das unter der Hand ein Angriff auf die Klarheit und damit auch die Grenzen dieser Frauen ist?

  9. Sehr schräg… 🙁
    Wir haben hier in Berlin die offizielle Veranstaltung “Dyke March” (seit 5 Jahren). Diese Seite und die Postings und Veranstaltungen wurden noch nie von Facebook gesperrt – soweit ich weiss.
    Sandra

  10. @Friederike, Gunhild: Ich versteh´s auch nicht.

  11. @Friederike: Es geht ja nicht darum dass frau sich nicht in eine Transfrau verlieben darf, natürlich darf sich frau verlieben in wen sie will. Das Problem, das man offen und ohne wütende ideologische Kämpfe ausdiskutieren können sollte, ist die Tatsache, dass Transfrauen in der Regel männlich patriarchal sozialisiert sind, und es deshalb kontraproduktiv sein kann, geschützte Frauenräume für Transfrauen zu öffnen. Nur weil Feministinnen zum schwierigen Thema “was macht eine Frau aus” unterschiedliche Meinungen haben sollte frau trotzdem ohne Feindbilder auskommen und die Emotionen nicht in Zorn und hasserfüllte gegenseitige Zerfleischung umschlagen lassen. Das gilt meiner Meinung nach für beide Seiten, denn das stärkt nur das Patriarchat und schwächt den Feminismus.

    Ich verstehe schon dass es frustrierend für dich ist wenn du die Transfrau, die du liebst, nicht in einen geschützten Frauenraum mitnehmen kannst. Aber eine Heterofrau kann das genausowenig mit einem Mann den sie liebt, und sollte damit auch zurechtkommen. Ausserdem gibt es für Transfrauen ja die Möglichkeit, eigene geschützte Räume zu öffnen.

  12. Friederike

    Nebenbemerkung: Für mich ist nichts frustrierend, ich würde meine Partnerin selbstverständlich zu jeder für Frauen veranstalteten Sache begleiten, wenn sie uns beide interessiert. Egal ob sie radikal feministisch ist, oder mal transitionierte. Egal ob ich eins von beidem bin/tat.

    Ich frage Dich, Charybdis, wie wenig oder viel Vielfalt von Frauen und Männern Du kennst, dass Du das Kontraproduktive einer generellen Sozialisierung m/w zuschreibst? Ich kann den Lesben-/Frauenbegriff so dermaßen eng fassen und trotzdem ein Waterloo erleben, was den Umgang in der Gruppe angeht, die sich zur Veranstaltung X, Workshop Z oder Treffpunkt C zusammenfindet. Und ich kann einen sehr achtsamen, konstruktiven, traumhaften Umgang in einer schlicht “lesbische Frauen” einladenden Veranstaltung erleben, bei der sich die für manche offenbar als nicht darunter fallenden lesbischen Frauen einbringen und beteiligen. Anders als offenbar Du erlebe das Gelingen von lesbischer Gemeinschaft nicht von diesen hier diskutierten biographischen Hintergründen generell abhängig.

    Das hat womöglich folgenden Grund: ich erachte gesellschaftliche Strukturen und statistisch messbare Erkenntnisse als eine Aussage über eine große Menge Menschen hinweg an, die sich nicht auf eine Aussage zu einer Einzelperson “eindampfen” lässt. Methodisch ist n=1 einfach keine Statistik, sondern eine empirische Betrachtung. Und empirisch ist für mich in diesem Sinn jede zufällig zusammengesetzte, eine (halb-)öffentliche Veranstaltung konstituierende Gruppe oder Gemeinschaft – und das sind die Räume über die wir hier reden, oder?

    Wie geht Deiner Wahrnehmung nach das Patriarchat mit Frauen um, oder mit Frauen, die eine Transitionsbiografie haben? Wie mit lesbischen Frauen? Wie mit Frauen? Kannst Du mir das beschreiben?

    Und danach: Wie gehst Du mit Frauen um? Wie mit lesbischen Frauen? Mit Frauen, bei denen Du eine Transition vermutest (oder die sie Dir mitteilen)? Wie mit lesbischen Frauen, die vermutlich und bekanntlich transitionierten?

    Ich freue mich auf die offene Diskussion 🙂

    @Gunhild: was Du “unter der Hand” hinterfragst, lässt außer acht, dass ich “auf dem Tisch” ganz klar, jedem Menschen das Recht auf die eigenen(!) Grenzen zugesprochen habe. Alles andere wäre für mich indiskutabel. Die Übertragung eigener Grenzen auf eine Gruppe habe ich – ebenfalls offen – für mich abgelehnt und kritisiert. Und die die Projektion des eigenen Abgrenzungswillens und -grunds auf unterstellte Eigenschaften des Menschen, zu dem gerade abgegrenzt wird, aufgrund der Zugehörigkeit zu einer abstrakt definierten Gruppe, ebenfalls.

    In einfache Worten: ein Mensch kann sich einen Lebensalltag ohne Frauen, die transitionierten, schaffen. Selbstbestimmung! Ja!!
    Eine Gruppe von Menschen kann sich auch einen Gruppenraum unter dieser Selbstbestimmung schaffen. Dann ist es ein Raum für jene Frauen, die nicht mit Frauen, die transitionierten, zusammentreffen möchten. Es ist dann aber nicht ein “Frauenraum”, weil er weder für alle Frauen spricht, noch für alle Frauen offen ist.

    Ich verstehe den Wunsch, bestimmte Frauen aus einem Frauenraum auszuschließen als den Wunsch nach einem bestimmten Verhalten und Umgang miteinander in der Gruppe. Den verstehe ich gut. Den Lösungsansatz, eine bestimmte “Gruppe” auszuschließen, hinterfrage ich. Und hier schreibe ich “Gruppe” in Anführungszeichen, weil es eben keine aktiv konstituierte Gruppe ist, sondern ein, in die ein Mensch hineingeboren worden ist. Hier sogar im Wortsinn. Bei Religionsgemeinschaften könnte mensch ja über diese Unterscheidung noch trefflich philosophieren. Bei der Zuschreibung von Geschlecht bei der Geburt und im Kindesalter bis zur Pubertät und der daraus resultierenden, in Teilen stereotypen Zuschreibung oder Erwartungshaltung (ein guter Teil der Sozialisation) beginnt es ja tatsächlich mit der Geburt auch schon vor dem Spracherwerb und der bewussten Kommunikation mit Anderen. (Was ich bei Religion als den frühestmöglichen Startpunkt ansetzen würde, aber das ist ein anderes Thema…)

    Klarer geworden? Bedenken geklärt? Neue Bedenken? Oder eine offene Diskussion über Inhalte oder offene Fragen, statt Suggestiv-Fragen, die eine Antwort schon mitliefern? Ich würde mich freuen. 🙂

  13. Friederike

    Es tut mir gerade ein wenig leid, dass ich so vom Thema Facebook abkam, angesichts des hiesigen Verständnisses von Dyke, Lesbe, Frau.

    Um zurück auf den Comic mit der 6 und der 9 zu kommen…
    https://thumbs.dreamstime.com/z/perspektive-43169276.jpg

    Wir schauen auf dieselbe Situation und ich sage, dass eine Frau mit Transitionsgeschichte eine jetzt mal unkorrekt ausgedrückt “besondere Frau” ist (und deshalb verbinde ich mich frauensolidarisch mit ihr): Andere hier sagen, der Mensch sei ein “besonderer Mann” und sind dann zum Teil abgrenzend-unsolidarisch. Toleranz im Sinne von Duldung und als Zwischenbereich zwischen Akzeptanz und Ablehnung ist gerade kein Thema in der Diskussion. Auch wenn Toleranz für viele andere Aspekte des Unterschiedlichseins ein gemeinsames Beisammensein erst möglich macht. Eine Person wird vielleicht nicht immer alle Meinungen und Macken und Macharten ihre Gegenübers akzeptabel finden, aber Ein Mensch kann noch ne Menge tolerieren, ehe es den Bereich erreicht, den er aktiv ablehnt.

    Kurz zusammengefasst, nochmal nachgereicht.

  14. @Friederike: Bei deiner Argumentation geht einiges drunter und drüber und ist nicht schlüssig zu Ende gedacht. Auf der einen Seite versuchst du, objektiv feststellbare gesellschaftliche Strukturen nachzuzeichnen, andererseits gebrauchst du rein subjektiv gefärbte moralische Kategorien wie “unsolidarisch”, “ausgrenzen” etc., die persönliche Werturteile von dir widerspiegeln.
    Da sich diese beiden Ebenen ständig in deinem Text vermischen, ist es schwer deinen Beitrag zu verstehen oder darauf zu antworten.
    Natürlich hast du das Recht – wie jede andere auch – deine persönliche Definition von “Frau” festzulegen und danach zu leben. Nur haben dies Recht alle anderen eben auch. Von daher ist es überaus MANIPULATIV, moralische Kriterien damit zu verknüpfen, um daran anschließend bestimmte verbindliche Konsequenzen für alle einzufordern.
    Ich zitiere dich: “Es ist dann aber nicht ein ´Frauenraum´, weil er weder für alle Frauen spricht, noch für alle Frauen offen ist”.
    Dito, diese Definition von dir spricht ebensowenig für alle Frauen. Mir ist nicht bekannt ist, daß dir das offizielle Definitionsmonopol übertragen wurde, für alle Frauen verbindlich festzulegen, was ein Frauenraum ist. Oder gar, als was andere Bio-Frauen Transgender-Menschen wahrzunehmen haben. Ich z.B. nehme sie mehrheitlich – bis auf sehr, sehr wenige Ausnahmen – als Männer wahr, was sie mMn auch sind.
    Willst du mir jetzt meine Wahrnehmung ausreden, indem du mich als “unsolidarisch” und “ausschließend” moralisch unter Druck setzt? Laß es sein, ich lasse mich grundsätzlich nicht erpressen.

  15. Friederike

    Hm, es geht mir nicht um die Wahrnehmung eines anderen Menschen, sondern ihn aufgrund der eigenen Wahrnehmung zu definieren und vor allem auszugrenzen.

    Wenn ich jetzt mal alle Zuschreibung zu meiner Person rausnehme, bleibt nur die Wiederholung dessen, was ich in Frage gestellt habe: Dass die eigene Wahrnehmung oder Annahme ein angemessener Grund ist, Gruppenräume, deren Bezeichnung einen Begriff nutzt zu begrenzen auf einen Teil der Menschen, die darunter fallen. Wenn ich Dich mit Deinem Wahrnehmungsthema richtig verstanden habe. Es ist eben Deine Wahrnehmung, nicht weniger, aber eben auch nicht mehr. Damit hatte ich mal angefangen.

    Da capo al fine…

    Einen schönen Sonntag Dir. (wirklich, übrigens)

  16. Da verdrehst du schon wieder was, liebe Friederike.
    “Meine” Wahrnehmung ist hier nicht das, was uns zu dieser Diskussion führt. Sondern die rein subjektive Wahrnehmung von biologischen und sozialisatorisch geprägten Männern, die sich als Frauen wahrnehmen. Das können sie von mir aus auch gerne tun, nur dürfen sie ihre eigene Wahrnehmung nicht anderen aufzwingen und zu einem für alle verbindlichen intersubjektiven Verhaltenskodex umdeuten.
    Ich schließe sie aus, weil sie aufgrund OBJEKTIV feststellbarer Kriterien die Bedingung “Frau-Sein” nicht erfüllen und ihnen deswegen konsequenterweiser kein Zugang zu Frauenräumen gewährt werden kann.

    Einen sonnigen Sonntag auch dir.

  17. Friederike

    Okay, ich lass mich jetzt mal auf Deine Sicht- und Herangehensweise ein. Wobei ich die persönlichen Unterstellungen gegen meine Personen damit auch dieses Mal nicht diskutiere. Vielleicht ist es Dir möglich, weniger in dieser Form mit mir umzugehen und mehr am Thema zu bleiben?

    Ich habe jetzt aber erstmal nur jede Menge Fragen, weil es so eine ganz andere Perspektive ist. Ich hoffe, es ist für Dich okay, wenn ich mich jetzt erstmal einarbeite. Gerne biete ich an, auch Fragen zu meiner Perspektive und Erfahrung zu beantworten, falls es da Verständnisfragen gibt. Unsere Kausalitätsketten sind unterschiedlich aufgebaut, nur weil Du meine nicht nachvollziehen kannst, heißt das ja nicht, dass sie nicht schlüssig ist, sondern nur noch nicht erschlossen. Umgekehrt wohl auch. Ich fange mal mit meinen Fragen an – und ich freue mich auf die neue Perspektive.

    Welches sind die objektiv feststellbaren Kriterien sind es, die Du beschreibst? Wo gelten sie für die Gesamtstruktur (Gesellschaft / Menschheit / westliche Zivilisation?), inwiefern sind sie auf das Individuum übertragbar?

    Welches sind die Bedingungen zum Frausein, wer legt das fest? Erfüllen alle Frauen, die Du als Frauen beschreiben würdest, diese Bedingungen? Worin zeigt sich sich, dass sie die Bedingung erfüllen? Welchen Zweck verfolgt die Bedingung?

    Inwiefern kann ein Mensch nicht von anderen verlangen, nicht als die Frau behandelt zu werden, als die sie sich wahrnimmt? Wer weiß es besser als sie selbst, wer sie ist?

    Wie wird bei der objektiven Betrachtung der Sozialisierung eines Kinds und Jugendlichen berücksichtigt, dass sie unter den objektiv verschiedenen Voraussetzungen “ich bin ein Junge” und “ich bin kein Junge” stattfindet? Oder findest Du überhaupt, dass das objektiv unterschiedliche Voraussetzungen sind? Welche Erkenntnisse und Studien stützen Deine Einordnung?

    Wie ließe sich objektiv beschreiben, wie ein Kind oder jugendlicher Mensch sozialisiert ist, der ständig für einen Jungen gehalten wird und als solcher behandelt, aber schon immer ein Mädchen war?

    Wo – falls – finden sich objektive Parallelen zwischen den Sozialisierungen eine Kinds, das ein Mädchen ist, aber aufgrund des Körpers von seiner Umwelt für einen Jungen gehalten wird und eines Kinds, das ein Mädchen ist, aber aufgrund des Aussehens und Auftretens für einen Jungen gehalten wird? Worin liegen die Unterschiede?

    Findest Du hierfür allgemeingültige Aussagen, sind sie eher in der Gaußschen Normalverteilung angeordnet oder… Wie lassen sich die objektiven Ergebnisse für die Einzelperson anwenden?

    Sei gegrüßt.

  18. Gunhild

    @Friederike: Ich beziehe mich mal nur auf die ersten 4 Sätze deiner Antwort an mich, da meine Fragen sich ja auf deine Thesen über Liebe und Begehren lesbischer Frauen bezogen.
    Allerdings habe ich ein Problem, diesen Satz zu verstehen: „Und die die Projektion des eigenen Abgrenzungswillens und -grunds auf unterstellte Eigenschaften des Menschen, zu dem gerade abgegrenzt wird, aufgrund der Zugehörigkeit zu einer abstrakt definierten Gruppe, ebenfalls.“ – was meinst du damit?

    In deinem ersten Kommentar mischte sich die Frage nach Begehren mit Frauenräumen. Deswegen war es keine Suggestivfrage von mir, als ich dich fragte, ob deine Zuschreibung generalisierter Angst oder Abwehr sich auf das Begehren und die hierbei festgelegten Grenzen – und damit einhergehenden Ausschlüsse – richtet. Nochmal gelesen, scheinst du dich dabei auf Frauenräume zu beziehen – sehe ich das richtig? Würdest du es, da du beides, Räume und Begehren, so vermischt thematisiert, auch auf Begehren und Liebe, die klare Grenzen benennt, beziehen?

    Wenn ich es richtig lese, ist für dich biologische Männlichkeit lediglich eine Eigenschaft unter vielen, die eine Frau aufweisen kann, wie z.B. Körperumfang, Herkunft usw.
    Damit versuchst du zu dekonstruieren, dass Biologie die sexuellen Orientierungen bestimmt. Homo-, Hetero- und Bisexualität existieren als Einteilungen überhaupt nur, weil es biologische Geschlechter gibt (und aufgrund eines heteronormativen Patriarchats, das bestimmte Bezüge diesbezüglich gebietet/verbietet/verboten hat und weiterhin diskriminiert).
    Und wenn eine Lesbe sagt, dass für sie als Sex- und Beziehungspartnerinnen keine Menschen mit biologisch männlichem Körper in Frage kommen, dann gilt es das ohne Wenn und Aber anzuerkennen und zu akzeptieren, und nicht als „Ausschluss“ oder „Diskriminierung“ zu brandmarken. Letzteres ist, wenn der progressive Mantel beiseitegeschoben wird, mit dem das beschönigt wird, in keinster Weise vom althergebrachten Patriarchat zu unterscheiden, das die Grenzen von Frauen, und in besonderer Weise die lesbischer Frauen nie anerkannt hat.

    Ich zitiere jetzt einiges aus einem grandiosen Artikel, der auf den Punkt bringt, worum es bei dem Ganzen geht, und den ganz zu lesen ich ans Herz lege (https://sisteroutrider.wordpress.com/2017/07/01/the-vanishing-point-a-reflection-upon-lesbian-erasure/):
    „Love is love, unless you happen to be a lesbian woman – in which case your sexuality will be relentlessly deconstructed under suspicion of being exclusionary. [… NB: genau das, was hier grade passiert, übrigens…] Sexuality is a set of parameters that govern the characteristics we are potentially attracted to in others. For lesbians, it’s the presence of female primary and secondary sex characteristics that create (but do not guarantee) the possibility of attraction. Sex, not gender (nor even gender identity), is the key factor. But in a queer setting, as in mainstream patriarchal society, lesbian is a contentious label. […]

    Or rather, it would be more accurate to say, lesbian sexuality is made problematic: the idea of women exclusively directing our desires and energies towards one another remains suspect. Somehow, the pattern of men centring men in their lives never receives the same backlash. Lesbians are a threat to the status quo, whether it’s part of heteropatriarchy or queer culture. […]
    The idea that lesbians are transphobic because our sexual boundaries do not extend to accommodate penis is a phallocentric fallacy. And the pressure on lesbians to redefine those boundaries is frankly terrifying – it rests on an attitude of entitlement towards women’s bodies, an entitlement that is part of patriarchy and now being replicated within queer space. Lesbian women do not exist as sex objects or sources of validation, but self-actualised human beings with desires and boundaries of our own. […] This is not such a brilliant time to be a lesbian. The unwillingness of queer politics to simply accept lesbian sexuality as valid in its own right is deeply isolating, at points privileging the desire to have sex over the right to refuse sex.”

  19. Gunhild

    PS: wenn das alles eh nur subjektive Wahrnehmungen und Zuschreibungen sind, die individuell ganz unterschiedlich sein können, warum dann, Friederike, überhaupt noch von Frauen und Männern sprechen? (Und dann wäre die Frage, wie strukturelle Unterdrückung auf die von ihr Betroffenen bezogen noch benannt werden kann).

  20. 5)@ Friederike: Hä, was denn für Unterstellungen? Beispiele?
    Bevor ich mir weiter Löcher in den Bauch fragen lasse oder dich im Gegenzug mit einer Flut von Gegenfragen bestürme, hier ein paar Hinweise:
    Es gibt dazu jede Menge von Literatur, einfach mal unter den gängigen Stichworten googeln:
    Intersubjektivität, objektive Hermeneutik, symbolischer Interaktionismus.

    Kurzfassung: Wissenschaftlich geht man – bezogen auf kulturelle oder gesellschaftliche Kontexte – davon aus, daß Identitäten oder auch Wahrnehmungen nicht einfach bloße subjektive Behauptungen bleiben dürfen (um soziale Realität zu werden), sondern einer intersubjektiven Überprüfbarkeit standhalten müssen. Identität (Geschlecht, kulturelle Zugehörigkeit etc.) wird also stets interaktiv ausgehandelt. Das bedeutet, daß bei einem Identitätswechsel von einer Gruppe in eine andere diejenigen zustimmen müssen, die der Gruppe angehören, in die gewechselt werden soll. Im Fall der Trans-Männer müßten also v.a. die Frauen zustimmen – zumindest wenn man von ihnen akzeptiert oder gar aufgenommen werden will.

    Meistens hängt diese Zustimmung von einer „glaubwürdigen Performance“ des/ der Wechselwilligen ab (siehe Gesa Lindemann, Wider die Verdrängung des Leibes aus der Geschlechtskonstruktion). Übrigens ist diese Autorin selber auch ein Transgender, mittlerweile Professorin für Soziologie. Daher reiche ich dich und deine Fragen an sie weiter.

    @Gunhild: Das ist auch noch mal ein sehr wichtiger Aspekt, Daß GRENZEN von Frauen grundsätzlich nicht akzeptiert wurden/ werden. Grenzen sind „böse“ (nicht nur im Transgender-Diskurs). Tatsächlich bringen Grenzen aber KLARHEIT in allzu nebulöses Geschwurbel. Und verhindern die allseits zu beobachtenden Einheitsbrei. Darum müssen wir auch auf ihnen insistieren – und zwar, wenn nötig mit Entschiedenheit und mit aller Vehemenz.

  21. @Friederike:

    Geschützte Frauenräume haben den Sinn, dass patriarchal auf Unterwerfung sozialisierte Frauen lernen, diese Sozialisierung abzulegen. Wenn sie in diesen Schutzräumen nun mit Personen konfroniert werden, die patriarchal auf Herrschaft über Frauen sozialisiert sind, was auf alle als Männer geborene zutrifft, dass ist das im Hinblick auf den Zweck des Schautzraumes kontraproduktiv. Natürlich gibt es auch Transfrauen, die ihre männliche Sozialisation hinterfragen und sich bemühen diese abzulegen. Aber das trifft meiner Erfahrung nach auf viele Transfrauen nicht zu, und es ist deshalb legitim, geschützte Frauenräume für Transfrauen eben nicht zu öffnen. Denn man kann ja einer Transfrau nicht ansehen ob sie sich frauenfeindlich verhalten wird oder nicht. Das hat ja auch nichts mit Entsolidarisierung zu tun, sondern lediglich mit dem Bedürfnis, zumindestens zeitweise nur das eigene Ding zu verfolgen.

    Als Einzelperson hat frau die Möglichkeit, eine andere Einzelperson eben nicht empirisch zu betrachten, und so halte ich das auch, wenn ich Kontakte zu Transfrauen pflege. Aber in feministischen Gruppen ist es nun mal nicht möglich, bei jeder einzelne Transfrau, die dazukommen will, quasi zu erforschen, ob sie sich mackermässig verhält oder nicht.

    Dass das Patriarchat sowohl mit Cis-Frauen alsauch mit Transfrauen oder Lesben und schwulen Männern beschissen umgeht wissen wir alle, das brauche ich nicht näher auszuführen.

    Für mich persönlich sind Transfrauen keine Frauen, sondern eine eigene Kategorie, auch wenn das vielleicht nicht dem entspricht wie sie gesehen werden wollen. Menschen werden von anderen Menschen nun einmal nicht als das wahrgenommen, als was sie sich fühlen, sondern so wie sie nach aussen hin wirken. Damit muss jeder Mensch leben.

    Und zum Schluss eine Frage an dich: Warum weigern sich Transfrauen so verbissen, ihre eigenen Räume aufzumachen und bestehen am eindringen in die Räume feministischer Cis-Frauen?

    Frage an die Störenfriedas: Warum wurde mein Kommentar nicht angekündigt, bzw. sind meine Kommentare bei der Neugestaltung des Blogs gelöscht worden? War das nur ein Fehler, oder bin ich aus irgendwelchen Gründen eine persona non grata? Wenn ich hier unerwünscht bin dann sagt es mir bitte ehrlich, dann werde ich hier nicht mehr kommentieren.

  22. Anna Hoheide

    @Charybdis

    Was meinst du mit “warum wurde mein Kommentar nicht angekündigt?”. Kommentare werden abgeschickt, landen dann in der Moderationsschleife und werden dann (in den meisten Fällen) freigeschaltet, wenn wir dazu kommen.

    Ich weiß auch nicht, welche Kommentare du meinst, die gelöscht worden sein sollen, zumal die Neugestaltung unserer Seite inzwischen ein halbes Jahr her ist.

    Schreib uns doch bitte mal an post@diestoerenfriedas.de, dann können wir das vielleicht aufklären?

    Wir schätzen deine Kommentare immer sehr, weswegen uns dieser resp. der letzte Absatz doch etwas irritiert.

    Liebe Grüße

    Anna

  23. @Anna:

    Wenn du sagst dass ihr meine Kommentare schätzt dann bin ich eh beruhigt und nehme an dass da bei der Neugestaltung was verlorengegangen ist. Kann ja passieren bei einem Blogserver. Ich hab dir in einer Email alles genauer geschrieben.

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