Feminist Fight Club – wie man in einer sexistischen Arbeitsumgebung überlebt

“Feminist Fight Club” von Jessica Bennett erschien bereits 2016, ist aber definitiv mein liebstes feministisches Buch für 2017. Die preisgekrönte Journalistin Jessica Bennett (Newsweek, New York Times) hat ein unterhaltsames wie bitterernstes Buch herausgegeben, in dem es um Sexismus am Arbeitsplatz geht. Nein, nicht den, mit den tatschenden Chefs. Den gibt es immer seltener. Dafür immer häufiger den “subtilen Sexismus”. Den, der für eine Einzelne gar nicht so schlimm ist, in der Summe aber verheerend.

Mit viel Humor und Scharfsinn beschreibt sie, auf welche Art von Männern man im Berufsleben so stößt – und wie man mit ihnen umgeht. Da gibt es die “Manterrupters” – die Kerle, die einen ständig unterbrechen. Oder die “Bropropriator” – die Typen, die sich deine Arbeit aneignen und für ihre ausgeben. Der “Himinator” glaubt, ständig anderen zu erklären, was du eigentlich sagen wolltest – und der “Menstruhater” fragt dich bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit, ob du so zickig bist, weil du deine Tage hast.

Aus Bennett: Feminist Fight Club

Analog zum Film “Fightclub”, in dem es um ein geheimes Männerbündnis geht, stellt Bennett Regeln für den Feministischen Fight Club auf. Das Ziel? Nicht weniger als die Abschaffung des Patriarchats. “We fight Patriarchy, not each other” ist meine liebste Regel dazu.

Bennett spart nicht mit Kritik an der eigenen Seite. Auch Frauen nehmen oft Rollen ein, die ihnen das berufliche Vorankommen erschweren – die “Büromutter” etwa oder gleich der “Fußabtreter”.Sie geht dabei auch auf das Imposter-Syndrome ein – jenes Gefühl, das vor allem Frauen kennen: Sie reden sich ein, dass sie doch eigentlich ihren Job gar nicht können und das jemand herausfinden könnte.

Um in einer sexistischen (Arbeits-)welt zu überleben, braucht es den feministischen Fightclub. Frauen müssen einander stützen. Einen Kreis aus Vertrauten, in dem man sich austauschen kann und der zur Keimzelle feministischen Handelns wird, ist ebenfalls wichtig. Bennett gibt viele Tipps dazu, wie man als Frau einigermaßen unbeschadet durch ein von Sexismus geprägtes Arbeits- und Privatleben kommt. Mein Lieblingstipp: Der “Fuck-Off-Fund”. Den sollte man sich einrichten, damit man jederzeit einen ungeliebten Job, eine Stadt oder einen Mann verlassen kann.

Das Buch ist kreativ, witzig und direkt und ich möchte es jeder Frau in meinem Umfeld zu ihrem ersten Job schenken. Ich hoffe sehr, dass es 2018 eine deutsche Übersetzung gibt. Auf dem gleichnamigen Blog gibt es immer wieder Aktuelles zum “Feminist Fight Club”.

Jessica Bennett: Feminist Fight Club. A Survival Manual for A Sexist Workplace. Penguin/Harper Collins

4 Kommentare

  1. Guter Tip. Werde ich mir merken.
    Ansonsten bin ich skeptisch. Meist sind die anderen Frauen im Job keine wirklichen Verbündeten. Die verblödende weibliche Sozialisation mit Schmink- und Hauarbeitstraining sowie Abrichtung auf Gratis-Beziehungsarbeit hat meist ganze Arbeit geleistet.

    Die Frauen knicken viel zu schnell ein und frau steht dann plötzlich alleine da, wenn sie sich vorher zu einer gemeinsamen Aktion abgesprochen hat. Oft kam ich mir wie eine kämpfende Wölfin vor, die von im Ernstfall einknickenden Schäflein umgeben war.

    Frau muß aber BISS und KONSEQUENZ haben und meist auch entschieden gegen Konventionen verstoßen, um durchzudringen.
    Daher bin ich lieber als Einzelkämpferin unterwegs, obwohl´s schade ist.

    Aber im Grunde meines Herzens bin ich immer noch auf der Suche nach anderen Wölfinnen, die auf jeden Fall nicht einknicken.

  2. Schwierig, liebe Kira. Auch Frauen sind feige. Und dann: Das “Hordentum” oder nur schon Gruppen liegen Frauen einfach nicht. Deshalb hat ja das Patriarchat mit seinen Armeen und hörigen Gefolgsleuten immer gesiegt. Schade, aber wir Frauen sind ein Haufen von Einzelkämpferinnen. Ständig und Immer. Guerrillataktik mag da allenfalls ein Vorbild sein. (Mary Daly und andere lesen.)

  3. @Yvonne: Wenn du recht hättest – daß weibliche Feigheit der “Normalzustand” ist – dann würde sich aber umgehend die Frage nach der Legitimation von Feminismus stellen.

    Was sollte dann eine Bewegung bewirken, die Einzelkäpfertum und Entsolidarisierung als “normal” hinnimmt oder womöglich noch als Tugend deklariert – weil frau im Gegensatz zu Männern keine Hierarchien mit “Gefolgsleuten” akzeptiert; stattdessen aber Hierarchien, die völlig untransparent sind.
    Gerade in Frauengruppen kann man Hierarchien beobachten, die kein Mensch versteht, die auch nicht logisch sind. Wenn ich schon eine Hierarchie hinnehmen muß, dann ist mir eine, die nach Sachkompetenz organisiert ist mit KLAREN Machtverhätnissen, lieber als eine heimliche, versteckte Hierarchie wie sie in vielen Frauenzusammenhängen üblich ist.

  4. @Kira, Du hast Recht. War vermutlich eine etwas depressive Verstimmung oder Enttäuschung, die mich zu meinen Worten bewog. Sorry!

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