Feministisch leben! Manifest für Spaßverderberinnen

Vor kurzem ist Sara Ahmeds Buch “Feminist Killjoys” beim Unrast Verlag auf Deutsch erschienen: “Feministisch leben! Manifest für Spaßverderberinnen!” lautet der deutsche Titel. Der Figur der feministischen Spaßverderberin (engl.: “killjoy”) spürt die britisch-australische Wissenschaftlerin und Philosophin bereits in ihrem gleichnamigen Blog nach. Geboren 1969 in England, als Tochter einer englischen Mutter und eines pakistanischen Vaters, beschäftigte sie sich schon früh mit dem Anderssein.

“Was kommt euch als erstes in den Sinn, wenn ihr den Begriff Feminismus hört? Dieser Begriff erfüllt mich mit Hoffnung, mit Energie. Er erinnert an laute Verweigerungshaltung und Rebellion genauso wie an die leisen Möglichkeiten, die wir haben könnten, um nicht an Dingen festzuhalten, die uns herabwürdigen. Er vergegenwärtigt Frauen, die sich erhoben haben, sich gegen Dinge ausgesprochen haben, die ihr Leben, ihr Zuhause und ihre Beziehungen im Kampf um erträglicher Welten riskiert haben.”

So beginnt die Einleitung des Buches. “Feministisch leben” ist in drei Abschnitte geteilt. Teil I beschäftigt sich damit, wie sie Feministin wurde und warum Frauen überhaupt Feministinnen werden.

In sehr vielem habe ich mich wiedererkennen können, etwa der Situation am Familientisch, wenn die Feministin den anderen mit ihren Bemerkungen den Spaß verdirbt, weil sie sich nicht an Klischees und Sexismus beteiligt, auch das Augenrollen kenne ich. Teil II beschreibt Diversity-Arbeit, also Antworten auf Rassismus und Sexismus und Mehrfachdiskriminierungen, vor allem im akademischen Diskurs. Teil III dreht sich darum, was die Konsequenzen aus diesen Erkenntnissen sind. Am Ende findet sich noch ein Spaßverderberinnen Survival Kit und ein Manifest. Es geht um weiße Männer, die akademische Diskurse bestimmen und darum, wie befreiend ein “Snap” sein kann, jener Moment, wenn es einfach genug ist und man sich nicht länger um die Konsequenzen schert, wenn der Drang, zu widersprechen und zu protestieren, so groß ist, dass es kein Zurückhalten gibt, als Einzelne und als Gruppe.

Sara Ahmed schreibt scharfsinnig, voll sprühender Energie. Sie ist eine Sprachphilosophin, die immer wieder mit Wortbildern arbeitet. Eindringlich beschreibt sie den Prozess des “Feministin werdens”, des Heraustretens aus den bekannten Normen:

“Wenn man Feminist*in wird, findet man schnell heraus: Das, was man beenden will, existiert für andere nicht einmal.”

Besondes gefreut habe ich mich über das eigene Kapitel zu lesbischen Feminismus. Ein wenig schade ist ihr Fokus auf den Queerfeminismus, der sich in konsequenten Sternchen und dem Abfeiern von Transfeminismus widerspiegelt, doch ihre Erzähl- und Wortkunst, ihre schonungslose Offenheit und ihr Mut machen das Buch zu einem großen Spaß. Ein Satz ist mir besonders im Gedächtnis geblieben:

“Überleben kann Protest sein.”

2 Kommentare

  1. Hallo Mira, vielen Dank für den Tipp!

    Bedeutet es nun, dass im Buch der Queerfeminismus und die Intersektionen (Mehrfachdiskriminierungen) vertreten oder nur beschrieben wird?

  2. Ich fand bisher Eure Buchtips immer ganz prima und habe etliche dankbar angenommen. Auch von diesem Buch hatte ich mir viel versprochen,fand aber die eigentlichen Aussagen sprachlich derart verschüttet unter Weitschweifigkeit und unaufhörlichen Wiederholungen,dass das Lesen für mich kein Genuss war,sondern dröge und langweilig. Daher würde ich es nicht weiterempfehlen.

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