Feministischer Porno oder das übliche in rosa?

Frau am Computer

CC0

Wir wollen den feministischen Diskurs beleben und unterschiedliche Ansätze zur Diskussion stellen. Deshalb erscheinen bei uns regelmäßig Gastbeiträge, die nicht zwangsläufig die Haltung der oder aller Störenfriedas wiedergeben, aber wichtige Impulse für die feministische Debatte geben können.

Erika Lusts Film Live Love Lust

(Radikal)Feministinnen von Andrea Dworkin bis Gail Dines kritisieren Pornographie seit Jahrzehnten und sie haben gute Argumente: Die „Arbeitsbedingungen“ in der Branche sind für die Darstellerinnen unzumutbar, dargestellt wird nicht Sex, sondern Männergewalt gegen Frauen, und es ist diese Gewalt an der sich die Konsumenten – größtenteils Männer – aufgeilen, deren Frauenbild von den Darstellungen beeinflusst und geprägt wird.

Trotzdem hält sich hartnäckig das Gerücht, es ließen sich doch wohl auch „feministische Pornos“ produzieren, für ein weibliches Publikum. Als Paradebeispiele werden meist die Filme der 1977 in Schweden geborenen studierten Politikwissenschaftlerin Erika Lust genannt, die seit 2004 „Pornos für Frauen“ dreht, die auch diverse Preise bekommen haben. Ob sie ihre Darstellerinnen wirklich besser behandelt als andere Produzenten, ist fragwürdig, die Dokumentation Hot Girls Wanted lässt eher auf das Gegenteil schließen. Auch das Interesse der Frauen an den Filmen scheint sich in Grenzen zu halten: Das Unternehmen schätzt, dass lediglich 15-25 % der KonsumentInnen weiblich sind, die meisten sind also Männer, von denen manche eventuell noch ihre Partnerinnen dazu überreden können, gemeinsam einen Porno zu schauen. Das Label „feministisch“ bzw. „frauenfreundlich“ hilft dabei natürlich, Widerstände zu brechen.

Doch was wird in den Filmen gezeigt, und ist das wirklich feministisch? Um diese Fragen zu beantworten, möchte ich exemplarisch Lusts 2010 veröffentlichten Porno Life Love Lust, den ersten Langfilm der Produzentin, analysieren. Er setzt sich zusammen aus drei kürzeren Kapiteln, nämlich Life, Love und Lust. Im ersten Teil geht es um ein Liebespaar, das miteinander Sex hat, im zweiten um die Affäre einer Frau mit einem deutlich jüngeren Mann, und im dritten Teil um eine schüchterne junge Frau, die die Dienstleistung einer Tantra-Masseurin in Anspruch nimmt – letzteres ist für Erika Lust wahrscheinlich „Sexarbeit“, und die hält sie wiederum – genau, für ganz normale Arbeit, deren einziges Problem die Stigmatisierung ist, weshalb die Pornographin laut ihrer Homepage auch an Organisationen mit entsprechender Agenda (Amnesty International und Red Umbrella Fund), spendet.

Aber zurück zum Film: Am Anfang des Kapitels Life wird kurz der Arbeitsalltags einer Kellnerin und eines Kochs in einem Restaurant gezeigt. Die beiden sind ein Liebespaar und haben nach Dienstschluss im Lokal Sex miteinander. Die Initiative dazu geht zunächst von der Frau aus, die ihren Freund zum Geburtstag überraschen will und ihn in der Küche „abholt“. Als es dann aber zur Sache geht, ist er definitiv aktiver als sie und berührt und küsst sie, während er sie auszieht. Dabei ist ihr Körper natürlich für die Kamera gut sichtbar, und sie ist früher komplett nackt. Als Teil des Vorspiels findet auch Oralverkehr statt, dieser dient aber eher dazu, die Erregung zu steigern als zum eigentlichen Lustgewinn, und die Frau befriedigt den Mann länger oral als er sie. Hier lassen sich bereits zwei Klischees erkennen: erstens wird der Frau eine ganzkörperliche Sexualität zugestanden (sie wird überall liebkost und dadurch sexuell erregt), wohingegen sich der Mann mit der (u.a. oralen) Stimulation des Penis zufrieden geben muss. Zweitens wird als „richtiger“ Sex die Penetration dargestellt, obwohl längst bekannt ist, dass die meisten Frauen dabei nicht zum Höhepunkt kommen. Die Protagonistin im Porno zählt natürlich nicht dazu, und am allerbesten gefällt es ihr, wenn sie passiv daliegt und der Mann auf ihrem Körper Sex „performt“.

Ähnlich geht es auch im Kapitel Love zu: Da hier eine Affäre gezeigt wird, gibt es – im Gegensatz zum Mainstream-Porno – zwar ein Kondom, mit diesem aber wieder Penetrationssex, für den alles andere nur Vorbereitung ist. In diesem Kapitel stehen die Sexszenen in Zusammenhang mit folgender Geschichte: Aleix, vermutlich ein junger Student, hat eine Affäre mit der erfolgreichen Geschäftsfrau Michelle. Sowohl durch ihren beruflichen und finanziellen Erfolg als auch durch die Tatsache, dass er sich in sie verliebt und es ihr nur um den Sex geht, wird der Frau hier Macht attribuiert. Dass sie wesentlich älter sein soll als er ist ihrem nackten Körper jedoch nicht anzusehen, und trotz Lebenserfahrung kommt sie anscheinend nicht auf die Idee, dem jungen Mann zu sagen, was ihr gefällt (der Super-Liebhaber ist er natürlich trotzdem).

Das dritte Kapitel, Lust, verzichtet wie bereits erwähnt auf die romantische Hetero-Beziehung und zeigt stattdessen zwei Frauen, nämlich eine Tantra-Masseurin und deren Kundin, die die „Massage“ sichtlich genießt. Sie macht von allen drei Frauen wohl die körperlich lustvollste Erfahrung – allerdings mit einer anderen Frau, die obendrein auch noch dafür bezahlt wird. Ob dies in einer gleichberechtigten (heterosexuellen) Beziehung genauso möglich ist, bleibt dadurch fragwürdig – beziehungsweise wird eine deutliche Grenze gezogen, denn was im Tantra-Studio passiert ist ja offiziell eine Massage, der „echte Sex“ hingegen bleibt die Penetration und den heterosexuellen Paaren vorbehalten. Bei denen zeigt die Frau ihre Erregung übrigens deutlicher als der Mann und wenn ihr Gesicht gezeigt wird, sind rein zufällig immer auch ihre Brüste gut im Bild.

Solche Darstellungen von Sex sind nicht feministisch, sondern triefen nur so von Klischees. Die Frauen sind entweder zu schüchtern, um einzufordern, was ihnen Lust verschafft, oder sie wissen es gar nicht so genau, jedenfalls haben sie am meisten Spaß, wenn es ihnen so richtig „besorgt“ wird – entweder von Männern, die scheinbar als Super-Liebhaber geboren werden, oder aber von einer Frau, die das dann aber „professionell“ macht. Die Botschaft an Frauen ist deutlich: Wir sollen nicht erkunden, was wir mögen, und das unseren PartnerInnen kommunizieren, sondern auf den Traumprinzen warten, der uns in romantischer Atmosphäre Befriedigung verschafft – und selbstredend sollen wir auf Männer und Penisse stehen und vaginale Orgasmen erleben.

Ob Frauen wirklich Interesse an solchen Pornos haben, ist fraglich. Die Männer jedenfalls haben eine super Ausrede, Pornos zu konsumieren und ihre Partnerinnen zum Mitschauen zu überreden. Nicht zuletzt profitiert vom Label „für Frauen“ die Pornoindustrie, denn die macht noch höhere Umsätze als bisher, wenn Frauen endlich als gleichberechtigte Konsumentinnen im kapitalistischen System mitspielen.

Ein Gastbeitrag von Jasmin Hutter

1 Kommentare

  1. Keine Ahnung wie es die “neuen Feministinnen” und sex-positivem jungen Frauen so halten mit Porno, Gewalt und Prostitution. Für mich persönlich ist das alles rein männliches (eroberndes? und unterwerfendes) Sexualverhalten, das mir schon beim Gedanken daran ablöscht. Irgendwie ist mein Gehirn anders verdrahtet, so dass ich mit männlichem Sexualverhalten, (ob von Frauen) oder Männern so gar nichts anfangen kann. Für mich (ich spreche da nicht für andere oder alle Frauen) ist diese Sexverhalten, samt Pornos eine reine Beleidigung meiner Weiblichkeit und meiner weiblichen Intelligenz noch dazu. Bin ich doch “vielfältig” und eben nicht “einfältig” ausgerichtet. Und meine erogenen Zonen liegen auch nicht dort, wo Männer sie unbedingt haben (wahrnehmen) wollen. Wie lange noch? Muss man jetzt bei der Aufklärung wieder bei Adam und Eva (Lilith?) anfangen?
    Wir waren schon mal weiter.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.