Frage der Woche: Gender-Wahnsinn oder unbedingt notwendiges sprachliches Instrument?

Grafik mit einem Fragezeichen

Hiermit führen wir eine neue Rubrik ein. Jede Woche stellen wir euch, unseren Leser_innen, eine möglichst kontroverse Frage und laden euch zur Diskussion darüber ein.

Teilweise möchten wir damit innerfeministische Diskussionen aufgreifen, teilweise ein wenig provozieren, manchmal auch einfach nur zum Nachdenken anregen. Wir denken: Gerade durch polarisierende Fragen schärfen wir unser Bewusstsein und unsere Standpunkte.

Wir starten mit folgendem Thema:

Wie wichtig ist euch gendern und eine geschlechtergerechte Sprache? Seid ihr der Meinung es ist unbedingt notwendig um Frauen (und Trans*) sprachlich sichtbar zu machen, denn Sprache ist schließlich Macht? Oder findet ihr, dass es irgenwann auch mal gut ist mit Binnen-I, Gendersternchen oder Unterstrich und dass das alles von den wirklichen Problemen, die Frauen so im Alltag bewältigen müssen, ablenkt und der Aufmerksamkeitsfokus von diesen Themen weg verlagert wird. Oder findet ihr euch irgendwo dazwischen wieder?

Natürlich wünschen wir uns gerade bei kontroversen Themen eine respektvolle Diskussionskultur, aber das haben wir hier bei uns auf der Seite auch noch nicht anders erlebt. Wir freuen uns auf eure Beiträge und wünschen angeregtes Diskutieren. Kommentiert

 

8 Kommentare

  1. Zur Frage der Woche: Genderwahnsinn …..
    NATÜRLICH ist es wichtig zu gendern, keine Frage, eine Selbstverständlichkeit! Dass es überhaupt noch zu einem Thema gemacht wird und nicht selbstverständlich ist, ist mir unbegreiflich. Was mich an den ganzen Diskussionen auch sehr stört, dass sich fast alle Veröffentlichungen auf das Binnen-I, Sternchen, Unterstriche etc.beziehen und die Kreativität der Sprache kaum berücksichtigt wird. Ja, ich tu mir auch manchmal schwer, die richtigen Worte zu finden und ich brauche zum Verfassen von Texten länger als früher, aber das ist mir die Mühe wert (auch wenn ich mich ganz schön allein gelassen fühle). Ich bin eine Frau und ich möchte nicht “untergehen”, wie ich auch andere Menschen nicht “untergehen lassen” möchte.
    Manchen ist einfach jedes Mittel recht, um Frauen klein oder noch besser unsichtbar zu machen/zu halten, das ist eine lange, alte Geschichte in Neuauflage…..(wir wissen eh warum)

  2. Ich finde, wir können auch sprachlich eine ganze Menge lernen, wenn wir uns um geschlechtergerechte Sprache bemühen – abgesehen davon natürlich, dass es uns allen ein Anliegen sein sollte, alle Menschen einzubeziehen. Ich merke, dass meine sprachlichen Bemühungen im Schriftlichen auch auf meine mündliche Ausdrucksweise abfärben – mir gefällt, dass es mir immer selbstverständlicher wird. Wir brauchen, meine ich, auch sprachlich gute Vorbilder, das macht es anderen leichter, den Schritt von der Theorie in die Praxis der Sprache zu gehen.

  3. Käsestulle

    “Seid ihr der Meinung es ist unbedingt notwendig um Frauen (und Trans*) sprachlich sichtbar zu machen, denn Sprache ist schließlich Macht?”

    Sprache ist Macht. Sprache *macht* aus Menschen Männer und Frauen. Beide Begriffe transportieren all die positiven und negativen Geschlechtsstereotype, die den einen Vorteile und den anderen Nachteile verschaffen. Sprache “othert”, Gender in der Sprache ist Othering.
    Überall setzen wir uns gegen Othering ein, und in der Sprache bestehen wir darauf?!?

    Warum sollten ausgerechnet Frauen darauf beharren, in einer Weise benannt zu werden, die Stereotype reproduziert? Wo wir uns doch täglich gegen diese engagieren?
    Sichtbar? Ich bin sichtbar, egal wie ich bezeichnet werde. Mein Geschlecht muss weder benannt noch sichtbar “gemacht” (performt) werden. Ich will gleich sein unter Gleichen. Ich benötige keine Extrawurst und erstrecht keine Reservate. Auch nicht in der Sprache.

  4. Sprache Macht Bewusstsein oder Sprache macht Bewusstsein
    Wenn wir von Lesern reden stellt sich niemand eine Leserin vor. Bei den Göttern ist es das gleiche. Götter sind keine Göttinnen. Wir leben in patriarchalen Herrschafts- und Gewaltstrukturen und das bedeutet, dass wir sprachlich so tun, als gäbe es nur Männer und das sind dann alle Menschen. Wenn Frauen nicht angesprochen werden fühlen sie sich auch nicht angesprochen. Das drückt sich dann auch im Handeln aus. Am besten wäre vielleicht eine Sprache die weder männlich noch weiblich ist, aber die müssten wir erstmal erfinden.

  5. Käsestulle

    Woher willst du wissen, was andere sich vorstellen?
    Woher willst du wissen, wann ich mich angesprochen fühle?

    Überdies gibt es Sprachen ohne Genus. Z.B. Türkisch. Nachhaltigen Einfluss auf das Geschlechterverhältnis hat das aber nicht.

    Und hier gibts einen ausführlich Fachartiel zum Thema:
    http://www.belleslettres.eu/artikel/genus-gendersprech.php

  6. @Käsestulle: Boah, deine von dir empfohlende Lektüre macht mich einfach nur wütend!
    – zu Gender Studies: “Obwohl alle Pub­lika­tionen unverhohlen aktivistisch sind, wollen sie sich durch das Einflechten von Fachbegriffen das Air echter Wissenschaft geben.”
    – über die zitierten Studien der Frauenbeauftragten der Stadt Köln: “Tat­säch­lich sind es keine sprach­wissen­schaft­lichen und psycholo­gischen Studien, sondern Sprachtests, die fach­unkundig von femi­nisti­schen Psycho­login­nen durchgeführt wurden. Sie sind von vielen methodischen und sachlichen Fehlern abgesehen vor allem deshalb falsch, weil sie die Kluft zwischen Sprach­zentrum und Verstand nicht bemerken. Deshalb zeugt auch der Wunsch nach be­wuss­ter und sensibler Sprache, wie ihn alle Frauen­beauf­tragten in ihrer zurecht­plagi­ierten Fassung des Leitfadens äußern, für tiefes Unverständnis der Sprache.”

    Falls du die Meinung des Autors (Daniel Scholten) teils: Warum liest du diesen Blog hier? Und es ist ja schön, dass du dich möglicherweise (falls du eine Frau bist) mit dem generischen Maskulin(um) mitgedacht fühlst, aber ICH (und viele viele viele andere!) nicht!

    Falls du die Meinung dieser Zitate nicht teilst: Bitte lese den von dir geposteten Text (noch einmal) gründlich durch!

  7. Käsestulle

    “Warum liest du diesen Blog hier?”

    Bleib doch einfach beim Thema.

  8. Käsestulle

    “deine von dir empfohlende Lektüre macht mich einfach nur wütend!”

    Wenn du den Artikel sprachwissenschaftlich widerlegen kannst, nur zu.

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