Unsere Frage der Woche: Wie seid ihr zum Radikalfeminismus gekommen?

Grafik mit einem Fragezeichen

Wie in unserem jüngsten Podcast angekündigt:

Diesmal interessiert uns euer Weg zum Radikalfeminismus (not the fun kind):

Wie habt ihr den denn für euch entdeckt? Ward ihr schon immer Radfem oder habt ihr zunächst (wie viele von uns) den Umweg über den Liberal-Feminismus oder andere feministische Strömungen (falls ja, welche?) genommen?

Gab es ein bestimmtes Thema, welches euch zum Umdenken gebracht hat?

Oder sympathisiert ihr zwar mit dem Radikalfeminismus, habt aber an bestimmten Punkten einen für euch entscheidenden Dissens?

Vielleicht lest ihr aber auch nur interessiert mit, könnt aber mit Radikalfeminismus eigentlich so gar nichts anfangen?

Oder ihr pickt euch aus verschiedenen feministischen Richtungen die für euch passenden Analysen und wollt euch gar nicht so recht festlegen?

Wir sind schon jetzt sehr gespannt auf eure Erfahrungen und Meinungen.

In der nächsten Folge unseres Podcasts besprechen wir den Unterschied von Radikalfeminismus zu anderen Feminismen und möchten dort sehr gerne auch eure Erfahrungen einbringen.

9 Kommentare

  1. Liebe Störenfriedas,

    vielen Dank für euren Podcast und auch für euer langjähriges Engagement!

    Kurz zu meinem ‘Weg’:
    Lange konnte ich nichts mit ‚Feminismus‘ anfangen, weil ich nur Queerfeminismus als ‚Feminismus‘ kannte – ich habe den Begriff vermieden & mich als Antisexistin verstanden (und tu es noch immer). Poledancing und Prostitution fand ich nicht sonderlich ‚empowering‘.
    Bis ich auf Radikalfeminismus stieß, der auch ‚primitiver‘ Feminismus (Andrea Dworkin) genannt werden könnte. Denn es ist eigentlich ganz einfach: Wenn etwas Frauen schadet, ist es schlecht und unfeministisch. Wenn etwas Frauen hilft, ist es gut und feministisch.

    Der neoliberale ‚Choice-Feminismus‘ hilft da meiner Meinung nach nicht, weil er keine Analyse bietet & die Verantwortung aufs Individuum abwälzt. “Queerfeminismus” hilft sowieso nicht, weil die queer theory einer der Gründe ist, weshalb wir in der momentanen Misere stecken. Allein eine strukturelle Analyse mit ‚Geschlecht‘ als fixer Kategorie kann helfen, die Lebenssituation von Frauen zu verbessern.

    Kernpunkte des Radikalfeminismus decken sich meiner Meinung nach mit denen der Zweiten Welle und sind die Verringerung von Femiziden und sexueller Gewalt, von Ausbeutung, Prostitution und Leihmutterschaft, die Abschaffung weiblicher Genitalverstümmelung und die Verhinderung häuslicher Gewalt. Alles Gefahren, denen Frauen aufgrund ihres weiblichen Geschlechts und nicht aufgrund irgendeiner Identität ausgeliefert sind. Das betrifft alle (!) Frauen. Wir können uns da nicht „herausidentifizieren“. Darum bin ich Radikalfeministin.

    Darum kämpfe ich auch so vehement gegen den neuen Frauenhass im ‘inklusiven Gewand’, bei dem “Frau” wieder nur eine von Männern geformte Kategorie ist, die man sich anziehen, aneignen oder in die man sich “reinidentifizieren” kann. Wir erleben gerade den krassesten antifeministischen Backlash. Das finde ich absolut inakzeptabel. Richtig aktiv wurde ich aber, als große Plattformen begonnen haben, Accounts von Frauen zu blockieren/zu löschen, weil sie sich über Frauenkörper und Frauenerfahrungen austauschen; als ich Wind vom “Selbstbestimmungsgesetz” bekam und als die JKR-Sache in Deutschland hochkochte. Weil jetzt nämlich alle Frauenrechte, die unsere Vorkämpferinnen erstritten haben, auf dem Spiel stehen.

    Darum: Nur ein Feminismus, der Frauen zentriert, wird seinem Namen gerecht.

    Danke, viele Grüße und Solidarität!

  2. Zum radikalen Feminismus bin ch durch radikal-feministische Lektüre gekommen. Mary Daly, Andrea Dworkin, Sheila Jeffreys und Sonia Johnson. Mit der neuen Welle von Queer-feminismus und Genderismus kann ich jedoch gar nichts anfangen, da er am Hauptanliegen völlig vorbei geht und nur fragmentiert und viele Nebenschauplätze schafft, welche die Stosskraft brechen und unnötig verzetteln. Dies ist vermutlich gewollt und gesteuert, um so den wirklichen Feminismus auszubremsen. Ich bin Feministin der zweiten Welle und werde dies auch bleiben. Alle Neo-feministischen Gender Formen lehne ich aus ob-genannten Gründen ab. Im Weiteren schliesse ich mich der Vor-Kommentatorin an.

  3. Danke für euer Engagement. Vieles von dem, was ich erzähle, ist dem von Victoria ähnlich. Ich hole hier mal ein bisschen weiter aus, aber es gibt ein TL;DR am Ende. Meine feministische Sozialisation hat beinahe ausschließlich digital im US-amerikanischen Diskurs stattgefunden. Vieles von der Rhetorik dort ist mittlerweile auch hier in Deutschland angekommen. Ich glaube, einige meiner Erfahrungen sind bis zu einem gewissen Punkt repräsentativ für junge Feministinnen.

    Als Teenager konnte ich mich nicht besonders mit dem Begriff „Feministin“ identifizieren. Ich verfügte über einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, aber vieles von der Radikalität und Rhetorik schreckte mich ab. Nicht, dass ich mich mit Theorie beschäftigt hätte- ich ging von dem vorherrschenden Bild des Feminismus aus, was hierzulande eigentlich nur Alice Schwarzer und ominöse BH-Verbrennungen bedeutet. Zu dem Zeitpunkt hätte ich mich vielleicht als „egalitarian“ oder so ähnlich bezeichnet- frei nach dem Motto „Ja, ich bin auch für Geschlechtergerechtigkeit, aber doch nicht auf diese Weise.“

    Dann (ca. 2013/2014) verbrachte ich zunehmend Zeit auf Tumblr und es prasselten eine Menge für mich neuer Begriffe auf mich ein. Tumblr ist eine Microblogging-Plattform und berühmt-berüchtigt für seine „SJW“ (ein Terminus, den ich persönlich ablehne, aber durchaus verstehen kann, wo er herkommt). Ich lernte über Rassismus, Kapitalismus, Gender, Colorism, kulturelle Aneignung, Intersektionalität, etc. Ich lernte ebenfalls, dass es ein ziemliches Privileg ist, darüber zu lernen, als es zu erfahren. In der Uni las ich Judith Butler und Konsortien. Nach viel und langer Auseinandersetzung begann ich, das Konzept „Feminismus“ besser zu verstehen und stellte fest, dass ich mich immer mehr mit dem Label identifizieren konnte. Aus heutiger Sicht war ich eindeutig eine Libfem, damals sah ich das einfach als Feministin. Unterschiedliche Strömungen waren mir nicht wirklich bekannt. Ich wusste, dass es Ökofeministinnen gab (irgendwas mit Natur), marxistische Feministinnen (irgendwas it Kapitalismus), und Radikalfeministinnen- die transfeindlichen Faschisten des Feminismus, wurde mir erzählt. Ich beschäftigte mich nicht weiter damit.

    Liberaler Feminismus kam mir entgegen. Er war gegen Ungerechtigkeit (fand ich gut), aber bequem genug, dass ich nicht wirklich was an meinem Leben ändern musste (fand ich ebenfalls gut). Er stellte keine Machtgefüge konsequent infrage oder fordert radikale Änderungen, die ich als unsexy empfunden hätte. Ich musste keine Theorie lesen oder irgendwas an meinen Verhalten ändern. Ich konnte einfach alles in meinem Leben als „Meine Entscheidung“ bezeichnen und war damit auf der guten Seite.
    Außerdem hatte ich, wie wohl jede von uns in irgendeiner Form, Ausgrenzungserfahrungen gesammelt. Ausgeschlossen zu werden, unerwünscht zu sein, das ist nie ein schönes Gefühl. Deshalb fand ich es auch in Ordnung, trans Frauen als Frauen zu bezeichnen. Ich sah kein Problem darin, Frau-Sein als Gefühl zu betrachten oder undefiniert zu lassen. Ich wollte schließlich niemanden exkludieren oder gar Gewalt antun.

    Das wichtigste Ziel im Liberalfeminismus scheint nicht die Überwindung des Patriarchats zu sein (viele glauben nicht einmal, dass es das noch gibt). Das wichtigste Ziel scheint, alle als „valid“ zu erklären. Alle Gefühle sollen ernst genommen werden und als „echt“ erklärt werden, egal, wie viel Sinn es ergibt oder welche Relevanz es hat. Das ist das einzige Ziel. Man wird zur Demut aufgefordert. Betroffenen soll man zuhören, alle mit einer abweichenden Meinung blockieren. Alles wird verkürzt und einfach gehalten. „Sexarbeit ist Arbeit!“ und „Trans Frauen sind Frauen!“. Oder ans Absurde greifende Takes wie “PiV ist queer, wenn einer von beiden they/them Pronomen benutzt”.
    Liberalfeminismus ist schön gestaltete Instagram-Slides. Er ist bunte Flaggen, womit man seine Mikro-Identität schmücken kann. Er bietet einem „du bist richtig!“ an und klopft einem auf die Schulter, egal was man macht. Er ist Wohlfühlfeminismus. Kurz, er ist eine individualistische Antwort auf strukturelle Fragen.

    Zu einem ersten Bruch kam es, als ich 2016 aufhörte, Make up zu tragen. Ich, Anfang 20, hatte mich jahrelang geschminkt (nie full face, aber jeden Tag mindestens Mascara und Concealer) und hörte während eines Praktikums damit auf. Ich fühlte mich unwohl und beschämt, zog es aber durch. Es dauerte über einen Monat, bis ich mein Gesicht als normal und neutral wahrnahm und nicht als das „vorher“, das es zu korrigieren galt. Das machte mich sehr nachdenklich. Ich sah meine Freundinnen, wie sie sich jeden Tag schminkten, rasierten, zupften, unbequeme Schuhe trugen, und zwar alles im Namen von „Ich mache das, weil ich es möchte“. Jegliche vorsichtige Kritik daran lehnten sie ab. Dabei wollte eine Freundin von mir im Sommer mit unrasierten Beinen nicht einmal kurz das Haus verlassen und ein Eis essen gehen, aus Angst, jemand könnte ihre Beinbehaarung sehen. Wie viel Freiwilligkeit und Wahl steckt dahinter, wenn man sonst so viel Scham empfindet und etwaige Anfeindungen fürchten muss? Ist das Freiheit?

    Ich hatte das Gefühl, eine wirklich tiefgreifende Veränderung erfahren zu haben und war unzufrieden mit meinem Umfeld. Somit suchte ich im Internet nach Gleichgesinnten. Keine Chance- alle Beiträge, auf die ich stieß, erklärten mir, dass niemand sich schminken oder rasieren müsse, dass alle Frauen diese Wahl selbstständig treffen, und dass diese Dinge abzulehnen die Entscheidungsfreiheit und Selbstständigkeit von Frauen infrage stelle und quasi internalisierte Misogynie sei. (Mittlerweile hat es sich ein bisschen gebessert und wird kritischer betrachtet, aber natürlich immer noch im „Choice“-Rahmen.)

    Und dann stieß ich auf Blogs von Radfems. Radfems, „TERFs“, das waren die Nazis, die Bösen, die Rassisten, der antiquierte 70er Jahre Feminismus. Die, die man sofort blockieren sollte. Umso mehr schockierte es mich zu sehen, dass sich meine Erfahrungen mit ihren Analysen deckten. Ich hatte das Gefühl, etwas verbotenes zu tun, auf diesen Blogs zu stöbern, und fand es schlimm, dass ich mit vielem übereinstimmte. Neben Kritik an der Beauty-Industrie kamen natürlich auch andere Punkte zur Sprache. „Bin ich ein Faschist, wenn ich finde, dass ein Penis kein weibliches Geschlechtsorgan ist?“, stellte ich mir irgendwann unironisch die Frage.
    Es wurde es zum Teil sehr unbequem für mich. Die vielen Zirkelschlüsse, auf die liberaler Feminismus basiert, hielten der Analyse vom Radikalfeminismus nicht stand. Die Leugnung von Wissenschaft (wie das Ablehnen des menschlichen Sexualdimorphismus) waren mir schon immer suspekt gewesen, aber nun verstand ich erst, wie wahrhaft lächerlich das ist, gerade in Hinsicht auf den medizinischen männlichen Bias. Von dort aus wurde quasi eine Lawine losgetreten: Themen, denen ich freundlich bis neutral gegenüber stand – Pornografie, Prostitution, Leihmutterschaft, körperliche Autonomie, Reproduktionsrechte, nukleare Familie, BDSM, Religion, die Beauty Industrie, Heirat, Neopronomen, Xenogender, Queer Theory – sah ich nun in einem anderen Licht. Es gab nicht wirklich ein Zurück für mich. Wenn man es einmal logisch betrachtet hat, kann man nicht mehr ignorieren, wie viel vom heutigen Genderidentitätsdiskurs auf Klischees, Stereotypen und Gefühlen beruht, während behauptet wird, dass man genau das aufbrechen sollte.

    Ich muss heute cringen, wenn ich sehe wie weit verbreitet, aber zahnlos Feminismus hierzulande ist. Weil das Potential eigentlich da ist. Viele junge Feministinnen wollen etwas zum Guten verändern. Umso wurmt es mich dann, dass sie sich so häufig auf Netzaktivismus und leere Phrasen beschränken. Es ist der Girlboss Feminismus. Der Gleichberechtigungs-Feminismus, der ja keine Männer verschrecken soll. Der FLINT*/FINTA-Feminismus. Zudem bin ich besorgt, wie wenig Konflikt sie aushalten- durch die „alle Menschen, die leicht anders denken, darf man nicht zuhören und muss man blockieren“-Mentalität ist ihnen Kritik fremd und sie verfallen leicht in Kult-ähnliche Strukturen.

    Durch die jahrelange Auseinandersetzung mit Identitätspolitik bin ich momentan an einem Punkt, wo ich Labels ein bisschen satt habe. Ich tue mich schwer damit, mich einem Kollektiv zuzuordnen, da ich nicht das Gefühl habe, dass andere mich adäquat repräsentieren können. Außerdem geht es mir mittlerweile weniger um meine Identität, als um meine Praxis. Für mich ist nicht wichtig “Bin ich Feministin?”, sondern, “Handle ich feministisch?”. Wie organisiere ich mich? Beschäftige ich mich mit Theorie? Welche Ziele verfolge ich konkret? Wie unterstütze ich Frauen in meinem Leben?

    Ich würde mich daher nicht als Radikalfeministin bezeichnen, aber ich sympathisiere mit vielen der Gedanken. Ich stimme nicht allem zu, aber ich glaube, das sprengt hier den Rahmen. Ein Trend, den ich bemerkt habe und der mir misfällt, ist der gefühlt zunehmende Fokus auf TRAs. „Peak Trans“ ist nicht das Kriterium für Radikalfeminismus und ich mag nicht, dass das in den letzten Jahren immer enger zusammenrückt. Auch die Allyship mit konservativen Medien, die einige Radfems eingehen, missfällt mir zutiefst. Und ich wünsche mir mehr kritische Auseinandersetzung mit den großen Theoretikerinnen. Ich will außerdem mehr Sichtbarkeit(machung) von BIPOC und anderweitig marginalisierten Frauen.

    TL;DR: Jahrelang als (liberale) Feministin verstanden, bis mir die Logikfehler im „Choice Feminismus“ aufgefallen sind. Radikalfeminismus bietet mir eine logische und kohärente Gesellschaftsanalyse, hat aber auch seine Schwächen.

    Viele Grüße,
    eine Uterus-Besitzende

  4. Lana Banana

    Hallo Ladies und Nichtladies! 😀

    Ihr seid gut Störenfriedas! Eure Arbeit wird hoch geschätzt!

    Zum Thema:

    Ich weiß nicht. Es gab für mich schon immer Widersprüche in dem, was ich heute als Mainstreamfeminismus – oder im Grunde gar nicht Feminismus, bezeichnen würde – die einfach nie Sinn gemacht hatten.
    Namentlich Prostitution, Pornos und zuletzt auch diese komplett verkorkste Genderidee.

    Ich meine, ich hatte mich ebenfalls bereits mit einigen Dingen auseinandergesetzt, hatte Bücher gelesen und Vorträge angehört, aber im allgemeinen bot sich mir Feminismus genau so verheerend dar, wie vom Patriarchat beabsichtigt. Unzugänglich, uncool und voller Widersprüche.

    Da die deutsche Feminismuslandschaft leider sehr erfolgreich so gut wie nicht vorhanden gehalten wird, bewegte ich mich – wie wahrscheinlich die meisten hier – hauptsächlich im anglophonen Internet.
    Da gibt es für Feminismus-identifizierende allerhand. Und einen ganzen betörenden bunten Wirrwar davon.

    Irgendwann war ich dann auf wehuntedthemammoth punkt com hängengeblieben; dem Blog eines Mannes, der größtenteils Glossen aus feministischer Perspektive schreibt.
    Der sarkastische Schreibstil sprach mich an; der Spott war erleichternd zu lesen. Wo sonst kann man als Feministin auch mal lachen, weil man sich über Frauenhasser lustig machen darf?!
    Ich habe eine ganze Weile immer öfter die Beiträge gelesen und in den Kommentaren gestöbert.

    Die Leute in den Kommentaren sind sehr nett.
    Zu nett.
    Übernett. Geradezu militant nett. Auf eine sehr amerikanische und affektierte verlogene Art nett.
    Weiterhin haben sie auch eine sehr klare, (lies:plakative) Haltung gegenüber Dingen wie mutmaßlicher transfeindlichkeit, Rassismus, Ableismus, [setze weitere berufslinke Phrasendrescherei hier ein].
    Diese Haltung wird dort auch besonders eklatant und eifrig zum Ausdruck gebracht. So häufig und so kategorisch, und so auffallend mit Männern durchsetzt, dass es mich irgendwann (neben anderen fragwürdigen Einzelheiten) sehr stutzig machte. Was stimmte mit diesen Leuten nicht?
    Mit besonders feuriger Leidenschaft verhasst waren hier – Achtung, jetzt kommt’s – “TERFs”.

    Trans-AUSSCHLIESSENDE Feministinnen!!!
    WAS

    Diese schrecklichen, schrecklichen Personen, SCHRECKLICH sage ich!!! Niederste Schublade, alle Menschlichkeit komplett verwirkt. Das Schlimmste, was man sich als Mensch überhaupt nur vorstellen kann, das Allerletzte, schlimmer als Nazis und rein zufällig alles ausschließlich Frauen, und ihre mystische böse Lordanführerin, Andrea Dworkin!
    Mit diesen Frauen durfte kein Wort geredet werden, am besten auch gar kein Wort ÜBER sie, so abgrundtief abscheulich waren ihre Taten. Man musste sie ausgrenzen, ignorieren, vergessen, und wenn wir gerade dabei sind, warum nicht gleiche auch eine aufs Maul hauen, oder zwei, und ach was solls warum nicht auch vergewaltigen und überhaupt restlos verheeren.
    Denn diese Frauen waren das allerbedrohlichste, bösartigste und gefährlichste, was es auf der Welt gab.

    Das musste ich natürlich SOFORT genauer untersuchen!
    Und das habe ich getan….

    Und naja. Wie der Rest ablief, kennt wahrscheinlich jede hier gut selbst:
    “Oh. Ooohh. Oooohhhhh…. Hmmmm.”

    Dadurch kam dann auch die Erkenntnis, dass Feminismus vom Patriarchat komplett ausgehöhlt wurde und deswegen jetzt Radikalfeminismus genannt werden muss, und dass schwammige Begriffsinflation eine sehr übliche Art feindlicher Machtübernahme darstellt.
    Man kann dies auch beobachten bei Lesben und Schwulen, die sich jetzt ‘queer’ oder Buchstabensuppe nennen müssen, bei Männern, die jetzt Frauen genannt werden müssen und bei politischen Plänen, die jetzt überall Fahrplan genannt werden, obwohl sie mit Fahren gar nichts zu tun haben.

    Dann kam für mich feministcurrent, und später auch tumblr. … Dann kam Balsam für meine Seele in Form von Abbau von Widersprüchen und erleichternden Erkenntnissen.
    Und mehr weibliche Werke. Wie diese Seite hier <3

  5. Hallo! Boah da müsste ich jetzt einen halben Roman schreiben. Die kurze Antwort: ich wurde Mutter und habe den Eindruck in kaum einer Erfahrung begegnet frau dem Patriachat so sehr von Angesicht zu Angesicht wie bei allen Themen um Mutterschaft.
    Ich komme aus der liberalfeministischen Ecke und habe in beiden Elternzeiten einiges an (modernerer) feministischer Literatur gelesen. In der 2. Elternzeit euer Buch. Zum Thema Prostitution war es so als hätte ich wirklich Scheuklappen aufgehabt und ihr habt sie mich abnehmen lassen. Schlimm wie dumm ich war und dass obwohl durch persönliche Begegnung mit Prostituierten vorher in meinem Leben schon ich das hätte besser wissen müssen. Die radikalfeministische Analyse war für mich wie nach Hause kommen und endlich verstehen was die Ursache vieler meiner Erfahrungen ist (und nicht nur meiner). Umso schlimmer war es für dann im nächsten Moment mitzubekommen, dass im Queerfeminismus gerade das körperliche Geschlecht gesamtgesellschaftlich dekonstruiert werden soll. So ein echter wtf Moment für mich. Da bin ich auch noch nicht drüberweg.

  6. Liebe Störenfriedas,
    vielen Dank für Eure unermüdliche Arbeit, Euer Engagement sowie Eure Beharrlichkeit und Integrität! <3 Nach langer Zeit möchte ich nun auch wieder einmal etwas hier beitragen.

    Ich hatte sehr lange Zeit rein gar nichts mit Feminismus am Hut. Ich war eher das typische »cool girl«, das »nicht so wie all die anderen (›dummen‹) Mädchen« ist, die in ihren High Heels Handtaschen sammeln, ständig Drama machen, [insert random (misogynistic) stereotypes here], etc. Ich war locker und benutzte sexistische Sprache. Mit mir konnte mann (!) über alles lachen… Ihr kennt die Geschichte. Was diese Abgrenzung zu Frauen und Anbiederung an Männer eigentlich bedeutete, war mir absolut nicht klar. Ohne wirklich bewusst jemals darüber nachgedacht zu haben, glaubte ich, Gleichberechtigung sei erreicht; steht ja so im Grundgesetz. Mit Feminismus verband ich rein gar nichts – weder Positives noch Negatives… gut vielleicht Alice Schwarzer, aber zugehört hatte ich ihr nie.

    Dann bin ich, etwa um 2012 / 2013 herum – genau weiß ich es leider nicht mehr – durch reinen Zufall auf einen Blog gestoßen. Er hieß »Esther's Blog« oder »Esther's Welt« oder irgendetwas in der Art. Auch das weiß ich leider nicht mehr so genau. Den Blog gibt es schon lang nicht mehr.
    Jedenfalls behandelte eine Frau, deren Name mit E begann, in kurzen Artikeln feministische Themen. Ich kann nicht einmal mehr sagen, was das Thema des Artikels war, über den ich zufällig stolperte und der mich veranlasste, weiter auf dem Blog zu stöbern. Ich erinnere mich allerdings, dass der Blog hauptsächlich die Objektifizierung von Frauen (z.B. in der Werbung) behandelte. Heute würde ich den Blog wohl als seicht, oberflächlich oder zu kurz gegriffen bezeichnen. Doch ich denke für mich damals mit Mitte 20 und ohne feministische Vorbildung waren diese sehr kurzen und einfachen Blogbeiträge der »Frau E« genau richtig, um mich überhaupt auf die Idee zu bringen, über Feminismus nachzudenken.

    Einer ihrer Beiträge befasste sich mit dem rosa »Mädchen-Überraschungsei« und verlinkte auf Pinkstinks. Die steckten damals (zumindest in Deutschland) noch in den Kinderschuhen. Der Verein bestand zu der Zeit quasi fast nur aus Stevie Schmiedel. Ober-»Feminist« Nils Pickert war noch nicht an Bord und wurde derzeit nur ab und an in Facebook-Kommentaren und -Posts für das öffentliche Rock-Tragen mit seinem Sohn (»Sprengen von Gendergrenzen«) bejubelt, bis später mehr und mehr seiner Artikel bei Pinkstinks geteilt wurden und er schließlich irgendwann nach einigen Gastbeiträgen fest einstieg. Aber soweit sind wir noch nicht…

    »Frau E« hatte mich zu Pinkstinks in den Kinderschuhen gebracht. Mein Interesse war geweckt und ich suchte und las nun regelmäßig »feministische« Beiträge und verfolgte die Diskussionen in den Facebook-Kommentarspalten. Ich wurde mutiger und kommentierte manchmal sogar selbst – darunter naiver Stuss wie »Feminismus ist auch für Männer gut und quasi für Frauen und Männer da. Es heißt nur Feminismus, weil es die meiste Zeit Frauen waren, die für mehr / gleiche Rechte (wie z.B. das Recht zu wählen, zu arbeiten, …) kämpfen mussten.«, womit ich den Feminismus verteidigen wollte, wofür ich mich heute aber eher schäme. Doch auch hier denke ich, dass für mich persönlich der Umweg über Pinkstinks (die damals noch nicht ganz so neoliberal waren wie heute) nötig war.

    Von den verschiedenen »Feminismen« wusste ich damals nicht viel; dass es diese auch überhaupt nicht gibt und Feminismus eine eigene, ganz andere Definition hat, folglich auch nicht. Ich las, was mir an Online-Artikeln und Blogs mit dem Label »Feminismus« unter die Finger kam, was zu der Zeit hauptsächlich hieß: Pinkstinks, die Mädchenmannschaft und deren Gefolge sowie ab und zu die EMMA, da diese medial am präsentesten waren. Aber gerade mit der Mädchenmannschaft bin ich nie wirklich warm geworden. Was mir an der EMMA teilweise zu einfach oder unterkomplex vorkam, war mir bei der Mädchenmannschaft oft zu verrenkt. Die Beiträge (teils ellenlang, gespickt mit Neologismen, Anglizismen, noch mehr Ismen und Phobien) hinterließen mich oft mit einem seltsamen, irritierten Gefühl. »Alles ist ok. Alles ist erlaubt. Jede*_R:x soll sein, wie er*_sie*:them*_x ist, sonst ist es [Xy]shaming. Aber beim ›So-sein-wie-ich-bin‹ muss ich dies und das beachten, diese und jene Gruppe ›mitdenken‹. Das darf ich nicht denken, sonst mache ich mich des [Yz]ismus oder der [Xz]phobie schuldig.«
    Frauen hatten in den »oppression olympics« verloren und sich für »Privilegien« wie den »›richtigen‹ Körper« (lol!) zu entschuldigen. Das habe ich bis zu einem gewissen Grad damals sogar akzeptiert, bin aber aufgrund der Ferne zu meiner (Lebens)Realität und der zu konstruierten Beiträge nicht zu tief in diese Gefilde abgeglitten.

    Ich hatte Glück, denn ich bin bei meinen Google-Suchen und dem Verfolgen irgendwelcher Verlinkungen nur etwas zeitverzögert auf Euch, die Störenfriedas, gestoßen. Ich weiß nicht mehr, welches Jahr das war – 2013 oder 2014? Eure (nicht mehr existente) alte Blogseite war noch ganz neu und beinhaltete nur zwei, maximal drei Beiträge. Ich wüsste gerne, welcher Beitrag es war, den ich als erstes von Euch gelesen hatte, aber mittlerweile ist Euer Blog so umfangreich (und durch den Umzug auf die neue Webseite stimmen auch die Jahreszahlen der ersten Beiträge nicht mehr), dass ich es nicht mehr recherchieren kann… Jedenfalls war ich sofort Feuer und Flamme, weil Ihr Feuer und Flamme wart.
    Bei Euch fand ich eine logische, nachvollziehbare und konsequente strukturelle Analyse sowie die Werkzeuge, um mir diese selbst anzueignen. Von Euch lernte ich, dass Feminismus der Kampf um die kollektive Befreiung der Frau als Klasse bedeutet, dass Radikale an die Wurzel gehen und die Ursache beseitigen wollen. Eure Artikel hinterließen mich nicht irritiert, sondern klüger, mutiger und stärker. Für mich habt Ihr all diese einzelnen, scheinbar von allem unabhängigen und allein im Vakuum existierenden Dinge miteinander verbunden und so Zusammenhänge, Mechanismen und Strukturen aufgezeigt, die das System des Patriarchats (endlich) sinnhaft erklären. Und Ihr habt klar gemacht, dass wir keine Brösel von diesem vergifteten Kuchen wollen.

    In der Drehe um 2014 habt Ihr dann Mary Daly als Störenfrieda der Woche vorgestellt. Eure Beschreibung zu Ihrem Werk »Gyn/ökologie« las sich so interessant, dass ich es mir sofort besorgen und lesen musste. Ich bin Euch bis heute dafür zu tiefstem Dank verpflichtet! Dieses Buch – Mary Daly – hat mein Leben verändert und mir eine komplett neue Sicht auf die Welt erlaubt. Spätestens danach war ich Radikalfeministin.

    Ich erkannte, dass der Feminismus von Pinkstinks, den 4M & Co., bei dem nichts mit nichts zu tun hat, alle einfach nur die »›richtige‹ choosy choice« treffen oder die »›richtige‹ agency« an den Tag legen müssen, um sich total »empowert« und »freiwillig« doch nirgendwohin, geschweige denn hinaus-identifizieren zu können, kein Feminismus ist – auch nicht, wenn man Wörter wie »queer« oder »liberal« davorsilbt. Die einzig zulässige Vorsilbe, um deren »Feminismus« korrekt zu beschreiben, ist »anti«.
    Vor diesem Hintergrund wart und seid Ihr als (einziger deutschsprachiger) radikalfeministischer Blog für mich die ganze Zeit auch eine Art sicherer Hafen und stetige Begleiterinnen gewesen.

    Radikalfeminismus allgemein, Ihr und Mary Daly im Speziellen haben mir geholfen, zu mir selbst zu finden und bei meiner Selbst zu bleiben. Über die Jahre gelingt dies natürlich mal mehr oder weniger gut. Aber man kann quasi nicht mehr zurück. Ich kann nicht ungesehen, unverstanden oder vergessen machen, was ich durch radikalfeministische Lektüre gesehen/erkannt/begriffen habe. Und auch wenn ich online nicht mehr so aktiv bin wie früher, mich online und real weniger in Diskussionen, Theorie oder Lektüre begebe, so konnte ich dennoch durch meine innere Haltung und dieses radikalfeministische Wissen, durch »einfaches« (Vor)Leben – also durch (mein) Sein – andere Frauen stärken, ihnen Teile dieses Wissens weitergeben.

    Diese Rolle bzw. Praxis ist für mich als eher verkopfte Theoretikerin auch komplett neu und ich muss mich noch einfinden. [Zumal ich vor einer Weile in eine andere Stadt gezogen bin und mir quasi einen neuen Freundinnenkreis aufbauen muss(te).] Ich versuche meinen (neuen) Freundinnen, ohne (zu) viele Worte – geschweige denn Belehrungen oder Predigten – Selbstvertrauen (Selbstwert, Vertrauen in die eigene Wahrnehmung, Erkennen eigener Bedürfnisse und Grenzen, etc.) zu vermitteln. Und meine Freundinnen sehen, dass ich sie sehe, dass ich sie (in all ihren Belangen) versuche ernst zu nehmen, dass meine Worte Gewicht haben, dass meine »Prognosen« (was eigentlich »nur« Erklärungen zu patriarchalen Strukturen und Mechanismen sind), zutreffen.
    Das war besonders erschreckend, als sich eine Freundin von ihrem Partner trennte: Dieser kontaktierte ihren Onkel (im Ausland), der sich wiederum an seine Nichte wandte und gegen sie argumentierte. Ihre Frage, warum sich ihr eigener Onkel auf die Seite des Ex-Partners stellte, den er nur einmal getroffen hatte, statt auf ihre als Nichte, zu der immer eine enge familiäre Bindung bestand, musste ich mit »male bonding« beantworten. Ich hatte ihr und einer anderen Freundin dieses Prinzip bereits irgendwann mal erklärt und es war sehr schmerzhaft, aber irgendwie auch heilend zugleich, als sie erkannten, dass es stimmt…
    Ich hoffe, durch diese/meine Praxis Frauen und Frauensolidarität zu stärken, ihnen die Werkzeuge zu geben, um das Patriarchat zum einen so heil wie möglich zu überleben und zum anderen hoffentlich auch zu stürzen.

    Ich entschuldige mich für den langen Text, der wahrscheinlich größtenteils am Thema vorbeigeht, nun aber auch zu lang ist, als dass ich ihn noch einmal korrekturkürzen will. Bitte verzeiht!

    Ich verbleibe mit einem aufrichtigen
    DANKE, liebe Störenfriedas!

  7. Lyllith, das zu lesen tat so gut!
    Auch von den anderen, die hier geschrieben haben.

    Bei mir – ich bin mittlerweile 39 – begann alles als Kind, als ich mich für Frauengeschichte interessierte. Mit einem großen Gerechtigkeitssinn ausgestattet, blieb dieses spannende Feld mein Steckenpferd und führte mich auch zu einem Geschichststudium. Aber ich wusste lange – bis 2017/18 – nichts von unterschiedlichen Feminismen. Ich habe mich als Feministin bezeichnet – ohne Vorsilbe.
    2012 habe ich begonnen, die EMMA zu lesen, von der ich nach wie vor begeistert bin. ich finde es sehr schade, dass das anscheinend hier nicht vielen so geht (einzig, sie ist mir manchmal zu sehr drauf bedacht, alle Frauen in Vollzeitarbeit zu bringen. Ich selbst kritisiere u.a. auch die gewöhnlichen Arbeitszeiten und die Schaffe-,schaffe-,Häuslebaue-Mentalität in Deutschland).
    2018 bildete ich mich über Facebook theoretisch weiter, lernte den Radikalfeminismus kennen, in dem ich mich heimisch fühle, und merkte, wie lächerlich ich oftmals liberalfeministische Ansichten finde, wie sie z.B. in der Rosahellblaufalle gehäuft zu finden sind. Im selben Jahr bildete sich in meiner Stadt eine radikalfeministische Gruppe, in der ich andere im Reallife traf. Leider ist die Gruppe schon wieder zerfallen. Aber es war wohltuend.
    Als Tierrechtlerin fielen mir dann auch noch andere Zusammenhänge zum Patriarchat auf und ich begann mich mit Matriarchatsforschung und Patriarchatskritk auseinader zu setzen, die ich dem Radikalfeminismus als verwandt empfinde (auch, wenn sich viele in dem Bereich nicht als Femistinnen bezeichnen würden).

  8. Ergänzung:
    In meiner Studienzeit lernte ich, dass man nicht mehr von “Frauengeschichte” spricht, sondern, dass es jetzt wohl irgendwas mit “Gender” heißt. Das nahm ich hin, ich wollte ja up-to-date bleiben. Jetzt spreche ich wieder selbstbewusst von Frauengeschichte – denn das ist es, was mich interessiert.

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