Frauen aus Till Lindemanns Porno-Musikvideo erhalten Todes- und Vergewaltigungsdrohungen

Wir wollen den feministischen Diskurs beleben und unterschiedliche Ansätze zur Diskussion stellen. Deshalb erscheinen bei uns regelmäßig Gastbeiträge, die nicht zwangsläufig die Haltung der oder aller Störenfriedas wiedergeben, aber wichtige Impulse für die feministische Debatte geben können.

Wir veröffentlichen nachfolgend ein Statement von russischen Feministinnen

Ende Februar hat der Rammstein Sänger Till Lindemann einen Porno mit russischen Frauen veröffentlicht. Aufgrund des Inhaltes wurde das Video nicht auf den regulären Social Media Kanälen des Sängers veröffentlicht, sondern auf einer Porno-Plattform. Nutzer von russischen Seiten wie “2ch” und des frauenverachtenden sozialen Netzwerkes “Männlicher Staat” (Мужское государство) haben die Identität einiger dieser Frauen enttarnt und deren Instagram-Profile, Profile auf dem russischen Netzwerk VK und sogar einige Privatadressen öffentlich verfügbar gemacht. Danach erhielten die Frauen hunderte von Nachrichten mit Beleidigungen, Todes- und Vergewaltigungsdrohungen. Bald darauf haben die meisten der Frauen ihre Online-Profile gelöscht.

Die Journalistin und Gründerin des feministischen Telegram-Kanals “Female Power”, Zalina Marshenkulova (Залина Маршенкулова) setzte sich für die Frauen in dem Video ein und erhielt daraufhin ebenfalls Beleidigungen und Drohungen. Sie erstattete Anzeige bei der Polizei und wies daraufhin, dass man sie verprügeln, vergewaltigen und mit Säure verätzen will. Zalina ist schwanger und leider angreifbar, da die russische Regierung ihr Personenschutz verweigert.

Darüber hinaus wurde besagtes Video vermutlich in Russland gedreht, denn mehrere Personen haben ein Luxushotel in St. Petersburg darin erkannt. Der Dreh verstößt gegen russisches Gesetz, denn in Russland ist es illegall Pornos zu produzieren. Jetzt im März hat Till Lindemann einige Konzerte in einigen russischen Städten. In einem Land dessen Gesetze und Frauen er nicht respektiert. Offensichtlich nutzt er den vorhersehbaren Skandal als Werbung für seine Tour. Bis dato hat er sich nicht öffentlich für den Schutz jener Frauen, die leiden, während er bekannt wird, ausgesprochen.

Darüber hinaus wurden einige der Frauen, die nicht an den pornographischen Szenen, die in einem anderen Studio gedreht wurden, beteiligt waren, nicht darüber informiert, dass das Video auch Pornographie beinhalten würde. Auch sie sind Opfer digitaler Gewalt und auch sie und ihre Familien erhalten Todesdrohungen. Warum muss immer Gewalt gegen Frauen als Katalysator für die Popularität eines Künstlers herhalten?

Russische Feministinnen fordern Till Lindemann dazu auf, Verantwortung für seine Taten zu übernehmen, sich öffentlich zu positionieren und die Frauen zu unterstützen, die er in diese gefährliche Situation gebracht hat.

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