Mörderische Frauen – oder: morden Frauen anders?

Portrait Erszébet Báthory

By Oldbarnacle (Own work) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Frauen wird immer unterstellt, dass sie sanftmütig und friedfertig sind, dass ihnen Aggression weniger liegt als Männern. Damit stehen Frauen fast automatisch immer in der Opferrolle. Doch Frauen können ebenso Täter werden wie Männer – ihre Art von Gewalt drückt sich nur anders aus. In der öffentlichen Wahrnehmung kommen kriminelle Frauen jedoch kaum vor – obwohl es von ihnen eine ganze Menge gibt.  Das Bild der Frau als Mörderin läuft der verbreiteten Wahrnehmung von der Frau als fürsorglichen Lebensgeberin entgegen. Doch Verbrechen hat kein Geschlecht, Frauen sind aus den unterschiedlichsten Gründen – von Männerhass bis Habgier ebenso dazu in der Lage, doch laufen sie damit den festgelegten Geschlechterrollen zuwider. Verbrechen ist, so zeigen es zahlreiche Serien, Filme, Bücher, männlich – wenn Frauen ein Verbrechen begehen, dann aus “Leidenschaft” oder “Liebe”. Eiskalte Berechnung, Rache oder Selbstverteidigung, die zu Mord führt, wird Frauen weitaus weniger zugetraut als Männern. Trotzdem haben schon in den 50er Jahren Männer Frauen bei Mord einen “Frauenbonus” unterstellt, der sie vor Verurteilungen bewahrte – bei nährer Betrachtung nicht hinnehmbar. Wie oft Frauen zu Mord bereit sind, zeigt die Tatsache, dass die Hälfte von Mordversuchen, die das Opfer überlebt, von Frauen begangen wird. Um Klischees rund um Frauen und ihre Fähigkeit zum Verbrechen aufzubrechen, stellen wir im Folgenden einige berühmte Verbrecherinnen und ihre Geschichten vor.

Die amerikanische Soziologin Ann Jones schrieb 1979:

Die Geschichte der Frauen, die töten, ist die Geschichte der Frauen.” Das bedeutet, dass es möglich ist, etwas über Zeitumstände, Mentalitäten, Frauenbilder und deren Veränderung zu erfahren, wenn man sich anschaut, wen Frauen wann und warum ermordet haben. [1]


Tatsächlich zeigt sich, dass Frauen häufiger in ihrem unmittelbaren Umfeld morden – was daran liegt, das hier nach wie vor das größte Gefahrenpotenzial für Frauen liegt, selbst Opfer von Gewalt zu werden. Viele Mörderinnen erleben eine Kindheit in Armut und Gewalt. Selbst Täterinnen zu werden ist eine Möglichkeit, die Kontrolle über solche Erlebnisse zu gewinnen, ein Machtrausch. Frauen töten häufiger ihre Kinder, ihre Partner, besonders wenn sie sie misshandeln. Wenn Frauen zu Mörderinnen werden, entbrennt eine moralische Debatte über den Charakter der Frauen – es wird weniger die Tat beurteilt, als ihre Person. Das ist bei Männern anders. Im Hinblick auf Mörderinnen in der Geschichte muss bedacht werden, dass diejenigen, die sie verhafteten und verurteilten, ausnahmslos Männer waren, ebenso wie die Journalisten und Historiker, die über sie schrieben. Frauen im Justizwesen sind eine relativ junge Entwicklung.
Wer sich mit Frauen als Verbrecherinnen und Mörderinnen beschäftigt, steht schnell vor dem Dilemma, dass ihre Taten als reine Notwehr betrachtet werden, dass sie als “Opfer” der Umstände gesehen werden. Damit wird den Frauen abgesprochen, aus den gleichen “niederen” oder “berechnenden” Motiven heraus zu handeln, wie Männer. Es macht diese Motive nicht besser, wenn sie auch für Frauen gelten – aber grundsätzlich davon auszugehen, dass alle Morde durch Frauen nur “Beziehungs-” oder “Verzweiflungstaten” waren, zeigt ein Verhaftung in Geschlechterklischees auf. Die nachfolgenden Beispiele zeigen, dass Frauen ebenso aus Habgier, Rache oder Sadismus zu töten bereit sind wie Männer.  Es ist ein Paradox der Emanzipation, dass Frauen im Laufe der Zeit härter bestraft werden, wie Studien zeigen. Die Urteile über sie sind auch ein Ausfluss der sich wandelnden Geschlechterrollen und der gesellschaftlichen Sanktion der Gesellschaft. Eine mordende Frau, eine Frau die aus “Mordlust” mordet, bricht mit allen Geschlechterkonventionen. Es liegt nahe, diese Taten soziokulturell relativieren zu wollen – doch dieses Bedürfnis existiert bei männlichen Tätern selten.

Die Blutgräfin Erszébet Báthory (1560-1614)

Erszébet Báthory ist eine der berühmtesten Mörderinnen der Welt. Ihre Familie gehörte zum ungarischen Hochadel. Sie soll hunderte junger Frauen auf ihrer einsamen Burg in den Karpaten ermordet haben, weil sie glaubte, das Baden im Blut von Jungfrauen würde ihre Haut vor dem Altern bewahren. Als im Jahr 1610 die Männer des Königs ihre Burg stürmten, fanden sie in den Verließen der Burg hunderte junge Frauen, die deutliche Spuren von Folter zeigten. Mit 14 hatte sie den um einiges älteren Grafen Ferenc Nádasdy geheiratet, da war sie jedoch bereits schon uneheliche Mutter eines Mädchens von einem Jungen aus dem Dorf. Ihr Ehemann war selten zu Hause und so konnte sie sich in aller Ruhe auf die Burg zurückziehen. Die Gräfin galt als jähzornig und unberechenbar. Sie misshandelte ihre Dienstmädchen auf grausame Art und Weise, fügte ihnen Verbrennungen und Schnittwunden zu oder biss ihnen ganze Fleischstücke aus der Haut. Im Laufe der Zeit wurden ihre Foltermethoden immer grausamer und sadistischer. Sie genoss es, die Mädchen zu quälen. Nach dem Tod ihres Ehemanns weitete sie ihre Lust an der Gewalt systematisch aus, zahlreiche Bedienstete auf der Burg waren Mittäter und Mitwisser. Die Bauern, deren Töchter reihenweise auf Nimmerwiedersehen in der Burg verschwanden, wagten nicht, ihr Misstrauen gegen die Gräfin zu äußern, so dass sie ihrem Blutrausch über Jahre ungehindert nachgehen konnte. Man wurde erst auf sie aufmerksam, als sie begann, die Töchter des niederen Adels zu ermorden. Ihre Mitwisser wurden gefoltert und zum Tode verurteilt, nachdem die Männer des Königs die Burg gestürmt hatten, sie selbst wurde lebenslang eingemauert und starb kurz darauf.

Keine Lust, eine Frau zu sein: “Prinz Lieschen” Sophie Apitzsch (1692-1752)

Sophie Apitzsch wurde als Tochter eines armen Webers geboren. Als dieser sie verheiraten wollte, verkleidete sie sich kurzerhand als Mann und reiste als wandernder Barbier und Gelegenheitsarbeiter umher. In Bayern wurde sie zum Militärdienst verpflichtet und diente vier Wochen unerkannt als Soldat, bis sie desertierte. Sie nannte sich selbst “Herr von Marbitz”. 1714 machte das Gerücht die Runde, dass der Kurprinz von Sachsen, Sohn des Landesherrn, unerkannt durch das Land reiste, um so seine Untertanen besser kennenzulernen. Auch Sophie hielt sich zu dieser Zeit in Sachsen auf und irgendwann ging das Gerücht herum, der “Herr von Marbitz” sei in Wirklichkeit der Kurprinz. Sophie wehrte sich nicht lange gegen diese Behauptung und bald schon erhielt sie von einem ehrgeizigen Oberfischmeister eine Einladung auf die Augustusburg, der sich Vorteile erhofften, wenn er den unerkannten Prinzen zu sich einluden. Irgendwann bekam davon August der Starke etwas mit und ließ die Frau, die sich als sein Sohn ausgab, zu sich bringen.
Die ganze Geschichte schien ihn sehr zu amüsieren und er verurteilte Sophie zwar als Hochstaplerin, weil sie Männerkleidung getragen hatte, doch sie sollte ihre Haft auf der Augustusburg absitzen und von dem Oberfischmeister für jeden Tag dort einen Taler als Wiedergutmachung erhalten. Als sie 25 Jahre alt war, wurde sie begnadigt und erhielt von August dem Starken eine Ausnahmeregelung: Fortan durfte sie Männerkleidung tragen.

Bekenntnisse einer Giftmischerin: Sophie Charlotte Elisabeth Ursinus (1760-1836)

Sophie Ursinus, genannt Lotte, war die Tochter eines hochrangigen österreichischen Diplomaten, der nach Berlin versetzt worden war. Sie wurde 1803 verhaftet, weil sie versucht hatte, einen ihrer Diener mit Arsen zu vergiften. Zuvor hatte sie den um Jahre älteren und kränklichen Obergerichtsrat Theodor Ursinus geheiratet – der sie jedoch, wie sie später in ihren Memoiren “Bekenntnisse einer Giftmischerin” beschrieb – sexuell nicht befriedigenn konnte. Aus diesem Grund stürzte sie sich in eine außerehelich Affäre. Ihr Mann, impotent, wusste darüber Bescheid und gab dem Mann noch Anweisungen, wie er seine Frau zu behandeln habe. Als ihr Liebhaber sich von ihr trennen wollte, vergiftete “Lotte” ihn. Ihm sollten ihr Ehemann und ihre reiche Tante folgen. Als ihr Diener sie Jahre später wegen der versuchten Vergiftung mit Arsen an ihm anzeigte, wurden auch ihre Tante und ihr Ehemann exhumiert, das Arsen ließ sich jedoch nicht zweifelsfrei nachweisen. Dennoch wurde ihr der Prozess gemacht, der viel Aufsehen erregte – auch Goethe verfolgte ihn mit Interesse. Als dann noch die “Bekenntnisse einer Giftmischerin” erschienen, war der Skandal perfekt. Ihre Memoiren erwiesen sich als Fake und sie wurde als Mangel an Beweisen vom Mord an Ehemann und Tante freigesprochen, für den versuchten Mord an ihrem Diener bekam sie lebenslange “Festungshaft” – eine deutlich abgemilderte Form des Zuchthauses, die nur Adelige bekamen. Sie durfte ihr Erbe behalten und gab in ihrer “Haft” Empfänge und Partys.

Für sie hackten sich Männer Gliedmaßen ab: Martha Marek (1897-1938)

Die schöne Wienerin Martha Marek brachte ihren jüngeren Ehemann Emil Marek dazu, sich ein Bein abzuhacken, um die Versicherungssumme zu kassieren. Sie wurde vor Gericht gestellt, doch ihr Auftritt war so überzeugend, dass sie nahezu ungeschoren davon kam und sogar noch einen Teil der Versicherungssumme erhielt.  Zuvor hatte sie bereits ihren 50 Jahre älteren “Gönner”, einen reichen Textilgroßhändler, dazu gebracht, sie als “Universalerbin” einzusetzen und war so mit 25 eine reiche Witwe. Während des Prozesses gelang es Martha, die Öffentlichkeit auf ihre Seite zu ziehen und sich als Opfer der habgierigen Versicherungsgesellschaft zu inszenieren. Als das Geld von der Versicherung aufgebraucht war, ermordete sie ihren Mann Emil Marek fünf Jahre mit Rattengift – ein Mord, der damals als Lungenentzündung unentdeckt blieb und vergiftete ihre jüngste Tochter gleich mit. Ihr Sohn überlebte nur, weil er rechtzeitig ins Krankenhaus gebracht wurde. Die Wiener Zeitungen sahen in Martha, die als besonders schön galt, jedoch nur ein tragisches Schicksal und eine trauernde Witwe. Martha wurde Haushälterin bei einer Dame der Wiener Oberschicht – die sich von ihr verzaubern ließ und sie zur Alleinerbin machte. Martha tötete auch sie mit Rattengift. Sie erbte viel und führte daraufhin wieder ein sorgenfreies Leben. Um das nicht zu gefährden, versicherte sie ihre eigene Haushälterin – und brachte sie um. Doch der Sohn der Haushälterin war nicht bereit, das zu akzeptieren, erreichte die Exhumierung seiner Mutter und konnte das Rattengift in ihrem Körper nachweisen. Daraufhin wurden auch Marthas Mann, die Tochter und die Wiener Dame exhumiert und Martha wegen vierfachen Mordes vor Gericht gestellt. Der Prozess um sie stellte 1938, kurz nach dem Anschluss Österreichs an Nazideutschland, die Sensation da. Doch diesmal gelang es ihr nicht, die Öffentlichkeit für sich zu gewinnen. Sie, eine Halbjüdin, wurde wegen mehrfachen Mordes zum Tode durch das Fallbeil verurteilt – ein Urteil, das Adolf Hitler höchstpersönlich unterstützte.

Die “Seifenmacherin von Correggio”: Leonarda Cianciulli (1893-1970)

Leonarda Cianculli wurde durch das Leben hart geprüft. Zehn ihrer Kinder starben noch als Säuglinge, drei weitere verlor sie noch vor der Geburt. Nur vier Kinder überlebten die Kindheit. Nur ein einziger Sohn lebte bis in das Erwachsenenalter – und sollte dann zum Kriegsdienst im 2. Weltkrieg eingezogen werden. Offenbar löste das bei ihr eine tiefe Krise aus – denn sie glaubte, ihn durch Menschenopfer, die sie anschließend zu Seife und Kekse verarbeitete, vor dem Krieg bewahren zu können. In ihren Memoiren schreibt sie, sie habe sich Kenntnisse der schwarzen Magie angeeignet und die Menschenopfer sollten dazu dienen, ihren Sohn vor dem Tod als Soldat zu bewahren. Sie löste die zerstückelten Leichenteile in Seifenlauge auf und aus dem Blut buk sie Kekse, die sie an die Nachbarschaft verteilte.

Die Frau, die das amerikanische Finanzsystem ins Wanken brachte: Cassie Cadwick (1857-1907)

Cassie Cadwick hieß eigentlich Elizabeth Bigley und stammte aus Kanda. Sie verübte bereits mit 14 ihre ersten Scheckbetrügereien. Später schlug sie sich mit Wahrsagerei und kleinen Betrügereien durch und wechselte mehrfach ihren Namen, um alte Gläubiger abzuschütteln. Als Bordellbesitzerin lernte sie den wohlhabenden Clevelander Bürger Dr. Leroy Chadwick kennen, der sie heiratete und ihr Zugang in die besten Gesellschaftskreise verschaffte – doch das war Cassie nicht genug. Sie gab sich als illegitime Tochter des Stahlmagnaten Andrew Carnegie und brachte so Banken dazu, ihr Unsummen zu leihen. Um ihre Geschichte zu untermauern, ließ reiste sie extra mit einem Anwalt zum Anwesen der Carnegies. Sie bat ihn, draußen zu warten und ging hinein. Drinnen bewarb sie sich als Hausangestellte, doch als sie hinauskam, ließ sie wie zufällig ein gefälschtes Schriftstück fallen, dass sie als Erbin des sonst kinderlosen Carnegie ausgab. Der Anwalt glaubte ihr – und verbreitete die Geschichte überall.  Bis 1904 ergaunerte Cassie auf diese Weise mehrfache Millionen, sie gab Partys, die bis zu 100.000 Dollar kosteten und schmiss mit dem Geld nur so um sich. Erst 1904 flog ihr Schwindel auf – Carnegie erklärte öffentlich, dass Cassie nicht seine illegitime Tochter war und viele Banken erkannten, dass sie die Unsummen, die sie Cassie Cadwick geliehen hatten, nie zurückbekommen würden. Die Angelegenheit erregte ein riesiges Medieninteresse – und besorgte Bankkunden stürzten auf die Banken und hoben ihr ganzes Geld ab. Mindestens eine Bank ging aus diesem Grund bankrott.

Der mörderische Traum vom großen Geld: Belle Gunness (1859-1931)

Belle Gunness, eigentlich Brynhild Paulsdatter Storset, stammte ursprünglich aus Norwegen, aus einer sehr armen Familie. Sie wanderte 1881 in die USA aus, sie war auf der Suche nach ihrem eigenen amerikanischem Traum und das ganze große Geld. Doch leider ließ beides auf sich warten. Gemeinsam mit ihren Ehemann beging sie Versicherungsbetrug, in dem sie zuerst ihr Geschäft und dann ihr Haus abbrannte. Die Grenze zum Mord überschritt sie, als sie ihre beiden ältesten Kinder vergiftete, um an die auf sie abgeschlossene Versicherungssumme zu kommen, wenige Jahre später vergiftete sie auch ihren Ehemann und wurde reich. Sie zog nach Indiana und heiratete dort einen Witwer mit zwei Kindern. Sie tötete das erste Kind für die Versicherungssumme und kurz darauf auch ihn. Anschließend lockte sie mit Heiratsanzeigen Männer aus den ganzen USA auf ihre Farm – und vergrub ihre zerstückelten Leichen auf ihrem Grundstück, nachdem diese ihr ihr Vermögen überschrieben hatten. 40 zerstückelte Leichen von Frauen, Kindern und Männern wurden auf ihrem Grundstück gefunden – doch da war die Witwe bereits auf und davon.
Sie inszenierte rechtzeitig vorher ihre eigene Ermordung und ließ eine kopflose Leiche neben ihren Kindern in einem Hausbrand zurück, die nur mittels der von ihr extra dort platzierten Zahnprothese identifiziert wurde. Ihr ehemaliger Vorarbeiter wurde wegen Mordes an ihr und ihren drei Kindern verurteilt – ihr selbst gelang die Flucht. Sie wurde nie gefasst.

“Komm, wir spielen Bonnie und Clyde”: Bonnie Parker (1910 – 1934)

Bonnie Parker gehört wohl zu den berühmtesten Verbrecherinnen des letzten Jahrhunderts. In ihrer Geschichte verbindet sich Abenteuerlust und Liebe, in mehr als einem Lied oder Film wurde die Geschichte von “Bonnie und Clyde” romantisch verklärt. Sie verliebte sich noch als Teenager in den Draufgänger Clyde Barrow und gemeinsam machten sie über Jahre hinweg den Mittleren Westen unsicher. 13 Menschen kamen durch sie zu Tode, sie lieferten sich spektakuläre Verfolgungsjagden mit der Polizei, deren Berichte die ganze Welt in Atem hielten und starben 1934 in einer Falle der Polizei im Kugelhagel. Bonnie war bereits vorher durch eine Kugel am Bein verletzt worden, so dass Clyde sie häufig trug. Sie schmuggelte eine Pistole in ein Gefängnis, so dass Clyde daraus fliehen konnte, und begab sich mit ihm gemeinsam auf die Flucht. Um ihr Überleben zu sichern, begingen sie Raubüberfälle, bei denen mehr als nur ein Opfer starb. Mehrere Kriminelle schlossen sich ihnen an, so dass sie bald der Kopf einer ganzen Bande waren.

Deutschlands erste Bankräuberin: Gisela Werler (1934-2003)

Gisela Werler stammte aus einfachen Verhältnissen. Bis sie 30 war, arbeitete sie an einer Supermarktkasse und lebte bei ihren Eltern. Ihr Leben sollte sich auf dramatische Weise ändern, als sie dem sechs Jahre älteren Taxiunternehmer und Bankräuber Hermann Wittorf begegnete. Er fragte sie zunächst nur, ob sie seine Beute für ihn verstecken konnte, doch bereits kurz darauf, am 29. Juli 1965, überfielen die beiden zusammen eine Bank in Hamburg. In den nächsten zwei Jahren raubten sie 19 Banken aus. Die Zeitungen überschlugen sich in romantisierender bis erotischer Beschreibung der “Banklady”. Dann wurden die beiden geschnappt und wanderten für mehrere Jahre ins Gefängnis.

Untreue als Todesurteil: Vera Renczi (1903-1960?)

Vera Renczi war die Tochter eines wohlhabenden Handelsreisenden aus Rumänien. Sie tötete nicht nur ihre beiden Ehemänner, sondern auch 32 ihrer zahlreichen Liebhaber im Laufe von zehn Jahren. Ihr Motiv: Eifersucht. Die Leichen der mit Arsen vergifteten Männer legte sie im Keller ihres Hauses in Särge, die sie kreisförmig anordnete. Nachts setzte sie sich mit einem Glas Champagner in den “Kreis ihrer Lieben” und genoss, dass sie sie endlich ganz für sich hatte. Jede Leiche war mit Namen und Todesdatum versehen – auch die Leiche ihres eigenen Sohnes, den sie als Mitwisser beseitigt hatte. Sie wurde zum Tode verurteilt und starb – wann genau ist jedoch ungewiss, einige Quellen geben an, dass es noch vor dem Zweiten Weltkrieg geschah, andere behaupten, sie habe noch bis 1960 gelebt.

The Lonely Heart Killers: Martha Beck und Raymond Fernandez (1920-1951):

Martha Beck war eine übergewichtige Frau, unscheinbar, doch in ihrem Herzen scheint eine große Leidenschaft gebrannt zu haben. Bevor man sie für ihre Verbrechen auf den elektrischen Stuhl setzte, schrie sie: “Meine Geschichte ist eine Liebesgeschichte”. Martha Beck litt unter einer Stoffwechselerkrankung, die für ihr Gewicht verantwortlich war und unter großen Komplexen. Während des 2. Weltkrieges arbeitete sie als Krankenschwester und bekam ein uneheliches Kind von einem Soldaten. Dieser weigerte sich, sie zu heiraten und beging sogar einen Selbstmordversuch, als sie ihn unter Druck setzte. Später heiratete sie einen Busfahrer und bekam noch in Kind von ihm, doch bereits nach sechs Monaten war die Ehe am Ende.
Dann begann Martha in Zeitungen, in der “Lonely Heart” Kathegorie, Heiratsanzeigen zu veröffentlichen und lernte so Raymond Fernandez kennen.  Raymond Fernandez wiederum tingelte bereits seit einiger Zeit als Heiratsschwindler durch die USA – er glaubte, er könne Frauen mit der Hilfe von Voodoo für sich gewinnnen. Raymond Fernandez erkannte bald, dass bei Martha nichts zu holen war – doch zwischen den beiden bestand eine erotische Anziehung. Dennoch kehrte er nach New York zurück. Für ihn war die Sache beendet. Nicht so für Martha. Sie schnappte sich ihre beiden Kinder und reiste zu ihm nach New York. Fernandez ließ sich weichklopfen – aber nur unter der Bedingung, dass die beiden Kinder nicht auch noch bei ihm leben sollten. Martha lieferte die beiden kurzerhand bei der Heilsarmee ab. Fortan half sie Fernandez dabei, geeignete Opfer für seine Heiratsschwindler-Tour zu finden und gab sich als seine Schwester aus. Doch sie konnte die Eifersucht auf die fremden Frauen nur schwer ertragen – und ermordete viele von ihnen oder brachte Fernandez dazu, sie zu ermorden. 17 Morde gingen auf das Konto des Paares. Sie wurden erst gefasst nach einem Doppelmord an einer Frau und ihrer kleinen Tochter, die Martha erst als ihr eigenes Kind ausgeben wollte, als das Mädchen jedoch unablässig weinte, ertränkte sie es in einer Wanne. Die Presse überschlug sich, denn in dem Geständnis der beiden war auch immer wieder die Rede von ihrer intensiven sexuellen Beziehung. Beide wurden zum Tode verurteilt und am 8. März 1851 exekutiert. Raymonds letzte Worte waren: “Ich liebe Martha.”

Die letzte Todeskandidatin Deutschlands: Irma K. (1920- 2000)

Irma K. stammte aus ärmlichen Verhältnissen. Sie heiratete Josef K., der zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Die Nachbarn in Bad Neuenahr, wo das Paar lebte, unterstellten Irma, dass sie Verhältnisse mit Kriegsgefangenen hatte – was als Landesverrat betrachtet wurde. Die Männer wurden hingerichtet. Die Gerüchte erreichten auch ihren Mann in Russland, der sich von ihr scheiden ließ und kurz darauf fiel.  Irma kehrte kurz zu ihren Eltern zurück und lebte dann mit ihren Kindern wieder in Bad Neuenahr, wo im November 1945 die Leichen der beiden gefunden wurden. Der Lebensalltag 1945 war hart, es herrschte Mangel und Hunger. Irma selbst war nach Saarbrücken geflohen, wo sie als Verdächtige festgenommen wurde. Nach dem Zusammenbruch des 3. Reiches hatten sich alle Bundesländer schnell eigene Verfassungen gegeben – 1947 sah die in Rheinland-Pfalz die Todesstrafe für Irmas Vergehen vor, die der Justiziminister der CDU auch durchzusetzen versuchte.  Während ihrer Verhandlung erklärte Irma, dass der Hunger und die Not sie zu der Verzweiflungstat getrieben hatten. Sie wusste einfach nicht mehr, wie sie ihre Kinder noch satt machen sollte. Das Gericht glaubte ihr nicht, außerdem war auch ihr Vater ein bereits verurteilter Verbrecher – eine erbliche Eigenschaft, wie man damals annahm. Irmas Hinrichtung wurde auf den 12. Mai 1949 festgesetzt. Zunächst fand sich aber keine Messerschmiede, die das dafür benötigte Fallbeil überhaupt anfertigen wollte. Zur gleichen Zeit wurde gerade fließig am Grundgesetz geschrieben – 80 Prozent der Deutschen sprachen sich zu diesem Zeitpunkt für eine Beibehaltung der Todesstrafe aus, doch es fand nach den grausigen Erfahrungen der NS-Zeit schließlich doch keinen Eingang in die neue Verfassung, gerade noch rechtzeitig, um Irmas Hinrichtung zu verhindern. Sie wurde stattdessen zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt. 1970 wurde sie von Helmut Kohl begnadigt und entlassen. Später wurde sie demenzkrank und irrte umher, um ihre Kinder zu suchen.

Männerhass als Motiv: Elfriede Blauensteiner (1931-2003)

“Es ist um keinen Mann schade, wenn er stirbt”, sagte die Österreicherin Elfriede Blauensteiner, nachdem sie gefasst worden war. Man nannte sie auch die “Schwarze Witwe”. Sie kam aus armen Verhältnissen, heiratete später einen Mann, der sie misshandelte und betrog. Das muss ihren Männerhass geprägt haben. Elfriede wurde spielsüchtig, die Jagd nach dem großen Geld entsprang wohl den Erfahrungen der bitteren Armut in ihrer Kindheit. 1986 heiratete sie erneut, diesmal einen sehr viel älteren und kranken Mann. Sie tötete zunächst einen befreundeten Rentner mit einem Medikamentencocktail, dann ihren Mann und eine Nachbarin. Anschließend lockte sie weitere Rentner mit Kontaktanzeigen an, um sich ihres Vermögens zu bemächtigen. Erst 1996 wurde sie überführt. Während des Verfahrens zeigte sie keinerlei Schuldbewusstsein.

Das “Monster”: Aileen Wuornos (1956-2002)

Ihre Geschichte wurde in dem Film “Monster” verfilmt. Aileen Wuornos war eine Straßenprostituierte, die nach einer der vielen Misshandlungen durch einen Freier zur Mörderin an sieben Freiern wurde. 2002 wurde sie mit der Giftspritze hingerichtet. Sie war das Kind einer minderjährigen Mutter und eines verurteilten Sexualstraftäters. Sie wurde von ihren Großeltern mehr schlecht als recht aufgezogen und bekam mit 14 selbst ein Kind, das sie zur Adoption freigab. Von da an lebte Aileen als Straßenprostituierte. Sie schlief, wenn kein Freier sie mitnahm, am Straßenrand oder im Wald. 1976 kam sie, eine obdachlose Prostituierte, nach Florida. Dort heiratete sie den 69jährigen Yachtclub-Präsidenten Lewis Fell, der sich unsterblich in sie verliebte. Doch Aileen ertrug ihn nicht und verprügelte ihn mit seinem eigenen Krückstock. Fell reichte die Scheidung ein. In den nächsten Jahren schlug sich Aileen weiter mit Prostitution durch, mehrfach wurde sie dabei verhaftet.  1986 verliebte sie sich in die jüngere Tyria Moore. Die beiden zogen umher und Aileen verdiente mit der Prostitution den Lebensunterhalt für sie beide. Einer ihrer Freier, Richard Mallory, vergewaltigte sie und misshandelte sie schwer. Daraufhin ermordete Aileen ihn. Sechs weitere Männer erschoss sie, aus Angst, von ihnen ebenfalls vergewaltigt zu werden. Tyria wusste von all dem nichts. Als die beiden festgenommen wurden, sagte Tyria gegen Aileen aus. Diese erklärte, dass sie jedes Mal aus Notwehr gehandelt hatte, doch ihr als Straßenprostituierte, wollte niemand glauben. Nach ihrer Verhaftung gab es in den USA eine heftige Debatte, ob sie nun als Opfer zu betrachten sei oder als kaltblütige Mörderin. Frauenrechtlerinnen sahen in ihr den klaren Fall einer Frau, die solange gequält worden war, bis sie zurückschlug. Erst nach ihrem Tod zeigte sich, dass Richard Mallory bereits mehrfach wegen sexueller Gewalt an Frauen auffällig geworden war.

Ich habe dich zum Fressen gern: Katherine Knight (*1955)

Katherine Knight stammte aus armen Verhältnissen, sie wurde in der Nähe von Sydney als Tochter eines Schlachters geboren. Bereits mit 16 arbeitete auch Katherine selbst in einer Schlachtfabrik. Mit 18 heiratete sie einen Fernfahrer. Hier zeigten sich erstmals ihre jähzornigen Ausbrüche. So versuchte sie angeblich, ihn in der Hochzeitsnacht zu erwürgen, weil er nach dreimaligem Geschlechtsverkehr ermüdet einschlief. Ein anderes Mal zog sie ihm, weil er zu spät nach Hause kam, eine Pfanne über den Kopf, so dass er einen schweren Schädelbruch erlitt. Als er sie verließ, versuchte sie das gemeinsame Kind zu töten. Sie kam in eine psychiatrische Anstalt, doch ihr Mann verzieh ihr und nahm sie zurück. Sie schlug ihren Mann auch in den folgenden Jahren, bis sie ihn 1984 verließ. Auch ihren nächsten und den darauffolgenden Mann misshandelte sie, rammte ihnen Messer oder Scheren in die Brust oder schlug sie mit einem Bügeleisen.
Ihren vierten und letzten Mann tötete sie, zog ihm fachmännisch die Haut ab und kochte aus seinem Fleisch ein Mittagessen.  So fand sie im Februar 2000 die Polizei. Sie wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. An den Mord kann sie sich laut eigenen Angaben nicht erinnern.

In den 20er Jahren gab es Forscher, die behaupteten, alle Verbrechen, die Frauen begingen, seien nur eine Folge eines fehlgeleiteten Interesses. Das natürliche Interesse einer Frau richte sich auf Babies, nicht auf Mord, und müsse nur dahin zurückgelenkt werden. Überhaupt entstünden alle durch Frauen begangenen Verbrechen aus einer fehlgeleiteten Sexualität, die es zu reglementieren galt. Tatsächlich ist es so, dass es Gewalt und Verbrechen durch Frauen ein blinder Fleck des Patriarchats sind – weil sie eben den überkommenen Geschlechterrollen zuwider laufen.
Frauen, die morden, werden oft als “Femme fatale” erotisiert oder als hinterlistige Giftmischerinnen. Gemeinsam mit ihren Taten wird oft ihr Sexleben als außergewöhnlich beschrieben – Sex und Crime, das gehört bei Frauen untrennbar zusammen. Tatsächlich töten die meisten Frauen mit Messern und nicht mit Gift und mit Sex hat das Ganze wenig zu tun. Auch Habgier und Eifersucht spielen dabei selten eine Rolle – in fast der Hälfte der Fälle ist Alkohol im Spiel, der für eine entsprechende Enthemmung sorgt.
Besonders aufgebracht zeigt sich die Öffentlichkeit, wenn Frauen ihre eigenen Kinder ermorden. Das entspricht überhaupt nicht der Vorstellung des natürlichen Drangs zur Mutterschaft und wird mit Entsetzen abgetan, als etwas “Unvorstellbares”. Dafür, dass es unvorstellbar ist, geschieht es jedoch zu oft. Dahinter stecken eine ganze Reihe soziokultureller Gründe – die nicht allein bei den Frauen zu suchen sind. Das Abtreibungsverbot zwang Frauen, Kinder zu bekommen, die sie nicht wollten. Für deren Versorgung fühlte sich der Gesetzgeber aber auch nicht zuständig. Misslang eine Abtreibung also, war der Kindsmord der nächste Schritt  – und ist es bis heute. Diese Mütter wollen ihre Kinder nicht, aus sehr unterschiedlichen Gründen – und fühlen sich damit allein gelassen. Die Schuld wird generell nur bei den Müttern gesucht – wie zum Beispiel im Fall der 29jährigen “Eismutter” Antje K., die drei ihrer Kinder nach der Geburt getötet und in einer Gefriertruhe aufbewahrt hatte. Dass sie mit 16 ungewollt schwanger geworden war, zur Heirat mit dem Kindsvater gezwungen worden war und dieser sie misshandelte und vergewaltigte und mit den Kindern allein ließ, wurde ausgeblendet.  Männer ermorden zwar seltener ihre Kinder – ihnen wird von der Gesellschaft aber auch viel eher die Möglichkeit zugestanden, ihre Frau und Kinder einfach sitzen zu lassen.
Sexuelle Lust als Motiv hingegen wird generell Männern zugesprochen, Frauen jedoch nicht zugetraut. Dagegen spricht der Fall von Käthe Hagedorn aus dem Jahr 1926 in Duisburg. Mit 18 Jahren versuchte sie, ein Nachbarsmädchen zu vergewaltigen, als dieses schrie, stopfte sie im Laub in den Mund, so dass es erstickte. An der Art und Weise, wie die Justiz mit weiblichen Mördern umgeht, lässt sich die Stellung der Frau ableiten, aber auch die Taten selbst erzählen etwas über die Stellung der Frauen.
Die Morde aus Habgier entstammen zum Beispiel fast alle aus Zeiten, in denen alleinstehende Frauen ohne einen Mann nur schwer für ihr eigenes Auskommen sorgen konnten, wenn sie nicht aus entsprechenden familiären Verhältnissen stammten. Die Angst vor Armut – oder anders ausgedrückt “Habgier”  – ist hier ein starkes Motiv. Viele Frauen haben in Kindheit und Jugend Gewalt erlebt oder beobachtet. Ihre Kinder ermordeten sie oft, wenn sie mit ihrer Versorgung überfordert waren oder sie ihrer Unabhängigkeit im Weg standen.
Frauen, die morden, übertreten eine gesellschaftliche Grenze vom Erlaubten zum Unerlaubten. Nicht selten schloss sich daran das Übertreten weiterer Gesellschaftsnormen – sexueller Grenzen, Moralvorstellungen usw. an oder ging dem voraus. Deshalb wurden viele Frauen, die mordeten oder gar mordend umherzogen, berühmt, ihre Taten waren ein Tabubruch auf gleich mehreren Seiten und nicht selten Teil eines umfassenderen Befreiungsversuchs aus gesellschaftlichen Schranken. Schranken, die für Männer nicht gelten. Deshalb kann die Titelfrage mit “Ja” beantwortet werden. Frauen morden anders. Aber nicht weil sie Frauen sind. Sondern weil für sie andere gesellschaftliche Regeln gelten als für Männer. Das bedeutet nicht, dass sie nicht ebenso zu Gewaltexzessen und Grausamkeit in der Lage sind, Abgründe der menschlichen Natur, nicht der männlichen. Sie werden aber als Täterinnen anders beurteilt als Männer. Die Frauen in den obigen Porträts machten vieles, was Frauen eigentlich verboten war oder ist. Sie trugen Männerkleidung, prügelten sich oder betrogen. Das verschaffte ihnen einen Hauch von Freiheit. Es rechtfertigt selbstverständlich keinen Mord, aber wer etwas über die engen Grenzen der Geschlechterzuschreibungen lernen will, der kann an den Mörderinnen der Vergangenheit und der Gegenwart einiges erkennen.

[1] Kathrin Kompisch: Furchtbar feminin. Berüchtigte Mörderinnen des 20. Jahrhunderts, S. 14

Tipps zum Weiterlesen:
Kathrin Kompisch: Furchtbar feminin. Berüchtigte Mörderinnen des 20. Jahrhunderts. Militzke 2006
Christoph Nettersheim: Schrecklich nette Frauen. Bucher Verlag 2011

 

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