Freiheit von der Pille – eine Unabhängigkeitserklärung

Anfang des Jahres veröffentlichte Sabine Kray auf ZEITonline einen Artikel mit dem Titel “Die Antibabypille ist unzumutbar”, der binnen kürzester Zeit tausendfach gelesen und geteilt wurde. Ihr Artikel traf einen Nerv: Immer mehr Frauen fragen sich, welchen Risiken sie sich eigentlich mit der jahrzehntelangen hormonellen Verhütung aussetzen. “Freiheit von der Pille – eine Unabhängigkeitserklärung” ist gerade erschienen und setzt sich genau mit diesem Thema auseinander.

Verhütung in Deutschland, die Kontrolle über den weiblichen Körper, das sind auch Ende des Jahres 2017 aufgeladene Themen. Eine Gießener Ärztin muss sich gerade vor Gericht verantworten, weil sie auf ihrer Internetseite angab, Abtreibungen durchzuführen. Als Anfang der 1960er die Antibabypille nach Deutschland kam, wurde sie sehr bald zum Inbegriff weiblicher und sexueller Freiheit. Sex ohne die Angst, schwanger zu werden, war auf einmal möglich und beflügelte die Vorstellung von freier Liebe in der Hippie-Zeit – so wird es uns zumindest erzählt.

Sabine Kray wagt einen anderen, einen sehr persönlichen, und zugleich sehr erkenntnisreichen Blick auf die Geschichte der Pille. Die meisten Mädchen bekommen sie schon im Teenie-Alter verschrieben, gegen Hautprobleme und Bauchschmerzen bei der Menstruation und nehmen sie dann, nur unterbrochen für geplante Schwangerschaften, bis zur Menopause durch. Nebenwirkungen wie das erhöhte Thrombose-Risiko, Depressionen oder verringerte Libido werden gerne heruntergespielt. Und das nicht ohne Grund: Mit hormonellen Verhütungsmitteln wird jedes Jahr weltweit ein Umsatz von 9,3 Milliarden gemacht, ein Riesengeschäft, begleitet von vielen undurchsichtigen PR-Kampagnen. Die Autorin zeigt diese Zusammenhänge in einem eigenen Kapitel auf. Sie schreibt informativ, ohne dabei zu langweilen und holt die Leserinnen von der ersten Seite an ab. Mit nur 144 Seiten ist das Buch schnell gelesen.

Am Ende bleibt die Frage: Würden Männer akzeptieren, dass man ihre Libido um der Verhütung willen herabsetzt, tief in ihren Hormonhaushalt eingreift? Dabei sind sie es, die 30 Tage im Monat fruchtbar sind, die Frauen nur sechs.

An der Pillenfrage wird sich, das ist bereits seit einiger Zeit durch eine Vielzahl an Artikeln und Videos absehbar, ein neuer Geschlechterkampf entzünden. Immer weniger Frauen sind bereit, die vielfältigen und zum Teil nicht gut erforschten Nebenwirkungen in den eigenen, sehr komplexen Hormonhaushalt, der eng mit unseren Emotionen und anderen Aspekten unserer Wahrnehmung verbunden ist, hinzunehmen. Das Zeitalter der Pille, es könnte seinem Ende zugehen. Sabine Krays Buch ist ein wichtiger Beitrag zu einer Debatte, die wir schon längst führen sollten und die unser aller Aufmerksamkeit verdient.

5 Kommentare

  1. Na ja, bezüglich der Sicherheit der Verhütung gibt es nur noch die Spirale oder die dauerhafte Verhütung mit Kondomen in Kombination mit spermizidem Gel. Die männliche Sterlisation (ein banaler, kleiner Eingriff) geht erst nach dem Ende der Familienplanung. Ich habe die Menopause hinter mir, hatte vorher immer eine Spirale, aber die verträgt auch nicht jede Frau. Ich würde die Methode der Verhütung schon von der Verträglichkeit abhängig machen, die individuell unterschiedlich ist. Rauchen sollte frau allerdings mit Pille keinesfalls.

  2. Angelika: Dein Kommentar klingt so als sei dann die Frau als Raucherin – wie gut,dass es den allerorten so beliebten Sündenbock „Rauchen“ gibt – selbst an möglichen Nebenwirkungen schuld und alle Nichtraucherinnen mit mehr oder weniger gravierenden Symptomen von Nebenwirkungen „sollen sich mal nicht so haben“,das stört nur das Geschäft und die patriarchale Lieblingsvorstellung vom weiblichen Körper als Leidensfeld.

  3. Ist halt die Frage was Frauen für babysicheren Sex hinnehmen will/kann. Junge Mädchen, die die Pilke verschrieben bekommen wissen jedoch oft zu wenig über Wirkungsweise und mögliche Nebenwirkungen. Die Pille wird eben oft auch als Lifestyleprodukt verkauft. Das halte ich für inakzeptabel!
    Wer die Pille nehmen will, sollte alle Informationen inklusive denen zu Alternativen in die Hand bekommen um selbst für sich allein eine umfassende Entscheidung treffen zu können. <3
    Und na no na ne…das ultimative Verhütungsmittel gibt es leider noch nicht. Bin aber selbst gespannt wie und ob das Vasalgel für den Mann kommt. Geforscht und Entwickelt wird nun schon lange!

  4. Das ultimative Verhütungsmittel gibt es doch…es ist nur wenig bekannt, weil kostenlos und oft falsch angewendet. Es ist die Natürliche Empfängnisregelung nach Dr. Rötzer. Es ist faszinierend, wie genau uns unser Körper sagt, ob wir gerade fruchtbar oder unfruchtbar sind. Dr. Rötzer hat die Sprache entschlüsselt. Als Apothekerin und von den Pillenfolgen Betroffene habe ich nur mehr gestaunt, wie genau Du Deine Körpersignale deuten kannst. Und habt Ihr gewusst, dass Ihr in der Progesteronphase nach dem Eisprung ab einem bestimmten Zeitpunkt (nach den erlernbaren Regeln) bis zur nächsten Blutung zu 100% sicher nicht mehr schwanger werden könnt? Sex ohne Angst, mit totaler Hingabe!!!
    Macht Euch mal schlau

  5. Ich verstehe nicht, warum so viele Frauen immer noch die Pille nehmen. Ich verhüte seit über 15 Jahren erfolgreich mit Kondom (und zwar ohne schädliche Spermizide). Ist absolut sicher und schützt auch vor Geschlechtskrankheiten. Wenn das Ding mal abrutscht oder reißt, halt Pille danach. (Musste ich zum Glück erst einmal nehmen.) Die schlechten Sicherheitswerte fürs Kondom kommen von falscher Handhabung, etwa wenn das Kondom nicht fest genug aufgezogen ist und dann abrutscht. Das kann man(n) aber lernen. An meiner mangelnden Fruchtbarkeit lag die gute Wirksamkeit des Kondoms bei mir jedenfalls nicht. Ohne Verhütung wurde ich immer gleich nach zwei Monaten schwanger. Optimal ist es natürlich, das Kondom mit Natürlicher Empfängnisverhütung zu kombinieren und das Kondom nur an den fruchtbaren Tagen zu nutzen. Die Temperaturmethode funktioniert aber nur, wenn frau einen einigermaßen entspannten Lebensstil ohne Stress und durchfeierte Nächte pflegt, weil sonst der Zyklus schnell unregelmäßig wird. Ich habe mich einige Jahre nur mit Natürlicher Verhütung durchgeschummelt, aber fand sie psychisch sehr belastend, vor allem wenn die Mens sich mal verspätet hatte.

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