Hommage an Frauen

Zwei Frauen

Pixabay, CC0

Wir wollen den feministischen Diskurs beleben und unterschiedliche Ansätze zur Diskussion stellen. Deshalb erscheinen bei uns regelmäßig Gastbeiträge, die nicht zwangsläufig die Haltung der oder aller Störenfriedas wiedergeben, aber wichtige Impulse für die feministische Debatte geben können.

Vielleicht ist dieser Post nicht zu verstehen, der Anlass auch nicht.

Von außen vielleicht nicht – aber er kommt ja auch von innen.

Das ist eine Hommage an die Frauen in meinem Leben. Ganz einfach so.

Er ist ein Zeichen, ein Dankeschön, eine Würdigung für alle verlorenen, gewonnen und nicht ausgefochtenen Kämpfe, deren Teil sie sind.

Ein Widmung den Frauen, die wagen und resignieren, die jeden Tag aufstehen oder im Bett liegen bleiben. Für die, die Mütter sind und die, die keine sind. Eine Widmung denen, die still und heimlich Berge versetzen oder laut und unübersehbar Gipfel verschieben. Für die, die fehlbar sind, wütend, nett, zaghaft oder vehement. Für die, die Artikel schreiben, ganze Bücher gar – oder ihre Träume in die Zimmerdecke hauchen. Die, die Bücher verschlingen und für die, die sie fürchten.

Es sind Zeilen für jene, die ihren eigenen Kopf aus der Schlinge ziehen und für die, denen die Kraft dazu ausgeht.

Für alle Frauen, die im Schatten ihrer Männer blieben, weil das der göttlichen Ordnung entspricht.

Und für die, die Kopf und Kragen riskieren, weil sie sich dem verweigern, ihre Schwestern, Töchter und Mütter dem patriarchalen Fraß vorzuwerfen. Und für die, die aufgegeben haben.

Es ist eine Erinnerung an eine Mutter, die keine Liebe kannte.

Es sind Zeilen für die Frau, der gesagt wird, ‘warum trägst du denn diese Raupe von der Straße in das Gras?’ oder für die, die aus ihrem klapprigen Altwagen und ihren Kraftreserven das Letzte rausholt, nur um Hundeseelen glücklich zu machen.

Für die, die leise ist und still, von der man nichts hört, für die Introvertierten und die zart Besaiteten. Und für die, die immer auffällt und genau dann laut lacht, wenn im Theater alles schweigt und man sonst nur das Knistern des Programmheftes vernimmt.

Nur ein paar Zeilen für die, die hunderte Jobs parallel machen und für die, die keinen schaffen oder keinen finden oder keinen wollen.

Die, die Geschichte in ihre Lieder schreiben oder eben Geschichten schreiben oder Farben an die Wand malen, auch wenn die Farben von Millionen Männern immer greller scheinen.

Er ist für die, die sich streiten und für die, die das bis in die tiefste Seele fürchten.

Für die, für die Verlust den Tod bedeutet und für die, die gesättigt sind, sich ihrer sicher sind.

Für die, die trotzen, dem Leben, dem Schmerz, die kämpfen und für die, die den Mut verlieren.

Für die, die ich liebe, bewundere und für die, die mir erklärt haben, dass sich-streiten und sich-lieben einander nicht ausschließt.

Er ist für euch, weil Mann euch jeden Tag sagt, dass ihr nicht richtig seid, obwohl alles an euch einzigartig ist.

Wir sind, was wir einander sind.

‘Wir lieben, was uns gleich ist, und verstehen, was der Wind in Sand geschrieben’.

Das Letzte, das hat Hesse gesagt.

8 Kommentare

  1. Jacqueline

    Was soll ich sagen…danke für diesen Text!
    Ich liebe euch

  2. Gabypsilon

    Auf einer schönen Zeitreise befinde ich mich momentan durch Deinen wunderbaren Text. Ich treffe sie gerade alle wieder, die Frauen in meinem Leben. Und mir selbst begegne ich auch dabei. Dankeschön dafür.

  3. Was für eine wunderbare Hommage! Vielen Dank dafür!

  4. Eine ganz, ganz wunderbare und berührende Würdigung der Frauen! Herzlichen Dank!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.