Lesben kapern Lesbentreffen? – Moment!

Hauswand mit Aufschrift "Our Gay Village"

Photo by Dyana Wing So on Unsplash

Zu den Hintergründen der Konflikte um das LFT 2021

Inzwischen ist deutlich, dass über das diesjährige LFT (Lesbenfrühlingstreffen) schon lange schwelende Konflikte aufbrechen. Aus anerkennenswerten Gründen haben die bisherigen LFTs, auch das letzte im Jahr 2019 (2020 fiel wg. Corona aus) und auch das jetzige versucht, diese Konflikte zu umgehen, weil bisher und auch jetzt keine der wirklich aktiven Orgas [1] und so gut wie keine der regelmäßigen Besucherinnen eine Spaltung entlang der Transfragen möchte. Und so sind auch dieses Jahr Transfrauen nicht ausgeschlossen, und auch dieses Jahr sind Angebote explizit transinkludierender Lesben dabei. Dies wird jedoch geflissentlich übersehen, und wir sollten überlegen, warum.

Zur Verankerung der Debatte: 2020 konnte das LFT wegen Corona nicht stattfinden. 2021 findet es statt, weil die Organisatorinnen es unter enormer Kraftanstrengung geschafft haben, das Programm so umzugestalten, dass es online läuft. Dieses Jahr gibt es also die Angebote, die Möglichkeiten, die Ansprache und die Vernetzung für Lesben – eine Ansprache und Veranstaltungen, die vor allem die Lesben, die nicht in erster Linie auf sozialen Netzwerken unterwegs sind, nach über einem Jahr verschieden intensiver Lockdowns wirklich brauchen. Willkommen!

Die Kritik konzentriert sich auf die wenigen Programmpunkte, die sich kritisch mit den Auswirkungen heutiger queerer Praxis auf Lesbenräume befassen, auf die wenigen Programmpunkte, bei denen es um die Möglichkeit tatsächlich eigener Räume für Lesben geht, bei denen gewagt wird, Unterschiede in Lebenssituation, Sozialisation und Körpererfahrung zwischen Frauen und Transfrauen zu sehen und sie aus eigener Warte zu benennen – dass ebenfalls explizit transinkludierende Lesben im Programm Angebote machen und dass die von der jetzigen Kampagne und den Boykottaufrufen mit betroffenen sind, scheint irrelevant zu sein. Dass es Transfrauen gibt, die in Kommentaren und Briefen an der Seite des LFT stehen, gilt nicht. Dass die Aufrufe, dem LFT zu schaden, auch die künftigen Orgas treffen und ideell wie finanziell belasten werden, wird geflissentlich übersehen – wird es übersehen? Oder ist diese Beschädigung möglicherweise sogar Ziel dieser Kampagne, die sich zwar in der Wucht und Reichweite, aber nicht in den Inhalten von den Angriffen unterscheidet, die bisher jede Orga, egal wie transinklusiv, irgendwann serviert bekam?

Vielleicht ist die jetzige, das Programm und das LFT verzerrt darstellende Kampagne nur der bisher koordinierteste Versuch, das LFT als ältestes autonomes Treffen und älteste noch getragene autonome feministische und lesbische Organisationsform, als echte Graswurzelbewegung abzudrängen, damit die noch verbliebene unabhängige Frauen- oder Lesbenbewegung endgültig zugunsten sozialpädagogisierter entpolitisiert (aber unter politischer Aufsicht) arbeitender Formate beseitigt werden kann. Zur Erinnerung: auch das LFT 2019 erlebte trotz seiner bewussten Zentrierung von trans* und Non-Binären, sichtbar ausgedrückt im * des L*FT – wegen eines einzigen Workshops zum Themenbereich Gruppendruck, Transidentität und junge Lesben die gleichen Angriffe wie das LFT jetzt. Merke: Keine Öffnung ist je genug. Wird das wirklich übersehen? Oder geht es nicht doch einfach nur darum, Lesbentreffen zu verhindern und wenn es sie gibt, dafür zu sorgen, dass sich jede Diskussion zu 98% um trans* dreht. Es geht um drei _3 _ Tage im Jahr. Nicht einmal für _drei_ Tage gibt es unter den ** Solidarität, wenn das L mal was mit dem L machen will und sich auf Themen bezieht, die für das L von Bedeutung sind.

Die Definition des LFT ist: Frauenliebende Frauen – nicht Non-Binäre liebende Non-Binäre, nicht queerliebende Queers. Egal, welch schöpferisches, erneuerndes, befreiendes, antipatriarchales Potenzial von denen ausgehen mag – es wäre angebracht, dies anhand eigener, selber gegründeter Initiativen und Veranstaltungen zu belegen, anstatt regelmäßig auf Lesben loszugehen und anstatt die letzten Treffpunkte von Lesben sinnentleeren, übernehmen und damit zerstören zu wollen, und zwar im Namen toxischer Interpretationen ehemals queerer Ansätze, die sich absurderweise in patriarchal geformten Identitäten zeigen, die keine Grenzsetzung ertragen und die Feindbilder zur Stabilisierung brauchen.

Anstatt Vielfalt tatsächlich zuzulassen und zu unterstützen, wird lesbische, wird frauenliebende Sichtbarkeit verbannt. Einer Annäherung oder Klärung der Standpunkte soll ausdrücklich keine eigene Positionierung oder eigene lesbische Identitätsfindung vorausgehen. Stattdessen sehen wir auf der Seite der Kritisierenden eine Zusammenarbeit mit Vereinen, die vor zwei Jahren so vorgegangen sind, wie wir es auch jetzt sehen – Verleumdungen, Schmähungen in den sozialen Netzwerken, Vereine, deren Mitglieder im Netz und bei Gesprächen auch beim L*FT 2019 Doxxen (also das Verbreiten von Klarnamen im Netz) für ein legitimes Mittel und für Lesben den Begriff „Vaginafetischistin“ für angemessen hielten. Die Aufklärung zum Thema radikaler Feminismus oder WHRC wird an Menschen vergeben, die mit denen zusammenarbeiten. Losgetreten wurde die diesjährige Kampagne durch einen Menschen mit Baseballschläger im Profilbild des Twitteraccounts, jetzt umgemalt in eine auf den Kopf gestellte Doppelaxt mit Baseballschläger als Griff – dies scheint nicht problematisch, obwohl Baseballschläger das Erkennungszeichen für das TERF- oder auch Lesbenklatschen sind [2]. Ganz nebenbei: Die Unterstützenden welcher politischen Richtung laufen auch mal auf Demos mit diesen Schlägern herum? Auf Stellungnahmen seitens „der Großen“ zu Texten wie dem von „Transfläche“ herausgegebenem Zine [3] dürfen Lesben und Frauen sicher vergeblich warten, obwohl – oder weil? – dieses Zine eigentlich nur die logische Konsequenz aus den jetzigen Ansätzen des Transaktivismus und seines unverhohlenen Frauenhasses darstellt: Eine Vergewaltigung wird als „Cisprivileg“ verstanden, nicht nur abstrakt (schließlich geschieht sie im Einklang mit der von der Frau qua „cis“ selbst gewählten Rolle), sondern auch ganz konkret.

Dem Bemühen um Diskussionen wird mit dem Vorwurf einer vorgefertigten Meinung an die andere Seite begegnet [4], und dies von denen, die jeden Versuch einer Auseinandersetzung abwenden, ihnen jeden Raum dafür entziehen und ihre institutionalisierte Macht dazu nutzen: die Angriffe gegen das LFT werden laut von denen geführt, die an öffentlich geförderten Stellen sitzen, diese privilegierten und für ihre Positionierung bezahlten Leute machen jetzt ehrenamtlich arbeitenden Lesben das Leben schwer und drohen bzw. bewirken den Entzug von Geldern. Während Baseballschläger und dieses Zine hingenommen werden, wird jede Positionierung, die Körper in irgendeiner Weise für Begehren oder für die soziale Position in der Gesellschaft für relevant hält, jedes Benennen eines Unterschieds von vorneherein als „menschenverachtend“ ausgeschlossen. Was zugelassen wird, sind keine Fragen oder Kontroversen. Was zugelassen wird, ist ein großzügiges Angebot, eigene Anliegen zur Umformulierung einzureichen und anschließend zur gnädigen Genehmigung vorzulegen. Zugelassen wird ein Ergebnis: Gut, dass wir darüber (nicht) geredet haben.

Orgagruppen im LFT, der Lesbenring, lesbische und frauenpolitische Initiativen und auch die weitere LGBTIQ* Community stehen jetzt wirklich vor wichtigen Entscheidungen: Wollen wir Spaltung, Trennung, oder wollen wir Spannungen aushalten, und wenn, wie wollen wir sie aushalten? Wollen wir die Unterwerfung der Lesben oder halten wir verschiedene, auch grundverschiedene Positionierungen innerhalb der Community für möglich? Kann Differenz ausgehalten werden? Können wir gegenseitige Positionen stehen lassen und trotzdem auf Bündnisse, auf Verständigung zu gemeinsamen Zielen hinarbeiten? Eines sollte klar sein: Verschwinden werden Lesben und werden radikale Feministinnen nicht. Auch nicht, wenn sie in die Ausgrenzungen der 60er, 70er und frühen 80er Jahre zurückgeschleudert werden.

Und an dieser Stelle verweise ich noch mal auf diesen unbedingt zu lesenden Artikel.

Danke für die Solidarität!

Fußnoten

[1] “Orga“ steht für die das jeweilige LFT organisierenden Lesben. Das LFT ist „Graswurzel“, feministisch, autonom, basisdemokratisch: es wechselt jedes Jahr die „Orga“ – Lesben, die sich freiwillig melden – und den Ort. Die Orgas sind im Rahmen der bindenden Beschlüsse frei in ihren Entscheidungen und Schwerpunktsetzungen, bindende Beschlüsse gibt es seit den Anfangszeiten drei: Die VA muss barrierefrei sein (gemeint ist auf jeden Fall rolligerecht, ausgestattet mit Fahr- und Begleitdienst, Gebärdendolmetscherinnen, und in allen Bereichen so barrierearm wie möglich), rechtsradikale Lesben oder pädophile Lesben sind ausgeschlossen. Es gibt manchmal Diskussionen um die Begriffe, aber da ein hoher Konsens darüber besteht, was gemeint ist, bleiben die Beschlüsse so bestehen. Neben diesen Beschlüssen gibt es Empfehlungen; eingebracht werden Anliegen auf dem Mittelplenum, sie werden dann ausgehängt, die Abstimmung findet auf dem Abschlussplenum statt. Ansonsten gilt die Autonomie der jeweiligen Orga. Das bedeutet, dass das LFT keiner einzigen Orga „gehört“.

[2] Auf diesen Account soll hier nicht verlinkt werden, einen Eindruck von der Sprache, der Oberflächlichkeit, der bietet die taz, die mal wieder ihre Frauenfeindlichkeit spazieren führt, sich dabei auf Manipulationstechniken („evangelikale Sekten“ – klar doch…!) verlässt, und deren Journalist wie die meisten anderen wohl hauptsächlich von diesem Thread abgeschrieben hat:
„Frühling der Feindseligkeit“ (05.05.2021; Zugriff 05.05.2021, 21:18) https://taz.de/Empoerung-ueber-Lesbenfestival-Programm/!5765371/

[3] „Gegen diesen Feminismus“ https://transflaeche.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/1632/2021/03/Druckversion-Zine.pdf (Zugriff 05.05.2021, 20:00)

[4] Vgl. Der Tagesspiegel: „Wegen Transfeindlichkeit Lesbenfrühlingstreffen in der Kritik“ (04.05.2021, 17:09) https://m.tagesspiegel.de/gesellschaft/queerspiegel/wegen-transfeindlichkeit-lesbenfruehlingstreffen-in-der-kritik/27156972.html (Zugriff 05.05.2021, 21:48)

11 Kommentare

  1. Yvonne

    Nicht nur die Lesben-Organisationen, sondern der gesamte Feminismus wurde im Namen der Gender-Gerechtigkeit und Inklusion schon lange unterwandert und vereinnahmt. Man erkennt die wirklichen Anliegen gar nicht mehr. Das war vermutlich auch das Ziel. Alles wurde so auf den Kopf gestellt und die Lesben, wie auch die andern Feministinnen oder Cis-Frauen mit falschen Narrativen einfach ausgebootet und zum alt bekannten Schweigen gebracht. Nichts Neues unter der Sonne. Diesmal erfolgen die Angriffe und das Vernichten von Innen heraus. Das ist natürlich besonders infam. Aber auch nichts Neues. Und natürlich wollen die Trans-menschen nicht nur die besseren und einzig richtigen Frauen sein, sondern eben auch die besseren und einzig richtigen Lesben. An was erinnert das nur? Ja, richtig, an Männer und ihr koloniales übergriffiges Verhalten. Immer und überall.

  2. Danke, Elisabeth für diese klaren Worte!
    Es ist wohl die Autonomie des Lesbenfrühlingstreffens, die so große Angst macht.
    Wer ist denn da der Chef*? Wen kann man beeinflussen, bedrohen, korrumpieren, um die Autonomie zu unterwandern und das LFT auf Stromlinie zu bringen?
    Die Antwort: Das LFT ist in den Herzen, den Hirnen, den Händen von 1000en Lesben ein wichtiges Ereignis in langer Tradition. Kein Chef*, kein Vorstand, kein Titel, kein Verdienst, fast keine öffentlicheWahrnehmung. Das LFT ist kein Sprungbrett auf ein gemütliches Homo-verwaltungs-pöstchen…
    Indes in der ‘Szene nimmt die Sozialpädagogisierung der einstmals autonomen Bewegungen ihren systemstabilisierenden Lauf:
    – Mehrheitlich weiße Mittelstands-Vorstandsgrüppchen mit eingesprenkselten Quoten-Anderen haben beeindruckende Briefköpfe,
    – inflationär entstehende Beiräte, Titel und Pöstchen, ohne Verantworung, aber mit unbestimmtem Einfluss auf alte und neue Gruppierungen,
    – Staatsknete für sinnlose Projekte, die zwar nach was klingen (sollen), aber gar nichts bringen (sollen)….. ausser eine vollmundige Zeile in den Lebensläufen der Macher*, zB ‘lesbisch*.sichtbar.Berlin’ und viele andere,
    – Preise für lesbische Sichtbarkeit vergeben und Ignoranz und Hass für sichtbare Lesben mittragen, das geht heutzutage aus einer Hand. Diversity sei dank!

    Das Lesbenfrühlingstreffen bleibt autonom! Wir sehen uns dort, ich freu mich drauf!

  3. Vielen Dank für diesen Artikel. Es ist unglaublich wie versucht wird auch die letzten Frauenräume zu vernichten. Das ist Gewalt- patriachale Gewalt.

  4. Vielleicht liegt in der Deutlichkeit, mit der der LFT-Orga Ablehnung, Hass, überzogene (lächerliche) Forderungen und Gewalt entgegen gebracht werden, eine Chance.
    Es ist unmöglich, eine Zusammenarbeit mit Menschen zu erreichen, die gar nicht zusammen arbeiten wollen, sondern kaputt machen. Keine Beziehung funktioniert gesund, in der nur eine Seite “Kompromisse” eingehen muss, um der anderen “entgegen zu kommen” – und sich dabei zu verlieren.
    Die Dynamik erinnert mich an meine Erfahrungen mit Menschen mit narzisstischen Handlungsmustern. So lange ich Lösungen im Austausch finden wollte, Kompromisse schließen,… so lange war ich abhängig und alle meine Energie war gebunden.
    Vielleicht ist es Zeit sich einzugestehen, dass getrennte Wege (mit klaren Grenzen und dem Angebot von Gesprächen, wenn Sie auf Augenhöhe stattfinden und die Bedürfnisse aller Beteiligten gleichermaßen berücksichtigen) heilsamer sind als das Festhalten am Traum, sich gut zu einigen. Vielleicht gibt es ein Rest-schlechtes-Gewissen, das uns als als Friedenbewahrende Sozialisierte daran hindert, diese Grenzen zu setzen.
    Dann gibt’s eben keine öffentlichen Gelder mehr, so what. Ich habe eben gespendet was mir möglich war und freue mich so sehr auf das LFT.

  5. Es geht ganz eindeutig darum die Definitionshoheit über Frauen zu gewinnen. Die Zielsetzung ist es, Männern die Deutungshoheit zu übertragen. Der, durch einen Sprechakt sich selbst als Frau deklarierende Mann darf als Frau seine speziellen “Frauenanliegen” vorbringen und muss gehört werden. Die Errungenschaft des Feminismus, das wir nicht mehr durch Männer definiert und bestimmt werden, wird mit diesem Konstrukt aufgehoben.

    MANN ist zurück an seiner Herrschaftsposition. Und genau aus dem Grund wird er auch von vielen Vereinen unterstützt. Wenn wir den CSD_Deutschland, der sich aus vielen Einzelorganisationen zusammen setzt, einmal genauer betrachten, dann fällt auf, dass es einen ganz erheblichen Männerüberhang in den Vorstandsetagen gibt. Nicht selten liegt der bei 100%.
    Wir können nicht erwarten, dass Männer sich für Frauenrechte einsetzen. Es geht bei der Unterstützung von Transgender vor allem um Männerrechte. Männer, die in den Frauensport und Frauenräume drängen. Wir können nirgendwo Horden von “Transmännern” sehen, die umgekehrt in den Männersport strömen oder in Männerräume. Keine Muttis und Papis, die darum kämpfen, dass das zum Bub gewandelte Mädchen auf die Zelttour mit lauter Männern zieht oder seine Sportkariere im Frauensport beendet, indem sie in den Männersport wechselt.
    Schwule sind in erster Linie Männer, die sich für Männer einsetzen und das lassen Sie Lesben immer spüren.

  6. Baubo-Luisa

    Wir könnten diese gesamte, dreckige Kampagne gegen Lesben als Ritterschlag betrachten. Offenbar sind wir immer noch so gefürchtet, dass man (in welchem Fummel auch immer gekleidet) so scharfes Geschütz auffährt. Aber natürlich ist die Sache ernster, weil sie nicht nur uns Lesben betrifft, sondern die ganze Gesellschaft. Insgesamt haben wir andere Sorgen. Seit 40 Jahren frage ich mich, warum die, die jetzt Lesben angreifen, nicht ihre eigene Bewegung aufgebaut haben. Und ich frage mich, wem das aktuelle Getöse eigentlich nützt? Danach muss frau immer fragen, wenn mit Ideologien um sich geworfen wird. Es geht um die Fleischtöpfe, von denen die Lesbenbewegung ferngehalten werden soll. Gut, dann machen wir wieder unser eigenes Ding. Auf die lächerlich geringe Förderung beispielsweise der Hirschfeld-Stiftung oder der LAG Lesben sollten wir getrost verzichten können. Wir gehören zur autonomen Frauenbewegung, dann lasst uns autonom bleiben. – Ach noch etwas: bei jeder Kaninchen-Zuchtschau wird freundlicherweise auch eine Abteilung für die Meerschweinchen-Züchter reserviert. Nur, die Meerschweinchen wollen keine Kaninchen sein!

  7. Elisabeth Elstop

    Der Gedanke der vollen Autonomie durch Verzicht auf die Gelder ist gut – aber schwierig, gerade durch die wichtigen Vorgaben des LFT, allen voran die Barrierefreiheit, die unbedingt dazugehört. Das bedeutet aber entweder öffentliche Unterstützung bei der Bewilligung oder beim Bezahlen entsprechender Räume, es bedeutet Gebärdendolmetscherinnen, Fahrdienste… hier entstehen feste Kosten, die nicht durch Verzicht kompensiert werden können. Diese – echte – Vorgabe einer – echten – Inklusion von Lesben gehört zusammen mit der Basisdemokratie zu den Dingen, auf die die Lesbenbewegung sehr stolz kann. Um so übler eine Kampagne, die hier mehrfach diejenigen trifft, deren Beteiligung und Inklusion in unserer Gesellschaft selten als wesentliches Anliegen gesehen wird – diesen Frauen wird dann mehrfach ein Raum genommen. Die Beteiligten an dieser Kampagne sollten wirklich erst einmal belegen, wie wichtig ihnen eigentlich in der Praxis die Beteiligung ALLER _Frauen_ ist. Und sie sollten ihre Ausgrenzung von Lesben auch unter diesen Gesichtspunkten bedenken. Alle Trans* reinzulassen, geht bequem per Federstrich. Echten Raum für wirklich alle Frauen, auch mehrfach marginalisierte, zu schaffen, wäre echte “Intersektionalität” und ist viel aufwändiger. Also lieber Symbolpolitik …. vor allem sollten sie für das LFT Gelder sichern, selbst wenn sich Lesben wieder total selbstständig machen.

  8. Ich sehe den Punkt der nicht verhandelbaren Kosten, die für echte Barrierefreiheit anfallen. Eine Frage ist, geht das wirklich nur mithilfe von Geldern? Ich kann leider nicht gebärdendolmetschen. Auto/Transporter fahren schon. Anderen Frauen geht es vielleicht umgekehrt. Mein Punkt ist: Wenn es wirklich wichtig ist finden sich Wege. Aus meiner Erfahrung heraus (ich bin Mitte 30) gab es in den letzten 30 Jahren wenige direkte Konsequenzen für das eigene Verhalten. So etwas wie “beim Bauern um die Ecke oder im Supermarkt kaufen – erlebt egal, es überleben sowieso beide”. Oder “mein Geld für große Festivals ausgeben und für einen Bruchteil davon eine LFT Eintrittskarte bezahlen – egal, es findet beides so oder so statt”. (Ich hasse Festivals, ist nur ein Beispiel.)
    Es ist eine unausgegorene Idee….so eine Ahnung, dass alle eigenen Entscheidungen bedeutsam sind, und eine große Kraft darin steckt, wenn viele Frauen sich dafür entscheiden, dieselben Werte zu leben.

  9. “Keine Öffnung ist je genug.”
    Das trifft es im Kern, und genau darum geht es. Oder wie @Maxima schreibt “Definitionsmacht über Frauen zu gewinnen und Männer zurück in ihre Herrschaftsposition zu bringen”.

    Es geht bei solcher Art Identitätspolitik immer darum, letztlich JEDWEDE Identität (geschlechtlich, kulturell) aufzulösen. Dieses Manöver der Identitätsauslöschung läuft aktuell parallel auch in anderen gesellschaftlichen Feldern.

    Da ich auf solchen Treffen v.a. mir selber etwas Gutes tun will, bin ich dafür, dass Gruppen, die das LFT für Transzentrierung kolonialisieren und unterwerfen wollen, fernbleiben und ihre eigenen Treffen machen. Ich bin nicht bereit, meine limitierte Zeit und Lebensenergie mit sowas zu vergeuden.

    Warum schmeissen wir sie nicht einfach raus? Sie haben sich mit ihren Hasstiraden gegen Lesben für einen Diskurs disqualifiziert – also weg damit. Wann lernen Frauen endlich, sich selber an erste Stelle zu setzen?

  10. Ich beschäftige mich erst seit kurzem mit diesem Thema. Anlass waren Diskussionen, in denen ich den Eindruck hatte, es werden Menschen unsachlich abgewatscht, als Terf und transfeindlich verunglimpft, ohne das dafür sachliche Argumente vorgebracht wurden. Je tiefer ich in diese Diskurse eingestiegen bin, desto stärker war ich irritiert und stellenweise auch geschockt. Der Umgang mit diesem Festival ist furchtbar, ich werde mich bemühen euch zumindest etwas zu unterstützen und darüber hinaus im Bekanntenkreis dafür zu sensibilisieren.

  11. Der Artikel nebst Kommentaren sprechen mir aus der Seele! Ich habe vor Jahren mit dem “Rausschmiss” begonnen: an meinen Seminaren nimmt keine Transfrau mehr teil; ich erkenne das Verhalten ad hoc. Die männliche Sozialisation verschwindet nicht per körperlicher Umwandlung. Warum auch; zuviel Vorteil bietet doch diese noch bzgl. Verhalten in der Gesellschaft, respect. in Frauen-/ Lesbengruppen. So kam es in der Vergangenheit immer wieder vor, dass Transfrauen die CisFrauen- / Lesben-Gruppen verbal zu dominieren versuchten. Und ich bin es leid, meine Energie in die daraus entstehenden Konflikte zu stecken; wir haben wahrlich genug eigene. Transfrauen sollten ihre eigenen Gruppen gründen, machen wir ja auch. Noch ein kleiner Exkurs: ich besuche selber auch keine kulturellen Veranstaltungen mehr, die den gesellschaftlich hofierten Transfrauen meine Kohle in die Taschen spülen. Gerade im Bereich Comedy / Kabarett stehen Transfrauen auf der Bühne, während Cis-Kabarettistinnen oft keinen Raum mehr für ihre Programme erhalten. Oder so: eine CisFrau geht in ihrem Programm in die Rolle einer Transfrau… (wurde ja bereits im Genre “Film” thematisiert) und klingt für mich abstrus.
    Ich lasse mich weder für Probleme vereinnahmen, die nicht meine sind, noch bin ich bereit, sie zu meinen zu machen (zu MÜSSEN!). Solidarische Grüße, meine Spende wird überwiesen… Sol

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.