Lieb und teuer oder: Männer sind die wahren Opfer der Prostitution

In der vergangenen Woche gab es bereits einige Interviews mit der Autorin Ilan Stephani über ihr Buch “Lieb und teuer: Was ich im Puff über das Leben gelernt habe”. Die Autorin hat zwei Jahre lang in einem Bordell gearbeitet und schreibt aus dem Abstand mehrerer Jahre heraus über ihre Erlebnisse. Das Buch wurde in Zusammenarbeit mit der Autorin Theresa Bäuerlein verfasst, die bereits andere Bücher rund um das Thema Sex geschrieben hat. Genau das merkt man dem Buch dann auch an: Es liest sich wie eine professionell verfasste Euphemisierung der aktuellen Prostitutionsdebatte, die aber vor allem durch ein Werkzeug funktioniert: Mitleid mit den Männern. Die leiden nämlich am meisten unter der Prostitution. Mehr als alle Frauen, die sie ausüben.

Ilan Stephani war Studentin, als sie aus Neugierde in Berlin eine Veranstaltung von Hydra e.V. besuchte, bei der Nichtprostituierte mit Prostituierten frühstücken. Sie zeigt sich verwundert, weil die versammelten Prostituierten darüber diskutieren, wie sie ihre Kinder in die Waldorfschule geben. Ganz normale, deutsche Mittelschichtfrauen, hm? Wenn man nicht gleich so dick aufgetragen hätte, mit der Waldorfschule anzufangen, hätte diese Szene vielleicht Glaubwürdigkeit besessen, aber sie sorgte bei mir direkt für das erste Stirnrunzeln, das sich dann über das Buch hinweg noch vertieft.

Vorneweg: Ich möchte Stephani ihre Erfahrungen nicht absprechen. Und ich stimme in zwei entscheidenden Punkten mit ihr überein: Um Prostituierte zu werden, muss keine von uns sexuelle Gewalt erleben oder drogenabhängig oder Migrantin sein. Die ganz normale Sozialisierung als Frau ist die perfekte Vorbereitung auf das Leben als Prostituierte, den Dienst am Mann. Der zweite Punkt ist die Erkenntnis, dass Prostitution nicht nur uns Frauen schadet, sondern eben auch den Männern, die Sex als Dienstleistung und Frauen als Ware betrachten und damit eine kapitalisierte, entmenschlichte Form der Sexualität leben, die sie am Ende auch unzufrieden macht.

Damit hört es aber dann auch schon auf. So erklärt Stephani auf Seite 46, dass Prostituierte anders als “alkoholisierte” oder “von ihrer Eroberung berauschte” Diskogängerinnen nüchtern und routiniert mit Männer sind und diese deshalb im Griff haben. Victim Blaiming, ick hör’ dir trapsen. Dass ihre Einschätzung nicht stimmt, wird einige Seiten später deutlich, auf denen sie von der Vergewaltigung durch einen Freier berichtet, den sie am Ende nicht anzeigt, weil sie nicht eindeutig genug nein gesagt hat. Trotzdem bleibt sie dabei: Der Puff ist das Paradies, eine Oase des Entspannens, wo Frauen jenseits des gängigen Schönheitsdrucks einfach genießen, dass Männer mit ihnen Sex haben möchten.

Ilan Stephani will dabei weder etwas von substanzabhängigen Frauen gesehen haben noch von hasserfüllten Freiern, im Gegenteil: Bei ihr wird der Puff zum Abenteuerspielplatz a la Bullerbü, den einige Frauen nur deshalb aufsuchen, weil sie unablässig kommen oder sich selbst verwirklichen und Sex gibt es dort eher selten, eher werden Gedichte rezensiert oder Massagen verteilt. Klar, dass dann Huschke Mau als Prostitutionsüberlebende gleich mehrfach erwähnt werden muss, um Maus Erfahrungen als Prostituierte, immerhin 10 Jahre, in Frage zu stellen. Zuhälter gibt es bei Ilan Stephani übrigens auch nicht. Sie verrät in dem Buch allerdings auch nicht, wo sich dieses paradiesische Bordell irgendwo in Berlin befindet, weil man eigentlich sofort Lust hat, dort auch hinzugehen und sich als Prostituierte selbst zu verwirklichen. Für mich war beim Lesen schwer, das Authentische in diesem Buch von dem Ideologischen der “Happy Sexwork” zu unterscheiden, zu gewollt, zu überzeichnet waren die Argumente und zu sehr zielten sie direkt auf den Stand der aktuellen Diskussion ab, wie sie von Pro-Sexwork-Vereinen von Hydra bis zum BesD geführt werden. Deshalb ist der Text auch mehr ein Debattenbeitrag zu “Prostitution ist scheiße, aber Männer sind toll”, als ein wirklicher Erfahrungsbericht.

Dementsprechend kommt Stephani dann nach den ersten Ausschnitten ihrer Tätigkeit im Puff zum eigentlichen Fokus ihres Buches. “Lieb und teuer” sind ihr nämlich vor allem die Freier, diese schüchternen, anständigen, verletzlichen Seelchen, die unter ihren frustrierten Ehefrauen und überhaupt der bösen Gesellschaft leiden, die ihnen ständig Sexismus und potenzielle Vergewaltigung unterstellt. Freierportale, so erklärt sie uns, bilden deshalb auch nicht ab, was die Freier wirklich über die Frauen denken und wenn wir aus ihnen zitieren, leben wir vor allem unseren Männerhass aus:

“Uns ist die Feindseligkeit gegenüber Männern und ihrer Sexualität so tief eingebrannt, dass wir schon gar nicht mehr bemerken, wann sie auftritt. Der Freier, diese Konstruktion des “anderen Mannes” verrät uns, was wir über alle Männer denken: Dass sie böse sind. Nun fühlen sich bei Weitem nicht alle Freier bemüßigt, ihre sexuellen Erlebnisse im Internet zu posten. Dennoch schließen wir von jenem Ausschnitt, der sich in einem Forum über Hüren äußert, auf alle Freier. Und stillschweigend auf alle Männer.”

Wer jetzt einen Moment braucht, um sein Gehirn zu entknoten, dem sei das zugestanden. Wir lernen also: Freier, die sich im Internet äußern, sich nicht repräsentativ. Wir halten sie nur dafür, weil unsere Gesellschaft so männerfeindlich ist. Dass selbst die “positiven” Kommentare der Freier, in denen sie Frauen die Produkte bewerten, frauenfeindlich bis in das Mark sind und Frauen objektivizieren oder gleich auf ihre Körperöffnungen reduzieren, darüber redet Stephani nicht.

Stattdessen schreibt sie:

“Warum zitieren wir aus Freierforen? Weil wir uns gerne gruseln.”

Schauen wir uns an, wie der Duden “gruseln” definiert:

  1. Grausen, Furcht empfinden; ängstlich schaudern; unheimlich zumute sein; erschauern
  2. sich vor etwas Unheimlichem, Makabrem o. Ä. fürchten; Grausen, Furcht empfinden

Wenn ich mich grusele, schaue ich mir “Es” an. Ein mordender Horrorclown mit übernatürlichem Ursprung. Etwas, dass es nicht gibt. Frauenhassende, mordende, vergewaltigende Freier GIBT es aber, sie sind keine Erfindung. Vor denen müssen wir uns nicht fürchten wie in einer Geisterbahn, sie existieren real.

Ilan Stephani hat aber nunmal die Sexualität der Männer für sich als Thema entdeckt, was sicherlich auch mit ihrem angestrebten Expertenstatus rund um Sex zu tun hat. Ihr sei dieser Weg in die Selbstverwirklichung herzlich gegönnt. Um diesen aber mit ihren eigenen Erfahrungen im Bereich Prostitution in Einklang zu bringen, und aus denen nicht die Schlussfolgerung zu ziehen, dass Prostitution eben in erster Linie den Frauen schadet, muss sie ziemlich viele Kompromisse eingehen.

Die klingen dann so:

“Männer haben einen Penis. Und genau das verkraften sie nicht. Irgendwann als Jungs, die heranwachsen, entdecken sie, dass sie dem Anspruch der Gesellschaft schon rein biologisch nicht genügen können. Sie sind entsetzt und hassen sich selbst. Und für den Rest ihres Lebens fehlen ihnen die Worte, der Mut und die Unterstützung, um ihr Problem zu lösen. Später, als erwachsene Männer, werden sie nutzen, was sie Gesellschaft ihnen anbietet, um ihre Schwächen zu kaschieren: Sie werden uns sagen, wie brutal sie sind. Der böse Mann aus dem Freierforum ist nicht glücklich und er hat, auch nach hundert guten Ficks, noch keinen Grund zum Feiern. Er hat einfach Angst davor, als Penis aufzufliegen.”

Nochmal Hirn entknoten? Bitte sehr. Ich lasse das einfach mal so stehen, zumal Stephani auch Argumentationen, die wir bereits aus “The Red Pill” kennen, wiederholt: Männer leiden mehr unter Gewalt, begehen häufiger Selbstmord und so weiter. Unsere Gesellschaft ist also in Wahrheit gar nicht frauenfeindlich, sondern männerfeindlich.

Was ich aber nicht so stehen lassen kann, ist die Idee, die Gesellschaft sei etwas, das außerhalb von uns steht, also, etwas, dem die Männer ausgeliefert sind. Gesellschaft wird durch uns gemacht, wir alle sind sie. Männer “nehmen” also nicht einfach, was die Gesellschaft ihnen anbietet, sie gestalten es aktiv und fordern es ein. Ein Mann, der in den Puff geht, entscheidet sich dazu. Ein Mann, der vergewaltigt, entscheidet sich dazu. Ein Mann, der Vergewaltigungswitze lustig findet, entscheidet sich dazu. Alle soziologischen Studien oder auch nur ein Blick auf die Verteilung unseres neuen Bundestags, zeigen uns, dass unsere Gesellschaft noch immer mehr von Männern als von Frauen geprägt wird. Wenn Männer also so darunter leiden, dass sie einen Penis haben, nun ja, dann wäre es doch ein Leichtes, mal darüber zu reden, wie man diesen Penis denn sinnvoll und sozial verträglich benutzt, oder?

Was es heißt, als “Penis aufzufliegen”, weiß ich übrigens nicht.

Was ich aber nach der Lektüre weiß, sind zwei Dinge: Das Erste ist überaus positiv: Die Debatte darüber, dass Prostitution schädlich ist, ist gewonnen. Das können selbst die begeistertsten Sexarbeitsapologetinnen nicht mehr unwidersprochen bestreiten. Die Erkenntnis, dass auch Männer als Täter unter einer warenförmigen, sexistischen und rassistischen Sexualität leiden und meinetwegen sogar in sie hineinsozialisiert werden, ist aus Gründen der Anschlussfähigkeit auch noch hinzunehmen. Es ist zwar seltsam, darüber ein ganzes Buch zu schreiben, in dem auf der anderen Seite kein Wort über die jüngsten Morde und Gewalttaten an Prostituierten fällt, aber auch das hat seinen Grund und hängt mit der zweiten Erkenntnis aus Stephanis Buch zusammen:
Die Gesellschaft ist dabei, sich einzugestehen, dass Prostitution scheiße ist. An diese Erkenntnis anknüpfen würde sich logischerweise die Schlussfolgerung, dass Staat und Gesellschaft über Jahre hinweg eine zutiefst misogyne Institution gefördert haben und eine riesige Schuldfrage stünde im Raum, über die am Ende auch noch verhandelt werden müsste, wie es denn nun eigentlich aussieht mit der Gleichberechtigung. Genau das muss in jedem Fall verhindert werden. Prostitution ist nicht scheiße, weil sie Frauen tötet, ihre Seelen zerstört, sie ausbeutet und Gewalt bedeutet. Prostitution ist scheiße, weil die Männer darunter leiden. Und deshalb müssen wir sie verändern. Der Ball fliegt zurück zu uns Frauen. Wir müssen endlich den Männern den Sex bieten, den sie sich wünschen, den sie verdienen. Wir müssen diese Männer und ihre verstörte Penis-Sexualität heilen, mit unserer Liebe und unserer Empathie. Vergesst einfach die Wunden, die die armen, zornigen Männer schlagen. Erinnert euch einfach daran, dass sie einen Penis haben und welch schweres Schicksal das ist.

9 Kommentare

  1. Fakt ist, dass die entfremdete Sexualität im Patriarchat natürlich auch dem Mann schadet. Die Frage ist nur, ob er es weiss und ob er daran etwas ändern will. Wie bei jeder andern Droge, (oder Sucht) ist der schnelle Kick halt immer noch am einfachsten. Wie bei jeder andern Droge oder Sucht wird immer mehr davon gebraucht. (Immer abartiger auch….., vgl. Porno)
    Die Opfer Nr. Eins dieser Entwicklung sind natürlich die Frauen. Es wäre ja äusserst wünschenswert, wenn Männer so einsichtig wären und etwas an ihrem Sexualverhalten ändern wollten, weil es ihnen eben langfristig vermutlich auch schadet. Und wenn es nur die Verrohung und der verlorene Respekt gegenüber sich selbst und Frauen wäre.

  2. Also ehrlich, ich kann bei dieser Lektüre nur den Kopf schütteln und die Autorin(des Buches wohlgemerkt) nicht ernst nehmen. Mir scheint eher das es heutzutage nur ein bisschen geschliffene Sprache braucht um ein Buch zu schreiben und sich als Expertin darzustellen.
    Ich finde die vorgelegten Zitate so dermaßen lächerlich und verkrampft dass ich aus meiner Lebenserfahrung weiß dass wir uns nur zurücklehnen und abwarten müssen wie das Leben dieser jungen Frau in ein paar Jahren aussehen wird. Ob wir dann ein neues Buch zu lesen bekommen und dann nochmal diskutieren können über die Lage der Frauen. Diesmal dann ernsthaft, mit Tiefgang und genug Erfahrung um zu wissen das Prostitution uns ALLE angeht? Weil es uns ALLE schädigt, egal ob wir Puffgänger/innen sind oder nicht ?

  3. danke für die ausführliche durchleuchtung, da ist mir auch einiges eingeleuchtet 😉

  4. Männlich links

    Wobei man sich bei solchen “autobiographischen” Pamphleten – ähnlich wie auch ein neulich kritisierter Beitrag eines männlichen Prostituierten bei Bravo-Girl für Frauen mit Abitur, ähm, Missy Magazine – fragen muss, inwieweit es da auch nur einen Funken Wahrheit gibt. Das alles scheint mir Prosa von Menschen mit sexuellen Wahnvorstellungen zu sein. Und es ist reichlich geschmacklos, seine oder ihre eigenen prüden Phantasien auf Menschen zu projizieren, für die das alles kein “lifestyle” ist.

  5. Manfred Bohn

    Die wohl-situierte Mittelschicht will ihre gekauften Rollenspiele frei und unbeschwert geniessen.
    Aus diesem Grund muß Prostitution unbedingt ganz neutral als “Sex-Arbeit” bzw. “Dienstleistung” eingestuft werden. Der zahlungskräftige Freier möchte schließlich die Gewißheit haben, von einer gesunden, möglichst gebildeten und scheinbar zufriedenen Frau kompetent betreut und umfassend befriedigt zu werden.

    Frauen könnten durch solche “Werke” verleitet werden, Formen der Prostitution als eine bequeme Möglichkeit des Gelderwerbs zu wählen und die Risiken zu unterschätzen.

    http://www.trauma-and-prostitution.eu/category/wissenschaftliche-texte/psychische-und-koerperliche-auswirkungen/

  6. Gabypsilon

    “Flüchtlinge zur Prostitution gezwungen”. In einer Reportage bei “Fakt 21” am 25.10. behauptete die zuständige Senatorin Elke Breitenbach, DIE LINKE, Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, am Ende des Beitrages, dass ihr keine konkreten Hinweise bekannt gewesen seien und man ihr das glauben könne. Kurze Schnappatmung. Das Symbol der “Drei Affen” kam mir in den Sinn oder hat Frau Breitenbach einfach nur schamlos gelogen?
    https://www.zdf.de/politik/frontal-21/fluechtlinge-zur-prostitution-gezwungen-100.html

  7. Manfred Bohn

    Schlimmer geht immer !

    Frauen (Mütter) haben häufig kein Interesse an Pornographie und wissen deshalb nicht, was sich – eventuell vor den Augen ihrer Kinder – im Internet abspielt.

    Ein (unvollständiger) Überblick über (z.T. aktuelle) Entwicklungen – nicht aus den Untiefen des DarkNet, sondern auf Porno-Werbeseiten, die, ohne Anmeldung, Alterskontrolle, Gebühren oder sonstige technische Schranken, jederzeit (auch für Kinder und Jugendliche) durch wenige Maus-Clicks erreichbar sind:

    1. Extrem-Sex
    Der Geschlechtsverkehr wird in besonders brutalen und rohen Formen gezeigt, akustisch unterstrichen durch schmerzvolles Stöhnen und Schreien; die Körper der Sexualpartner werden dabei wie Puppen benutzt – geworfen, gedreht, durch die Kulissen gezerrt …. Schnelle Schnitte und Nahaufnahmen unterstreichen zusätzlich die Botschaft der (animalischen?) Härte. Dazu kommt gelegentlich die ausgiebige Darstellung von schmerzhaften Praktiken wie Fisting.
    Auf diese Weise interpretierte Sexualität besteht kaum noch aus Interaktion. Der (meist weibliche) Körper wird häufig zu einem “Masturbations-Puffer” für einen oder mehrere “hämmernde” Penisse.

    2. Funktionalisierung
    Sexualität wird als angemessenes Mittel zur Verwirklichung persönlicher Ziele propagiert: Schüler verführen Lehrer für bessere Beurteilungen; Angestellte akzeptieren Übergriffe des Vorgesetzten für eine Beförderung; Gefügigkeit wird als Bedingung akzeptiert, um einen bestimmten Job zu erhalten ….
    Der Einsatz (jugendlicher) sexueller Attraktivität und die Willfährigkeit gegenüber den Wünschen von “Mächtigen” werden als legitime “Waffen” im (klein-) bürgerlichen Konkurrenzkampf offeriert.

    3. Geschlechtsverkehr als Nebenhandlung
    Während Frauen mit allltäglichen Handlungen beschäftigt sind (ein Buch lesen, im Internet surfen, Sport treiben, Körperpflege) treten Männer dazu, die ohne weitere Nachfrage mit ihnen den Geschlechtsverkehr ausführen. Die Frauen lassen diese Übergriffe in solchen Porno-Clips meist weitgehend teilnahmslos über sich ergehen. Sie können sie mitunter zwar als “ein wenig lästig” spielen, aber nicht darüber hinaus als beklagenswert; und sie lassen sich in ihrer Tätigkeit nicht stören.
    Frauen akzeptieren in dieser Porno-Variante, daß Sex für sie eine relativ belanglose, unbeachtliche Nebensache zu sein hat, mit der jederzeit zu rechnen ist (maximale Verfügbarkeit).

    4. Tabulosigkeit und Inzest
    Interfamiliale sexuelle Übergriffe von Erwachsenen auf Jugendliche werden vielfältig thematisiert, wobei die Teenager entweder als hilflose Opfer oder als raffinierte Verführer der Erwachsenen inszeniert sind.
    Der Mißbrauch durch enge Bezugspersonen wird entweder verharmlost oder als ein hinzunehmendes Schicksal (“Normalität”) adressiert, mit dem Heranwachsende “klarkommen“ müssen.

    5. Sado-Masochistische Praktiken
    Sexuelle Handlungen werden mit den szene-üblichen Praktiken des Quälens, des Folterns und mit verschiedenen Formen der Erniedrigung kombiniert. Solche Pornos bieten Jedem Einblicke in die Vorlieben, die in dieser “Parallelwelt” gepflegt werden. Selbst auf viele Erwachsene wirken solche Bilder verstörend.

    6. Vergewaltigung
    Vergewaltigungs-Szenen werden an allen denkbaren Orten gefilmt: Klassenzimmer, Büros, Kliniken, Parks, öffentliche Verkehrsmittel … Soweit an öffentlichen Orten Publikum anwesend ist, wird es als desinteressiert am Geschehen dargestellt, oder es beteiligt sich sogar aktiv an den Übergriffen. Die Opfer zeigen meist nur eine schwache Abwehr und bleiben eher passiv (leidend). Insbesondere auch Amtsträger (z.B. Polizisten, Lehrer, Ärzte) werden als Täter dargestellt.
    Diese Pornos konstruieren das Bild einer “Rape-Culture”, in der Verstöße gegen die sexuelle Selbstbestimmung medial als “gesellschaftlich akzeptiert” aufbereitet werden.

    7. Vergewaltigung als Strafe
    Teenager werden für relativ belanglose “Vergehen” (heimlich geraucht, Hausaufgaben nicht gemacht, Geld oder Waren gestohlen) durch Vergewaltigung “bestraft”. Häufig wird dafür zunächst das „Einverständnis“ der Opfer eingeholt. Die stimmen dieser Erpressung zu, um der sonst angeblich drohenden harten Bestrafung zu entgehen.
    Vergewaltigungs-Akte werden in solchen Filmen als vergleichsweise harmlose, milde “Sanktionen” eingeordnet und sexuelle Gewalt wird dadurch in hohem Maß enttabuisiert.

    8. Hypnose und K.O.-Tropfen
    Personen werden durch die (heimliche) Zuführung von Drogen einwilligungsunfähig gemacht und während der Bewußtlosigkeit mißbraucht. Diese Pornos führen das unter 1.) genannte Thema weiter: (Männliche) Sexualität (Phantasie) benötigt keinen Partner, sondern ein Fick-Objekt.

    9. “SNUF”
    Während des (freiwilligen oder erzwungenen) Geschlechtsverkehrs werden Partner erwürgt oder erstickt; diese “Leichen” werden geschändet. (Wo hört das auf ??? Recherche wird abgebrochen !!!)

  8. Manfred Bohn : Ich könnte so etwas gar nie schauen, da mir schon beim Lesen schwer übel wird. Das ist ja pervers. Als junge Frau im “Verpaarungsalter” müsste ich ja immer nach Indizien suchen ob mein Partner nicht doch Porno schaut oder zu Prostituierte geht, wo er dann “die Sau raus lassen” kann. Wie übel ist das denn? Der reine Beziehungskiller zum vornherein. Bin ich froh, aus dem Alter raus zu sein. Nicht, dass früher alle sexuellen Beziehungen der reine Spass gewesen wären, aber es war doch noch möglich Beziehungen zu haben, die nicht von Schmuddel und Perversitäten der übelsten Art durchzogen oder überschattet waren. Heute würde ich Keinem mehr trauen. Keinem!

  9. Manfred Bohn

    Hallo Yvonne!

    Ich bedauere die Ekelhaftigkeit des Textes – sie ist leider unvermeidlich.

    Ich vermute, daß viele Eltern nicht wissen, womit Heranwachsende heute konfrontiert sind, sobald die aufkommende sexuelle Neugier sich auf das Geschehen im Internet richtet.

    Die üblichen Internet-Filtersperren für Notebook oder Smartphone sind nicht besonders effektiv, weil das “Material” auch auf dem Schulhof oder in Teenager-Cliquen verbreitet wird.

    Verbote bringen vermutlich wenig, insbesondere wenn Jugendliche den Eindruck gewinnen, ihre Eltern seien nicht kompetent und informiert genug, um angemessen “mitreden” zu können. Erzieher müssen sich deshalb zunächst einmal selbst “aufklären”.
    Schülerinnen und Schüler ziehen ihre eigenen Schlußfolgerungen, falls die Eltern nicht in der Lage sind, sachlich über diesbezügliche Eindrücke und Erfahrungen mit ihnen zu reden.

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