Make love, not slavery!

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„Make love, not slavery“ ist ein Projekt von Solwodi Augsburg, das auf Facebook mit einer eigenen Informationsseite vertreten ist. Geführt wird dieses Projekt von Mitarbeiterinnen Solwodi Augsburgs sowie ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen. „Make love, not slavery“ entstand nach jahrelangen Erfahrungen mit erschreckenden Schicksalen Betroffener und dem Wunsch zu helfen.

Mombasa 1985: Als promovierte Pädagogin soll Sr. Dr. Lea Ackermann Lehrerinnen ausbilden. In der Stadt angekommen, fallen ihr im Straßenbild die vielen Barmädchen und Frauen auf dem Straßenstrich auf. Sie sucht das Gespräch mit ihnen.

Die Empörung über das, was sie hört, gibt ihrem Leben eine neue Richtung. Offiziell ist Prostitution in Kenia verboten, dennoch wirbt das Land um Sexkäufer. Vor allem um Männer, die sich sexuellen Zugang zu exotischen Frauen kaufen wollen. Bei Kontrollen sind die Frauen der Polizeiwillkür ausgesetzt. Sie werden oft tagelang eingesperrt, müssen sich frei kaufen, werden beleidigt, vergewaltigt…. Alternativlos müssen sie auch danach wieder ihren Körper verkaufen, um ihre Familien ernähren zu können.

Viele Kunden dieser Frauen sind Sex-Touristen aus Deutschland, die als Devisenbringer im Land geschützt werden und die sich nach ihrer Rückkehr nach Deutschland mit ihren Erlebnissen brüsten oder sich als Wohltäter fühlen.

Sr. Lea ist entschlossen, den Frauen zu alternativen Verdienstmöglichkeiten zu verhelfen. Sie überzeugt den Bischof, ihr eine alte Lagerhalle zu überlassen. Die neugegründete Organisation gibt sich den Namen SOLIDARITY WITH WOMEN IN DISTRESS, kurz SOLWODI. Durch Spendenaufrufe bekommt sie die nötigen Mittel, um die Halle zu renovieren, Brotbacköfen und Nähmaschinen anzuschaffen. Die Frauen produzieren und verkaufen Brot, Textilien und Schmuck. Existenzgründungen werden gefördert z.B. im Bereich von Kleingeschäften, Imbissständen, Friseurläden und Telefonhäuschen.

1988 gründet Sr. Lea SOLWODI Deutschland e.V. Ihr Interesse gilt zunächst den Vorstellungen deutscher Sextouristen und Männer, die sich in einem wachsenden internationalen Heiratsmarkt Frauen per Katalog aussuchen und nach Deutschland holen. SOLWODI erwirkt, dass das Thema in der Öffentlichkeit bekannt wird und dass Reiseunternehmen entsprechende Pauschalangebote aus ihren Katalogen streichen. Gleichzeitig setzt sich SOLWODI für ein Aufenthaltsrecht von Frauen ein, die aus entsprechenden Kontakten Kinder von Deutschen haben oder bereit sind, vor Gericht als Zeuginnen auszusagen.

SOLWODI war die erste Organisation, die in Deutschland das Verbrechen des internationalen Frauenhandels öffentlich machte. In der gegenwärtigen Diskussion um die Neuregelung des Prostitutionsgesetzes setzt sie sich für eine Ächtung der Prostitution ein. Weil weit über 90 % der ganz in der Prostitution arbeitenden Frauen Armutsmigrantinnen sind, sind Prostitution und Zwangsprostitution in der Praxis nicht zu trennen. Ökonomische Not, Gewalterfahrungen, Traumata und Alternativlosigkeit sind Bestandteile des Weges in die Prostitution. SOLWODI kümmert sich auch um Frauen, die von Zwangsverheiratung und Ehrverfolgung bedroht sind oder die in Gewaltsituationen leben und durch die normalen Raster des Sozialsystems fallen.

Heute hat SOLWODI Deutschland e. V. 16 Beratungsstellen mit 56 Mitarbeiterinnen in 5 Bundesländern, mit insgesamt 32 Schutzplätzen in 6 Schutzwohnungen. Dazu kommen Projekte in Kenia und Rwanda.

Für ihr Lebenswerk wird Sr. Lea am 22. November 2014 mit dem Augsburger Friedenspreis ausgezeichnet. Frühere Preisträger sind u.a. Michail Gorbatschow, Richard von Weizäcker oder Chiara Lubich.

Seit 2002 bietet Solwodi auch in Augsburg Beratung an. Die Fachberatungsstelle arbeitet eng mit der Polizei, dem kriminalpräventiven Rat der Stadt, Frauenhäusern und anderen Organisationen zusammen und hilft zahllosen Frauen in Not. Augsburg hat nach Umfragen bei Polizei und Kommunen deutschlandweit die höchste Quote von Prostituierten. Dies beruht darauf, dass die Augsburger Polizei präzise Angaben machen kann, statt sich lediglich auf Schätzungen zu berufen wie in den meisten anderen Städten. Trotz zahlreicher Medienberichte über Gewalt im Rotlichtmilieu, dem Vorwurf der Verstrickung mit organisiertem Menschenhandel wird gerne an der „Pretty-Woman“-Vorstellung der Prostitution festhalten. Dass auch die Augsburger Bordelle voller Migrantinnen ohne Alternativen sind, wird gerne ignoriert zugunsten eines egoistischen Umgangs mit käuflichem Sex und dienegativen Seiten der Prostitution werden ausgeblendet.

„Makelove, not slavery“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, umfassend über Prostitution und Menschenhandel zu informieren und auch Menschen, die sich bisher nicht mit diesem Thema auseinandergesetzt haben zum Nachdenken zu bringen. Es soll eine Diskussion angeregt und bewirkt werden, dass Menschen darüber diskutieren, in welcher Gesellschaft sie leben möchten.

 

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