Mein Freund, meine Vagina und ich

Wir wollen den feministischen Diskurs beleben und unterschiedliche Ansätze zur Diskussion stellen. Deshalb erscheinen bei uns regelmäßig Gastbeiträge, die nicht zwangsläufig die Haltung der oder aller Störenfriedas wiedergeben, aber wichtige Impulse für die feministische Debatte geben können.

Heterosexuell und Feministin zu sein, ist ein ewiger Balanceakt, der mindestens einen eigenen Artikel wert ist. Aber heute geht es mir um etwas anderes. Es geht um das ohrenbetäubende Nichtwissen über unsere eigenen Körper, das wir mit verzweifelten Dogmen und Halbwissen aus der Pornoindustrie auffüllen. Ja, genau aus der. Dieses Nichtwissen und die Verachtung für unseren eigenen Körper haben wir so sehr internalisiert, dass weder die Gynäkologie noch wir selbst davon frei sind.

Ich finde Pornos scheiße. Nicht aus Prüderie, nicht aus Verklemmtheit, sondern weil ich nur sehr selten übersehen kann, dass den Frauen nicht gefällt, was da gerade passiert und es gibt keinen schnelleren Weg, als meine Vagina trocken zu legen. Die Hipsterisierung von Sexspielzeug gehört für mich irgendwie dazu, weil ich bereits die lustige Werbung dafür zum Kotzen finde. Mein Freund ist Amerikaner. Die sind ja bekannt für ihre Prüderie und für ihre Pornovorlieben und auch wenn er natürlich ganz anders ist, ist er davon nicht frei.

Ich habe mehrere Kinder bekommen. Ich bin fast 40. Das verändert einen Körper und da kann ich so viel in das Fitness-Studio rennen, wie ich will. “Ihre Gebärmutter hat sich abgesenkt”, sagte meine Gynäkologin bei meinem letzten Besuch. Mir war das peinlich, aber ja, mir war auch schon aufgefallen, dass ich, wenn ich niese, Schwierigkeiten habe. Ihr Ratschlag: “Sie sollten über eine OP nachdenken. Ganz kleiner Eingriff.” Ich will mich aber nicht operieren lassen. Also nahm ich es achselzuckend als Erscheinung meines Alters hin. Mein Uterus hat seine Arbeit getan, oder? Wen interessiert da noch, ob es mir mit ihm gut geht? Immerhin stehe ich kurz vor den Wechseljahren, kurz vor der Unsichtbarkeit als Frau.

Sexualität ist ein seltsames Feld. Anders als die meisten Feministinnen bin ich mir nicht immer sicher, ob das Private auch immer politisch ist, aber es gibt durchaus rote Linien. Das Gespräch mit meinem Freund begann mit einem Witz über einen Buttplug. Daraufhin reagierte ich reflexhaft mit einem Vortrag über die Niederungen der Sexindustrie. “Ja, du hast Recht”, sagte er. “Außerdem sollte man ohnehin aufpassen, welche Größe Sexspielzeug hat. Frauen leiern aus.” Das war eine Provokation und ich sprang drauf an. Eine rote Linie war eindeutig überschritten. “Frauen leiern nicht aus”, belehrte ich ihn. “Eine solche Behauptung ist misogyn bis zum geht nicht mehr und du enttäuschst mich gerade sehr.” Und, weil ich das einfach gut kann, schob ich hinterher: “Stell dir mal vor, wir Frauen würden ständig von riesigen Penissen schwärmen (warum das in unserer patriarchalen Gesellschaft durchaus ein feministischer Akt ist, ist hier nachzulesen). Wie würdest du dich dann fühlen? Es ist respektlos, sein Gegenüber auf seine Genitalien zu reduzieren und so etwas ist typisch für eine männliche Konsumhaltung, die von der Pornoindustrie auch noch angefeuert wird. Körper sind nun mal unterschiedlich, Vaginas sind heilig und du solltest dankbar sein für jede, die du berühren durftest.” Er lachte kurz. “Aber kleine Penisse kann man nur mit einer OP verändern. Frauen können trainieren. Mit Vaginalkegeln.”
“Mit was?” Was zur Hölle sind Vaginalkegel? Irgendein lächerliches Sexspielzeug wie die Liebeskugeln in Fifty Shades of Grey? Meine Stacheln waren gestellt. Endlich also würde mir mein Freund zeigen, was für ein mieser Sexist er in Wirklichkeit war. Er hatte sich nur verstellt, all die Zeit. Er erklärte es mir. Ich wurde furchtbar wütend. “Du findest also, Frauen sollten ihre Vaginas trainieren, nur damit es sich für dich besser anfühlt? Wie wäre es damit: wir verzichten einfach auf jede Art von penetrativem Sex, dann haben wir das Problem nicht.” Nachzuvollziehen, dass dieses Gespräch nirgendwohin führte.

Stunden später konnte ich nicht einschlafen. Ich wollte eine Bestätigung dafür, dass diese Nummer mit dem Vaginaltraining ein zutiefst sexistischer Akt ist, ein neuer Weg, um dafür zu sorgen, dass wir uns in unseren Körpern unwohl fühlen, sie verbessern, aufwerten, fickbarer machen und ich war unfassbar verletzt, weil ich das Gefühl hatte, meinen Freund überhaupt nicht zu kennen. Wie hatte er all die Zeit vor mir verbergen können, was für ein misogynes Arschloch er war?

Was ich dann las, brachte ein paar Risse in meine Welt. Die nichtinvasive, inzwischen als medizinische Behandlung anerkannte Vorgehensweise bei einem sich absenkenden Uterus sind Vaginalkonen, kleine Gewichte, die man sich einführt und dann damit die Muskulatur trainiert, die den Uterus stützt, auch Vaginalkegel genannt. Eine Operation, gerade in meinem Alter, ist nicht notwendig. Warum hat mir das meine Frauenärztin nicht gesagt? Warum weiß ich das nicht über meinen eigenen Körper? Warum muss mich mein Freund darüber aufklären und damit meiner berechtigten Kritik an seinen Vorstellungen einer engen Vagina jede Grundlage entziehen?

Wissen ist Macht und die Vorenthaltung von Wissen ist Machtausübung. Frauen im Unklaren darüber zu lassen, wie ihr Körper eigentlich funktioniert, ist einer der Grundpfeiler des Patriarchats und wir wissen erschreckend wenig über Vaginas. Gibt es den G-Punkt? Warum kommen so viele Frauen beim heterosexuellen, penetrativen Sex nicht? Was soll das Theater um das Squirting? Gibt es vaginale und klitorale Orgasmen? Unsere Vaginas sind der letzte weiße Fleck auf der Landkarte und in der Tat überlassen wir es der Pornoindustrie uns mit ihren falschen Aussagen darüber aufzuklären, was wie funktioniert. Das ständige, vollinvasive Vorgehen der Gynäkologie ist Ausdruck männlicher Gewalt über Frauenkörper und wir müssen aus der Abwehr der Pornogesellschaft endlich einen positiven Umgang mit unseren Körpern und unserer Sexualität entwickeln, die als Alternative dazu dient. Das Wissen über unsere Körper ist Macht. Wir sollten uns diese Macht dringend aneignen. Es ist die eine Seite dieser Geschichte, dass unsere Körper ständig als irgendwas herzuhalten haben, Sexobjekt, Arbeitstier, Gebärmaschine. Die ständige Verbesserung, das nicht aufhörende Bodyshaming weiblicher Körper, das sich bei den “ausgeleierten” Vaginas auch noch mit Slutshaming verbindet, ist abzulehnen und muss laut und deutlich kritisiert werden. Aber, wie Mira Sigel schon an anderer Stelle schrieb, die Kritik und die Verweigerung sind nur der erste Schritt. Wir sind trotzdem sexuelle Wesen und wir müssen uns unsere Körper und unsere Sexualität aneignen, zurückholen, Wissen sammeln und miteinander teilen. Ein abgesenkter Beckenboden macht uns Frauen im Alter inkontinent. Darüber reden wir nicht. Keine von uns. Wäre das ein Problem männlichen Alterns so wie Haarausfall, Prostatakrebs oder Erektionsstörungen, die Zeitungen, das Internet wären voll davon und wir alle wüssten darüber Bescheid.

21 Kommentare

  1. Ich muss sagen, jetzt bin ich etwas geschockt. Müssen wir wirklich in jeder (halben) Generation neu anfangen? Wo ist das Wissen aus Vagina-Workshops und Selbstbetrachtungs- und befriedigungsgruppen hin? Wo sind die Frauen, die sich in feministischen Frauengesundheitszentren beraten ließen, die Bücher über den weiblichen Körper und weibliche Sexualität verschlungen haben? Klar, keine kann alles wissen, den wertvollsten Hinweis zu Beckenbodenproblemen verdanke ich auch einer englischen Facebook-Freundin, die von speziell für diese Probleme geschulten Physiotherapeutinnen erzählte. Eine kurze Recherche ergab: Die gibt es auch hier! Es gibt sogar noch die spirituelle Erweiterung, nennt sich Schoßraumtherapie und behandelt mehr als nur physische Probleme. Ich denke, was uns fehlt ist Kommunikation, miteinander reden, auch und gerade über diese Themen, die ja früher oder später ALLE Frauen betreffen. Wir dürfen das nicht den Pornos und den Youtube-Barbies überlassen. Dein Artikel ist ein guter Anfang, danke dafür!

  2. Mit dem Buch “Our bodies Our Selfs” begann in den 80er Jahren – zusamman mitem Kmapf um das Recht auf Abtreibung – die Erforschung unserer Körper. Wir mussten uns damals viel dummes Zeug anhören, auch von Frauen, und auch viele innere Hindernisse überwinden. Aber wir haben uns tapfer mit Spekulas getroffen und zum ersten Mal die Genitalien anderer Frauen betrachtet: Die Unterschiedlichkeit war das erste, was uns staunen machte…wir waren auch die erste Generation die nicht sofort in die Schublade “Hure” gesteckt werden konnte, weil sie das Recht beanspruchte sexuelle Erfahrungen zu machen, die nicht zu Ehe oder zur Befriedigung männlicher Vorstellungen führte. “Der klitorale Orgasmus” von Alice Schwarzer löste eine öffentliche Diskussion aus, die leider irgendwie versandte ist – so wie die Geburtshäuser und Hebammenbetreuung von einer unmenschlichen Kaiserschnittpraxis abgelöst wurden. Was wir herausfanden: Eine Frau kann einen vaginalen, einen klitoralen und auch einen anlaen Orgasmus haben…gleichzeitig oder nacheinander. Spätestens damit wurde der Penisneid endgültig entmystfiziert. Heute befinden wir uns in einer pornografisierten Gesellschaft, in der Sex stärker als Ware gehandelt wird als je zuvor. Der “heilige” Aspekt – bonding, Leben erschaffen, das wahre Wesen der Menstruation und alle natülichne Aspekte von Schwangerschaft und Geburt werden den Frauen weggenommen, aus ihrer Selbstbestimmung entfernt Ich könnte auch eine Menge über die Wechseljahre sagen, die eine grandiose Übergangszeit sein kann. Ein Satz der mich immer begelitet hat ist: deine Menstruation ist so, wie du in den anderen 3 Wochen mit dir, deiner Weiblichkeit und deinem Körper umgegangen bist (ode anderen erlaubt hast umzugehen) dasselbe gilt in größerem Stil für die Wechseljahre. Die Fflächendeckende hormonelle steuerung des weiblichen Zykluses verhindert das Erleben des natürlichen Rythmus und schließt die Tür zur weiblichen Körperweisheit. Ich bin sehr betroffen von deinem Artikel und überlege welche Möglichkeiten es gibt (nicht nur im persönlichen Umfeld) Wissen und Erfahrung weiterzugeben an jüngere Frauen. Was wäre dine Idee dazu? Herzliche Grüße Lynn

  3. Leider habe ich keinen Uterus mehr, aber auch keine Inkontinenz-Probleme. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass die Kontraktionen eines kraftvollen Orgasmus das beste Beckenbodentraining sind. Dazu brauch ich keinen Typ unbedingt, wenn der Körper sein Recht verlangt… Im Übrigen ist auch das Wissen bzw. Unwissen junger Gynäkologinnen (weiblich!) über weibliche Sexualität bestürzend, nicht zu fassen, eigentlich zum Heulen. Selbst erlebt. – Ich könnte über meine Erfahrungen rund um Sexualität, Männer, Gynäkologie ein ganzes tragisches Buch schreiben, wenn ich nicht zu faul und zu feige wäre…

  4. Ich bin auch gerade geschockt darüber, wie wenig Wissen und Erfahrung von einer Frauengeneration in die nächste gegeben wurde. Wie habe ich die ganzen Frauen-Bücher in den 80er, 90er Jahren verschlungen! Aber die jungen Frauen lesen kaum noch, alles Smartphone, der Wissensaustausch findet nicht statt. Die viele Werbung, die vielen Dinge, mit denen man sich angeblich immer schöner machen kann, oben rum, unten rum, auf das falsche Versprechen reinfallen “du kannst doch Karriere machen und trotzdem weiblich schön sein”, als wäre all das vorher nie gewesen. Wo sind all die Frauen aus den Workshops, den Frauenbuchläden, den Geburtenhäusern hin???

  5. Als Pornos noch nicht überall und immer zugänglich waren und den Frauen
    (und Männern) übergross zeigten, wie Frauen ticken (sollten!!!!) war das Wissen durchaus vorhanden. Irgendwie ist es einfach verschwunden. In den 80ern und 90ern wussten sowohl Frauen wie auch Männer sehr viel besser Bescheid über Vulvas, Vaginas und den Orgasmus von Frauen. Alles war nicht so einseitig auf die Bedürfnisse der Männer ausgerichtet. Ich habe das unter sexuellem “backlash” hingenommen. Aber wie Alex sagt, bin auch ich etwas geschockt, dass vor allem Pornos und youtube Barbies wieder einmal
    völlig einseitig und männerbezogen aufklären. Wie uncool!

  6. Da der Feminismus Mutterschaft nicht als weibliches Wesensmerkmal anerkennt und Emanzipation nur auf patriarchaler Leistungs- und Gestaltungsbasis verheißt, kommt es zu solchen Blüten, die sich kurz- bis langfristig von der naturgegebenen Unterschiedlichkeit der Geschlechter entfremdet bis hin zur Auflösung der naturbedingten Grenzen (siehe unten).

    Meiner Meinung nach, redet der Feminismus um den heißen Brei herum und gelangt nicht zum Kern des Geschlechter-Dilemmas. Denn im Kern geht es um das Schleifen, Wegrationalsieren und die patriarchats-bedingte Abschaffung von leiblicher Mutterschaft samt inhärenter Gebärfähigkeit und um die künstliche Er-schaffung von Leben. Ob die Generativität künstlich erhalten werden kann, bezweifele ich vehement.

    Im Feminismus geht es um das gleiche patriarchale Leistungsprinzip wie im patriarchalen Paradigma, das gepaart mit dem Emanzipationsfaktor den „Sinn“ von Arbeit darstellen soll.

    Diese Vorstellung scheitert an der Realität, weil hier die Endlichkeit der Natur-Ressourcen nicht mit einkalkuliert wird.
    Denn Emanzipation als ursprüngliche patriarchale Definition bedeutet Befreiung von natur- und gesellschaftsbedingten Abhängigkeiten (also auch von der Mutter), die nur über den patriarchalen Leistungsbegriff zu erreichen ist.

    Da, aber nicht so viele Naturressourcen vorhanden sind um allen Menschen eine Karriere mit Emanzipationsaussichten zu gewährleisten – denn Karrieren, Individuationen und Emanzipationen erfordern Naturressourcen – muss die patriarchale Definition von Arbeit grundsätzlich überprüft werden und ihrem ursprünglich-matriarchalen Sinn zugeführt werden, wenn wir unsere existenziellen Grundlagen nicht völlig zerstören wollen.

    „Der ursprüngliche Sinn von Arbeit ist die Interaktion zwischen den Generationen“ (Cl.v. Werlhof). In der matriarchalen Determination von Arbeit ist der soziale, intergenerationale, ökologische, generative, spirituelle, „care“, naturbewahrende und erhaltende Aspekt enthalten.

    Hier dient die menschliche Aktivität der Seins-Erhaltung.

    Wohingegen, die patriarchale Definition von Arbeit einen Anspruch auf Selbstprofilierung, Selbstbereicherung und Überlegenheit beinhaltet, die in der Entfremdung, Beherrschung und Zerstörung der Naturgegebenheiten endet.

    Hier ist Arbeit die oberste Maxime, der das Sein untergeordnet wird.

    Angesichts der Knappheit von Ressourcen, der Vergiftung und Zerstörung unserer natürlichen Existenzgrundlagen stehen wir vor der Frage nach der Menschwerdung – die mit der Mutter beginnt (frei nach Cl. v. Werlhof) – und nicht mit der Emanzipation.

    Obwohl der Feminismus die Ungleichbehandlung der Geschlechter beklagt und anmahnt, findet eine Adaption an das patriarchale Paradigma statt über das emanzipatorische Leistungsprinzip. Dieses patriarchale Aktivitäts- und Leistungsprinzip endet stets in Sackgassen, wenn Ressourcenknappheit und der daraus erfolgende Mangel an Arbeit zur Realität wird. Der Leistungsadaptierte Feminismus gerät so immer wieder an seine Grenzen.

    Solange feministische Bestrebungen sich an patriarchal-paradigmatischen Werten orientieren und dabei die eigene naturgegebene matriarchale Genealogie ignoriert und verleugnet wird, muss der Feminismus sich immer wieder neu erfinden und neu in Frage stellen. Denn die lebendige und kontinuierliche Weitertradierung matriarchaler Werte und Kulturleistungen kann nicht stattfinden, weil die weibliche Genealogie qua Mutterschaft von vielen Feministinnen und vom Patriarchat ignoriert und negiert wird.

    Der Abbau patriarchaler Überlegenheits-Ansprüche und der Rückbezug menschlicher Aktivität auf matriarchale Werte, könnten das patriarchal-verursachte Dilemma beenden.

    https://archemama.wordpress.com/2017/04/25/es-ist-schon-verwunderlich-welche-blueten-die-fragestellung-im-heutigen-feminismus-treibt/

  7. Use it or lose it, das ist bekanntermaßen mit allen Muskeln so. Und Frauen (auch Männer) können und müssen was tun. Nach einer Schwangerschaft 2 -3 x wöchentlich trainieren und das geht sogar nebenbei, an jeder roten Ampel im Auto, beim Telefonieren und beim Beobachten der Kinder auf dem Spielplatz. Da keine großen Bewegungen nötig sind, geht das sogar sehr diskret. Und Kegel braucht es dazu auch nicht
    Es gibt auch ein Online-Training (auf deutsch und englisch) von einer dänischen Physiotherapeutin, die auf Beckenboden spezialisiert ist: Das Training ist unter http://www.gynzone.de/frauen-fragen gratis verfügbar oder auch als App erhältlich. Bei anhaltenden Problemen würde ich aber immer den Besuch bei einer Physiotherapeutin empfehlen. Hier die Therapeutenliste nach Postleitzahlen sortiert.
    http://www.ag-ggup.de/therapeutenliste/therapeutenliste-beckenboden/

    Männer mit gut trainiertem Beckenboden bringen Frauen übrigens auch mehr Freude, ein guter Grund den Partner gleich mit einzubeziehen.

  8. Das mit dem “Kegel” hast du missverstanden. Es geht nicht um kegelförmige Objekte, sondern um Beckenbodenübungen nach Arnold Kegel.
    https://en.wikipedia.org/wiki/Arnold_Kegel
    Wenn dein Freund also tatsächlich von “Vaginalkegeln” gesprochen hat, meint er kegeln als Verb. Die Vaginalkugeln, die diese Übungen unterstützen kriegt frau in der Drogerie. Über Beckenbodentaining nicht nur in Bezug auf Sexualität, sondern aufgrund von Inkontinenz hat die jetzt nicht soooo unbekannte Zeitschrift Brigitte 2008 und früher berichtet.
    http://www.brigitte.de/gesund/gesundheit/10-minuten-workout–das-beste-training-fuer-den-beckenboden-10327022.html

    Und tatsächlich bleibt die Frage: Warum weißt du das alles nicht?

  9. Liebe Nimue,

    zunächst Danke für Deinen Text! Den Punkt mit der Vagina als weißem Fleck empfinde ich (Frau in Deinem Alter) ganz anders und das möchte ich gerne ergänzen: es ist nach meinem Empfinden und persönlicher Erfahrung heutzutage, insbesondere durch das Internet und dadurch auch jenseits von Metropolregionen, sehr leicht geworden, sich zu informieren oder zu forschen. Es hat bei mir eine sehr lange Weile gedauert, bis ich angefangen habe, meine Sexualität erforscht habe. Aber es gibt entsprechende Angebote – und zwar in Hülle und Fülle: Sexblogs, Videotutorials, Online-Kurse und ganze Workshop-Landschaften; Angebote und Konzepte wie Sexological Bodywork/Vaginalmapping, Sexocorporel, Die weibliche Quelle, make love (sogar im Öffentlich Rechtlichen), weibliche Pornoregisseurinnen, PorYes, alternative Pornofestivals, queere Sexshops/Sexparties, der “sex-positiv”-Ansatz (Lesetipp, leider nur auf englisch: http://everydayfeminism.com/2016/08/10-things-sex-positivity-is-not/) und so weiter und so fort… Ich finde, dass uns vielfältige und tolle Möglichkeiten offenstehen, unsere Lust, unsere Körer, unsere Sexualität, unser Begehren zu erforschen, zu entdecken und zu entwickeln.
    Ich mag die Hipsterisierung von Sextyos durch TV-Werbung auch nicht so sehr, weil Sex/Lust als so fluffig-leicht-selbstverständlich dargestellt wird, was es de facto oft nicht ist. Andererseits gibt es heutzutage sehr gute Toys, grade für Frauen, und verschiedene Möglichkeiten, sich diese zu besorgen und/oder erklären zu lassen. Auch für den Pornobereich gilt: wer suchet, der findet. Ich stehe zum Beispiel auf Porno und spreche aus Erfahrung 🙂
    Wegen der Gebärmuttersenkung: die Krankenkasse teilfinanziert Beckenbodentraining bei entsprechender Diagnose. Eine OP kann mit regelmäßigem gezieltem Training oft vermieden werden weil die Senkung “rücktrainiert” werden kann. Leider müssen wir als Patientinnen unsere Gyns meist selbst darum bitten. Cantienica ist bespw. auch genau darauf ausgerichtet und Trainerinnen gibt es fast überall. “Kegeln”, geht auch mit Yoni-Eiern super, macht viel Spaß!

  10. Gisela Weber:
    Es gibt eben NICHT DEN Feminismus sondern etwa ein Duzend Unterabteilungen, die alle ganz ganz verschieden argumentieren.
    Von dieser Begriffs-pauschalisierung abgesehen, haben Sie natürlich 100% Recht!

  11. Gabypsilon

    @Hannah:” …weibliche Pornoregisseurinnen, PorYes, alternative Pornofestivals….” Deine Vorlieben in Ehren, aber dass Pornografie gefilmte Prostitutuion ist, auch wenn Frauen hinter der Kamera stehen, ist Dir schon bewusst, oder? PorNo!

  12. Was mich ganz ernstgemeint interessiert, was genau mit der Kritik an Sexspielzeug (“Die Hipsterisierung von Sexspielzeug “) gemeint ist? Wenn damit gemeint ist, dass Frauen sowas toll finden sollen, dann gehe ich damit mit, womit aber Sexspielzeug nicht per se böse ist, sondern ja dann viel mehr der Zwang. Ich finde, Sexspielzeug kann sehr wohl ein Mittel sein, mit dem eigenen Körper und der eigenen Lust umzugehen bzw. Lust zu erleben.

  13. @Gisela Weber: Sie sind mir mit zuviel ideologischem Gepäck unterwegs. Mutterschaft ist auch tatsächlich KEIN weibliches Wesensmerkmal, wie Sie behaupten, sondern ein Angebot unseres Körpers, das wir entweder annehmen und ausleben oder eben bleiben lassen können. Eine wie auch immer ideologisch fixierte Form weiblicher “Wesenheit” ist patriarchale Ideologie – auch dann wenn sie als angeblich “matriarchal” hübsch verpackt wird. Ich finde es zutiefst ärgerlich, wenn ANDERE meine Identität – aus welcher ideologischen Ecke heraus auch immer – auf den Besitz eines Uterus beschränken wollen und darum ein ganzes Weltbild zurechtzimmern. Ich wünsche das ausdrücklich nicht, da ich auf die Bestimmung MEINER Identität eine Deutungshoheit erhebe, von dem ich alle anderen, auch wohlmeinende matriarchale Fürsprecherinnen, ausschließe.

    Hingegen ist es richtig, daß viele Frauen unkritisch das Leistungspostulat übernommen haben und sich damit oft überidentifizieren. Als ob es nach Leistung und Kompetenz ginge  Leider glauben das irrtümlich viele Frauen und lassen sich davon leiten, während die Männer, weitaus weniger fleißig, Vitamin B sammeln und so mit lausiger Mittelmäßigkeit in wichtige Positionen kommen.
    Gleichberechtigung ist eh erst, wenn Frauen es mit reiner Mittelmäßigkeit genauso weit bringen.

  14. @Sophie, ich kann das natürlich nur für mich selbst formulieren: doof sind natürlich nicht die Toys an sich, sondern die Weise ihrer Vermarktung. Es gab im letzten Jahr zwei TV-Werbespots großer Online-Sexshops, in denen normschöne junge weiße Frauen mit langen Haaren zu sehen sind, die Macarons essen (wer hat jemals vor dem vögeln einen Macaron gegessen?!) oder sich einen Lolli auf die Pobacke kleben lassen, untermalt von einem fluffigen Beat. Damit kann ich überhaupt nichts anfangen bzw. ärgerte es mich, dass Sexualität als etwas dargestellt wird, was frau nur zack anzuschalten braucht wie einen Vibrator und dann sind Lust und Sinnlichkeit da. Was denn wenn nicht? Nach meiner Erfahrung und auch im Gespräch mit anderen Frauen ist Sexualität nunmal komplex, Geilheit ist Tagesform, Lust oft rätselhaft und Begehren widersprüchlich. Das mag aber im Text oben ganz anders gemeint sein. Wäre natürlich interessant, Nimue dazu zu hören…

  15. @Gabypsilon: ja ist mir bewusst; aber es hat sich doch in den letzten Jahren viel Erfreuliches getan. Was ist z. B. mit nichtkommerziellen Produktionen, bei denen es primär um sexuelle Entfaltung und Experimentieren geht und die Darsteller/innen aus Eigeninteresse an der Sache mitmachen? Für Max Hardcore und Konsorten (die natürlich den Großteil der Mainstream-Industrie ausmachen) geben ich Dir absolut recht, aber Erika Lust, Anna Span, Petry Joy, Adrineh Simonian […] PorYes.

  16. Gabypsilon

    @Hannah: Es gibt nichts “Gutes im Schlechten” und was sich in den letzten Jahren “Erfreuliches” getan haben soll, kann ich nicht nachvollziehen. Meine Einstellung hat sich spätestens nach der Lektüre “Pornland” von Gail Dines grundlegend verändert. Deine Argumente erinnern mich an die Mär der freiwilligen Prostitution. PorNo.

  17. jaja, die Mär von der Selbstbestimmung im Porno. Ist wie die Mär von den selbstbestimmten Prostituierten. Es mag da und dort mal etwas “Experimentelles” geben, aber an irgendeiner Stelle geht es dann eben auch immer um Geld. Geld verdient sich nicht von selbst. Wenn mit Körpern Geld verdient werden will, treffen die Machtverhältnisse der Gesellschaft – arm / reich, frau / mann auf die Zurschaustellung von intimsten Handlungen von Einzelpersonen zum Zweck des Profits. “Selbstbestimmung” mag ein toller PR-Aufhänger sein, um neue Zielgruppen für Pornos zu erschließen. Eventuell sind sie auch nicht sooo ausbeuterisch wie andere. Aber sie beuten ebenfalls aus, und das macht etwas mit uns allen. Angenommen, ich finde Pornos mit selbstbestimmten Darstellern toll und trage kräftig zum Umsatz bei, wer sagt mir, dass die Darsteller morgen noch selbstbestimmt sind? Weil sie es sagen oder irgendwo unterschrieben haben? “Freiwilligkeit” ist in unserer Gesellschaft der impliziten Machtverhältnisse eine Illusion.

  18. @Gabypsilon: ich habe den Ted-Talk von Gail Dines gesehen, den ich super fand. Da plädiert sie am Ende sehr für Aufklärung, Dialog und Auseinandersetzung – im Buch ist das sicher noch viel ausführlicher und besser dargelegt… kannst Du was dazu sagen, also zu ihren Vorschlägen?

  19. Gabypsilon

    @Hannah:”Da plädiert sie am Ende sehr für Aufklärung, Dialog und Auseinandersetzung ..” Das ist in unserer pornografisierten Gesellschaft auch bitter nötig und bedeutet nicht, dass der Versuch unternommen wird, Pornografie mit einem “Fair Trade” Siegel zu versehen, weil unter anderem Frauen hinter der Kamera stehen. Gail Dines ist die Initiatorin der Stop Porn Culture Bewegung, die auch einen Ableger in Deutschland hat. Jede gut geführte Stadtbibliothek hat das Buch in der Ausleihe. Lies es.

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