Menstruation – die „heilige Wunde“

Wie können Frauen jeden Monat bluten und dennoch gesund sein? Dieses Mysterium war Männern schon früh ein Rätsel. Die Frau wurde als ein geheimnisvolles Wesen betrachtet. Blieb das Blut aus, gebar sie irgendwann ein Kind – dass Männer dabei eine Rolle spielten, erfuhr man in der Menschheitsgeschichte erst relativ spät. In allen patriarchalen Gesellschaften werden Frauen, meist aufgrund religiöser Bestimmungen, sobald sie ihre Mens haben, isoliert und von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen, sie gelten als unrein, dürfen keine Speisen berühren und ganzen Völkern Niederlagen im Krieg bringen. Aus dieser Ausgrenzung spricht die männliche Angst von der Frau und ihrem Körper, der so ganz anders funktioniert als der der Männer. In archaischen Gesellschaften galt das Menstruationsblut jedoch als heilig, mit ihm wurden Felder fruchtbar gemacht und starke Liebeszaubertränke entwickelt. Das Menstruationsblut galt als magisch. Auch in unserer, patriarchalen Gesellschaft, ist es ungeheim wichtig, dass die „Regel“ „diskret“ abläuft, das Menstruationsblut gilt als ekelerregend und von menstruierenden Frauen wird erwartet, dass niemand mitbekommt, was mit ihnen geschieht. Es ist vollkommen normal, dass männliche Partner in dieser Phase den Geschlechtsverkehr ablehnen und von den Frauen wird eine besondere Hygiene erwartet. Das führt dazu, dass Frauen ihre Menstruation als einen entfremdeten Prozess erleben, ihren Körper als etwas, der Ekelhaftes produziert, ohne dass sie darüber Kontrolle haben. Tatsächlich gibt es viele feministisch orientierte Zirkel, die dafür eintreten, dass sich Frauen wieder der Kraft dieses Prozesses bewusst werden. Die Menstruation macht uns zu Frauen, ihr Eintreten symbolisiert den Übergang vom Mädchen zur Frau, Menstruationsblut ist nichts Ekelerregendes, sondern etwas ganz Natürliches und von Frauen sexuelle Enthaltsamkeit zu erwarten während ihrer Mens drückt ihren Körpern gegenüber Geringschätzung aus. Sperma überall hinzuschmieren, sichtbar zu machen, zu trinken ist fast zu einem der bestimmenden Fetische unserer (Porno-)Kultur geworden, während das Menstruationsblut unsichtbar gemacht wird und damit ein wesentlicher Teil des Frauseins.

Eine Zeit voller Veränderung

Während der Menstruation ist der Körper der Frau vielen Veränderungen unterworfen. Der Spiegel der Sexualhormone ändert sich, die Körpertemperatur sinkt. Das Körpergewicht kann durch Wassereinlagerungen ansteigen. Die Lungenkapazität und der CO2 Gehalt verringert sich ebenso wie der Hautwiderstand. Die Pupillen weiten sich.
Lange Zeit war diese Phase vielen Ängsten und Aberglauben unterworfen. Erst seit 1930 ist der Prozess der Gebärmutterabstoßung wissenschaftlich erkannt worden. Für viele Frauen ist die Menstruation etwas Lästiges – der Eisprung jedoch, der biologische Gegenpol, wird als positiv betrachtet. Es sei an der Stelle vorsichtig darauf hingewiesen, dass das eine Sicht ist, die sehr auf die Funktion als Gebärerin und Mutter ausgerichtet ist. Tatsächlich zeigt die Menstruation uns an, dass wir einen weiteren Monat frei von Schwangerschaft sind.  Viele Frauen fühlen sich in dieser Zeit krank und leiden sogar unter Schmerzen, haben Depressionen oder sind reizbar. Der genaue Zusammenhang des sogenannten prämenstruellen Syndroms ist bis heute nicht erklärt – doch es gibt Vermutungen, dass die abwertende Haltung der Gesellschaft zur Menstruation dazu beiträgt, wie schwer eine Frau die Symptome empfindet.
Andere Studien zeigen, dass Frauen während der Menstruation ein besonders großes sexuelles Verlangen haben – es aufgrund der Ablehnung der Männer, mit ihnen zu schlafen, jedoch nicht ausleben.
Der komplexe Menstruationszyklus unterscheidet menschliche Frauen von allen anderen – nur Menschenaffen teilen ihn. Sex dient bei Menschenaffen nicht nur der Fortpflanzung, wie bei allen anderen Tieren, sondern auch der Bindung, der Entspannung oder dem sozialen Aufstieg.

Die schöpferische Kraft der Menstruation

Die Hindus glauben, dass die Große Mutter mit ihrem Menstruationsblut den ganzen Kosmos und seine Materie erschuf.  Die Hindu-Göttin Kali lud später die anderen Götter ein, in ihrem Menstruationsblut zu baden.
Das Einsetzen der Menstruation ist zugleich auch ein Beleg der Fruchtbarkeit der Frau – ihr „Blutopfer“ für die Gesellschaft. Die Ethnologen Robert Briffaults und James Frazer haben in ihren Werken die Universalität von Menstruationsriten und – vorschriften untersucht. Überall auf der Welt finden sich Regeln für diese Zeit – die, je nach Gesellschaftsstruktur mal positiv und mal negativ sind. So kann die Menstruation die Frau unrein und giftig machen – oder sie kann durch ihren engen Zusammenhang zum Mondzyklus als dem Göttlichen besonders nach betrachtet werden. Die Menstruation wird so zu einer Phase des Rückzugs und der Visionssuche. Der Zeitpunkt der ersten Menstruation ist in fast allen indigenen Gesellschaften ein rite de passage, ein Übergangsritual, für das bei Jungen erst ein Äquivalent wie die Visionssuche, ein Kampf oder ein anderer symbolischer Übergang zum Mannsein gefunden werden musste.

Im europäischen Volksglauben waren die Menstruation und der Zyklus der Frau noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts mit magischen Eigenschaften verbunden. Eine Frau, die einem Mann ihr Menstruationsblut zu trinken gab, würde für immer Kontrolle über ihn haben, Waffen, die aus dem Blut geschmiedet wurden waren unbesiegbar und mit Menstruationsblut beschmierte Hauseingänge hielten Hexen und böse Geister fern. Gleichzeitig gab es aber auch Angst vor dieser Kraft: Menstruierende Frauen sollten über einen besonders starken bösen Blick verfügen, der Getreide noch an den Ähren verfaulen ließ, Milch und Wein sauer machte und Krankheit und Tod brachte.

Mehrere Untersuchungen zeigten, dass Frauen, die gemeinsam leben, zum gleichen Zeitpunkt ihre Menstruation bekommen. Gleichzeitig gibt es Hinweise darauf, dass die Menstruation dem Mondzyklus folgt – dem dreizehnmonatigen Lunar-Kalender. Ethnologen konnten zeigen, dass die Verbindung von Mond und Menstruation beinahe eine menschliche Universalie ist. Aus der Zahl 13 wurde eine Unglückszahl gemacht, der gregorianische Kalender besteht nur aus 12 Monaten. Da Frauen im Durchschnitt alle 28 Tage ihre Menstruation haben, ergeben sich darauf 13 Zyklusläufe im Jahr. Der Mond und seine Verbindung zum Magischen hatte in alter Zeit große Bedeutung. Stonehenge zum Beispiel wurde zur Mondberechnung eingesetzt. Aus dieser Vorzeit stammt auch der Glauben, dass das Menstruationsblut einer Frau die Felder fruchtbar machte.

Der Zusammenhang mit dem Mond, dem Mystischen, allem, das im Verborgenen liegt, spiegelt die Zuordnung weiblicher Symbolik wieder. Der Mann, das „Vernunftwesen“ ist verbunden mit dem Licht der Sonne, der Aufklärung, die Frau hingegen mit dem Mond.

Zwischen Furcht und Neid: Der männliche Blick auf die Menstruation

Die alten Römer und Griechen glaubten, die Menstruation sei eine Phase der Reinigung. Hippokrates und Pythagoras sahen den Ursprung in der unterschiedlichen Beschaffenheit von Mann und Frau, die ihren Ausgangspunkt in der bis zum Mittelalter populären Vier-Säfte-Lehre hatte.
Der frauenhassende und frauenfürchtende Plinius der Ältere war der Ansicht, die Berührung einer menstruierenden Frau könne Ernten vernichten, Messer stumpf machen, Spiegel zerspringen lassen und den Wein umkippen lassen. So viel Macht in den Händen von Frauen! Für den nicht weniger frauenfeindlichen Aristoteles war das Menstruationsblut die Materie, die mit dem Samen des Mannes mit seinem Geist befruchtet wurde und so neues Leben möglich machte.

Sowohl im Judentum als auch im Christentum galt das Menstruationsblut als gefährlich.
Im Talmud steht, dass wenn eine menstruierende Frau zwischen zwei Männern hindurchgeht, wird einer von ihnen sterben. Bis heute wird im orthodoxen Judentum der Handschlag zwischen Männern und Frauen vermieden, aus Angst, diese könnten menstruieren. Frauen gelten hier 14 Tage als unrein.
Die menstruierende Frau ist nach strengem Glauben von allen rituellen Handlungen ausgeschlossen, darf die Synagoge nicht besuchen und muss sich einer speziellen Reinigung unterziehen.
Das Buch Mose sagt, menstruierende Frauen seien drei Tage unrein und alles, was sie berührten, würde ebenso unrein, deshalb dürften die Männer keinen Verkehr mit ihren Frauen während dieser Zeit haben. Hielten sie sich nicht daran, drohte ihnen der Tod.

Im Islam gilt die Frau nicht als unrein, der Geschlechtsverkehr ist dennoch nicht erlaubt – Umarmen, Küssen und zusammen essen dagegen schon. Auch das Beten ist den Frauen während dieser Tage nicht erlaubt und nach dem Ende ihrer Menstruation muss sie eine besondere Waschung vornehmen. Auch den Koran darf sie nicht berühren und wenn doch – dann nur mit Handschuhen.

Die Urchristen sahen in der Menstruation zunächst keine Bedeutung. Im 7. Jahrhundert jedoch erließ der Erzbischof von Canterbury ein Verbot für menstruierende Frauen, die Kommunion zu empfangen. Dutzende andere Gesetze aus anderen Regionen folgten in den nächsten Jahrhunderten.
Später wurde die Menstruation als Strafe Gottes für Evas Sündenfall betrachtet – außer der Gottesmutter Maria, die nach Aussagen christlicher Theologen nicht nur trotz Geburt immer noch Jungfrau war, sondern auch niemals menstruiert hatte, also unbefleckt von der Sünde war. Aus diesem Grund wurden Frauen im Frühmittelalter während der Menstruation vom Gottesdienst ausgeschlossen.
Es war der Einfluss der Vier-Säfte-Lehre, der das veränderte – der ungehinderte Blutfluss der Frau wurde als unabdingbar für ihre Gesundheit angesehen. Hildegard von Bingen sah die Menstruation zwar auch als eine Strafe Gottes, aber sie beschrieb auch ihre fruchtbare Seite. Im 16. Jahrhundert glaubte man, aus dem Menstruationsblut würden Dämonen aufsteigen.

Bei vielen indigenen Völkern, z.B. in Nordamerika, mussten sich Frauen während ihrer Menstruation in eine bestimmte Hütte zurückziehen, abgesondert vom Rest der Gemeinschaft. Begegnete ein Krieger einer menstruierenden Frau, so durfte der geplante Kriegszug nicht durchgeführt werden, weil er unter einem schlechten Zeichen stand.

Die Aufklärung veränderte nichts am minderwertigen Status der Frau, ihrem Wesen und ihres Körpers. Frauen, so hieß es, standen auf einer Stufe mit Kindern, ohne starke männliche Kontrolle waren sie nicht in der Lage, vernunftgesteuerte Entscheidungen zu treffen und hatten einen verminderten Intellekt.
Der ebenfalls frauenfürchtende Rousseau sah in der Menstruation eine Krankheit, die durch Faulheit hervorgerrufen wurde.
Im 19. Jahrhundert glaubte man, dass die Menstruation der tierischen Brunft entspräche, also, dass in diesen Tagen auch die Fruchtbarkeit läge. Andere Ärzte erklärten, die Menstruation sei ein krankhafter Zustand, der durch durchgehende Schwangerschaft bis zur Menopause unbedingt vermieden werden müsse und der Wiener Arzt Béla Schick wollte gar beobachtet haben, dass Menstruation eine Vergiftung hervorrufe, wenn eine Frau während dieser Zeit Pflanzen oder Essen berühren. is. Die Ungiftigkeit des Menstruationsblutes wurde erst 1958 bewiesen – relativ zeitgleich mit der Entwicklung des Tampons.

Es ist kein Wunder, dass Männer mit ihrem egozentrischen Blick die Menstruation als eine Abweichung vom Normalen betrachten – ist doch der männliche Körper der Ausgangspunkt allen Denkens, alles Weibliche kann nur als unnormal betrachtet werden. Das ist eine patriarchale Sichtweise auf Körper und Zusammenhänge, die bis heute gilt. Untersuchungen zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen strikt patriarchal organisierten, kriegerischen Gesellschaften und ihrer Angst vor dem Menstruationsblut gibt.

Männer haben sogar versucht, die Menstruation zu imitieren, so gibt es in Neuginea, Australen, Philippinen und Afrika eine Form der männlichen Beschneidung, die „Menstruation des Mannes“ genannt wird und bei der der Penis an der Unterseite aufgeschnitten und an den Unterleib gedrückt wird, so dass er aussieht wie eine Vulva. Die Wunde wird manchmal in Abständen wieder geöffnet. Bruno Bettelheim beschreibt das in seinem Buch „Die symbolischen Wunden“. Das läuft den Ansichten Freuds und seinem „Penisneid“ vollkommen zuwider – es sind die Männer, die die Frauen um ihren geheimen Zugang zum Göttlichen beneiden und imitieren.
Menstruation als etwas Störendes, Abstoßendes zu sehen, ist eine zutiefst patriarchale Sichtweise, geprägt von der Angst der Männer vor dem Unbekannte, einer körperlichen Erfahrung, die sie nicht teilen. Viele Frauen übernehmen diese Sichtweise. Doch die Menstruation ist ein Ausdruck unserer weiblichen Körper, mit vielfältigen Verbindungen zu unserem Befinden. Die Pille z.B. unterdrückt den Eisprung und den Menstruationszyklus und schneidet uns davon ab. Die Auswirkungen dessen sind bislang kaum erforscht oder auch nur anerkannt worden – gilt die Pille doch als Inbegriff der sexuellen Freiheit. Es bleibt die Frage – wessen Freiheit? Der Frauen oder der Männer? Immerhin sind es unsere Körper, die alle Risiken und Belastungen auf sich nehmen.
Die Menstruation positiv anzunehmen und nicht mit Ekel zu verbinden, das gesteigerte sexuelle Empfinden auszuleben ist ein erster Schritt zu einem positiven, weiblichen Körpergefühl – unabhängig von der Angst und der Unterdrückung der Männer. Es ist Zeit, dass wir unseren eigenen Blick auf unsere Körper einnehmen und den des Patriarchats zurückweisen.

Tipp zum Weiterlesen: Penelope Shuttle und Peter Redgrove: Die weise Wunde Menstruation. Fischer Taschenbuch Verlag 1980

 

 

5 Kommentare

  1. Ein sehr wichtiges Thema und schön, dass es aufgegriffen und auch geschichtlich bzw. aus Sicht anderer Völker und Kulturen beleuchtet wird! Dennoch habe ich etwas zu bemängeln:

    „Mehrere Untersuchungen zeigten, dass Frauen, die gemeinsam leben, zum gleichen Zeitpunkt ihre Menstruation bekommen.“

    Welche Untersuchungen? Das interessierte mich nun arg, also habe ich – da nun keine Belege oder Quellen angegeben sind – selbst die Suchmaschine angeschmissen. Allerdings habe ich nach 2 min googlen, schon herausgefunden, dass diese Behauptung so nicht eindeutig ist. Fest steht, es gibt Studien für und gegen diese These. Den fürsprechenden Studien wird vor allem mangelnde Reproduzierbarkeit und statistische Schwächen entgegen gehalten. Man kann eine 3-tägige Menstruation nicht mit einer 6-tägigen vergleichen, denn wenn die Zyklen dann noch unterschiedlich lang sind (was wahrscheinlich ist), kommt es zwangsläufig über Monate zu einer Angleichung. Die Folge wäre zudem, dass sich nicht nur Zeitpunkt, sondern auch Zyklus- und Menstruationsdauer angleichen würden. Für mich stellt sich da die Frage, welchen Nutzen dies haben sollte. Richtiger wäre also aus den genannten Gründen, wie im Tierreich, den Ovulationszeitpunkt zu untersuchen auf Asynchronität (wie z.B. bei bestimmten Möwen oder Menschenaffen) oder eben Synchronie. Ich will das hier gar nicht weiter ausführen, wie gesagt, 2 min googlen nach Übersichtsartikeln, noch nicht einmal fachlicher Natur. (http://www.welt.de/gesundheit/article13847918/Synchronisieren-Frauen-ihre-Fruchtbarkeit.html, http://derstandard.at/1254312038756/Genauer-betrachtet-Synchron-menstruieren, http://www.hilfreich.de/mythos-synchrone-menstruation-was-ist-dran_2590)

    Kurzum gibt es Studien, die das beweisen und Studien, die das widerlegen, und Studien die das dann wiederum widerlegen und hin und her. Es ist also nichts bewiesen. Also bleibt das Angleichen des Menstruationszeitpunktes vorerst eine Behauptung, wenn nicht gar ein Mythos/Gerücht, von dem ich persönlich bislang nur gehört und den ich auch nie erlebt habe.

    „Gleichzeitig gibt es Hinweise darauf, dass die Menstruation dem Mondzyklus folgt – dem dreizehnmonatigen Lunar-Kalender. Ethnologen konnten zeigen, dass die Verbindung von Mond und Menstruation beinahe eine menschliche Universalie ist.“

    Welche Hinweise sind das? Welche ethnologischen Untersuchungen? Dass Frauen im Durchschnitt alle 28 Tage ihre Menstruation haben und sich darauf 13 Zyklusläufe im Jahr ergeben? Ja, der Durchschnittswert mag ja stimmen, es ist aber eben ein Durchschnittswert. Abgesehen davon, dass der Mond 29,5 Tagen für die Erdumrundung braucht, frage ich mich, was mit den Frauen ist, die einen 3-Wochenrhythmus haben und mit denen die einen 5-Wochenrhythmus haben? Sind die dann irgendwie „un-universal“ und wie lässt sich das mit dem Mond erklären? Und wie erklärt der Mond, dass die Zyklusdauer auch zwischen einzelnen Völkern variiert (bei US-Amerikanerinnen 2 Tage länger als bei Japanerinnen)? Und wenn der Zyklus dem Mond folgt, müssten dann die Frauen, die einen 28- bzw. 29,5-Tagezyklus haben, nicht universal gleichzeitig (z.B. bei Neu- oder Vollmond oder Dreiviertelmond) menstruieren? Und warum nur beim Menschen, nicht bei Mäusen, Ziegen, etc.?

    Ich möchte den durchscnittlichen 28-Tagerhythmus und die 13 Zyklen gar nicht leugnen, aber daraus eine Ursächlichkeit, Abhängigkeit o.ä. mit dem Mond zu konstruieren und als „universal“ zu bezeichnen, stößt mir auf.

    Wie gesagt, ein wichtiges Thema, das definitiv mehr Aufmerksamkeit, Aufklärung und Öffentlichkeit verdient! Ich wäre dennoch dafür, keine künstlichen Konstrukte, Mystifizierungen etc. aufzubauen, und wenn, dann bitte ordentlich mit validen Quellen hinterlegt.

  2. Die zeitliche Angleichung der Menstruation habe ich in der Schulzeit beobachten können. Die Mädchen in meiner Klasse saßen zu ca 70% gleichzeitig auf der Bank, denn wir durften uns ja an diesen Tagen vom Sport befreien lassen. Die Sportlehrerin hat sich mehrfach gewundert, aber alle beteuerten, das sei die Wahrheit.

  3. Ich habe die zeitliche Angleichung der Menstruation in meinen Frauen-WG´s immer wieder erlebt. Und auch auf Reisen, die ich mit Freundinnen unternahm.

  4. Im Judentum ist eine Frau „rituell unrein“ wenn sie ihre Menstruation hat.
    Der Begriff „unrein“ (tame) bzw. „rein“ (tahor) ist hierbei jedoch sehr irreführend bzw. im deutschen Sprachgebrauch immer mit der Vorstellung von etwas „Körperlichem“ also körperlichen „Schmutzig seins“ belegt.

    Die Beschreibung „physisch und psychisch unversehrt“ bzw. „physisch und psychisch versehrt“ wird dem Verständnis dieser Art von Reinheit vielleicht gerechter.
    Tatsächlich bezeichnet der Begriff „tahor“ (also „rein“) nur dass man sich in einem Zustand befindet in welchem man den Tempel betreten darf. (Das Gegenstück dazu ist „tame“- also „unrein“)

    Es gibt noch eine Reihe weiterer Zustände die einen Menschen in den Zustand der „Unreinheit“ versetzen. Dazu gehören z.B. der nächtliche Samenerguss beim Mann oder eine schwere Krankheit die einen an die Schwelle des Todes führt. Ebenso gehört die Berührung mit dem Tod z.B. bei einer Leichenwaschung dazu.
    Zustände in denen sich ein Mensch immer auf einer Art Schwelle zwischen „lebendigem“ und „Tod“ findet.

    Und hier ist auch schon die Verbindung zur Menstruation zu finden.
    Sie wird im Judentum keinesfalls als etwas „abscheuliches“ oder „widerwärtiges“ betrachtet.
    Eher muss man einerseits sehen dass eine Frau hier auch eine Schwelle betritt.
    Der Abgang der Eizelle und dem Tod von potentiellem Leben auf der einen Seite und auf der anderen Seite wird Blut im Judentum als Sitz der Seele und des Lebens betrachtet.
    Somit ist die Frau eher „überheilig“ denn mit dem Blut trägt sie ihre Seele an ihrem Körper.
    Sie soll man dann nicht berühren, genauso wie man im Judentum Blut nicht verzehren soll da man sich nicht mit der Seele des getöteten Tieres verbinden soll, indem man das Blut verzehrt.

    Bemerkenswert ist es, dass man zwei heilige Handlungen nicht ausführen darf wenn man „tame“ also „unrein“ ist…:
    den Tempel betreten und Sex mit seinem Ehepartner haben.
    Sex ist somit eine Art heilige Aktivität und keinesfalls als Sünde zu betrachten, ganz im Gegenteil.
    Einen Tempel gibt es heute nicht mehr, Geschlechtsverkehr als heilige Handlung jedoch schon.

    Da eine Frau jedoch „unrein“ ist während ihrer Menstruation – aus den oben genannten Gründen – darf auch kein Geschlechtsverkehr ausgeübt werden bis der Zustand von „ritueller Reinheit“ wiederhergestellt ist. Der Zustand physischer Unversehrtheit.

    Die Dauer der Menstruation wird mit sieben Tagen bemessen, hinzu kommen sieben „reine“ Tage die abgewartet werden müssen um sicher zu gehen dass die Menstruation zu Ende ist. Danach soll eine Frau die Mikwe besuchen, das rituelle Bad das sie in einen rituell reinen Zustand versetzt in welchem ihr der Geschlechtsakt wieder möglich ist.
    (Dies muss übrigens auch ein Mann tun wenn er z.B. einen nächtlichen Samenerguss hatte. Auch hier gilt das nicht als „eklig“ oder „abstoßend“ und auch für Männer ist eine „spezielle Reinigung“ zur Wiederherstellung der „rituellen Reinheit“ vorgesehen, das gleiche Ritual des Mikwebades wie bei Frauen.)

    In der Zeit der Menstruation ist die Frau von ihrem Mann „abgesondert“ (Nidda) was unter jüdischen Gesichtspunkten auch zum Erhalt der Ehe beiträgt, da Mann und Frau in dieser Zeit ihre geistige und seelische Verbindung stärken können und durch die Abstinenz die sexuelle Lust gesteigert wird und zum anderen ist die Abstinenz während der Menstruation auch ein gesundheitlicher Schutz für die Frau.

    Zudem ist es einer menstruierenden Frau durchaus gestattet die Synagoge zu besuchen, ebenso wie aus der Thora zu lesen oder diese zu berühren. Einige tun es nur einfach nicht, aus eigener Motivation heraus oder auch weil sie sich zurückziehen möchten.

    Das Gebot eine menstruierende Frau nicht zu berühren, betrifft übrigens nur ihren Ehemann. In allen anderen Situationen wäre es mindestens peinlich, denn man kann nicht jede Frau fragen ob sie aktuell menstruiert.
    Auch orthodoxe jüdische Frauen sind heutzutage ganz normal berufstätig und in der Arbeitswelt kann man eine gewisse Etikette nicht pauschal verweigern.
    (Mag sein dass sich ultra-orthodoxe Juden sehr streng und viel strikter an die Gebote der Tahara (Reinheit) halten – sie sind jedoch nicht stellvertretend für alle Juden zu betrachten, schon allein weil es „das Judentum“ so nicht gibt. Dazu bestehen zu viele Strömungen welche Ge- und Verbote viel zu unterschiedlich auslegen. Judentum ist keine dogmatische Religion.)

    So gesehen beleuchtet dieser Artikel hier den jüdischen Aspekt der weiblichen Menstruation und dem Umgang mit selbiger in einem falschen und negativen Licht. Sehr schade. Die eigentliche Betrachtung ist positiv und als „frauenfreundlich“ zu sehen.

  5. Ich finde die erläuterungen von v.z.sehr interessant, sind doch in allen kulturen tiefes wissen über die mystische bedeutung der menstruation vorhanden und zeiteilen durch patriarchale und andere gegebenheiten uminterpretiert worden. Auf jedenfall lohnt es sich für jede frau, sich auf das wesen ihres zyklus einzulassen und dadurch mehr zugang zu ihrem körper, ihren kräften und ihrem potential zu erhalten. Letztendlich dient das auch dem mann, der in verbindung mit ihr steht.

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