Mutter, Spender, Kind – wenn Singlefrauen Familien gründen

Buchcover: Mutter Spender Kind

Anya Steiner: Mutter, Spender, Kind, Ch. Links Verlag, 2015

Katrin wollte schon immer Kinder haben. Inzwischen ist sie Mitte 30, von ihrem Partner hat sie sich gerade getrennt. Als ihre Beziehung begann, war sie im besten Alter für eine Familiengründung. Als sie endet, sieht sich Katrin gezwungen, sofort einen neuen Mann zu finden, wenn sie noch Kinder haben möchte – oder nach Alternativen zu suchen.

Genau diesen Alternativen geht Anya Steiner in Mutter, Spender, Kind – wenn Singlefrauen Familien gründen, erschienen im Ch. Links Verlag, auf den Grund. Sie erfährt die ganz unterschiedlichen Geschichten von Frauen, die sich für einen Samenspender und oder eine Eizellenspende entscheiden, ihre Hoffnungen, Ängste, Schwierigkeiten. Die Mütter kommen zu Wort, ebenso wie die Spenderväter und Experten. Die moderne Medizin ermöglicht es Frauen, Kinder ohne Partner, ja sogar ohne Sex zu bekommen. Den Spender können sie in Datenbanken auswählen – oder sich auf einen privaten Spender einlassen. Für die Kinder ist es manchmal nicht einfach, damit umzugehen, dass sie nicht aus partnerschaftlicher Liebe heraus entstanden sind, so wie die Geschichte eines kleinen Mädchens, das nun überall nach seinem Vater sucht und seine Mama “Papa” nennt.

Anya Steiner informiert über die rechtlichen Rahmenbedingungen und gibt pädagogische Tipps. So unterschiedlich die Geschichten der Frauen auch sind, sie alle eint der Kinderwunsch, der mit den Bedingungen ihres Alltags nicht übereinstimmt. Da ist Simone, die mit 38 in die Wechseljahre kommt und sich entscheidet, allein ein Kind aus dem Ausland zu adoptieren. Oder Nadine, die durch die Samenspende eines schwulen Mannes, der gerne Vater werden möchte, zwei Kinder bekommt.

Das Buch löste, wie zu erwarten war, widersprüchliche Reaktionen aus. Deutschlandradio bedauert, dass die Kinder selbst nicht zu Wort kommen und Anya Steiner erklärt im Schlusswort pflichtschuldigst, dass die Männer einen wichtigen Teil in dem Buch einnehmen, auch wenn sie nur Samenspender sind und dass im Laufe des Jahres ein weiteres Buch über “Parenting” erscheint. Offenbar kann man heute kein Buch mehr über Mutterschaft schreiben, ohne auch ausführlich auf die Väter einzugehen, selbst wenn diese nur ihr Genmaterial zur Verfügung stellen.

Anya Steiner schreibt als Frau, die selbst Erfahrungen mit der Samenspende gemacht hat und dieses Buch eigentlich nur als Erfahrungssammlung herausgeben wollte. Entstanden ist ein Ratgeber, der auf alle Aspekte eingeht, die mit einem unerfüllten Kinderwunsch einhergehen, dem Suchen nach Informationen, der Unsicherheit, dem Gefühl, einen exotischen Weg zu beschreiten. Sie zeigt, dass sich das Familienbild verändert -und dass es längst normal ist, eine Samen- oder Eizellenspende in Anspruch zu nehmen. Frauen brauchen heute keine Männer mehr, um sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Es ist seltsam, dass es an einigen Stellen einen Aufschrei gibt, was mit den armen Kindern ist, die ohne Vater groß werden, wo doch gerade erst das Scheidungs- und Unterhaltsrecht reformiert wurde, damit Männer sich schneller ihrer “Altlasten” entledigen können.

Männer begrüßen den Fortschritt, weil er sie in vielen Teilen der Welt von schwerer körperlicher Arbeit und Krankheit befreit hat. Nur wenn es um die Frauen geht, wird erwartet, dass sie weiterhin Sklavinnen ihrer Biologie – und vor allem der gesellschaftlichen Verhältnisse bleiben. Es ist begrüßenswert und mutig, dass Anya Steiner mit ihrem Buch das Tabu bricht und offen über Samenspenden spricht. Gleichzeitig findet hier eine Veränderung des negativ konnotierten Begriffs der Alleinerziehenden statt. Nicht länger ist sie ein Opfer der Umstände, das zu bemitleiden ist, sondern eine Frau, die eine der wichtigsten Entscheidungen in ihrem Leben ebenso selbstbestimmt wie durchdacht trifft, wie sie sich einen Job sucht.  Hier findet eine wichtige Emanzipation statt – weg von dem Modell der patriarchal-partnerschaftlichen Abhängigkeit, bei der es meist der Frau zum wirtschaftlichen Nachteil gereicht, sich um die Kinder zu kümmern, mit dem Risiko allein und finanziell geschädigt zurück zu bleiben, hin zu einer bewussten und deshalb sicher umso tragfähigeren Entscheidung zur Mutterschaft, die nicht auf einer Partnerschaft basiert.

In den USA hat sich mit Single Mothers by Choice längst ein Verein gegründet, der Frauen dabei unterstützt, ihren Kinderwunsch ohne Partner zu verwirklichen und Kinder ohne jede männliche Unterstützung großzuziehen.

 

1 Kommentare

  1. Belladonne

    Wie ist es für die zahlreiche Kinder, die ohne Vater aufwachsen, aber ganz natürlich in einer je mehr oder weniger kurzlebige Partnerschaft gezeugt wurden? Egal wie alt ihre Mutter ist…
    Und wie ist es für die Kinder dessen Vater auf nimmerwiedersehen weg ist und die in einer Patchwork Familie aufwachsen, wo der Partner der Mutter die Vaterrolle eher schlecht als recht übernimmt.. und als solche von den Kindern nicht anerkannt wird. Ist es nicht noch schwieriger, als zu wissen, dass man ganz ohne Vater gezeugt worden ist?

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