Pick-Up-Artists – die gezielte Manipulation von Frauen

Couple in Love

via Pixabay, Public Domain CC0

Auf Facebook haben wir bereits über die Pick-Up-Artists berichtet – seither hat uns das Thema nicht mehr losgelassen. Viele Kommentare haben uns erreicht – und auch Erfahrungsgeschichten. Das Phänomen ist offenbar verbreiteter, als sich annehmen lässt – Grund genug, um darüber noch einmal in einem eigenen Blogpost zu berichten.

Pick-Up-Artists sind Männer, die mit gezielten Manipulationsversuchen Frauen so schnell wie möglich ins Bett bekommen wollen. Das einzige Merkmal bei der Auswahl ihrer Opfer ist das Aussehen – dafür werden auf einer Skala von 1-10 Punkte vergeben. Dann folgen verschiedene Schritte – “Number-Close” – “Lay” bedeutet, die Frau ins Bett bekommen zu haben. Um das zu erreichen, geben sich die Männer am Anfang besonders verständnisvoll, um rasch eine emotionale Bindung aufzubauen und das Vertrauen der Frau zu gewinnen. Diese Masche wird abgewechselt mit gezielten Sticheleien auf das Selbstwertgefühl der Frauen – totale Nähe wird abgewechselt mit Rückzug, bis die Frauen ihren eigenen Gefühlen nicht mehr vertrauen.  Das heißt in der Community “Push and Pull”. Die Frau gerät so in eine zunehmend schwächere und abhängige Position, sie wird gezielt verunsichert. Lehnen die Frauen den Sex ab, wird jedes vorangegangene Interesse geleugnet, die Frauen werden sogar beleidigt und verbal herabgewürdigt, bis sie nicht mehr wissen, ob sie sich die zuvor gefühlte Zuneigung nur eingebildet haben.

Offenbarungseid männlicher Sichtweisen

Obwohl es auch Pick-Up-Strategien für Frauen gibt – die allerdings nicht auf Sex sondern auf dauerhafte Bindung abzielen, sind sich Forscher einig, dass Pick-Up-Artists zutiefst frauenfeindliche und sexistische Ansichten vertreten. Für sie sind Frauen nur Objekte, Trophäen, die es gilt ins Bett zu bekommen. Was sie den Frauen damit antun, ist ihnen vollkommen egal. Psychologen sagen, dass hinter einem Pick-Up-Artist nicht selten ein narzisstischer Mann mit viel aufgestautem Frust auf Frauen steckt. Rache ist durchaus ein Motiv für vorangegangene Zurückweisung durch Frauen.

Ein Blick in die Pick-Up-Foren offenbart dementsprechend Gruseliges. Die Community geht davon aus, dass Frauen instinktiv nach einem “dominanten” Partner suchen – das sei ein Anzeichen für gute Gene – und auf die sind Frauen so scharf, dass sie gar nicht anders können, als sofort mit den Männern ins Bett zu gehen. Frauen und Männer werden in verschiedene Archetypen eingeteilt, um sie besser einschätzen zu können, auch wird ausführlich besprochen, wie sich Frauen in Gruppensituationen verhalten.
In Deutschland gibt es gleich mehrer Pick-Up-Seiten – die größte ist das Pick-Up-Forum mit mehr als 100.000 Mitgliedern. Seminare und Bücher vermitteln Einsteigern die richtigen Tricks.

Viele der Elemente wurden aus dem NLP-Bereich übernommen, der neurolinguistischen Programmierung, die darauf abzielt, Sprache und Körpersprache so bewusst einzusetzen, dass das Gegenüber gesteuert werden kann, auch Hypnose kommt zu Einsatz.
Die Manipulationstechnicken wurden bekannt durch das Buch “The Game” von Neil Strauss, das 2005 erschien und ein Bestseller wurde. 2007 produzierte MTV eine Reality-Show, in der Männer von einem Trainer zu Pick-Up-Artists ausgebildet wurden. Mit Seminaren, CDs und Büchern zu dem Thema wird inzwischen ein Vermögen umgesetzt.

Frauen als “Jagdobjekte” und Trophäen

Die Männer setzen Standardsätze ein wie: “Weißt du, ich glaube, die meisten Leute bekommen einen völlig falschen Eindruck von dir. Du magst äußerlich etwas kühl erscheinen. Aber in Wirklichkeit bist du viel sensibler, als andere glauben.“ – Sätze, die sie nach dem Random-Prinzip bei jeder Frau anbringen – doch viele Frauen glauben, der Mann habe sich wirklich die Mühe gemacht, sich in sie hineinzuversetzen. In Wirklichkeit ist sein einziges Ziel, sie so schnell wie möglich zum Sex zu bewegen und sie dann fallenzulassen wie die sprichwörtliche heiße Kartoffel – natürlich nicht ohne seinen Buddies in der PUA-Community ausführlich über seinen “Erfolg” zu berichten.

In den Foren wird jede Situation ausführlich besprochen und interpretiert, klappt das Date oder der Sex nicht, geht die Gemeinschaft engagiert auf die Suche nach dem “Fehler” in der Kommunikation des Mannes – dass Frauen einen eigenen Willen haben und selbst entscheiden, wann sie jemanden sehen oder mit ihm Sex haben möchten, wird ignoriert.

Beim Umsehen auf den Seiten fällt auf, dass anstatt der großen Erfolgsgeschichten oft totale Verunsicherung unter den Nutzern herrscht – besonders unter den “Beginners”.

“Sie hat mir ihre Nummer gegeben, doch ich konnte sie danach nicht mehr erreichen – was habe ich falsch gemacht?” – Nichts, mein Lieber, ist frau versucht, darunter zu schreiben. Auch Frauen selektieren und vor allem gehen sie nur dann auf Dates, wenn ihnen danach ist. Und nicht wenige geben dir ihre Nummer auch nur aus Mitleid, weil sie dich nicht verletzen wollen. Sie haben nie vor, mit dir auszugehen. Egal, wie viele Techniken du anwendest.

Aus Angst vor Frauen wird Frauenhass

Für die Männer sind die Pick-Up-Communities auch Rückzugsorte, wo sie ihre sonst gefühlt geschmähte Männlichkeit ausleben können. Jeder kleine Junge möchte schließlich mal in einer geheimen Bande sein. Tatsächlich ist die charakterliche Reife und geistige Tiefe vieler PUAs auf geradezu unterirdischem und schlichtem Niveau – ihre Internetberichte legen davon mehr als genug Zeugnis ab. Sie benutzen Codewörter und Kürzel und tauschen sich über die erfolgreichsten “Strategien” aus. Der Tenor: Frauen sind dämlich und leicht zu manipulieren. Gaukele ihnen nur ein wenig Feingefühl und Interesse für sie vor und sie werden zu Wachs in deinen Händen – “ready to pick up”. Viele der User haben dezidiert frauenverachtende Ansichten, die sie unverblümt ausdrücken. Dabei wird ganz klar, dass sie, wenn sie schon Zeit und Geld in ein Date investieren, Sex als Belohnung erwarten. Deutlich wird auch, dass für die meisten die Tipps und Tricks vor allem dazu dienen, die eigene Angst vor Frauen zu überwinden – viele Threads drehen sich um Unsicherheiten in Bezug auf das eigene Aussehen oder Verhalten.

Von der emotionalen Gewalt zur physischen

Pick-Up-Artists stehen für die sexistische Sichtweise, dass Frauen nur als Objekte für männliche Interessen taugen. Dass sie Menschen mit Gefühlen und eigenem Willen sind, wird ausgeblendet. Tatsächlich kann die Begegnung mit einem Pick-Up-Artist eine Frau, die ohnehin schon an einem geringen Selbstwertgefühl leidet oder gerade eine schwierige Phase hat, sehr verletzen. Doch auch, wenn sie es besser wegsteckt – das Gefühl, benutzt worden zu sein, bleibt. Da die Männer mit einem “Investment”-Gedanken an die Sache rangehen, fühlen sie sich im Recht, die Frau im Falle einer Verweigerung von Sex zu “bestrafen” – sie also verbal fertig zu machen. Das ist schon schlimm genug – doch die Grenze zu körperlicher Gewalt ist da nicht fern. Die Manipulationsversuche der Pick-Up-Artists sind emotionale Gewalt, die schnell zu verbaler wechselt. Es wäre interessant, herauszufinden, wie viele “Date-Rapes” im Zusammenhang mit PUAs stehen.

Auch der Killer des Isla Vista Massakers, Elliot Rodgers, war auf einigen Pick-Up-Artist Seiten unterwegs – doch er hatte dennoch keinen Erfolg bei Frauen. Er erwartete von Frauen, ihm sexuell zur Verfügung zu stehen, ihre Zurückweisung machte ihn so wütend, dass er zum Mörder wurde. Motiv: Frauenhass.

Man mag über die verzweifelten Versuche der Pick-Up-Artists lächeln, doch gefeit vor ihnen ist keine von uns. Ihre Methode ist die logische Konsequenz einer Gesellschaft, die Frauen konsequent zu dauerhaft sexuell verfügbaren Objekten macht. Das erzählt die Werbung, der Porno, die Legalität von Prostitution und die sinkende Strafverfolgung von Vergewaltigern.

Die PUA-Männer sind aufgrund ihrer fehlenden Reife zu bemitleiden. Doch sie stehen auch für ein neues Zeitalter des Frauenhasses und der Objektifzierung von Frauen.

3 Kommentare

  1. Käsestulle

    “Die Frau gerät so in eine zunehmend schwächere und abhängige Position, sie wird gezielt verunsichert.”

    Seien wir mal ehrlich: Wären Frauen nicht ohnehin qua Geschlechterverhältnis in einer schwächeren, abhängigen und verunsicherten Position, würde Pick up nicht funktionieren. Pick up ist nur ein Symptom. Es wäre nötig, die Ursachen des Übels zu bekämpfen.

  2. Hej,

    Ich les echt gern auf diesem blog, und ich finde dort immer inspirierende Aspekte, eines geht mir jedoch ein wenig auf die Nerven;

    Natürlich gb es viel auszuhalten und wir arbeiten an Gleichberechtigung, manchmal ist Alles scheiße, aber genau das feeeling hab ich nach den Meisten der Artikel. Ich fänd es wesentlich intensiver, wenn am Ende mal etwas motovierendes stünde und nicht immer dieses Alle-sind-gegen-dich-feeling käme. Es scheint mir als läge der Fokus auf der alltagäglichen Unterdrückung, anstatt auf der Motivation, sich dagegen zu wehren, bzw, damit umzugehen.

    Dass es so (shitty) ist wie es ist, wissen wir doch aus eigener Erfahrungen, was man dagegen tun kannm bzw. welche Gedankengänge hilfreich sind, wäre interessant.

    Und bitte nehmt diesen Kommenatr nicht als bloßes Gemecker, sondern gutgemeinte Kritik an, das würd mijch sehr freuen, denn ich finde diese Seite (allein schon der Name ist herrlich!) fabelhaft!

    Liebste Grüße

  3. Ich werde öfter angesprochen und gebe manchmal meine Nummer, denn grundsätzlich finde ich es in Ordnung, wenn Männer proaktiv sind. Allerdings merke ich doch, dass das PUA Phänoman immer verbreiteter wird und das systematische ‘abgreifen’ macht mich inzwischen stutzig. Zu einem Date mit den ‘Profis’ ist es bisher nie gekommen, weil ich rechtzeitig die Leine gezogen habe, denn in der darauffolgenden Kommunikation sah ich klar, dass ich vorbereitet wurde auf eine ungesunde Dynamik – gleichwohl eher subtil. Ich erkenne es nur deshalb, weil ich seit einer sehr traumatischen Beziehung mich intensiv mit Manipulationstechniken auseinander gesetzt habe. Dann analysiere ich auch das pick-up Gespräch und muss feststellen – hoppla! wurde an mir angewendet.

    Scheint fast, als ob ‘Normalos’ gelehrt werden, was Psychopathen von Natur aus können. Unheimlich fand ich den Satz auf einer PUA Seite: ‘sucessfull artists don’t only hunt women, but farm them’.

    Gesunde Grenzen sind die beste Vorsorge, die habe ich allerdings erst seit kurzem und es brauchte einen Totalzusammenbruch um da anzukommen.

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