Pornos machen traurig

Buchcover: Pornos machen traurig

Peter Redvoort: "Pornos machen traurig", Books on Demand, 2011

Peter Redvoort hat ein Buch geschrieben. “Pornos machen traurig” heißt es und es erzählt die Geschichte von einem ganz normalen Mann und seiner Auseinandersetzung mit dem Porno. Es ist eine selbstkritische, humorvolle und kluge Beschäftigung mit jenem Thema, das jeden unserer Lebensbereiche durchdrungen hat. Männer, fast alle, tauchen immer wieder in dieses Paralleluniversum des Pornos ein, sie sprechen aber nicht darüber, vor allem nicht mit ihren Frauen oder Töchtern. Er erzählt, wie gerne er seine Nachbarin vor der erotisierenden Wirkung der Miniröcke ihrer minderjährigen Töchter warnen möchte, weil da draußen eben lauter Männer mit Pornoblick sind, doch da gibt es “eine Sprachlosigkeit, über eine Erotik die in zunehmendem Maße allgegenwärtig ist.”

Ein wenig hilflos versucht er zu erklären, warum ganz normale Männer sich Pornos ansehen, in denen Frauen ohne jede Zärtlichkeit “durchgefickt” und benutzt werden.

Für manche ist die aggressive Porno-Welt wohl ein Ventil für eine Wut , die der Konkurrenzkampf der sexualisierten Medienwelt in uns ausgelöst hat: Alle erfolgreichen Männer scheinen “geile Weiber” zu haben, dicke Autos zu fahren  und mit einem braungebrannnten lachenden Gesicht durch das Leben zu fahren.

Klar formuliert er seine Bedenken, dass Männer, die regelmäßig in die rohe Pornowelt eintauchen, irgendwann auch die übrige Welt nur noch durch die Pornobrille sehen können. Da ist die aufreizende Büroangestellte, auf die man sich dann unter der Sparte “Office Sex” einen runterholen kann, die hübsche Kassierin, sie alle werden sich nur noch unter Pornoposen vorgestellt. Der Porno hingegen überflutet die Männer mit operierten und gekünstelten Frauen, so dass für diese “normale” Frauen schon gar nicht mehr von Interesse sind. Deutlich beschreibt er die triste Langeweile eines normalen Büroangestellten und analysiert den Faible für den brutalen “Face Fuck” als Rache der Männer für die verbale Unterlegenheit unter ihre Ehefrauen und Partnerinnen. Endlich stopfen sie ihnen mal das Maul.

In der Pornowelt sind wir Männer noch die Bosse, und ich bin mir fast sicher, dass das einen Teil ihres Reizes ausmacht: Frauen, die bitten und betteln; dass sie endlich ordentlich durchgefickt werden, egal in welche Körperöffnung.

Immer wieder taucht in seinem Buch, er selbst ist ein bekennender Pornonutzer, die Frage auf, in was für einer Welt wir eigentlich leben, leben wollen? In der Kategorie “Sleeping” werden Pornos mit Mädchen gezeigt, die mit KO Tropfen bewusstlos gemacht wurden. Jugendliche werden durch Pornos sexualisiert, bevor sie die ersten Zärtlichkeiten erleben – und überhaupt: Zärtlichkeit kommt im Porno überhaupt nicht mehr vor. Redvoort spricht auch den Rassismus des Pornos an, die unersättlichen Brasilianerinnen, die mit “furchterregend großen Schwänzen” ausgestatteten Schwarzen. Die Großaufnahmen, die verzerrten Gesichter, das alles hat so gar nichts gemein mit dem, was doch eigentlich in Schlafzimmern stattfindet. Mit seinem Freund Bernhard versucht Peter zu erörtern, warum der Porno so ist, wie er ist, warum es den Cumshot gibt, warum die Frau die dreckige Schlampe ist, der Gruppensex, der Gangbang. Oft ist es humorvoll, den Gesprächen der beiden zu folgen, oft genug stellt man aber auch fest, wie selbstverständlich diese Begriffe längst für uns geworfen sind. Zufriedenstellende Antworten finden sie nicht.

Peter denkt weiter nach, über den Porno und warum Männer Pornos schauen. Und dann kommt der Moment, an dem er feststellt, dass ihn Pornos einsam machen. Traurig. Dass das, was er sich wirklich in seinem Leben wünscht, echte Nähe und Zärtlichkeit ist, Verbundenheit zu einem anderen Menschen, keine dehumanisierten Ficklöcher, wie sie uns der Porno vorspielt. Romantik. Vertrauen. Der Porno nimmt uns das weg. Er nimmt uns weg, dass Männer Frauen als Menschen betrachten, sie vergleichen sie mit den Stars in ihren Lieblingspornos. Deshalb machen Pornos traurig.