Pornos sorgen für Sexualstraftaten

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By Ricardo Martins from Gent, Belgium (Chickita's Sex Paradijs) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Im Zusammenhang mit Pornos ist immer wieder die Rede davon, dass sie für eine sexuell befreitere Gesellschaft stehen. Porno ist gleich Fortschritt, je lockerer wir mit dem Thema umgehen, umso befreiter sind wir. Dass gerade Pornos die klischeehaften Rollenverteilungen immer wieder inszenieren ist nur ein Aspekt, der darauf hinweist, dass es mit dem Befreiungspotenzial für Frauen beim Porno nicht so weit her ist. Über die explizit gewalttätigen Aspekte haben wir auf den Störenfriedas immer wieder geschrieben. Dennoch wird ebenso wie bei Prostitution gerne behauptet, Pornos würden, durch “Druckabbau” Sexualstraftaten verhindern. Das wollten wir genauer wissen. Bei unseren Recherchen sind wir über eine Abschlussarbeit von Dominik Birner “Pornografie und Sexualstraftaten – was wissen wir über die Zusammenhänge?” im Studienfach Jura gestoßen, die den Zusammenhang von Pornos und Sexualstraftaten explizit aufzeigt.

Dabei ist zunächst interessant, wie der Gesetzgeber “einfache” und “harte” Pornografie unterscheidet: Laut §184a des StGB ist harte Pornografie solche, die Gewaltdarstellungen, Folter oder zum Beispiel Sex mit Tieren zum Inhalt hat. Ihre Verbreitung ist verboten, weil der Gesetzgeber einen “Nachahmungseffekt” befürchtet.

Bereits in den 1970er Jahren wurden die Auswirkungen der gerade erst legalisierten Pornografie in mehreren Ländern untersucht, und die Studie kam zu dem Ergebnis, dass es eine erhöhte Anzeigebereitschaft bei Sexualstraftaten gab, die Zahl der Straftaten aber vermutlich nicht angestiegen sei.

Anfang der 1980er gaben 33 Prozent der befragten männlichen Pornokonsumenten aus Deutschland an, sich an Vergewaltigungsdarstellungen im Porno zu erregen, allerdings würde das bei Männern, die nicht über eine bestimmte “Prädisposition” verfügen, keine Sexualstraftaten zur Folge haben. Anders ist es bei Kinderpornografie: Hier führt der Konsum zu mehr Straftaten.

Bei härterer Pornografie besteht die Gefahr der “Habituation” – der Gewöhnung. Sexuelle Erregung und das Anschauen von Gewalt werden miteinander verknüpft. Das führt zu weniger Empathie mit den Frauen, wobei die Männer, die regelmäßig Gewaltpornos konsumieren den Eindruck gewinnen können, dass Frauen generell Lust bei gewaltsamen Sex empfinden. Gleichzeitig wird den Männern suggeriert, dass sie bei einer Vergewaltigung wenig zu befürchten haben. Doch auch hier gilt: Gibt es keine “Neigung” des Mannes zu Sexualstraftaten, wird er auch durch Pornos nicht dazu gebracht. Männer, die eine “Neigung” dazu haben, werden jedoch auffällig. Hardcore Pornos senken die Hemmschwelle, eine wirkliche Straftat zu begehen. Das gilt insbesondere im Bereich der Kinderpornografie.

Die wohl perfideste Wirkung der Kinderpornografie ist das sogenannte “Grooming”. Kinder werden durch das Anschauen von Kinderpornografie dazu gebracht, Sex mit einem Erwachsenen als “normal” zu betrachten und so sein Abwehrverhalten zu schwächen.

Eine Studie aus den USA konnte zeigen, dass Pornokonsum besonders für Heranwachsende kritisch zu betrachten. Explizit gewalttätige Inhalte führen zu Nachahmung und zu einem Anstieg der Übergriffe. Das im Porno gesehene wird reinszeniert. Jugendliche Sexualstraftäter schauen doppelt so häufig Hardcore-Pornos wie ihre Vergleichsgruppe, die nicht straffällig wird. Besonders deutlich wird das im Zusammenhang mit sexueller Belästigung – eine Studie zeigte, dass 76 Prozent aller Jugendlichen, die sexuelle Belästigung ausübten, Hardcore-Pornos ansahen.

Dominik Birners Überblick zeigt, dass “weiche” Pornografie harmlos ist. Nutzer weicher Pornografie gehen nicht automatisch zur Hardcore Pornografie über. Die Verbreitung von harter Pornografie ist zu verbieten, weil es im Falle einer Prädisposition, also einer bereits zuvor existierenden Bereitschaft zu vergewaltigen, einen Anstieg von Sexualstraftaten zur Folge hat.  Drastisch ist der Zusammenhang bei Heranwachsenden: Der Konsum von Hardcore-Pornos führt zu einem Anstieg von Sexualstraftaten und sexueller Belästigung. Das Verbot der Verbreitung wird in Deutschland durch die freie Verfügbarkeit von Pornos in allen extremen Varianten über das Internet ad absurdum geführt.

Dominik Birner: Pornografie und Sexualstraftaten – was wissen wir über die Zusammenhänge? GRIN Verlag 2009

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