Queerfeminismus: Der Anfang vom Ende der Meinungsdiktatur

Wer sich außerhalb feministischer Kreise bewegt, wird wenig darüber wissen, wie zerstritten die Bewegung ist. Auf den ersten Blick mögen die Bruchlinien zwischen radikalem Feminismus, wie ihn die Störenfriedas vertreten, in Kanada zum Beispiel Feminist Current und in Australien Organisation wie Collective Shout, und dem Queerfeminismus unbedeutend erscheinen. Irgendwie wollen wir doch alle mehr Gerechtigkeit für Frauen, mag man naiverweise denken. Dem ist nicht so. Radikaler Feminismus hat seinen Ursprung in der sogenannten zweiten Welle des Feminismus ab den 1960er Jahren. Radikal weil er Unterdrückung von der Wurzel her denkt (= lat. radix) und die Wurzel unserer Unterdrückung ist unser Geschlecht. Radikaler Feminismus betrachtet Frauen in ihrer Gesamtheit als unterdrückte Klasse und analysiert alle gesellschaftlichen Zusammenhänge davon ausgehend. Ursache für die Unterdrückung sind patriarchale Strukturen, die Herrschaft einiger Männer über die Frauen, von der am Ende alle Männer profitieren.

Diese Strukturen zeigen sich darin, dass Frauen immer noch schlechter bezahlt werden, sie zeigen sich in Alltagssexismus und in der laschen Strafverfolgung von Vergewaltigern, in Vergewaltigungswitzen, im Abtreibungsverbot, in der Hexenjagd auf Mütter und der Glorifizierung der Väter durch Politik und Medien, im erlaubten Sexkauf und der geduldeten Ausbeutung von Frauen als Prostituierte, in der frauenfeindlichen Pornografie und in der wachsenden Akzeptanz von Leihmutterschaft. Das Menschsein wird nach wie vor vom Mann her gedacht, die Frau, die davon abweicht, ist geringer und wird auf ihre Verwertbarkeit für das Patriarchat reduziert. Feminismus, der das benennt, stört die gesellschaftliche Ordnung und wird gerade von Männern, die ihre patriarchalen Privilegien nicht verlieren möchten, auf das Schärfste bekämpft.

Weg von den Wurzeln, rein in die Mitte der Gesellschaft

In den 1990er Jahren kam mit dem Queerfeminismus und vor allem den Schriften von Judith Butler eine neue Richtung des Feminismus, die sogenannte 3. Welle des Feminismus auf. Eigentlich ging es ihr nur darum, zu zeigen, dass es biologische Geschlechter gibt, die sozialen Rollen aber von sozialen Geschlechtern abhängen und diese können durchaus mehr sein als nur Mann und Frau. Dass Frauen nicht mehr aufgrund ihrer Biologie in soziale Rollen gedrängt werden, war auch dem Feminismus der 2. Welle ein Anliegen, doch der Bruch zwischen den beiden Strömungen des Feminismus begann, als aus dieser Kritik an der Verknüpfung von Biologie und gesellschaftlicher Stellung ein lustiges Rollenspiel mit Identitäten wurde. Auf einmal durften Frauen nicht mehr sagen: “Ich bin eine Frau”, denn das gilt in der Meinungsdiktatur des Queerfeminismus als gewaltvoll. Gewaltvoll all denjenigen gegenüber, die biologisch ein Mann sind, sich aber als Frau fühlen – also im falschen Körper stecken. Frauen dürfen weder über ihre Vulven noch ihre Menstruation noch ihre Gebärfähigkeit sprechen. Was jahrtausendelang eng mit ihrer eigenen Unterdrückung verknüpft war, wurde auf einmal zum Privileg – dem sogenannten “Cis-Privileg”. Wer dagegen widerspricht, findet sich bald in der Mitte einer unvorstellbaren Hasswelle wieder. Wir Störenfriedas haben schon häufiger aus verschiedenen Perspektiven aufgezeigt, dass Transaktivismus, also die politische Forderung Transfrauen Frauen gleich oder am besten noch besser zu stellen als Frauen, patriarchaler Logik entspricht und nur wenig Feministisches an sich hat. Es geht dabei nicht um die individuelle Entscheidung einzelner, sondern um die politische Forderung, dass alle Frauenräume all jenen geöffnet werden sollen, die sich als Frauen fühlen: Toiletten, Frauenhäuser, gynäkologische Praxen, feministische Gruppen. Immer wieder gibt es Berichte darüber, dass Transfrauen eben aufgrund ihrer jahrzehntelangen männlichen Sozialisation, sich in diesen frauenexklusiven Räumen benehmen wie der Wolf im Schafspelz: Übergriffe, Vergewaltigungen, Unterdrückung. Das entspricht dem, was der radikale Feminismus schon lange weiß: Männliche Sozialisierung lässt sich nicht einfach abstreifen. Wer mit dem Wissen aufwächst, dass er Frauen Gewalt antun darf, weil er ein Mann ist, legt das nicht in dem Moment ab, in dem er sich entscheidet, eine Frau zu sein.

Die Kritik des radikalen Feminismus am Transgender-Konstrukt reicht noch weiter, zementiert es doch gerade die Geschlechterrollen, die doch eigentlich abgeschafft werden sollen. Wie fühlt sich denn eine Frau? Sind Nagellack und hohe Schuhe typisch Frau und wer beides mag, ist eine? Damit werden Stereotypen am Leben erhalten, die doch überwunden gehören. Transaktivisten haben dabei schon einige Erfolge zu verzeichnen, Institutionen wie das Mich-Fest, ein seit über 20 Jahren stattfindenden Frauenfestival, haben aufgehört zu existieren, weil Transaktivisten sich ausgeschlossen fühlten. Das trifft auch auf viele andere Bereiche des Feminismus zu. Auch wir haben da unsere Erfahrungen gemacht. So wurde uns von Transaktivisten angedroht, uns mit Eisenstangen zu vergewaltigen und Ähnliches. Patriarchat in Reinform eben.

Alle Menschen sind gleich. Einige sind gleicher

Queerfeminismus ist aber noch viel mehr als Transaktivismus, auch wenn der Support männlicher Forderungen sehr typisch ist. Es ist die dominierende Form des Feminismus in der öffentlichen Wahrnehmung und bei näherer Betrachtung zeigt sich auch, warum. Queerfeminismus ist geradezu besessen von der “Choice”, der individuellen Entscheidung. Prostituierte werden nicht ausgebeutet, sie haben sich für die Prostitution entschieden, und leben ihre “agency” aus, auch so ein queerfeministischer Begriff. Auch Vergewaltigungsopfer haben so eine “choice”. Sie können sich als Opfer fühlen oder als Erlebende. Auf diese Weise werden die zugrundeliegenden gesellschaftlichen Strukturen (die Gesellschaft akzeptiert Prostitution, weil “Männer eben so sind” und lässt Vergewaltiger davon kommen) unsichtbar gemacht und alles auf das Individuum zurückgeworfen. Das ist das genaue Gegenteil von der oben beschriebenen Solidarisierung der Frauen untereinander als unterdrückte Klasse, aber es ist eben auch für die Gesellschaft einfacher zu ertragen.

Verrat an den Frauen, Feigenblatt für die Gesellschaft

Queerfeminismus bietet der widersprüchlichen Gesellschaft einen Ausweg an: Auf der einen Seite sind wir als Gesellschaft noch immer unfähig, patriarchale Strukturen grundlegend zu analysieren und zu überwinden, auf der anderen Seite ist Gleichberechtigung aber auch irgendwie wichtig, politisch, gesellschaftlich. Der Queerfeminismus sagt: “Gleichberechtigt bist du, wenn du dich gleichberechtigt fühlst.” Prima, hm? Nur das Gefühl entscheidet, selbst wenn die Umstände noch immer genauso ungerecht und patriarchal sind, wie eh und je. Die Gesellschaft hat nun keine Verantwortung mehr, allein die Einzelne muss mit ihren Problemen selbst klarkommen, auch wenn diese gesellschaftlich verursacht werden.Eine unglaublich praktische Lösung, mit der es die Gesellschaft schafft, den Feminismus zu inkorporieren, ohne sich des Patriarchats zu entledigen (wer darüber mehr lesen möchte, dem sei Mary Daly an das Herz gelegt).

Nun könnte man sagen, das sind eben zwei unterschiedliche Ansätze und diese könnten ja in einen fruchtbaren Austausch miteinander gehen. Genau da aber zeigt sich die verheerende Wirkung der Allianz aus Queerfeminismus und modernem Patriarchat. Der Queerfeminismus glaubt sich im Besitz der alleinigen Wahrheit. Unterstützt wird er dabei mit Begeisterung von allen großen Medien, den Zeitungen, dem Fernsehen, die, außer ab und zu mal Alice Schwarzer, ausschließlich den Queerfeminismus zu Wort kommen und dabei jede journalistische Sorgfalt fahren lassen. Für seinen Verrat an den Frauen wird der Queerfeminismus belohnt – mit Anerkennung, mit Geld, mit Posten. Wer dem Queerfeminismus aber widerspricht, wird nicht nur sofort aus der feministischen Queerszene ausgeschlossen, er sieht sich auch einer regelrechten Hexenjagd in den sozialen Medien gegenüber. Kritik ist bei diesen Sprachrohren des Feminismus, die vom Feminismus und ihren Leserinnen leben, nicht erwünscht. Wir Störenfriedas können davon ein Lied singen. Andere verloren sogar ihren Job deswegen. 

Auch der universitäre Diskurs wird vollständig vom Queerfeminismus beherrscht. “Gender Studies” heißt es dort, und hier geht es um viel: Um Titel, um Jobs, um Einfluss, um die Lehre an sich. Wer sich an der Uni nicht dem Queerfeminismus konform verhält, kann ernsthafte Schwierigkeiten bekommen. Klatschkonzerte bei unliebsamen Themen sind da noch die leichteren Formen.

Autoritäre Unterdrückung von Kritik

In den vergangenen Jahren zeigte die queerfeministische Hegemonie immer wieder ihre Unfähigkeit zur Selbstreflektion und Weiterentwicklung und die Kritik nahm zu, auch hier in Deutschland. Jüngst erschien das Buch “Beißreflexe”, das eine heftige Debatte auslöste und auch die EMMA griff das Thema endlich auf und benannte in einem eigenen Dossier den Queerterror. Gegenwehr war zu erwarten, griff die EMMA doch tatsächlich mit Judith Butler eine der Ikonen des Queerfeminismus an. Wir sind dankbar für diese Debatte und hoffen, dass sie noch lange weitergeführt wird. Was sich allerdings DIE ZEIT als Reaktion auf das EMMA-Dossier dann überlegte, zeigt einmal mehr, wie sehr die Medien bereit sind, den Queerfeminismus als Feigenblatt für ihre eigenen patriarchalen Strukturen (die meisten Chefredakteure sind noch immer männlich) zu benutzen. Der dreiseitige Artikel zeigt erstmal ein Foto, auf dem Männer zu sehen sind. Das ist sicher kein Zufall, denn Queerfeminismus schließt Männer ausdrücklich mit ein.

Die Autorinnen, Sabine Hark und Judith Butler selbst, machen im Text dann etwas, das für den Queerfeminismus sehr typisch ist. Sie räumen ein, dass Kritik an der Meinungsdiktatur innerhalb des Queerfeminismus ja an einigen Stellen ja berechtigt sein mag, aber dann bitte nicht so, wie es das Buch und die EMMA tun. Auch das haben wir schon sehr oft erlebt. Kritik darf nur in der vom Queerfeminismus erlaubten Form vorgebracht werden – nämlich gar nicht. Und wer es dennoch tut, ist wahlweise rechts oder Trump oder dumm oder gewalttätig. Aus dem Artikel spricht die ganze Arroganz des Queerfeminismus, der sich hinter außerhalb der Szene unverständlichen Begriffen verbirgt, der sich abschottet gegen jede Reform und zugleich für sich in Anspruch nimmt, so hip und lustig zu sein, wie man es 2017 nur sein kann. Queerfeministinnen wähnen sich im Besitz der einzigen Wahrheit, sie agieren aus dem Bewusstsein vollkommener moralischer Überlegenheit heraus und reagieren auf Anregungen zum Perspektivenwechsel mit Spott, Lügen und Hetzkampagnen. Normalerweise spielt sich das in den sozialen Medien ab, wo es die Queerfeministinnen, ähnlich wie in den traditionellen Medien, über Jahre hinweg auch zu einer gewissen Vormachtsstellung gebracht haben. Nun funktionieren soziale Medien aber anders. Jeder kann sich einen Twitteraccount oder einen Blog basteln und drauf losschreiben und wenn sich genügend Leute dafür interessieren, eine ganz unabhängige Reichweite aufbauen. Diese Reichweite wiederum kann der Dominanz des Queerfeminismus erhebliche Risse verpassen, gegenteilige Meinungen anbieten, Kritik üben. Und wieder zeigt sich, wie Queerfeminismus agiert. Statt in den Diskurs zu gehen, wird lieber mit Abmahnungen und Unterlassungserklärungen gearbeitet und – das ist der neueste Tiefpunkt – im Zeitartikel sogar von “asozialen Medien” gesprochen.

Nazisprache im Queerfeminismus

Der Begriff “asozial” hat eine ganz eindeutige Konnotation. Die Nazis und später auch die DDR  (und auch die BRD, die Kontinuität wurde nie durchbrochen, Hartz IV Empfänger sind bei uns auch gerne mal “asozial”) beschrieben mit diesem Begriff Menschen, die von der von ihnen verfolgten gesellschaftlichen Norm abwichen. “Asoziale” wurden eingesperrt und in den Konzentrationslagern des 3. Reichs umgebracht. Jemand, der diesen Begriff benutzt, benutzt Nazisprache, um abweichendes bis unerwünschtes Verhalten an den Pranger zu stellen. Das ist schon ein starkes Stück, das umso drastischer erscheint, als die Autorinnen dann nicht davor zurückschrecken, am Ende ihres Artikels auch noch Adorno zu zitieren:

Das “wahre Unrecht”, wusste schon Theodor W. Adorno, sitzt “eigentlich immer genau an der Stelle …, an der man sich selber blind ins Rechte und das andere ins Unrecht setzt”.

Adorno kritisierte mit diesem Zitat autoritäre Systeme, wie der Queerfeminismus eines ist, doch es ist typisch für den Queerfeminismus, sich solche Zitate anzueignen, sie auszuhöhlen und für die Zementierung der eigenen Weltanschauung zu benutzen. So wurde die Pornodarstellerin Linda Lovelace, die in ihrer Biografie beschrieb, dass der Film “Deep Throat” das Dokument einer Vergewaltigung ist, kurzerhand zur “Akteurin des Blowjobs”. Das Zynische daran ist, dass sie damit genau das beschreiben, was EMMA und auch das Buch Beißreflexe dem Queerfeminismus vorwerfen: Die Arroganz, über jeder Kritik zu stehen und Andersdenkende nicht nur mit Spott, sondern auch noch mit Nazijargon zu von der Gesellschaft Ausgeschlossenen zu machen. Adorno würde sich wohl im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, dass er in einem Atemzug mit der Nazisprache benutzt würde und als Mittel dient, Andersdenkende mundtot zu machen. Sogar vor dem Begriff “Denunzierung” wird nicht zurückgeschreckt.

Die Medien versagen. Immer wieder

Wir haben bereits mehrfach die Erfahrung gemacht, dass Positionen des Queerfeminismus gerade von den großen Medien völlig unkritisch übernommen werden und man es mit der Wahrheit nicht mehr nur nicht so genau nimmt, sondern erwiesene Unwahrheiten schreibt. Wir können nur vermuten, dass das aus der Angst heraus geschieht, dass da jemand wirklich mit aller Kraft an überkommenen patriarchalen Strukturen rütteln könnte. Fast täglich erreichen uns Kommentare, E-Mails und andere Zuschriften, in denen Menschen, Frauen wie Männer, uns von ihren Erfahrungen mit der Queerszene erzählen. Manche von ihnen, besonders Frauen, beschreiben es fast wie einen Ausstieg aus einer Sekte. Eigenes Denken ist nicht erwünscht, was zu denken ist, wird von einer kleinen, aber gerade medial sehr präsenten Meinungselite vorgegeben, die anderen sind Fußvolk, die sich in den Kommentarspalten oder auf Twitter austoben dürfen, wenn irgendwo Abweichler entdeckt werden. Dabei dreht sich der Queerfeminismus ausschließlich um sich selbst – und das sind vor allem weiße Frauen aus der Mittelschicht, mit guter Bildung und guten Jobs. Mütter, Behinderte, Benachteiligte, Prostituierte, Kranke kommen bei ihnen ebenso wenig vor wie deren Probleme, denn dazu müsste man die eigene Nabelschau ja aufgeben. Solidarität gibt es nicht, im Gegenteil, wenn man sich argumentativ gar nicht mehr zu helfen weiß, wird einfach behauptet, der Gegner sei rechts.

Der Anfang vom Ende des Queerfeminismus?

Nun. Wer Nazijargon in einem Artikel benutzt, um Andersdenkende und ihre Meinungen zu diskreditieren, hat gezeigt, dass er nicht diskursfähig ist. Die kritischen Stimmen gegen den Queerfeminismus mehren sich und einmal mehr haben seine Gallionsfiguren bewiesen, dass sie zu Reflektion und Weiterentwicklung nicht bereit sind, zu wichtig sind ihnen ihre Privilegien in Form von Medienpräsenz, Meinungshegemonie und auch ganz klar ihre Pfründe (Professorenstellen, Stipendien, Buchverträge, Vorträge, Fernsehauftritte, Zeitungskolummnen und -artikel).

Wir sehen es positiv: Immer mehr Menschen, auch außerhalb des Feminismus, hören und sehen hin, was da passiert. Die Hegemonie des Queerfeminismus bröckelt. Zu ungenügend, zu widersprüchlich sind seine analytischen Mittel, zu abgeschlossen ist er gegen jede Weiterentwicklung und determiniert damit sein Ende selbst. Die Zeiten, in denen Queerfeministinnen unwidersprochen anderen Frauen vorschreiben konnten, was sie zu tun und zu denken haben, sind vorbei – auch dank der sozialen Medien. Kein Wunder, dass die Queerfeministen sie so fürchten. Jedes autoritäre System fürchtet Freiheit und Widerspruch.

Es ist naheliegend, dass dann eben auch dem radikalen Feminismus vorgeworfen wird, ein solches autoritäres System zu sein, immerhin gibt es hier auch bestimmte Ausgangsanalysen, über die sich alle einig sind. Das stimmt allerdings so nicht. Im radikalen Feminismus wird heftig gestritten, aktuell über das Verhältnis zum Islam und zu den Rechten. Wie gehen wir mit dem Kopftuch um? Ist es nun Zeichen der Unterdrückung, oder ist die Sachlage komplexer? Manchmal gelingt es uns nicht, das Inhaltliche vom Persönlichen zu trennen. In der großen Debatte aber zeigt sich, dass der radikale Feminismus sehr viel diverser und kritikfähiger ist, als der Queerfeminismus. Wir Störenfriedas haben beispielsweise Standpunkte der EMMA gerade zu Islam, Kopftuch und Flüchtlingen laut intern und auch öffentlich kritisiert. Die EMMA wiederum findet nicht alles, was wir so machen, gut. Das ist auch richtig so. Wir sind nicht die EMMA und andersherum. Alice Schwarzer wird immer vorgeworfen, sie sei autoritär und ließe keine anderen Meinungen zu. Es entbehrt deshalb nicht einer gewissen Komik, dass sowohl die altehrwürdige EMMA als auch die jungen, wilden Störenfriedas zum einen diese inhaltlichen Debatten führen können, bei denen auch mal scharf geschossen wird, sich zum anderen aber in der Solidarität unter Frauen und mit Frauen aber einig sind. So läuft das eben in einer freien und offenen Gesellschaft und Kultur. Es ist Teil der Großartigkeit des Feminismus, dass jede Art weiblichen Erlebens und Denkens ihren Platz darin hat, wenn man ihn nicht zu einer konservativen Ideologie verstümmelt, wie es der Queerfeminismus tut.

Es ist eine der gegenwärtig vielleicht drängendsten Aufgaben unserer Welt, Möglichkeiten zu finden, mit anderen zusammenzuleben und eine Welt zu teilen, ohne die Andersheit der Anderen auszulöschen, aber auch, ohne die unzweifelhaft existierenden Dilemmata zu leugnen, die auf diesem Weg auftreten werden.

heißt es im Zeitartikel. Liebe Queerfeministen, nehmt euch doch eure eigenen Mahnsprüche mal zu Herzen. Falls wir euch zeigen sollen, wie das geht – wir laden euch gerne ein. Es ist ein Merkmal der sogenannten “Asozialen”, dass sie von einem respektvollen Miteinander meist mehr verstehen als jene, die ihnen ihre Asozialität vorwerfen.

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