Sex sells ist das Gegenteil von Freiheit

"Sexismus bekämpfen" - Graffiti

by Kecko via Flickr, [CC BY 2.0]

Wer sich gegen Sexismus wehrt, bekommt sie oft zu spüren, die Prüderie-Keule. “Spießig” ist man dann und moralisch, lustfeindlich. Es ist seltsam, dass die ungehemmte Ausbeutung des weiblichen Körpers zu Werbe- und Konsumzwecken so vollkommen ungefragt mit Lustgewinn gleichgesetzt wird und jeder, der auch nur ein Fragezeichen dahinter malt, als angeblicher Spaßerverderber gegeißelt wird. Es besteht ein Unterschied zwischen der Auslebung von Lust und der Freiheit von Sex und seiner Auslebung und der permanenten, sinnlosen Darstellung von kopflosen, weiblichen Körpern in Werbung, Fernsehen und Musikvideos, die die existierenden Geschlechterklischees reproduzieren und verfestigen und nur zum Zweck haben, Bedürfnisse zu wecken, von denen viele gar nicht wussten, dass sie sie haben.  “Aber”, heißt es dann. “Es gibt ja auch Frauen, die das gerne machen.”


Das ist eines der beliebtesten Argumente, wenn es darum geht, mal wieder aufzuzeigen, warum Deutschland ganz schön scheiße für Frauen ist.  Es ist scheiße, durch Städte und Einkaufszentren zu laufen und ständig halbnackte Frauen in devoten Posen zu sehen. Warum? Na, weil das, was wir sehen, beeinflusst, was wir denken, vor allem, wenn es uns überdimensional von allen Seiten entgegenstrahlt – auch wenn wir es gar nicht bewusst ansehen. Dass niemand die Frauen zwingt, halbnackt zu posieren und sie einen Haufen Kohle damit verdienen, ändert daran gar nichts. Eigentlich auch ziemlich einfach zu verstehen. Dennoch – wer das kritisiert, wird auch von Frauen gerne angegangen. Als ginge es dabei um eine Abscheu vorm nackten Frauenkörper. Na, darum geht es ja eben nicht. Es geht um die Instrumentalisierung desselben durch die Werbeindustrie – die sich dafür sexistischer Stereotype bedient. Oder anders rum: Warum sind alle so sehr bereit, den Satz, sex sells als bürgerliche Freiheit zu verteidigen? Es liegt keine Freiheit darin, wenn von jeder Werbeanzeige und Bushaltestelle halbnackte Frauen locken, für Eis, für Bekleidung, für Körperpflege oder Versicherungen, es ist genau das Gegenteil von Freiheit, denn sie zielen darauf ab, den unbewussten, triebhaften Teil ins uns anzusprechen und zu sinnlosem Konsum zu verleiten, dazu, Geld, das wir nicht haben, auszugeben, für Dinge, die wir nicht brauchen. Diese Bilder werden von der Werbung ganz gezielt eingesetzt, weil sie eben so gut funktionieren. Weil die angebliche Verfügbarkeit dieser Frauenkörper sowohl Frauen anspricht, die sich mit ihnen identifizieren wollen, als auch Männer, die sie sexuell attraktiv finden oder auch andersrum oder beides. Und natürlich gibt es auch den Männerkörper, den halbnackten, in Boxershorts, der sich in lächerlichen Posen herumräkelt. Aber all das hat doch nicht zum Ziel, Lust darzustellen, sondern, Produkte zu verkaufen, uns einen “Lifestyle” zu präsentieren, den wir begehren, den wir nacheifern sollen, dem wir unser Geld nachwerfen sollen. Die Lust ist doch nur Mittel zum Zweck. Deshalb ist der Vorwurf, jemand der den Sexismus dieser Werbung kritisiert, sei lustfeindlich so kurzsichtig wie falsch. Das schwierige an diesen Bildern: Sie wiederholen ständig und immer wieder, was doch angeblich längst überwunden ist: Das Frauen das schwache Geschlecht sind, das nackte, willige, besteigbare. Sie sind Bilder im öffentlichen Raum, die für Kinder sichtbar sind, die wir ständig vor Augen haben.

Nicht die Zielgruppe zählt – sondern die Sichtbarkeit

Es ist auch kein Argument, zu sagen, dass ihre Zielgruppe nicht Kinder sind – denn sie bleiben überlebensgroß für Kinder sichtbar, sie sind überall. Sie sind nicht einfach nur Dekoration, sie tragen eine Botschaft und genau diese Botschaft gilt es zu kritisieren, dieses Abzielen auf die allerinnersten und urtiefsten menschlichen Bedürfnisse gilt es anzuprangern. Die Werbung bedient sich dieser Bedürfnisse, sie benutzt sie, sie spielt mit unseren Wünschen und Träumen von Freiheit, Erlebnissen, Freundschaft, Zugehörigkeit – und immer wieder – Schönheit und Sex. Wir wachsen damit auf und gewöhnen uns daran und wehren uns nicht länger dagegen – aber das ist nicht richtig. Richtig ist, sich dafür zu sensibilisieren und sich gegen diese beständige Reproduktion von Rollenklischees und Sexismus zu wehren.

Die Ziele der Werbung zu verteidigen ist ein Maß von Unterwürfigkeit, das nur schwer zu überbieten ist. Wer verteidigen will, dass er eine Zielgruppe ist, der ist Untertan durch und durch.

1 Kommentare

  1. In der westlichen Welt MUSS sich Frau vermarkten und wird vermarktet.(und verramscht)….möglichst nackt und möglichst auf ihre Geschlechtsmerkmale reduziert.
    In den muslimischen Ländern MUSS sich Frau verhüllen, um den (armen) Mann NICHT in Versuchung zu führen, denn der kann ja nichts dafür, NIE, obwohl ER ihr Gebieter und Besitzer
    und oft auch ihr Vergewaltiger und Mörder ist, ist ER immer unschuldig, denn SIE (die Schlampe) hat ihn verführt…… zu all SEINEN Taten.

    FRAU GOTT, wirf HIRN, ich fass es nicht,

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