Sexroboter: Nicht Segen, sondern Fluch

Auge

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Seit einiger Zeit liest man immer mehr Artikel über die Entwicklung von so genannten “Sexrobotern”.  Es handelt sich dabei quasi um eine Weiterentwicklung der bekannten “Gummipuppe”. Statt nur in Plastik und Silikon zu ejakulieren soll das Objekt der Begierde zukünftig über “Künstliche Intelligenz” verfügen: Der Roboter soll aus den “Erfahrungen lernen”, dadurch die “individuelle Partnerschaft optimieren” und damit seine “Fähigkeiten perfektionieren”.

Im November 2015 fand eine “Conference on Love and Sex with Robots” in Malaysia mit TeilnehmerInnen aus aller Welt statt.

Sexroboter sind (genau wie “Gummipuppen”) Objekte in Form von (fast ausschließlich) Kindern oder Frauen, die als Ersatz für echte, menschliche Partnerinnen oder prostituierte Personen dienen sollen.

Manche sehen in solchen Entwicklungen eine Möglichkeit Vergewaltigungen zu verhindern, oder durch “kindliche” Roboter Pädokriminellen eine Möglichkeit zur “Triebabfuhr” an die Hand zu geben. Die gut schlecht bekannte Ventiltheorie. Sie wird unter anderem von Ronald Arkin, einem Professor des Georgia Institute of Technology, vertreten. Er möchte “mit Kinder-Robotern Pädophilie therapieren” möchte.

Das japanische Unternehmen Trottla hat bereits mit der Produktion solcher Kinder-Sexroboter begonnen. Ehin Takagi, der Besitzer, sagte in einem Interview: “I am helping people to express their desires, legally and ethically. It`s not worth living if you have to live with repressed desire”. (“Ich helfe den Menschen [Anm. der Verfasserin: den Männern] ihre Wünsche auszuleben, legal und ethisch korrekt. Mit unerfüllten Wünschen ist das Leben nicht lebenswert.” [Wer sich ein Bild von den Puppen machen möchte, sollte die Trottla Seite besuchen. Bei Verwendung von Fotos wird mit Klage gedroht]

Matt McCullen produziert die “RealDoll” Sexroboter, die 2017 erstmals für etwa 40.000 Dollar über die Ladentheke gehen sollen.

 

Die Argumentation lautet also: Besser benutzen die sowas und lassen dafür echte Menschen in Ruhe. Aber ist dem wirklich so?

Die britische Anthropologin Kathleen Richardson von der De Montford Universität in Leicester hat eine “Kampagne gegen Sexroboter” gestartet und hält die Entwicklung für ethisch extrem bedenklich.

Richardson sagt, dass die assymetrische “Beziehung” zwischen prostituierter Person und Sexkäufer in die “Beziehungen” zwischen Mann und Roboter importiert wird.

Diese Parallele wird von den Machern auch gar nicht bestritten, sondern zum Beispiel im Buch Sex, Love and Robots von David Levy bewusst hergestellt.

Dem Argument der Reduktion der Prostitution durch Sexroboter begegnet Richardson mit der Gegenthese, dass bisher alle technischen Entwicklungen nicht zu einer Eindämmung der Sexindustrie, sondern zu einer Ausweitung geführt haben.  Auch die bisher erhältlichen künstlichen Sexsubstitute haben nicht zu einer Verringerung der Nutzung von Prostitution geführt.

Ein Kernelement des Sexkaufes ist die fehlende Empathie des Sexkäufers für die prostituierte Person. Sie ist ein Ding, deren Gefühle und Gedanken für den Konsumenten keine Rolle spielen. Das ist der Hauptgrund für die hohen Missbrauchs-, Gewalt- und Mordraten in der Prostitution. Dies wird nach Richardson auch durch Sexroboter weiter gefördert

Sexroboter sind ein Realität gewordener Männertraum:  Sie können sich die “Frau” ihrer Träume produzieren lassen: Kein Gramm Fett zu viel, die lernt die Klappe zu halten wenn ER es will und die die Beine breit macht (oder andere Dinge) tut wann und so oft ER will.

Das was eine Partnerschaft auf Augenhöhe (oder auch einen One-Night-Stand) ausmacht:  Respektvoll miteinander umgehen, aufeinander eingehen, sich einfühlen was der andere fühlt – all das braucht es nicht.

Sexroboter Roxxxy entspricht den gängigen Vorstellungen einer attraktiven Frau und “besticht” durch  vier Attribute: Körper, Mund, Anus und Vagina.

In einer Online-Umfrage des Telegraph antworteten 62% der 8.300 TeilnehmerInnen auf die Frage “Würdest du einen Sexroboter benutzen” mit “Ja”.

Der Kulturkritiker Walter Benjamin wies in “The Work of Art in the Age of Mechanical Reproduction” darauf hin, dass in dem Moment, in dem ein Produkt zum Massenprodukt wird, das Original an Wert und Bedeutung verliert. Wie die “Frauen von Stepford”, die keinen eigenen Willen haben, keine wechselseitigen Beziehung, keine Menschlichkeit.

Wenn ein Sexroboter zum Ersatz für eine Beziehungspartnerin oder prostituierte Frau wird, dann führt dies zu einer weiteren Objektifizierung von Frauen (und Kindern) im Allgemeinen. Intiminität und Empathie, die nur durch menschliche Interaktion und auf Gegenseitigkeit beruhende Beziehungen erlernt und aufgebaut werden können, werden durch die Nutzung von Sexobjekten weiter abgebaut.

Auch Kinder-Sexroboter im Speziellen tragen nichts zum Schutz von Kindern bei. Statt Pädokriminalität als Verbrechen an Kindern anzusehen, wird die (nicht zuletzt durch Teen Porn selbst herbeigeführte ) Fantasie nach Sex mit Kindern weiter legitimiert und akzeptiert. Es gibt kein einziges therapeutisches Argument für deren Benutzung.

Begehren, die anderen Schaden, sollten nicht ausgelebt werden wie von Takagi gefordert, sondern in der Tat therapiert, notfalls unterdrückt werden. Bei Pädokrimininalität geht es meistens um Macht: Macht eines Erwachsenen über ein Kind. Dies ist das Kernproblem, an dem es anzusetzen gilt.

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