Sie leiden unter Feminismus? Wir haben die Lösung!

International Women's Day in Stockholm, Sweden 2012

By Karin Beate Nøsterud/norden.org [CC BY-SA 2.5], via Wikimedia Commons

Hach, was sind das schöne Zeiten für den Antifeminismus in seiner poppigen Hipster-Version. Diesmal nicht angeführt von frustrierten Ex-Männern „in den besten Jahren“, sondern von jungen, hübschen Frauen. In den USA halten sie unter dem Motto “Women against feminism“ Schilder hoch, auf denen sie erklären, dass sie Feminismus ablehnen, weil sie lieber ihren Männern gehorchen wollen und der Meinung sind, der Feminismus hindere sie daran. Nun, zunächst: Wer seinem Mann gerne gehorchen möchte, der darf das tun. Feminismus kämpft dafür, dass nicht jene Männern gehorchen müssen, die darauf keine Lust haben.
Was sie dabei weiter nicht bedenken: dass sie überhaupt im Internet oder sonst wo ihre Meinung äußern dürfen, verdanken sie eben jenem Feminismus, den sie jetzt für überkommen und männerfeindlich halten. Die Presse überall springt mal wieder drauf und feiert diese Frauen, die es den alten Feministinnen jetzt mal zeigen, als wäre ihnen die Quadratur des Kreises gelungen.

So applaudierte die Springer-Presse begeistert:

Sie glauben, dass die herrschende Strömung des heutigen amerikanischen Feminismus zumindest latent männerfeindlich ist und Frauen herabwürdigt. Damit könnten sie recht haben. Und vielleicht ist das, was sie fordern, im Grunde gar nicht die ersatzlose Streichung des Feminismus, sondern eine neue Frauenbewegung, die ohne Rachsucht, Larmoyanz und stalinistische Redeverbote auskommt.

Rachsucht und Larmoyanz? Käme irgendwem die Idee, männlichen Aktivisten Rachsucht und Larmoyanz vorzuwerfen? Die Springer-Presse macht ihrem Ruf mal wieder alle Ehre und zeigt beim Versuch, den “alten” Feminismus als überholt zu erklären, gleich, warum wir Feminismus heute noch so nötig haben wie vor dreißig Jahren.

Der Vorwurf der Männerfeindlichkeit ist überaus beliebt, weil er impliziert, dass Feministinnen (sowohl in den USA als auch hier) in Wirklichkeit ja nur Männer hassen (Schwänze abhacken und so), weil sie bei ihnen nicht ankommen oder mit ihnen nicht klar kommen.

Die echte Frau von heute, also die hippe, so wie sie sich Männer wünschen, die trägt Minirock und High Heels, beantwortet sexistische Sprüche im Büro schlagfertig, macht Karriere und lässt sich abends schön ausführen und dann so richtig durchknallen, verschwindet am nächsten Tag und macht auch sonst keine Probleme. Den Haushalt führt sie natürlich trotzdem. Dass sich diese imaginäre Frau überhaupt in einem Büro befindet und Karriere machen kann, ist allerdings auch ein Verdienst der Frauenbewegung, das wird dabei gerne vergessen – sowohl von männlichen als auch weiblichen Antifeministinnen. Auch, dass sie sich aussuchen kann, mit wem sie Sex hat und Verhütung dabei benutzen kann, ist ein Ergebnis des Kampfes um Gleichberechtigung.
Die Männerfeindlichkeit von Feministinnen wird aus dem Umstand abgeleitet, dass Feministinnen das Patriarchat in all seiner sexistischen und gewalttätigen Form kritisieren. Oder, um es mal ganz hip zu formulieren: Wir finden Vergewaltigung scheiße, wir finden es auch nicht so gut, dass Frauen weniger verdienen, uns gefällt auch nicht, dass die gesamte Pornoindustrie eine gewalttätige Art von Sexualität zum Mainstream macht, deren Opfer Frauen sind, wir stören uns auch so ein bisschen dran, dass Sexismus, Machismo und anderer Blödsinn immer noch Teil unserer Kultur sind und bei Vergewaltigungen der Täter davon kommt und das Opfer die Schuld erhält. Wir können über Rape Jokes nicht lachen und für uns sind auch Prostituierte und Pornodarstellerinnen noch immer Menschen und kein „Frischfleisch“.  Ist alles nämlich gar nicht so drollig, das Leben im Patriarchat 2014.

Zu gerne möchte die Gesellschaft all das relativieren, irgendwie gutheißen unter dem Motto „Freiheit“ und „Selbstbestimmung“ oder wahlweise auch „Freiheit der Kunst“ und da nerven die Feministinnen ordentlich, wenn sie immer wieder darauf hinweisen, dass das alles so gar nicht lustig und eigentlich auch kaum zum Aushalten ist. Also ist das beste Mittel: andere Frauen drauf ansetzen, die behaupten, das alles sei überhaupt nicht wahr. Das erinnert so ein wenig an bezahlte Demonstranten oder Jubelvolk, nur dass hier der Verdienst lediglich das Schulterklopfen der erleichterten Medienmacher (die ja bekannterweise eben Männer sind) ist.

Wer gerne eine Schlagzeile möchte, der muss eben nur mal ordentlich und in vollkommener Unkenntnis der politischen Geschichte den Feminismus bashen und die Journalisten sind ganz Ohr. Charlotte Roche, die ja so gerne Skandalautorin sein möchte, reitet, um Werbung für die Verfilmung ihres zweiten Buches zu machen gleich mal auf der Anti-Feminismus-Welle mit, und sucht sich als Ziel – wie kreativ – Alice Schwarzer aus:

Ich bin mit Alice Schwarzer erzogen worden, meine Mutter ist ihre Generation. Für mich ist das aber ein sehr Lust und Männer verneinender Feminismus. Wenn ich heterosexuell bin und mit Männern klarkommen und von ihnen auch attraktiv gefunden werden will, hilft mir der alte Feminismus oft nicht. Mir kommt er manchmal sehr lesbisch vor. Es ist schließlich einfach, auf Männer zu verzichten, wenn man nicht mit ihnen leben will.

Ach Charlotte. Um guten Sex zu haben, mit wem auch immer, ist es nicht notwendig, irgendwem außer sich selbst zu gefallen. Und wenn irgendwas alt ist, dann deine Vorstellung von heterosexuell sein oder die wirklich originelle Überlegung, Alice Schwarzer hätte ihre Kritik am Patriarchat aus reinem Unverständnis gegenüber Männer aufgebaut, weil sie mit ihnen keinen Sex hat. Mensch, Alice, da musstest du 30 Jahre Frauenbewegung durchleben, damit die Charlotte dir mal sagt, dass das alles gar keine Bedeutung für sie hat – weil Achtung: sie ist heterosexuell und will Männer gefallen. Uff! Wenn wir also alle nur mehr mit Männern leben wollten, uns nur ein klein wenig mehr anstrengen würden, dann würde sich dieses Feminismus-Gedingse von ganz alleine erledigen.  Patriarchat ist gar nicht so schlimm, wenn man sich nur dran gewöhnt hat und ab und zu der passive Part einer Penetration sein darf (einen Orgasmus zu fordern ist nämlich auch schon feministisch, also nix da!). Es liegt also an uns, ihr Frauen. Nicht das Patriarchat soll abgeschafft – sondern jene, die es kritisieren, zum Schweigen gebracht werden. Na dann!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.