Schlagwort: abtreibung

Der Frauenleib als öffentlicher Ort – vom Missbrauch des Begriffs Leben

Frauenkörper werden kontrolliert, Frauen wird die Selbstbestimmung über ihre Körper genommen. Nirgendwo wird das deutlicher als am Umgang mit dem Recht auf Abtreibung. Frauen wird es verwehrt, selbst zu bestimmen, was mit ihren Körpern geschieht, und das systematisch. Die Kontrolle über die Gebärfähigkeit ist eine der Grundfesten männlicher Herrschaft und das sicherste Zeichen dafür, dass es auch bei uns mit der Gleichberechtigung nicht so weit her ist, wie wir uns das vielleicht wünschen.

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Unser Gentleman der Woche: Die neue Anti-Abtreibungswerbung von Durex

Kondom auf der Straße

MIKI Yoshihito | Flickr | CC BY-2.0

Die Werbung hat einen neuen Höhepunkt in der Verbreitung von sexistischen Geschlechterklischees und Unterdrückung der Frau erreicht – und zwar in Form eines neuen Werbespots, der vom Kondomhersteller Durex gefördert wird. Zu sehen sind die Figuren einiger Frauen. In warnendem Ton heißt es dann: „Alle fünf Minuten entscheidet sich eine Frau zu einer Abtreibung“. Weiter geht es mit eindringlicher Stimme: „Sex ohne Verhütung führt zu ungewollten Schwangerschaften. Verwende zuverlässigere Verhütungsmethoden“. Das Schlussbild zeigt einen Schriftzug, der besagt, dass diese Werbung von Durex gefördert wird. Leider ist es uns trotz intensiver Recherche nicht gelungen, herauszufinden, wer hinter diesem Werbeclip steckt, wenn er von Durex nur gefördert wird, vermuten aber, dass es entweder christliche Gruppen, militante Lebensschützer oder sonstige Frauenhasser sind.

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Unsere Frage der Woche: Wie stehen unsere LeserInnen zum Recht auf Abtreibung?

Abtreibungen sind in Deutschland verboten – doch nach § 218 und § 219 sind sie unter bestimmten Bedingungen erlaubt: Wenn in einer zugelassenen Beratungsstelle ein entsprechender Nachweis über eine Beratung erhalten wurde – diese Beratungsstellen haben allerdings den expliziten Auftrag, die Frau von anderen Alternativen zu überzeugen, dann eine Frist von drei Tagen verstrichen ist und die Schwangerschaft unter 12 Wochen andauert. Danach ist eine Abtreibung nur bei gesundheitlicher Gefährdung von Mutter und Kind, einer Behinderung des Kindes oder nach einer Vergewaltigung möglich. Dieser eingeschränkte Zugang zu Abtreibungen wurde von der 2. Welle des Feminismus hart erkämpft. Viele Feministinnen wünschen sich ein Recht auf Abtreibung – ein Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper und das eigene Leben. Väter können jederzeit aus einer Schwangerschaft aussteigen – Frauen opfern im Zweifelsfall ihr ganzes Leben – für ein Kind, das nicht geplant war. Ein Kind ist eine riesige Herausforderung – mit der die Mütter sowohl finanziell als auch in allen anderen Hinsichten allein gelassen werden. Frauen fordern, selbst darüber bestimmen zu können, ob sie ein Kind austragen – und sich das nicht durch Staat und Kirche vorschreiben zu lassen. In den USA und Europa sind allerdings konservative Kräfte auf dem Vormarsch, die das Gesetz verschärfen möchten – in Spanien hatten sie damit bereits Erfolg, bei uns fordert die AfD eine Verschärfung des Abtreibungsgesetzes, damit mehr deutsche Frauen Kinder bekommen.
Was sagen unsere LeserInnen dazu? Sollte es ein generelles Recht auf Abtreibung geben?

Die Störenfrieda der Woche: Helene Stöcker

Helene Stöcker wurde am 13. November 1869 in Elberfeld geboren. Sie setzte sich zunächst für das Frauenstudium ein – denn Frauen durften zwar Gasthörerinnen sein, sofern die Professoren dies erlaubten, aber keinen Abschluss machen. Sie promovierte schließlich in der sehr viel liberaleren Schweiz, in der das Frauenstudium schon seit längerer Zeit erlaubt war, und eines ihrer wichtigsten Anliegen war ihr die sexuelle Befreiung der Frau und die Gleichberechtigung von Homosexuellen, die von vielen immer noch als krank und abartig betrachtet wurde. Über diese selbst in der Frauenbewegung als radikal angesehenen Ansichten zerstritt sie sich mit vielen anderen Frauen.
Helene Stöcker forderte die straffreie Abtreibung und gründete den Bund für Mutterschutz und Sexualreform. Dabei ging es ihr auch um Sexualaufklärung, sie wollte nicht länger hinnehmen, dass Mädchen und junge Frauen vollkommen unwissend in die Ehe gingen und keinerlei Ahnung über die Vorgänge in den eigenen Körpern hatten, nur weil es die bigotte Moral der Gesellschaft um die Jahrhundertwende nicht zuließ, während Männern alle Freiheiten gewährt wurden. Ein wichtiger Aspekt war für sie dabei auch der Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten und die Schwangerschaftsverhütung, was ihr nicht nur den Zorn der Kirche zutrug. Vielen anderen Frauenrechtlerinnen gingen ihre Ansichten zu weit. Sie musste sich mehrfach gegenüber Vorwürfen zur Wehr setzen, sie würde die Moral und Sittlichkeit der Mädchen in Gefahr bringen. Tatsächlich war es ihr Bund für Mutterschutz, der sich für die sogenannten „gefallenen“ Mädchen, also jene, die ungewollt und vor allem unehelich schwanger wurden, einsetzten.

Als der erste Weltkrieg ausbrach, gehörte sie zu den wenigen Frauenrechtlerinnen, die vehement für den Frieden eintraten und nicht in das nationalistische Geheul vom deutschen Sieg einstimmten. Sie floh schließlich vor den Nazis, wo sie 1943 vergessen und vollkommen mittellos verstarb.