Schlagwort: alleinerziehend

Diskriminierung Alleinerziehender durch Erzieher und Lehrer – leider keine Ausnahme #singlenotless

Zu unserem Gastbeitrag der vergangenen Woche erreichten uns viele Kommentare und Zuschriften, die zeigten: Das Problem ist kein singuläres. Die Diskriminierung Alleinerziehender durch Kindergärten und Schulen ist ein noch immer aktuelles Problem, wie die vielen Kommentare der Mütter (und Väter!) zeigten. Es wäre interessant zu wissen, ob es einen Unterschied macht, wo die Familien leben, also ob es in Großstädten liberaler zugeht als auf dem Land. Leider fehlt es an belastbaren aktuellen Studien zur sozialen Diskriminierung Alleinerziehender – dabei wäre diese dringend notwendig. Weiterlesen

Alleinerziehend, nicht unvollständig #singlenotless

“Wo ist denn dein Papa?”, fragt die nette Lehrerin meine Tochter beim Sprachtest und sie antwortet, sichtlich irritiert,: “Ich habe keinen Papa.” Augenbrauen gehen nach oben, ich bekomme diesen Blick. Der Vater meiner Tochter kümmert sich nicht um sie, obwohl er jede Gelegenheit dazu hätte – aber Schuld daran bin, nach dem Verständnis der Lehrerin um die 60, ich. Ich bin alleinerziehend. Ich arbeite zwei Jobs. Mein Tag ist von morgens bis abends angefüllt und ich kann die Kommentare der anderen: “Ich weiß gar nicht, wie du das schaffst” nicht mehr hören. Als gäbe es die Option “es nicht zu schaffen”. Ich muss es schaffen. Jeden Tag. Das Erstaunliche daran ist: meistens ist das gar nicht anstrengend, sondern macht mich glücklich. Ich habe mir Kinder und eine Familie gewünscht und klar, früher war da der Wunsch, das mit einem Partner zu haben. Doch zehn Jahre später, nach Lügen, Gewalt, Tränen, habe ich mich ohne Bitterkeit von diesem Traum verabschiedet. Wir sind eine Familie. Nur ohne Vater. Was für uns selbstverständlich ist, stellt aber viele andere vor ein Problem.

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Ich.bin.alleinerziehend

Mother

Owly9 via Flickr,  [CC BY-NC 2.0]

In der letzten Zeit wird viel über Stigma geredet. Prostituierte haben eins, Flüchtlinge auch. Stigma ist scheiße. Es ist ein unsichtbares Gefängnis, eine Fessel, die dich in einer bestimmten, besonders unangenehmen Ecke der Gesellschaft festhält und nicht entkommen lässt. Knapp 2,5 Millionen Frauen (ja, Frauen, denn sie machen über 90 Prozent der Alleinerziehenden aus, Tendenz steigend) in Deutschland sind alleinerziehend. Das Stigma, das sie erleben, ist so vielfältig und von so vielen Diskriminierungen durchmischt, dass es notwendig ist, es in seine Einzelteile zu zerlegen, um es in all seiner Drastigkeit zu verstehen.

Du.bist.nicht.gut.genug

Jüngst musste ich mit meiner Tochter, die bald eingeschult wird, zur sogenannten “Sprachstands-Feststellung”. Da wurden dem Kind sinnlose Fragen gestellt, um festzustellen, ob es auch ja deutsch spricht oder die Farben auseinander halten konnte. Es ist zugleich aber auch ein ziemlich offenkundiges Abklopfen von Familienverhältnissen. “Und”, fragte die nette Tante Lehrerin meine Tochter. “Spielst du denn auch manchmal mit deinem Papi?” Meine fünfjährige Tochter blickte sie ganz ruhig an und antwortete: “Ich habe keinen Vater. Der wohnt woanders und hat eine neue Familie.” “Oh”, kam es in süßlichem Ton zurück, erfreut, so in das Schwarze getroffen zu haben. “Das ist aber traurig.” “Finde ich nicht”, entgegnete meine Tochter. “Mein Vater ist nämlich bescheuert. Weil er bei einer Frau wohnt, die mich nicht mag.” An der Stelle schritt ich ein und sagte: “Sie kennt dich ja gar nicht. Was sie nicht mag, ist, dass er von ihr weg ist.” Meine Tochter nickt, als würde sie das ganze Abgründige an dieser Aussage verstehen. Die Lehrerin mustert mich. Immerhin hatte ich mitten am Tag Zeit zu diesem Termin zu kommen. Ob ich wohl von Hartz IV lebe? Ich erwidere ihren Blick. Ich kann ohnehin nicht ändern, was sie denkt. Die Schublade hat sich geschlossen. Ich bin eine Frau, der es nicht gelungen ist, meinen Partner bei mir zu halten. Ich habe das meinem Kind angetan. Vermutlich bin ich eine fürchterliche Person, die es dem Vater UNMÖGLICH gemacht hat, bei seinem Kind zu sein. Oder promiskuitiv. Oder beides. Jedenfalls hat er der Vater keine Schuld. Niemals.

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