Schlagwort: antifeminismus

Über den salonfähigen Antifeminismus

The witches Sabbath

Luis Ricardo Falero [Public domain], via Wikimedia Commons

Antifeminismus ist in unserer Gesellschaft seit Jahren salonfähig, Feministinnen gelten als “Männerhasserinnen”, die nicht in der Lage sind, ihre Forderungen anschlussfähig zu formulieren und den Knall noch nicht gehört haben. Denn: die Gleichberechtigung ist doch längst verwirklicht, wir leben im Postfeminismus. Keine andere soziale Bewegung wird so umfassend und von breiten Teilen der Bevölkerung diffamiert wie der Feminismus. Jeder noch so hohle antifeministische Kommentar ist den Medien einen Artikel wert, um zu zeigen: Feminismus ist out. Antifeminismus ist jedoch in weiten Teilen der Gesellschaft mehr als salonfähig. Deshalb wird Feminismus immer weiter diskriminiert und ideologisiert, um die Stimmen mundtot zu machen, die daraufhinweisen, dass es mit der Gleichberechtigung bei uns nicht allzu weit her ist.

Das belegen der Gender-Pay-Gap, die sinkenden Zahlen von Verurteilungen bei Vergewaltigung, der Sexismus in der Werbung, der Musik und im Fernsehen, die offen ausgelebte “Vergewaltigungskultur”, die sich in gehässigen Facebook-Kommentaren und Rap-Texten niederschlägt, die tagtäglich erlebten sexuellen Belästigungen im öffentlichen Raum, die Zahlen häuslicher Gewalt, die nicht selten bis zum Mord reicht, die Weiterexistenz von Prostitution als legaler “Arbeit”, die zunehmende Objektifizierung weiblicher Körper, die Einschränkungen im Bezug auf Abtreibung und die Pille danach. Der Feminismus mag vieles erreicht haben – zum Beispiel, dass Frauen in der Ehe nicht mehr vergewaltigt werden dürfen (und das ist noch nicht einmal 20 Jahren Gesetz in Deutschland), dass es den Beratungsparagraphen und begrenzte Straffreiheit bei Vergewaltigungen gibt, doch unzählige Baustellen sind noch offen. Von Postfeminismus kann also keine Rede sein. Trotzdem: Feminismus gilt als radikal, verbohrt und nicht anschlussfähig, Antifeminismus ist lustig, immer eine Schlagzeile wert und überhaupt als richtig zu empfinden. Dass hier ein ganzer Diskurs in eine falsche Richtung gelaufen ist, dafür sprechen die Fakten.

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Herzlichen Dank, ihr Antifeministen!

Als junges Mädchen in den achtziger Jahren war Feminismus für mich ein wichtiges Thema – wie so vieles, was mich als Jugendliche zu leidenschaftlichen Diskussionen bewegt hat. Sexismus war gerade in dieser Zeit des typisch jugendlichen Auflehnens gegen jede Form von Ungerechtigkeit ein großes Reizthema neben vielen anderen, beispielsweise der Atomkraft: ich wuchs ganz in der Nähe von Wackersdorf auf, wo die WAA (Wiederaufbereitungsanlage für Brennstäbe aus Kernreaktoren) entstehen sollte.

Mit der Zeit ebbten diese Interessen ab. Das Bauvorhaben der WAA wurde eingestellt, viele andere Dinge schienen sich in die aus meiner Sicht richtige Richtung zu bewegen, und auch feministische Themen verloren für mich zunehmend an Brisanz. Gesetzgebung, öffentliche Meinung und der Konsens in meinem unmittelbaren Umfeld hinterließen den Eindruck, alles sei oder werde bald gut, und die altersbedingt typische Rebellionsphase endete irgendwann. Sexisten waren lediglich ein paar ewig Gestrige, die recht bald altersbedingt aussterben würden. So sah ich das für viele Jahre.

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