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Wechselmodell für alle – wie Väterrechtler die Bundestagswahl kapern

Es ist kein Geheimnis, dass Väterrechtler besser vernetzt sind als Mütter. Der Grund liegt auf der Hand: Sie haben Ressourcen und Zeit, die Müttern fehlen. Nur so sind die Ereignisse der letzten Tage zu erklären, die auf ein völliges Versagen der Politik schließen und das Schlimmste für Mütter und Kinder befürchten lassen.

Aber der Reihe nach: Am vergangenen Donnerstag entschied die Justizministerkonferenz der Länder, den gesetzlichen Regelungsbedarf für das Wechselmodell zu prüfen. Wechselmodell bedeutet, dass Kinder getrennter Eltern nicht länger vorrangig von einem Elternteil, meistens der Mutter, betreut werden, sondern zwischen den Haushalten der Eltern wechseln. Das Wechselmodell ist so etwas wie der heilige Gral der Väterrechtsbewegung – nicht etwa, weil sie alle so schrecklich gerne Zeit mit ihren Kindern verbringen, sondern weil es bedeutet, dass sie das Leben ihrer Ex-Partnerinnen gehörig durcheinander wirbeln können und außerdem auch keinen Unterhalt mehr bezahlen müssen. Kein Wunder also, dass der Europarat 2015 mit seiner Resolution 2079 nicht nur das Wechselmodell für alle Länder Europas empfahl, sondern dieses auch gleich in eine Resolution “gegen die Diskriminierung von Vätern” packte. „Gleichberechtigte und geteilte elterliche Verantwortung: Die Rolle der Väter“ ist der Titel der Resolution. Ein Schelm, der dabei Böses denkt – um die Kinder ging es dabei wohl ja nicht, sonst würden sie im Titel erwähnt.

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Die “natürliche” Geburt: Macht über Frauenkörper

Schwangerschaft, Frau

via Pixabay, Public Domain CC0

Gesundheitsminister Gröhe (CDU) hat sich schon des Öfteren als paternalistischer Hüter des Frauenwohls offenbart, etwa, als er dagegen war, die Pille danach rezeptfrei auszugeben, angeblich, um die Frauen zu schützen. Wenn die CDU sich um Frauenkörper sorgt, kommt dabei selten etwas Gutes heraus, zu tief reichen die christlich-patriarchalen Wurzeln dieser Partei (wir erinnern uns kurz daran, dass die CDU den Satz “Männer und Frauen sind gleichberechtigt” nicht im Grundgesetz haben wollte und Adenauer anschließend mehrere Jahre verfassungswidrig gegen ihn handelte und auch die Sache mit der Vergewaltigung in der Ehe war noch Mitte der 90er Jahre nicht allen CDUlern einsichtigt, vom Thema Abtreibung wollen wir gar nicht erst anfangen).

Nun aber hat Gröhe zu unserem Leidwesen nach der Schlappe mit der Pille danach erneut das Thema “Frauenkörper” – und dabei natürlich ihre Reproduktionsfähigkeit – für sich entdeckt. In einer Pressemitteilung verkündete sein Ministerium, dass vier Studien mit einem Gesamtvolumen von 150.000 Euro sich mit Kaiserschnitten in Deutschland beschäftigen werde.  Kaiserschnitte, so heißt es, sollen nur noch dann durchgefüht werden, wenn sie medizinisch notwendig seien. Wann sie das sind, soll anhand einer Leitlinie, in die die Ergebnisse der vom Bundeministerium für Gesundheit durchgeführten Studien einfließen, festgelegt werden. Wer sich nun das Verhältnis der CDU zu Frauenkörpern in der Vergangenheit ansieht, ahnt bereits, dass das Wohl der Frauen hier die geringste Rolle spielt.

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Wenn schon Kritik an ProstitutionsgegnerInnen – dann schon richtig – oder: Lasst euch doch mal was Neues einfallen

Zuganstüren in einem Bordell

By Usien (Own work) [GFDL or CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Dieser Tage geht es rund um die Frage zur Prostitution hoch her. Die Regierung aus CDU/SPD streitet um eine Neuregelung des Prostitutionsgesetz, doch schon jetzt macht die SPD deutlich, dass mit ihr nicht viele Veränderungen drin sein werden. Sie stellt sich quer beim Mindestalter für den Einstieg in die Prostitution sowie die Bestrafung von Freiern, die zu Zwangsprostituierten gehen. Immerhin, so heißt es aus SPD-Kreisen, habe die Erfahrung gezeigt, dass Freier oft mithelfen, um Zwangsprostituierten zu helfen.

An dieser Stelle sei nur kurz hinzugefügt, dass die Freier sich erst melden, nachdem sie sich an der Frau vergangen haben und dass es ihre Nachfrage ist, die Zwangsprostitution überhaupt notwendig macht. Vielleicht arbeiten wir demnächst auch unter Straffreiheit mit Liebhabern von Kinderpornografie zusammen – denn die kennen sich ja aus und können die Ermittler zu den Quellen führen.

Begleitet wird diese Possenspiel von neuen Beiträgen auf den bereits bekannten Debattenblogs der Rosa-Luxemburg-Stiftung – die sich Ende Juni zumindest dazu durchringen konnte, den Beitrag der prostitutionskritischen Manuela Schon abzudrucken, sowie die Stellungnahme der “Initiative für Gerechtigkeit bei sexueller Gewalt” pro Nordisches Model, und dem unsäglichen Blog der Böll-Stiftung.
Dort werden Klischees, tausendfach entkräftete Argumente und Vorurteile wiedergekaut, so langweilig und durchschaubar, dass man gähnen möchte.

Feministinnen? Böse und sexfeindlich, Hurenhasserinnen aus Überzeugung. Prostituierte? Sexuell befreite Frauen, von denen die Gesellschaft noch etwas lernen kann. Freier? Diskriminierte Randgruppe, die dringend mehr Akzeptanz braucht. So reden wir uns die schöne, neue Sexarbeitswelt schön!

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