Schlagwort: freiheit

Mit Männern zu schlafen macht mich nicht zu einer schlechteren Feministin

Photo by Lili Kovac on Unsplash

Es sind Argumente, so absurd, dass Außenstehende sie gerne als Beleg dafür nehmen, dass der Feminismus obsolet ist. “Solange du mit Männern in das Bett gehst, kannst du das mit dem Feminismus nicht ernst meinen.” In einigen feministischen Kreisen gilt es als Kollaboration mit dem Feind, wenn Frauen sich als Feministinnen bezeichnen und trotzdem mit Männern schlafen.

I call it bullshit

Sexuelle Orientierung ist keine freie Entscheidung. “I was born this way” von Lady Gaga funktioniert in beide Richtungen. Wen wir begehren, ist keine Frage bewusster Wahl, sondern inhärent in uns angelegt. Sexualität wird durch viele Faktoren geprägt und wer anfängt, Menschen für das, was sie lieben oder wollen zu attackieren, der begibt sich auf ganz dünnes Eis. So wie lesbische Frauen nicht für ihre Vorlieben angegriffen werden wollen, so gilt das andersherum auch für heterosexuelle Frauen. Auf Männer zu stehen, setzt weder meine intellektuellen Fähigkeiten in der Analyse struktureller Unterdrückung herab, noch führt Sex mit Männern dazu, dass ich auf wundersame Weise durch ihr Sperma fremdgesteuert werde. Verstand und Kritik existieren unabhängig von unserem Begehren, sonst wären wir ja alle nur triebgelenkte Wesen, dem eigenen Verlangen hilflos ausgeliefert. Mit Männern zu schlafen oder Beziehungen mit ihnen zu führen, macht uns nicht zu Unterstützerinnen unser eigenen Unterdrückung. Im Gegenteil: Zu schlafen und zu lieben, wen man möchte, ist Teil unserer individuellen Freiheit und der Freiheit von uns Frauen als Klasse. Wir treten an, um genau dafür zu kämpfen: Freiheit. Liebe zehn Männer oder nur einen, liebe Frauen und Männer, liebe Frauen, aber lass dir nicht von irgendwelchen äußeren Normen hineinreden. Das gilt für die bürgerliche Moral ebenso wie für feministische Strukturen.

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Zwischen Freiheit und Ersticken

Blume Jasminum officinale

By B.traeger (Own work) [GFDL or CC BY 3.0], via Wikimedia Commons

Weil ich immer wieder gerne von den gravierenden gesellschaftlichen Unterschieden in Skandinavien und Deutschland erzähle wurde ich gebeten dazu mal einen Text zu schreiben. Ich habe das große Glück, dass ich aus verschiedenen Gründen regelmäßig in Schweden und Norwegen sein bin, so dass ich mich nicht nur auf einen flüchtigen und zufälligen Urlaubs- oder Kurzaufenthalt beziehen muss.

Ausgehen

Um es kurz zu machen: Ich gehe in Deutschland kaum mehr abends weg. Und wenn doch, dann weiß ich schon nach spätestens einer halben Stunde wieder warum.

Stenogramm eines typischen Abends mit Freundinnen:

Hinsetzen, nach wenigen Minuten im Gespräch unterbrochen werden, ungefragt ein Bier vor mich auf den Tisch geknallt bekommen (btw: ich hasse Bier!), “Ey Süsse, hier für dich” – “Nein danke” – “Wieso?” – “Ich würde mich gerne mit meinen Freundinnen unterhalten und ich finde es unhöflich wenn du hier einfach so in das Gespräch reinplatzt” – “Gibst du mir deine Telefonnummer?” – “Nein” – Wieso? – “Ich bin dir keine Rechenschaft schuldig” – [….] – Irgendwann nach unzähligen weiteren “Wieso?s” ist man den Nervtöter endlich los und das Ganze wiederholt sich im Laufe des Abends in ähnlicher Weise noch zig Mal.

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Wir bleiben kritisch!

The Evolution of Fly

PhOtOnQuAnTiQuE via Flickr, [CC-SA-2.0 ]

In den letzten Tagen haben sich hier und auf unserem Facebook-Profil heftige Debatten entwickelt, weil wir in einem Artikel Alice Schwarzers Äußerungen zum Islam kritisiert haben. Eine ganze Reihe weißer, christlich geprägter Feministinnen zeigte sich entrüstet, dass wir ihre Ikone des Feminismus angriffen. Von Neid war die Rede, davon, dass wir den Terror unterstützen und “falsche” Toleranz zeigten. Zunächst: Wir zeigen keine Toleranz. Denn Toleranz ist ein gewalttätiges Konzept, es beinhaltet, dass man dem Anderen seine Andersartigkeit “zugesteht” und beinhaltet schon die Alternative, das eben nicht zu tun, wenn man will. Damit bezieht man sich auf den Anderen als jemand, dem etwas zugestehen kann oder nicht – also in einer hierarchischen, mindestens aber paternalistischen Beziehung. Gläubige Muslimas können keine Feministinnen sein, das ist so ein Ausdruck von Intoleranz, oder auch: ich tolererie nur muslimische Frauen als Feministinnen, wenn sie sich vom Islam distanzieren. Auf diese Weise wird das Privileg deutscher, weißer Frauen gegenüber diesen Frauen deutlich: Ich bestimme, was du bist. Das ist eine Betrachtungsweise, die wir ablehnen.

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Eine Revolution der Liebe

Love Liebe

By böhringer friedrich (Own work) [CC BY-SA 2.5], via Wikimedia Commons

Die Liebe gehört zu den schönsten Dingen, die uns im Leben passieren können. Den Bauch voller Schmetterlinge, Glücksgefühle, die durch unsere Nervensysteme strömen, eins werden mit jemandem, nicht mehr allein sein, da draußen. Und doch wird so oft aus diesem Gefühl die Hölle. Nun kann man sagen, dass dies dem Wesen der Liebe innewohnt, so wie die Rose eben Stacheln hat, doch im Kapitalismus und im Patriarchat hat es damit eine etwas andere Bewandtnis. Liebe, so wie wir sie leben und wie sie uns vorgelebt wird, ist auch ein Produkt und sie könnte anders sein, wenn sie denn frei wäre. Denn die Liebe im Kapitalismus ist eine elende Angelegenheit, haben wir uns doch alle darauf geeinigt, dass dieser Bereich nun ins Private gehört. Überall sonst herrscht Konkurrenz, herrschen Kälte und Druck, doch dieser Bereich, die Partnerschaft, die Liebe, die soll frei davon sein, hier soll alles perfekt sein, ein Rückzugsort vor dem Unbill der Welt da draußen. Warum läuft es dann gerade hier oft so schrecklich schief?

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