Schlagwort: geburtenkontrolle

Unsere Störenfrieda der Woche: Margaret Sanger

Margaret Sanger

By Underwood & Underwood [Public domain], via Wikimedia Commons

Margaret Sanger, geboren am 14. September 1879, war eine Krankenschwester und engagierte sich als Frauenrechtlerin in den USA für die Geburtenkontrolle. Ausgangspunkt für ihr Engagement war die Geschichte ihrer Mutter, die achtzehn Schwangerschaften erlebt hatte und schließlich unter anderem an Gebärmutterhalskrebs starb. Margaret begann 1900 eine Ausbildung zur Krankenschwester, brach diese jedoch kurz vor dem Examen ab, weil sie inzwischen geheiratet und ein Kind bekommen hatte. 1912 zog sie mit ihrer Familie nach New York und kümmerte sich um die in ärmlichen Verhältnissen lebenden Einwandererfrauen in Manhattan. Die Frauen dort bekamen unter kritischen hygienischen Bedingungen oft jedes Jahr ein Kind, viele starben bei der Geburt, häufig war für die Kinder nicht genug zu essen da. Die Geburten und Kinder verzehrten die Frauen und vergrößerten die Armut. Margaret schrieb eine Broschüre über Verhütungsmethoden – und machte sich damit strafbar, denn zu diesem Zeitpunkt war die Weitergabe von Informationen zu Verhütungen verboten. Kurz darauf verließ Margaret ihren deutschen Ehemann, weil sie in der Ehe eine Beschränkung ihrer sexuellen Freiheit sah. Sie schrieb mehrere Artikel über Geburtenkontrolle und weibliche Lust und brägte das Wort “birth control” entscheidend mit. Ab 1914 schrieb sie “The Women Rebel”, einen monatlichen Rundbrief, bis gegen sie ein Haftbefehl erlassen wurde und sie nach London floh. In London trat sie in einen lebhaften Diskurs mit anderen Sexualwissenschaftlerin und hatte eine ganze Reihe von Affären – unter anderem mit H.G. Wells. Als Margaret 1915 der Prozess in den USA gemacht werden sollte, war sie bereit, für die Verhandlung zurückzukehren, als ihre jüngste Tochter an einer Lungenentzündug starb und eine Welle öffentlicher Solidarität dafür sorgte, dass die Anklage gegen sie fallengelassen wurde. Margaret wurde zu einer Berühmtheit und hielt im ganzen Land Vorträge. 1916 gründete sie mit zwei anderen Frauen in Brookly eine Klinik für Familienplanung und wurde kurz darauf dafür verhaftet. Während ihrer Strafe in einem Arbeitshaus klärte sie ihre Mitsträflinge über Verhütung auf und brachte ihnen Lesen und Schreiben bei. Ab 1918 durften in New York Verhütungsmittel von Ärzten verschrieben werden.1921 gründete sie die American Birth Controle League (ABCL), aus der später die deutsche pro Familia hervorgehen sollte. Beim Gründungstreffen in der Town Hall von Manhattan gab es einen Skandal, weil der Bischof von New York den zuständigen Polizeichef dazu aufgehetzt hatte, die Veranstaltung samt Margarets Rede zu verhindern. Die New Yorker Bürger zeigten sich ob dieser Einschränkung der Redefreiheit empört. In den folgenden Jahren reiste Margaret viel, sie kämpfte für das bundesweite Recht auf Geburtenkontrolle. Sie gehörte zu den ersten, die Anfang der 1960er Jahre für die Anti-Baby-Pille eintraten, doch erst 1965 wurde das Verbot von Verhütungsmitteln vom Supreme Court als verfassungswidrig anerkannt. Zugang zu Verhütungsmitteln hatten zu diesem Zeitpunkt dennoch nur verheiratete Paare.
Am 06. September 1966 starb Margaret Sanger in Arizona.
Während ihres Lebens und ihrer vielen Reisen durch die USA, Europa und Asien traf Margaret Sanger viele berühmte Persönlichkeiten, unter anderem Mahatma Ghandi und Eleanore Roosevelt. Bis heute ist sie umstritten, da sie sich positiv über einige Teile der Eugenik geäußert hat.