Schlagwort: göttin

Menstruation – die „heilige Wunde“

Wie können Frauen jeden Monat bluten und dennoch gesund sein? Dieses Mysterium war Männern schon früh ein Rätsel. Die Frau wurde als ein geheimnisvolles Wesen betrachtet. Blieb das Blut aus, gebar sie irgendwann ein Kind – dass Männer dabei eine Rolle spielten, erfuhr man in der Menschheitsgeschichte erst relativ spät. In allen patriarchalen Gesellschaften werden Frauen, meist aufgrund religiöser Bestimmungen, sobald sie ihre Mens haben, isoliert und von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen, sie gelten als unrein, dürfen keine Speisen berühren und ganzen Völkern Niederlagen im Krieg bringen. Aus dieser Ausgrenzung spricht die männliche Angst von der Frau und ihrem Körper, der so ganz anders funktioniert als der der Männer. In archaischen Gesellschaften galt das Menstruationsblut jedoch als heilig, mit ihm wurden Felder fruchtbar gemacht und starke Liebeszaubertränke entwickelt. Das Menstruationsblut galt als magisch. Auch in unserer, patriarchalen Gesellschaft, ist es ungeheim wichtig, dass die „Regel“ „diskret“ abläuft, das Menstruationsblut gilt als ekelerregend und von menstruierenden Frauen wird erwartet, dass niemand mitbekommt, was mit ihnen geschieht. Es ist vollkommen normal, dass männliche Partner in dieser Phase den Geschlechtsverkehr ablehnen und von den Frauen wird eine besondere Hygiene erwartet. Das führt dazu, dass Frauen ihre Menstruation als einen entfremdeten Prozess erleben, ihren Körper als etwas, der Ekelhaftes produziert, ohne dass sie darüber Kontrolle haben. Tatsächlich gibt es viele feministisch orientierte Zirkel, die dafür eintreten, dass sich Frauen wieder der Kraft dieses Prozesses bewusst werden. Die Menstruation macht uns zu Frauen, ihr Eintreten symbolisiert den Übergang vom Mädchen zur Frau, Menstruationsblut ist nichts Ekelerregendes, sondern etwas ganz Natürliches und von Frauen sexuelle Enthaltsamkeit zu erwarten während ihrer Mens drückt ihren Körpern gegenüber Geringschätzung aus. Sperma überall hinzuschmieren, sichtbar zu machen, zu trinken ist fast zu einem der bestimmenden Fetische unserer (Porno-)Kultur geworden, während das Menstruationsblut unsichtbar gemacht wird und damit ein wesentlicher Teil des Frauseins.
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Die sich wandelnde Göttin II: Hekate, Demeter, Kore-Persephone

Enthroned goddesses, Demeter

By Zde (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Das griechische Pantheon kannte viele weibliche Göttinnen. Es zeigt sich aber, das im Vergleich zu den vorantiken Göttinnen, die griechischen Göttinen nicht mehr unabhängig und aus sich selbst heraus existieren. Der oberste Gott ist der lüsterne Zeus, der auch über die Geschicke der Göttinnen verfügt. Die einzige Ausnahme ist Hekate, die Göttin des Spuks und der Hexerei, die wie Zeus die Tochter von Titanen ist, und sich seiner Herrschaft nicht unterwirft. Das macht sie zugleich zu einer Außenseiterin unter den griechischen Göttinnen. Eine der wichtigsten und langlebigsten war Demeter.  Sie war die griechische Göttin der Fruchtbarkeit, sie vollzog die „heilige Hochzeit“ mit einem Sterblichen, um so die Felder jedes Jahr wieder fruchtbar zu machen. Etymologisch geht ihr Name auf „Gemeter“ – die Erdmutter gä= griechisch für Erde – zurück, also Gemeter anstatt Demeter. Sie war die Schwester von Zeus, ihre Eltern selbst waren Titanen.  Mit Zeus zeugt sie ihre Tochter Kore-Persephone, die von Hades in die Unterwelt entführt wird. Kore bedeutet im Griechischen schlicht „Mädchen“.

Raub der Persephone

Simone Pignoni [Public domain], via Wikimedia Commons

Aus Trauer verbietet Demeter den Pflanzen zu wachsen, bis Hades Persephone freilässt. Von nun an darf sie je ein halbes Jahr mit ihrer Mutter unter der Sonne verbringen und muss für ein halbes Jahr in die Unterwelt zurückkehren, woraus sich der Wechsel zwischen Sommer und Winter ergibt. Im Winter ist Persephone bei Hades und Demeter trauert um sie. Persephone wird ebenfalls als Göttin der Unterwelt und der Fruchtbarkeit verehrt. Gemeinsam stehen die beiden Göttinen für den ewigen Kreislauf des Lebens und seine Wandlungen. Mit ihrem eigenen Vater Zeus, der zugleich auch ihr Onkel ist, zeugt Persephone ein Kind, weil Zeus sich in eine Schlange verwandelt, um ihr unerkannt beizuwohnen.

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