Schlagwort: göttinnen

Die sich wandelnde Göttin I: Inanna, Ischtar, Erschkigal, Aphrodite

Aphrodite Statue

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Unsere europäische Kultur heute ist tief geprägt durch die Bibel und die Schriften Homers, aus ihnen ziehen wir unsere Begrifflichkeiten, unsere Erklärungen, und große Teiles unseres Weltbilds. Es sind Schriften von Männer für Männer. Es gibt Hinweise, dass unter Jesus Jüngern auch Frauen waren. Doch die Bibel wurde von Männern geschrieben, um die Herrschaft von Männern zu festigen – und so verschwanden die Frauen daraus. Sie begegnen uns nur noch als Heilige wie in Form der Maria, die ewige Jungfrau, oder eine lange Reihe von Sünderinnen, von denen Maria Magdalena nur eine ist. Eva hat sie Sünde in die Welt gebracht, so heißt es, und deshalb sollten wir Frauen unter Schmerzen gebären. Die Menschheit selbst wurde aus dem Paradies vertrieben. All das nutzten Generationen von Kirchenväter für die Rechtfertigung der Unterordnung der Frau. Homer ist nicht viel besser. Zwar erwähnt er zumindest die Frauenfiguren, doch in seinen Erzählungen geht es um Heldengeschichten, darum, wie sich Männer die Welt durch Krieg und Eroberung untertan machen. Doch es gab, lange vor Homer und der Bibel, andere Erzählungen. In ihnen spielten Göttinen eine herausragende Rolle, es waren mächtige Göttinnen, sie herrschten über Leben und Tod, über die Fruchtbarkeit und kein Gott oder Mann war ihnen übergeordnet. Ihre Erzählungen, die Gesänge zu ihren Ehren, die Rituale sind in Vergessenheit geraten, sie wurden oft genug verschüttet, um Frauen nicht daran zu erinnern, dass es auch andere Frauenfiguren gab. Liebevoll, Leben schaffend, aber auch vernichtend und grausam, mutige und kämpferische Göttinnen, die über Jahrtausende hinweg existierten und sich oft unter dem Einfluss neuer Kulturen nur wandelten. Es ist ein Teil der Frauengeschichte, die Erinnerung an diese Göttinnen wieder zu wecken, auch sie zu einem Teil unserer Kultur zu machen, diese Erzählungen von Frauen, von Göttinen, von der Kraft der Frauen. Es geht dabei nicht um weiblichen Essentialismus. Es geht darum, die ganze Geschichte zu erzählen, nicht immer nur das von Männern dominierte Weltbild des Christentums und der ohnehin frauenfeindlichen griechisch-römischen Antike. Wer sie erzählen will, muss bei diesen Göttinnen beginnen, und den Anfang dieser Reihe macht die sumerische Göttin Inanna, die später von den Akkadiern Ischtar genannt wurde, Erschkigal und deren Eigenschaften sich schließlich auch in der griechischen Aphrodite wiederfinden.

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