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Pick-Up-Artists – oder: Frankensteins Monster

Graffiti Berlin Monster

By Jotquadrat (Own work) [GFDL or CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Julien Blanc, selbst ernannter Guru der Pick-Up-Artist-Szene soll am Wochenende ein Seminar in Berlin halten, wo er Männern beibringt, wie sie mit Psychotricks Frauen zum Sex bringen können. Bis letzte Woche kursierte von ihm noch ein Video, in dem er damit prahlt, eine Frau vergewaltigt zu haben. Pick-Up-Artists haben nur ein Ziel: das Vertrauen von Frauen zu gewinnen und sie möglichst schnell ins Bett zu bekommen. Für sie ist das ein Spiel, bei dem auch vor Gewalt nicht zurückgeschreckt wird: Würgen, Festhalten, Überwältigen. Es regt sich Widerstand, vor allem Terre des Femmes macht auf das Treiben der Pick-Up-Artists aufmerksam und verlangt vom Berliner Bürgermeister und den Hotels, die Veranstaltung abzusagen – wo das Seminar stattfinden soll, ist nämlich bislang unklar. Obwohl Pick-Up-Artists keine neue Erscheinung sind, wird das Thema in der Presse ordentlich hochgekocht – die Medien sind empört, die Wurzeln der Pick-Up-Szene in Patriarchat und Sexismus will aber so wirklich niemand bennenen. Herrscht in den Artikeln noch eine Mischung aus Mitleid und politisch wohldosierter Entrüstung, gärt in den Kommentarspalten der Frauenhass. Frauen seien selbst schuld, wenn sie sich auf so einen einließen, heißt es und weiter Frauen wollten es ja gar nicht anders, sie stünden ja auf solche Typen. Das schreiben erstaunlicherweise nicht nur Männer, sondern auch andere Frauen. Wieder andere betonen, dass man die Techniken der Pick-Up-Artists ja nicht generell mit Vergewaltigung gleichsetzen könnte. Pick-Up-Artists sind, ebenso wie Vergewaltiger und Stalker, Monster, die das Patriarchat erschaffen hat, sie sind nicht die Ausnahme, sondern die Konsequenz einer Gesellschaft, die Frauen zu Objekten degradiert.

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